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Die neue Welt · 1929-05-24 · Heft 88 (24.5.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 88 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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ma T Nr. 88 DIE NEUE WELT Sftltt % in die Augen fallenden Unterschied denken, daß in der halbkreisförr» U er Apsis an der Stelle des Tribunals mit dem Sitz des Prätore der Aron Kodesch mit der Thorarolle sich befand. Ebenso bleibt fraglich, ob die Basilika- Form seit der Zeit der galiläischen Synagogen feste palästinensisch-regionale Tradition war oder ob doch die in den jshi zehntevorher von den kaiserlichen Bauherren in Jerusalem (Basilika im Süden des Tempelplatzes', heute El Aksamoschee), Betlehem (Geburtskirche) und anderswo in Palästina errichteten Kirchen bei den späteren Synagogen nachgeahmt wurden. Vielleicht war die auf dem nahe gelegenen Berge Tabor von der Kaiserin Helena errichtete Kirche das Vorbild für das jetzt ausgegrabene Bauwerk. Bei dem in einer Synagoge so unerwartet auftauchenden Mosaikbild mit menschlichen Figuren scheint es mir sicher zu sein, daß es sich nicht um eine originale Schöpfung, sondern um eine Nachahmung fremder Vorbilder handle. Die galiläischen Synagogenruinen lassen in auffallender Weise Mosaikbilder vermissen, obwohl man es damals mit dem Bilderverbot sicherlich nicht allzu streng nahm. Es ist also kaum anzunehmen, daß die spätere Zeit noch toleranter gewesen sei und die Ausbilddung von vollendeten Mosaikkünstlern ermöglicht hätte, wie sie sich uns in Beth Alpha mit einem keineswegs primitiven Kunstwerk offenbaren. Wenn man den palästinensischen Zeitungen glauben dar?, so will man trotz des klaren Wortlautes der aramäischen Inschrift, die vom „König Justinus" spricht, die Herstellung des Baues (oder des Fußbodens?) in die Zeit des Kaisers Justinian I. (527—565) verlegen. Diese Auffassung scheint mir völlig unhaltbar. Verordnet doch dieser Herrscher, der wegen seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Verwaltung und der Gesetzgebung mit Recht „der Große" genannt wurde, den Juden aber recht feindlich gesinnt war, folgendes: „... aber auch daß ihre Synagogen stehen bleiben, erlauben wir nicht, sondern wir wünschen, daß dieselben zu Kirchen umgewandelt werden. Auch dulden wir nicht, daß Juden oder Heiden oder Donatisten oder Arianer oder welche Häretiker immer sowohl Spelunken haben, als. auch etwas gleichsam im kirchlichen Ritus vollziehen sollten. Den gottlosen Menschen Heiliges auszuüben erlauben zu wollen, wäre gewiß absurd." (Justin. Novell. 37; auth. 39 de Africana Ecclesia.) Darf man wohl annehmen, daß unter diesem Kaiser, der solche Verordnungen erließ, Synagogen gebaut oder wiederhergestellt wurden und daß in einer synagogalen Inschrift auf diesen synagogenfeindlichen Kaiser Bezug genommen wurde! Es dürfte daher wohl mit Sicherheit anzunehmen sein, daß unter dem „melech Justinus" der Inschrift Justinians Vorgänger und Oheim, Kaiser Justinus I. (518—527) zu verstehen ist. Der Name des einen in der griechischen Inschrift erwähnten Baukünstlers Marinus läßt sich um die selbe Zeit auch sonst nachweisen. In Athen bestand bis zum Jahre 529 die berühmte Philosophenschule als letztes1 Bollwerk des Heidentums und Pflegestätte altgriechischer Gelehrsamkeit. Dieser gelehrten Akademie gehörte auch der jüdische Philosoph Marinos an, der auch ihr letzter Vorsteher war. Sollte dieser Philosoph" — was an sich1 nicht unmöglich gewesen wäre — sich auch als Baukünste betätigt haben und mit dem Erbauer der Synagoge von Beth Alpha indentisch sein? Dies wird wohl eine ungelöste Frage bleiben! Eine andere Frage, die sich anläßlich dieser Ausgrabung aufdrängt, scheint mir wohl beantwortet werden zu können. Wie hieß wohl dieser immerhin bedeutende Ort im Altertum, der eine so stattliche Synagoge aufzuweisen hatte? Die entdeckten Inschriften — wortkarg wie so oft — lassen uns in dieser Beziehung im Stiehl. Der Kirchenvater Hieronymus aber erzählt uns, daß eine Stunde westlich von Beth Schean ein Dorf Eraba Hege; auch in Bereschith-Rabba wird ein« Stadt in der Nähe von Beth Schean, die Arabi heißt, erwähnt. Es scheint mir also, daß der Ort, dessen Synagoge unlängst ausgegraben wurde, identisch ist mit dem bereits im Buche je hos ch u a (Cap.19, Vers 20) erwähnten Narabithl oder Rabith. Er lag an jener Stelle nördlich der Gilboa Berge, an der sich die zwei von Jesreel und Gineä (Dschenin) herkommenden Straßen vereinigen. Vielleicht erklärt sich daraus auch die Tatsache, daß der Eingang in die Synagoge vom Westen ist. Auch das Erdbeben, das die Ursache der Zerstörung der Synagoge gewesen sein dürfte, läßt sich historisch nachweisen. Unter der Regierung des Kaisers! Mauritius im Jahre 584 war ein großes Erdbeben in dieser Gegend, das in Antiochia und in Jerusalem bedeutende Verwüstungen anrichtete. Die Kenntnis von diesem Ereignis läßt sich noch im 17. Jahrhundert m der Chronik „Zernach David" des jüdischen Historikers David Oans nachweisen. Wohl zum ersten Male in der Geschichte der archäologischen Ausgrabungen in Palästina kann mafrf auch vom jüdischen und zionistischen Standpunkt aus mit dem Verlaufe und den Ergebnissen zufrieden sein- Recht bedeutende Resultate wurden mit relativ geringen Mitteln erreicht und es scheint auch kein wesentlicher Fehler begangen worden zu sein, höchstens könnte man es bedauerlich finden, daß neben den kundigen Archäologen kein Architekt zu Rate gezogen worden ist. Alles Lob gebührt den wackeren Pionieren von Beth Alpha, die sofort trotz aller wirtschaftlichen Nachteile, die ihnen durch die Grabungen auf ihrem Terrain entstehen, die Jerusalemer Universität verständigten und so den Anstoß zu den erfolgreichen Forschungen gaben. Man muß sich nur vor Augen halten, was für eine Summe von Schwierigkeiten, von Geld- und Zeitverlust die Unterwühlung d*s der Wirtschaft gewidmeten Bodens für Landwirte bedeutet. Selbst ein wissenschaftlich interessierter und wohlhabender Gutsbesitzer würde es sich lange überlegen, ob er mit Hintansetzung seiner Privatinteressen der Wissenschaft und der Allgemeinheit ein solches Opfer bringen solle. Wobei nicht vergessen werden darf, daß die sachgemäße Freilegung und dauernde Erhaltung der Baureste nebst dem lästigen Zustrom von neugierigen Besuchern auch den Abbruch der in den letzten" Jahren bereits errichteten Baulichkeiten zur Folge haben könnte. Wenn je eine starke Nachhilfe aus öffentlichen Mitteln angezeigt ist, so ist es hier der Fall». Entschließt man sich aber dazu, dann tue man es großzüzig und bald. Man schleppe die Inschriften und die Fundstücke womöglich nicht in ein Museum^ wo sie katf und entseelt wirken würden, sondern lasse r alles an Ort und .Stelle;,, wie es die Jahrhunderte überdauert hat; Sollten die Mauerreste in Beth Alpha nicht so umfangreich sein, wie in Kapernaum (Kefar Nahum), wo, man an cjle Wiedererrichtung des ganzen Bauesdenken kann, so schütze man Mauern und Fußböden durch Holzwände und ein unaufdringlich wirkendes Dach, Die von weiterer Zerstörung geschützten Baureste der Synagoge mögen pietätvoll bewahrt, ein Denkmal im eigentlichen und besten Sinne des Wortes sein und fürderhin zeugen von den h is tor is ch en Re cht en» des jüdischen Volkes auf den E m e k J e s r e e I; der1' ~ wie diese Ausgrabungen beweisen — ein halbes Jahrtausend nach dem Falle Jerusalems noch jüdisch wär! Und von nun an jüdisch bleiben soll bis in alle Zukunft; 1 / Wochen-Kalender Mai 1929 VN; mann ' Ijär 5689 t ■• •■• 24 Freitag 14-T Sabbateingang 7.40 ' Omer 29 25 Samstag 15-^13 Sabbatauegang 8.27 •inw nzm mtaön ,-iro 26 Sonntag 16 -Iis Omer 31 27 Montag 17-r Omer 32 — w rwyfl 28 Dienstag 18 -»T Omer 33 - y). 29 Mittwoch 19—63'» Omer 34 30 Donnerstag 20-3 Omer 35 | Das hebräische Technikum in Haifa« Zur Alläre Direktor Pewsner* In der Nummer vom 30. April hat die „Neue Welt" über Vorgänge im Technikum berichtet, welche die Entwicklung der Anstalt schwer bedrohen. Unter anderem wurde erwähnt, daß gegen den von der zionistischen Exekutive ernannten Direktor Herrn S. Pewsner schwere Anschuldigungen erhoben worden sind, und es wurde die Forderung nach einwandfreier Prüfung dieser Beschuldigungen erhoben. Darauf ist von Herrn Direktor S. Pewsner folgende Berichtigung eingelangt: Haifa, am 6. Mai 1929. Herrn Oberbaurat Stricker. Redakteur der Wochenschrift „Neue Welt". — Auf Grund des Preßgesetzes ersuche ich Sie hiemit, die folgende Berichtigung zu Ihrem in Nummer 80-85 unter dem Titel „Das hebräische Technikum in Haifa" erschienenen Artikel in der nächsten oder zweitnächsten Nummer Ihres Blattes, an gleicher Stelle und unter gleichem Titel und mit gleichen Schriftzeichen wie der obige Artikel, abzudrucken: 1. Es ist nicht richtig, daß ich Anstaltsgelder des Technikums im Betrage von 3000 Pfund Sterling für persönliche Zwecke verwendet habe. —- 2. Es ist nicht richtig, daß ich Anstaltsgelder erst nach Feststellung der unerlaubten Gebarung in kleinen Raten zurückgestellt habe; richtig ist vielmehr, daß trotz genauer Kontrolle der Bücher und Belege, die Jedes halbe Jahr durch sachverständige Organe der Zionistischen Exekutive vorgenommen wird, niemals eine unerlaubte Gebarung mit den Geldern des Technikums, weder durch mich, noch durch ein anderes Organ des Technikums, festgestellt wurde. — Richtig ist ferner, daß ich bet dauerndem Mangel an Geldmitteln in der Kasse des Technikums vielmals mit motinen Privatmitteln und persönlichem Kredit ausgeholfen habe, über die Krisen hinwegzukommen. — 3. Es ist nicht richtig, daß ich persönliche Wechsel In einer Form gezeichnet habe, welche den Anschein hervorrief, als handle es sich um Weohsel des Technikums; richtig ist vielmehr, daß bei der gesetzlich gegebenen Form von Wechseln überhaupt ein solcher Anschein nicht hervorgerufen werden kann und daß ich Wechsel, die einen solchen Anschein hervorriefen, niemals gezeichnet habe und niemals zeichnen konnte. — 4. Es ist nicht richtig, daß ich ein diktatorisches Regiment führe und die Professoren in wegwerfender Weise behandle; richtig ist vielmehr, daß ich im steten Einvernehmen miit dem Mitdirektor, Professor des Technikums Dozent Doktor Tscherniawsky, mit dem Kuratorium und der Zionistischen Exekutive 'arbeite und alle meine Handlungen durch dieselben bestätigt und als richtig befunden wurden; richtig ist ferner, daß ich zu den meisten der 14 Professoren des Technikums in besten persönlichen Beziehungen stehe. — 5. Es ist nicht richtig, daß die Lehrerschaft mir die sachliche und moralische Fähigkeit zur Leitung der Anstalt abspricht; richtig ist vielmehr, daß von 18 Lehrern des Technikums bloß vier einen Kampf gegen mich aufgenommen haben und daß sie nicht in der Lage waren, der von der Zionistischen Exekutive ernannten neutralen Kommission, unter Vorsitz des Generalstaatsanwaltes Norman Bentwich, irgendwelche Tatsachen gegen mich vorzulegen, und daß nach Bericht dieser neutralen Kommission die Zionistische Exekutive sich bemüßigt sah, einen von den vieT erwähnten Lehrern zu entlassen und den drei anderen eine scharfe Rüge zu erteilen. Richtig ist. ferner, daß von den 18 Lehrern des Technikums 14 sich mit den obigen vier Lehrern nicht solidarisch erklärt haben__6. Es ist nicht richtig, daß nieine Ernennung gegen den Willen und das Gutachten der Lehrer erfolgt ist; richtig ist vielmehr, daß ich seit 17 Jahren unentgeltlich als Mitglied des Kuratoriums — seit sieben Jahren als Schatzmeister und seit zwei Jahren als einer von zwei Direktoren am Technikum — arbeite und daß meine Ernennung zum Mitdirektor von 'der Mehrzahl der Lehrerschaft mit Sympathie aufgenommen worden ist. -— Hochachtungsvoll S. P ew s n e r. * Die Berichtigung verfehlt ihren Zweck. Es wurde in der „Neuen Welt" nicht behauptet, daß Herr Direktor S- Pewsner mit Anstaltsgeldern sträflich manipuliert hat, sondern festgestellt, daß Männer von tadellosem Ruf, der Anstalt ergebene Lehrer, die Beschuldigung unkorrekter Gebarung mit Austaltsgeldern in voller Deutlichkeit gegen ihn erhoben und mit vollem Namen gezeichnet haben. In der „Neuen Welt" wurde weiters festgestellt, daß eine den Anforderungen an Objektivität entsprechende Unter-! suchuhg nicht stattgefunden hat, und die Forderung nash gerechter, die Oeffentlichkeit befriedigender Aufklärung dieser traurigen, das Ansehen der Anstalt und der Zionistischen Organisation schändenden Affäre erhoben. Daran für Oestorreich, Wien, I., TegetthoffStrasse Nr. 7 «•gründet 1838 Gesamtsarantiemittel nach dem Stande vom 31. Dezember 1928 Lire 588,509.546.— Betreibt zu den kulantesten Bedingungen alle Versicherungszweige ~

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