Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 88 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 DIE NEUE WELT Cafe Reklame Cafetier: Jakob Goldfltef» Wien, II., PrateMira&e Nr. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische i Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft Das Autodafe in Ustrzyki dolne« Die jüdischen Kommunisten — die Söhne der Agudah. In dem galizi sehen Städtchen Ustrzyki dolne toben am 14. Mai jüdische •Kommunisten einen Ueberiall auf ein jüdisches Bethaus i'nsfzeniiert urvdt mit Thorarolien und Gebetbüchern ein Autodafe1 veranstaltet. Hiiezu schreibt uns Herr Josef F r ä n k 31 : Die jüdische Presse Polens brachte in den letzten Tagen spaltenlange Berichte über einen „Judenpogrom in Ustrzy'kJ dolne", der von jüdischen K ornmiunis t e n inszeniert worden war. Ustr-zyki ist ein Städtchen in Gadiizien mit einer Einwohnerzahl von 5000 bis 6000, davon gegen 70 Prozent Juden, Nach ihrem Berufe meistens Krämer, Handwerker und Kleinhändler. Jüdisohes Leben und Treiben spielt sich hier wie in anderen Städten Polens alb. Zur Zeit des ersten Kongresses zählte Ustnzyki eine ansehnliche Zahl von Zionisten,, hatte eine Jüdische Stadtverwaltung, jüdischen Bürgermeister uswi., .eine hebräische Schule und wenn es auch unter den jüdischen Bürgern Meinungsverschiedenheiten galb, so leibten sie dennoch friedlich, ohne gehässigen Kampf, wie er jetzt vorherrschend ist. Im Weltkrieg und nachher hatte die Stadt schwere SehicksalsschJäge zu erdulden. Die Russen zerstörten ziweiimal die Stadt, raubten, plünderten; dann kamen die Hailler-Truppen, Ukrainer u-nd mit ihnen auch neues Unglück. Niemand wurde verschont. Später drückende Steuerlast ein, Banditenüberlfälle, eine Feuersbrunst zerstörte im Jahre 1927 25 Häussr. Die Not der Judein dieser Stadt wurde größer, unerträglicher... Aber, nichts, kein Unglück, ging diesen so nahe, traf sie so schwer... Ein «neues Ereignis kam hinim J <ü d i s c h e K o m im u n i s t e n, Söhne dieser Stadttjuden, veranstalten einen. Pogrom. Jüdische Koniiministen überfallen in der Nacht das Bet- und Lehrhaus (dort ist es Sitte, daß Jünglinge auch in der " Nacht Taknttd lernen), verprügein blutig die Lernenden, brechen den Thoirascbranik auif, schänden die Thor ä rolle n, werfen heilige Bücher, Tahnudifolianten auf einen Haufen, zünden ihn an, feiern Orgien, tanzen, singen die Internationale und vergessen nicht „Es lebe die Kultur!" zu raffen... ' . Man ist heute an das Wort ,,Pogrom"' fast gewohnt, man hört oft, ja sehr oft, daß in Solwijetrußland die Juden ' gerade .von den jüdischen Kommunisten am meisten verfolgt werden, man liest oft von Friedhof Schändungen und nun kommt eine neute Welle hinzu. Jüdische Kommunisten setzen in vielen Städten Polens das Musterbeispiel ihrer Genossen in Rußland' fort und1 .wenn die jüdische Oefifentlichkeit nicht rechtzeitig und. energisch dagegen einschreiten wird, so wird man sich auch bald daran gewöhnen müssen. > Es gibt viele Gründe, die den Kommunismus ibei der Jüdischen Jugend in Polen fördern und -ich will hier zwei behandeln; ,; D&r Kampf der orthodoxen Juden — der Agudah — gegen den Zionismus setate sich um in das strenge Verbot, daß ihre Kinder den zionistischen Organisationen beitreten. Die Eltern sahen die Hauptaufgabe der Erziehung darin* den Kindern den Haß und die Verachtung gegen den- Zionismus einizuiiimipfen. Die Zirkulare der Agudah, die Rundschreiben der ,, Wunder ratob In er", die Reden der ,,»WüuderraWbiner" — alles Worte des .Abscheues vor Zionismus. Zionismus und Zionisten wurden begeifert,; orthodoxe Väter und deren fromm erzogene Söhne spuckten vor Zionisten. aus und sprächen still den hebräischen Spruch: Schate ■ te schakzenu . wetaew tetaawenu, toi oberem hu.: (Vera/bscheue und verachte ihn, denn unrein ist er.) . - . . .' Die' Jugend, die ein, Jde.al 'braucht, bei den Vätern es picht fand, zum Zionismus nicht durfte, warf sich nun dem Kommunismus in. die Arme.; Den frommen r Vätern war es -lieber, ihre . Söhne in den Reihen der ,Kaniimunist&n,' a».s, in jenen der Zionisten zu sehen. Und die kommunistische Schar entiflanimte ihre Jünger für Judentum, und Thora derart, daß die Jungen die heiligen Schriften ihrer Väter in Flammen aufgehen ließen.' Und wenn nun der Rabbiner und der Kultusvor stand in Ustr-zyiki-dolne den 14. d, M. als Fasttag bestimmt haben, so mag der Fasttag vielleicht mit Recht bestimmt worden sein und *£tr die Mentalität der Ostjuden recht verständlich — a'ber gerade diese Herren tragen die größte Schuld, daß ein' Teil der jüdischen Jugend kommunistisch gerichtet ist. Der Fasttag ist in diesem Falle der Aus-, druck der Trau-e-r, des Schmerzes, daß '] üdi seh e Jugend die jüdische Religion so schändete, wie es von christlichen Pog* oralsten zu geschehen, pilegt. Atoer 4$t ' Rabbiner und der Kultusvorstand halben eine viel größere Last auf ihrem Gewissen — denn nur durch ihre Reden und Taten ist es so weit (gekommen. Um ein Beispiel zu geben: Die Kommunisten in Ustrzykii1 dolne setzen sich, wie gesagt, aus den Kindern der strenggläubigen Juden, der Agudisteu zusammen. Diese drangen einst in ein ■zionistisches Lokal ein. zerstörten die Herzl'bilder, Paläs'tinakarten, demolierten die Wohnung und überfielen Zionisten. Und dies geschah tatsächlich getrieben und ermuntert von den Orthodoxen und nach dieser Schandtat wrden die Täter von den frommen Juden belobt und der Rabbiner fühlte sich dann hoch verpflichtet, eine Haßpredigt gegen die Zionisten zu halten... Und nun zum zweiten Grund: Ein Teil der scheinbar zionistischen Jugendbewegung ist der „Schamer" (im Westen der „Blau-Weiß"), welcher oft unter dem Deckmantel des Zionismus alles eher als Zionismus betreibt. Der weit größte Teil der einstigen Schomrim befindet sich heute außerhalb des. zionistischen Lagers und ist bei den Kommunisten oder Sozialdemokraten zu finden. So erzog der Schomer hunderte Feinde des Zionismus (mein einstiger Schomerfübrer ist heute Kommunistenführer, ein Teil dieser Sclhamergruppe ist kommunistisch und ich bedaure lebhaft, daß loh den Schomer in Ustrizyiki dolne gegründet habe). Viele Sclhomergruippen beschäftigen sich fast hur mit' Sozialismus und Kommunismus und so ist es kein Wunder, wenn dieser in vielen Städten Polens eine Jugend enzlebt, die kommunistisch wird und einen Kampf gegen alles, was zionistisch, jüdisch ist, führt. In sehr vielen Judengemeinden Polens zeichnen sich die jüdischen Komimunisten durch ähnliche Schandtaten, verbrecherische Ueibenfälle aus, wie es 'in Ustrzyki dolne der Fall war. Und der Fasttag sollte sich nicht allein auf Ustrzyki dolne erstrecken, sondm in allen jüdischen Städten Polens möge dies eine Mahnung an die Juden sein, rechtzeitig diese rote Schande vom Judentum abzuschütteln* Schwedens beste Rasierklinge rasiert schnell, angenehm, erhält die Haut zart Archäologische Entdeckungen im Emekdorfe Beth Alfa. Von Dr. Paul J. D i a tri a n t. Verwunderlich ist , es und. sehr zu bedauern, wie wenig die Juden bis in den? jüngste > Zeit auf dem Gebiete der wissenschaftlicheml'Erforschung; Palästinas geleistet haben. Die kartographische Aufnahme, des Landes wurde von Lord Ki t ch;e,ne r vorgenommen, als er noch ein einfacher Generalstabshauptmann war; die für wirtschaftliche Zwecke so wichtigen klimatologischen Untersuchungen wurden von Deutsch e n mustergültig durchgeführt, die Erforschung .$er urzeitlichen Funde und mittelalterlichen Quellen wuiede ausgezeichnet von. Franzosen besorgt, . Palästinakunde, weit ausholend und genial zusammenfassend, treibt Professor'DaTm an und die Bibliographie:,: aller;. auf Palästina bezugnehmenden Bücher und Schriften stellt vorbildlich Professor Thomsen in Leipzig zusammen. Auf dem Gebiete der Archäologie wetteiferten und wetteifern die besten Ger lehrten aller Nationen. Von jüdischer Seite wurden — wenn man von den Ausgrabungen in der Dayidstädt absieht, die der französischen Wissenschaft allein zum Ruhme gereichen, obwohl der Ausgrabungsleiter Capitain Weill und sein Mäcen Baron Rothschild Juden sind — nur ganz unbedeutende Ausgrabungen bei Tiberias und beim sogenannten Absalomsgrab gemacht.. Kein jüdischer Forscher hat die so bedeutsamen galiläischen Synagogen ausgegraben und erforscht, sondern man überließ dieses Verdienst den Deutschen Kohl ur^d Watzinger, die Synagoge von Kappernaum (Kefar Nahum) wurde von armen Franziskanermönchen mustergültig ans Licht gebracht und gar die Königsgräber in Jerusalem, vor wenigen Jahrzehnten noch'jüdischer Besitz, gehören heute einem auswärtigen Staate. A ü"c:hi%i*d e r A r c h ä o 1 o g i e g i b t es nationale Verluste. Nicht einmal der Platz bei der Klagemauer, archäologisch einzigartig und durch die Tradition geheiligt, ist jüdisches Besitztum. ' Soviel Geld ' schon feinen V^eg nach Palästina gefunden 'hat, so fehlten dennoch"seit den Zeiten der -Chalukah bis zu der Zeit des Keren Maje^sod einst die Piaster und heutet die Pfunde^ um" diesen Platz wenigstens, nach Privatrecht zu erwerben und würdig auszugestalten. Manche tadelns- .werte Mängel,, .aber, ■aueh^^igreifjich.e Hemmungen sind die Ursache* daß' die Judenso'- kläglich wenig auf dem Gebiete der archäologischen Erforschungihres Landes geleistet haben. Es fehlte und es fehlt bis auf heute die wahre historische IUMU|lll|llll|l1|l|HUIIItlli|illl 4'""...........................'" iiiMiniiiMiiutihiiiMNiiiiu>liiijMnifmMi>'i<uiii^/<nM»iiwijin.|iiniiitiiiu»iwiiiiiiiuiiiuiiuMi!iiiiiiiuiiMMiiiuiii>n>ilMiMllMnuniV Zentral» IX». BerggaMe 19, Telephon 17»3-99 u. 16-9-34 Lieferant t ü r Heilanstalten AbteliunegGn tfflr ■^»Wetesh unter Aufgicht des Ehrwürdigen tfabbinats der isr. 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Sehr erfreulich ist nun, daß in jüngster Zeit in Emek Jesreel, mitten im neuen Kolonisationsgebiet eine wichtige archäologische Grabung vorgenommen wurde, die erfolgreich verlief und bedeutende Ergebnisse gezeitigt hat. Vor einigen Monaten stießen die Ansiedler von Beth Alpha im Emek Jesreel bei Kanalaushebungen auf ihrem Wirtschaftshof auf Reste alter Bauwerke. Sie taten das Klügste, was zu tun. war. Sie stellten die Grabungen nicht ein, was vom rein wirtschaftlichen Standpunkt das praktischeste gewesen wäre, sie gruben aber auch nicht dilettantenhaft .allein weiter, sondern verständigten die Archäologen der jerusalemer Universität. Dr. S uk e nik, der sich bereits durch einschlägige Forschungen gut bekannt gemacht hat. führte nun in Beth Alpha die Ausgrabungen durch, die sieben Wochen dauerten und größere Ergebnisse, als man ursprünglich vermutete, zeitigten. Wie palästinensische Zeitungen melden, wurde die Grundmauer eines von Norden nach Süden (nach Jerusalem) orientierten Baues freigelegt, der sicherlich eine Synagoge war. Nach den gefundenen Bauresten ist man berechtigt, diesen Bau als eine Basilika aufzufassen. Die Länge war 28 Meter, die Breite 14 Meter, die Grundfläche also 302 Quadratmeter, was auf einen geräumigen Bau und eine nicht unbedeutende Ansiedlung schließen läßt. Man konnte einen Platz für die Waschungen, Sitzbänke, ja unter Steinplatten eine Art Kassenratfm feststellen. In letzterem fanden sich noch 36 Kupfermünzen, bedauerlicher Weise wird weder Gepräge, noch die Zeit der Münzen mitgeteilt. Die apsisartig erweiterte Südwand war die Stelle des Aron Kodesch, des heiligen Steines, von dem aber keine Spuren gefunden wurden. Hier fanden sich Vertiefungen im Boden, die man früher als Stützflächen für Leuchter aufgefaßt hat; eher dürfte es sich aber um das Gestänge für-einen Baldachin handeln. Inmitten des Raumes war eine Erhöhung, B.imah genannt, ähnlich wie in der Moschee von Aleppo,, die früher eine Synagoge war und' noch die ursprüngliche Bauzeit des 6. Jahrhunderts zeigt. Diese Tatsache gibt die Möglichkeit, unsere Synagoge auch dem Beginn des ö.Jahrhunderts zuzuschreiben. Die Außenfassade ist aus Kalkstein und weißem Verputz. Man könnte auch einen (um drei Seiten reichenden Vorraum?) feststellen, aus dem drei Türen in die Synagoge führten,. Die westliche Tür eröffnete den Zugang von der Ansiedlung oder der Straße. Aus Vergleichen mit den galiläischen Synagogenräumen ergibt sich, daß es sich hier um einen für Frauen vorbehaltenen Raum handle. — Das wichtigste Ergebnis der Ausgrabungen ist die Feststellung eines Mosaiks, das die Opferung Jizchaks darstellt. Man sieht zwei Knaben, die einen Esel führen, ein Lamm, das an einen Strauch angebunden ist, den gefesselten Jizchak und Abraham mit einem gezückten Schwert in der Hand. Die Gesichter der dargestellten Personen waren — offenbar von orthodoxen, bilderfeindlichen Eiferern, verwischt. — In den letzten Tagen der Ausgrabungen fand man z w e z l n s c h r i f t e n, eine a r amäische und eine griechische. Die erste meldet, daß der Fußboden in der Zeit von König J ustinos gemacht wurde; die zweite, griechische, wünscht „Gutes Gedenken den Baukünstlern Marianos und Ben Ch anina".! Die Forscher Sukenik^ und Arzfeld stellten die Vermutung auf, daß diese Synagoge durch ein Erdbeben zerstört wurden. Soweit die Nachrichten der palästinensischen Zeitungen. (Vgl. „Dawar" vom Adar d. ),) Was lehrt uns nun diese Ausgrabung? In baugeschichtlicher Hinsicht ist nun neuerlich festgestellt worden, daß die Basilika eine beliebte Bauform der Synagogen war, was man — veranlaßt durch die Forschungen Kohls und Watzingers über die galiläischen Synagogen — schon vermuten durfte. (Jnkhr ist allerdings noch immer, ob die altrömische Form! der Basilika vor den Juden übernommen wurde oder ob es sich um eine in dem östlichen Teile der Mittelmeer«" länder entwickelte und fortentwickelte Form des allge« meinen Baustils handelte. Wir neigen letzterer Ansicht zu, denn altzugroß sind die Unterschiede von der altrömi^heji Basilika, wobei wir night nur an den am. meiste^