Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 88 (24.5.1929)
- Date
- 1929-05-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Feinwasdwislalt : ■ HABSBHRG und mächtigen England unzuverlässige Ratgeber und Kontrofllore seiner Orientpolitik aufdrängen will. Aufdrängen will, aber nicht aufdrängen wird, denn es ist unausweichlich, daß England den Verkehr m'it dieser Jewish Agency abbrechen wird. Dann wird aber auch der politische Verkehr zwischen dem Zionismu-s, dem jüdischen Volke und dem jüdischen Palästina abgebrochen sein. Robert Stricker. Auch in Deutschland. Sozialdemokratie und Zionismus. In Oesterreich herrscht zwischen den Zionisten und der Sozialdemokratie kein freundliches Verhältnis. Schuld daran trägt nicht etwa —» wie von Jüdisch-sozialdemokratischer und leider auch von gewisser zionistischer Seite .vorgelogen wird der Umstand, daß führende österreichische Zionisten reaktionär eingestellt sind. Die Ursache liegt vielmehr darin, daß in der österreichischen Sozialdemokratie getaufte oder abgefallene Jüdische Führer den Ton angeben, der naturgemäß gegen national gesinnte Juden gehässig sein muß. Diese Leute stellen sich zwischen die nichtjüdische Arbeiterschaft und den Zionismus, welchen sie der Arbeiterschaft als eine klerikale, rückständige, als bekämpfenswerte Bewegung schildern. Insbesondere die von Juden geleitete Presse verfolgt diese Tendenz. In Ländern wie England, Belgien, Holland usw., wo Nichtjuden den Ton in der Partei angeben, ist das Verhältnis zwischen Zionismus und Sozialdemokratie ein gutes, oft herzliches. Auch in Deutschland war es bis nun so. Aber auch dort sind jüdische Kräfte am Werke, zwischen Sozialdemokratie und Zionismus einen Keil zu treiben. Die der Sozialdemokrie freundlich gesinnte Berliner „Jüdische Rundschau" schreibt in einem Berichte über eine Sitzung der „Liga für das arbeitende Palästina'.': „Aufsehenerregend waren die Mitteilungen Doktor Badts, daß die jüdischen Anti zionisten in der Bekämpfung des Zionismus bei der Wahl ährer Mittel skrupellos sind. So wur4e durch Einflußnahme jüdischer Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands verhindert, daß ein bereits angekündigter Vortrag Berl L o c k e r s (Mitglied der Exekutive der zweiten Internationale, Poale Zionist) stattfinde; ferner machte ein Hörer eines sozialistischen Hochschullehrers, in Unkenntnis, daß dieser Jude sei, dem Gelehrten unter Nennung edner vierstelligen Zahl das Angebot, eine Veröffentlichung zu schreiben, in der ausgeführt werden sollte, daß im Kriege von einzelnen Regierungen gegebenen Erklärungen (Balfour-Deklaration) gering zu bewerten seien. Dieses Angebot behauptete der betreffende Hörer am Namen des Zentralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu-machen. Der Hochschullehrer lehnte es ab, in den ihnerjüdischen Streit einzugreifen und machte von dem Vorfall Dr. Badt Mitteilumig, der die Angelegenheit weiter verfolgen wird. Die Mitteilung ist einwandfrei, denn die „Jüdische Rundschau" ist, wie bemerkt, zur Sozialdemokratie fnettndlich' eingestellt und Dr. Badt ist organisierter Sozialdemokrat. Vom 23. bis 26. Juni Wizo-Weltkongreß in Zürich. Vom 23. bis 26. Juli, /unmittelbar vor dem 16. Zio- nistenkongreß, wird In Zürich die fünfte Konferenz des Weltverbahdes -zionistischer Frauenvereine (Women's International Zionist Federati on) stattfinden. Freigesprochene Friedhöfschänder. Das Heidelberger Jugendgericht hat zwei 14jährige Volksschüler, die Im November auf dem jüdischen Friedhof in Bppingen Grabsteine umgestürzt hatten, freigesprochen. Die Berufung des Staatsanwaltes wurde von der Strafkammer verworfen. . Ein Talmud-Prozeß in Jugoslawien. Vor einem jugoslawischen Gerichte. Der Broder Advokat, Radovan Golubic, Sohn eines griechisch-nichtunierten Geistlichen, hatte in einem Wechselprozeß bezüglich des von einem jüdischen Notar erhobenen Protestes in einer Satzschrift folgendes behauptet: „Wenn man gleichzeitig erwägt, daß dieser Notar der Religion nach ein Jude war und wenn man berücksichtigt, daß der Talmud ausdrücklich lehrt, daß der Jude den Ungläubigen betrügen und beschimpfen kann, aber seinen nächsten Israeliten nicht zu betrügen braucht, weiters wenn ein Jude eine Verhandlung oder ein Zeugnis vor Gericht hätte, alles unternommen werden muß. daß der Bruder Jude den Prozeß gewinne — dann ist-«oben dem Zeugnisse der Ljubica Dragie sdhst du'e Kraft des Prozesses vollkommen erschüttert, denn nach der Lehre des Talmud ist es nicht ungestattet. alles mögliche zu unternehmen, daß der mitgläulbige Jude je besser davonkomme. Aus den Regeln der Lehre also, deren Angehöriger der verstorbene Notar war. geht zur Genüge der Grund hervor, warum wir die volle Bewefekaft dem betrefft enden Proteste b.e®tireiten." Da man in Jugoslawien an derartige judenfeindliche Enunziationen nicht gewöhnt ist, hat dieser Vorfall besonderes Aufsehen erregt. Die israelitische Kultusgemeinde in Brod an der Save erstattete bei der Staatsanwaltschaft die Anzeige, worauf diese gegen Golubic die Klage erhob. Bei der am 26. Jänner 1928 beim Gerichtshofe in Pozega stattgefundenen Verhandlung wurde Golubic bedingungsweise zu acht Tagen Arrest verurteilt, womit sich der Staatsanwalt und die israelitische Kultus^ gemeinde in Brod a. Save als Privatbeteiligte zufrieden Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke gaben, da es sich ja mehr um das Prinzip als um die Höhe der Strafe handelte., Golubic selbst erhob, jedoch die Nichtigkeitsbeschwerde und die kgl. Septemviraltafel in Zagreb ordnete eine Ergänzung des Verfahrens an. Die Begründung dieser Entscheidung rief wegen der an den Tag gelegten Unkenntnis der betreffenden Materie allgemeine und unliebsame Sensation bei allen, ( jüdischen Gemeinden , des Staates hervor. . . - rn',-; ,v .. - :.,/.,.. , In dieser Entscheidung-, des, Kassationsgerichtshofes heißt es nämlich u. a.:v.; . ■, „Das angefochtene Urteil! hat nicht begründet, woraus es annimmt, daß i der Beschwerdeführer die Lehren oder Institutionen, der im Staate anerkannten jüdischen Religionsgenossehschaft angegriffen hat. während er lediglich die unmoralischen und den bestehenden Staatsgesetzen widersprechenden B e s t i mmungen 'des Talmud und Danksagung. Außerstande, jedem einzelnen fUr die so zahlreichen Beweise der Anteilnahme an unserem unersetzlichen, so schwerem Verluste zu danken, sprechen wir auf diesem Wege allen Verwandten und Freunden unseren wärmsten Dank aus. Josef Rath und Familie. TELEPHON B-24-5-20 wäscht Hauswäsche! des Schulchan-Aruch iiti er'f,habe, während in unserem Staate eine talmudische Religionisgenossenschaft nicht anerkannt sei. Die Nichtigkeitsbeschwerde ist begründet, denn das Gericht hat in der Tat nicht begründet, in welcher 'Absicht der Beschwerdeführer die inkriminierten Stellen geschrieben, beziehungsweise ausgesprochen hat. ob iin der Absicht, um zu beschimpfen oder im Bestreben, die Lehre der genannten Religionsgenossenschaft herabzusetzen oder in einer anderen bösen Absicht. Das Urteil hebt in seiner Begründung hervor, daß durch das Hervorbringen der inkriminierten Zitate jedenfalls der Haß u n d d i e Unduldsamkeit zwischen den Mitgliedern der Religionsgemeinschaften erregt werde, was auf die böse Absicht der Verhetzung der Klassen hinweise, und das könnte das Delikt der Uebertretung nach § 303 AI. I, Abs. 2 St. G. bilden. Da bei uns im Staate nicht alle Sekten der jüdischen Religion anerkannt sind, hat das erstinstanzliche Urteil nicht begründet, ob die Sekte, welche die Religion nach dem Talmud und Schulchan-Aruch lehrt, unter die bei uns gesetzlich anerkannten Religionsgenossenschaften gehört und ob die Religionslehre nach diesen Büchern die Gesamtheit der Religionsgesetze bilde, welche Gesamtheit den Glauben der gesamten 'Religionsgenossenschaften bildet und nicht bloß die Lehre einer einzelnen Sekte oder einer einzel'nen religiösen Gemeinde, welche letztere Lehren nicht den Schutz des § 303 St. G. genießen." Der Gerichtshof holte nun ein Gutachten zweier Sachverständiger ein und bestimmte unbegreiflich'erweise hiezu zwei katholische Theologen, den früheren und den gegenwärtigen Professor der hebräischen Sprache an der theologischen Fakultät in Zagreb. In ihrem Gutachten beriefen sich die beiden Sachverständigen sogar auf die Schriften des im Blochschen Prozeß als Ignoranten und als Meineidigen entlarvten Dr. August Rohling. Die israelitische Kultusgemeinde in Brod a. S. ersuchte nun den als jüdischen Publizisten und Historiker •bekannten Vizepräsidenten der Zagreber .israelitischen Ku'ltusgemeinde, Dr. Lavoslav S i k, um die Uebernahm« der Vertretung. Am 14. Mai 1. J. fand beim Gerichtshöfe in Pozega die neue Verhandlungstatt, für welche nicht nur in Pozega selbst, sondern auch im ganzen Lande großes linteresse herrschte. Es war wie ein Bild aus dem Mittelalter, als dm dicht gedrängten Zuschauerräume rechts der Stadtpfarrer und ein Franziskanerpater, liniks der Rabbiner, beide mit ihren Gemeindeangdiörigert standen und mit gespannter Aufmerksamkeit und großer Erregung der sieben Stunden währenden Verhandlung beiwohnten». Während sich der Angeklagte ahenmafe f n wüsten Bes chionipif unijg en dies Ludentuims erging, erklärte Staatsanwalt Dr. Rakos sehr energisch, daß es sich um eine gesetzlich anerikanihite Religion handle und daß er Je e i n e r 1 e i B' e I e i d ii g u n g der-, selben zulasse. Er halte weder das Gericht als solches, noch die gerichtlichen Sachverständigen dazu kompetent, den Inhalt und die Lehre einer gesetzlich anerkannten m Moritz Gottlieb Saphir — als jiddischer Dichter. Von Ludwig Bato. Nicht nuir in der guten alten Zeit galt Moritz Got'tl'ieb Saphir als großer Humorist, er war auch einer der wenigem Schriftsteller seiner Epoche, die sich — zumindest mit ihren Namen '.—. in unsere sich so überlegen dünkende Zeit hinüberretten konnten. Ob er auch noch gelesen wird? Ich bezweifle es. Die Erinnerung an ihn lebt aber fort in mündlich überlieferten boshaften Anekdoten und schlagfertigen Apercus, die nicht immer des Geistes entbehre«. Abersein Huimor ist nicht unser Humor; Grabesduft strömt uns aus seinen Schriften entgegen, Wir haben das Empfinden, einer untergegangenen Welt gegenüberzustehen. Saphir hat juiemals als Gharakter gegolten, aber die Zeit glättet die Härten, und so kommt es, daß bei der in Dekaden gerechneten Wiederkehr seiner Geburt und seines Todes von mildherzigen Wiener Schriftstellern immer wieder eine Ehrenrettung des Uebelbeleumdeten versucht wird. Man ist bemüht, dazutun, daß dem Possenreißer, der frühere Geschlechter so oft zum Lachen brachte, bitteres Unrecht geschah. Nun hat die neue Zeit bisher sorgsam versperrte Archive den neugierigen Historikern geöffnet, die nach Durchforschung der kaiserlüthen Geheimschriften mit ruhigem Gewissen glauben behaupten zu dürfen, daß unser Hetoer guter Saphir durchaus nicht das Opfer eines gesellschaftlichen Justizirrtums war. Er wlar nicht um ein Jota besser als sein Ruf. Es steht fest, daß er, der zufolge ttiteea boshaftes Wesens, xqc aJHam aben [wegeji seitaftr. Bestechlichkeit immer schon verhaßt war, als sehr wenig ehrenhafter Soldschreifoer im Dienste der kaiserlichen Reaktion stand. Kanzler Metternich 'lenkte die Feder dieses um abhängigen Schriftstellers, der sich jedes Wort von der Staatskanzlei am Raiflhauspla'tz entlohnen ließ. Einer der Wiener reinwaschenden Epigonen meinte aus einer ,,San-ma-wieder^guat"-Stimmung heraus, Saphir wäre ein Mensch gewesen, „der sein großes Herz und seine heimliche Güte aus Schamgefühl mit einem Witz kasolner.te". In diesem oberflächlichen, mit der Wahrheit nur lose verbundenen Sinne, ward auch sein Verhältnis zum Judentum gedeutet und auf .seinen tiefen Respekt vor dem Ghristentu-m hingewiesen. Nun, so einfach und unkompliziert waren das Wesen und der Charakter des Talmudjüngers nicht, der sich von der Jeschiwabank mit einem kühnen Satz din die deutsche Literatur hinüberschwang und dort eine, wenn auch nidht beliebte, so doch gefürch'tete Größe ward. Im übrigen, ist sein Leben ein typisches Beispiel für die Laufbahn, der in der Aufklärungsperiode aus der Judengasse hervorgegangenen deutschen Literaten. » Mosche S&phir, so hieß er ja ursprüglich', war einer der . vielen, die damals aus dem Ghetto, das .ihnen zu eng geworden war, auszogen, um eine neue Welt zu erobern, um in einem anderen Volkstum Fuß zu fassen« 1795 in einer kleinen ungarischen Ortschaft in der Nähe des Plattensees gelboren, genießt er zunächst die traditionelle, alt jüdische Erziehung, geht dann mit elf Jahren an die'.talmudschule nach Prag und von dort nach Preßbuirg, wo er zu den Füßen des gelehrten Rabbi Mosche Sofer sitzt, 1820 finden I -W'jif ihn aber bereits to »Alt-Öfen, de* -reoihit'Siufrig«'!» Yoe stadt von Pest, wo er seine ersten literarischen Sporen verdient. Hier erscheint aus Anlaß eines forderlichen Besuches sein „Freudenige&ang asur Feyer der beglückenden Anwesenheit unseres allergnädigsten Landeisva'ters Franz des Ersten und unserer allergnädigsten Landesmutter. Sammt einem Ge'bethe, welches bey dieser feyerichen Gelegenheit von den Glaubensbökenneirin der Mosaischen Religion der köngl. Freystadt Pesth in festlicher Versammlung in der Synagoge im Mona't September 1820 abgehalten wurde. Verfaßt von M. G. Saphir". Diesem poetischen Erguß ist die von dem betonten 'Aufklärer, dem Alt-Ofner Rabbi Mosche Kunitz, besorgte hebräische Uebersetzu'iig beigeheftet, die wohl uonseren Dichter ais den „habachur hamaskil Mosche Saphir" bezeichnet, gleich* zeitig aber den Beweis liefert, daß es mit den hebräischen Kenntnissen Saphirs, der sein Werk durch einen anderen ins Hebräische übertragen ließ — ein 'kenntnisreicher, Aufklärer hätte dies nimmer zugelassen r-, nicht sehr, weit her sein 'konnte. Um diese Zeit steckt aber Saphir nochl tief im Judentum, wenn er auch schon aus der Alt-Ofner Juden-! gasse hinauslugt und für seine satirische Begabung ein weiteres Betätigungsfeld sucht. Mit den Gewalthabern der angesehenen Alt-Ofner Gemeinde, den Parnassim, die in ganz Ungarn ob ihrer Strenge und Herrschaft bekannt und gefürchtet sind, steht er auf (keinem guten Fuße, Und da geschieht folgendes: Ein fahrender Sänger gibt steh für den damals in Ungarn allgemein bewunderten, großen Ohasan Kaschtati — mit dem richtigen Namen ScheJlomo Weintraub f-* aus, der Alt-Ofner Gemeindevorsteher geht ihm auf den Leim und empfängt ihn mit allen Ehren. Als nachher, die. Sache, aufkommt, jnjachfc sich das. ganze. Land