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Die neue Welt · 1929-05-24 · Heft 88 (24.5.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 88 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 ME NEUE WELT Nr. 88 1 Inhaber:! Richard Herzog I. , Adlergasse S T«l. R-23-4-90 II.; Kl. Pfarrg.28 T«l. A.41-8-24 Sprechapparate Jeder Art, ferner "" " Jüdische und hebräische Schallplatten I sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager §j in reichster Auswahl auf Lagerl Auch Teilzahlungen! Provinzversäfldf wmmmmmammmtmmmmmammmmm Das Gespenst des Hochverrates. Jtiälscties Geld für englische Waffen? — Wohin führt Weizmanns Politik? : Als Theodor Herzl die Juden zürn Judenstaate aufrief, nannten die Gegner sein- Beginnen hochverrät e r d s c h. Juden, welche die Aufrichtung eines' eigenen Staates anstreben, verletzen notgedrungen die Pflicht ' gegenüber den Staaten, in welchen sie derzeit leben, sie wenden ihre Herzen von diesen Staaten ab, sie entziehen diesen Staaten Geld und senden es in die Fremde. Sie hören also auf, volle, ganze Patrioten zu sein. . Die Anklage wirkte böse und legte sich als großes, schweres, Hindernis Vor die zionistische Agitation. Gar mancher, dem die zionistische Idee im ersten Augenblicke schön und groß schien, schreckte vor dieser Anklage zurück und bog, um sein wirtschaftliches und gesellschaftliches Fortkommen bangend, rasch vom zionistischen Pfade ab. Die Entschlossenen aber, von den Zaghaften Josgelöst,- gingen unter Führung Herzls ihren-Weg ruhig weiter, über die Lüge' der jüdischen Ueberpatrioten hinweg.' Dreißig Jahre, politischer zionistischer Arbeit *- haben der Welt bewiesen, daß <d$r, Zionismus 'die Juden nicht zu ■ schlechten Jgürgern ihrer Wohnländer macht. Inallen Kujtürläii^rn ist die zionistische Bewegung als der Förderung wert -undL den Interessen' des Staates' nicht z tt wider laufend anerkannt. - , '; < ........ -* . ' ' 1 Nun, nach' dreißig Jahren, hebt die, antizionistis'che Blu11 üge vom Hochverrat wieder ihr Haupt und' zeigt ein ' noch häßlicheres Gesicht. In Herzls Zeiten hieß "es: «Der Zionismus' mindert die ..patriotischen Gefühle der Juden."' Nu|i heißt es: ',,De'r Zionismus ist Hochverrat, denn;ei . dient dem Zweck; jüdisches Geld'aus a 11 ef Herren Ländern den Eng 1 än dern zweckt Stärkung ihrer Militärmacht zuzuführen".: Jüdisches Geld für englische Waffen!*' Schon vor einigen Monaten hat'das führende demoV kratische Organ Deutschlands, die „F'ra'nkf urteV. Zeitung" in"einem teitatitikel' diesen Gedankenausgeführt und den' Schluß gezögen, daß die materielle'oder gar die - politische »Mitarbeit äm'-Ä'üfba'ü Palästinas die Untersfcüteung einer fremden Macht, •Englands, bedeute, also für einen jüdischen Staatsbürger Deutschlands kaum tunflich sei. Jetzt aber. nimmt das verbreitete und einflußreiche jüdische Blatt Deutschlands, das Hamburger „I s r a e 1 i t i s ch e Famiiienblatt", die Anklage in ihrer vollen Schärfe auf. An die letzte zionistische Debatte im englischen Unterhause anknüpfend, schreibt das Blatt an leitender Stelle* .. .. . 4 . . „Main nahm bisher an, daß bei, alile-dam. die Einnahmen-Palästinas beste-nfaMs <lte Ausgaben decken würden und daß England also seinen kostspieligen dorti'gen Verwalteigsappara't mit aus eigenen Zuschüssen speisen müsse, eine Annahme, die von englischer Reigiermngsseite auoh wiederholt konstatiert wurde. Diese Opferwjüigke'it Englands erscheint jedoch 'blitzartig in.-einem,ganz anderen Lichte durch die Äeußenung des engliisc'hen Kolonfiajmi-nisters Amery, der im Uniterhau's erklärte: „Palästina verursacht uns überhaupt keine Kosten mehr, sondern ..dieses Land steuert im Gegenteil noch 30.500 Pfund, also.; die -größere Hälfte, zur E r h a 11 u n g d e r t r a n s j o r d aji i s c 'he n G r e n z m a c h t und d e r m i 1 >i t ä r i s c h e n Luftkraft bei," . AJiso die Geild&r, die von den .verarmten Juden' der ganzen Welt aufgebracht wurden, dienen nicht ..nur den Interessen des Heiligen Landes, sondenn hellten „England auch hei der Unterhaltung seiner inner- und , außefTpaiiästin^nsischen Laawl.- und Luftsh^Mkräile. 1 . In weiser Voraussicht ist die Balfowr-Deklaration' zu einer Zeit, aas England noch gar nicht die effektive Verfügung über das Lamct hatte, j ü d i s c h n a t i o n a I i s t isehen Ansprüchen entgegengekommen, denn England hatte dadurch ein' Beweisstück in Händen,-daß es siefc schon früher um die Zukunft Palästinas väterlich gesorgt hatte. Dies hatte den Erfoiig, daß nach dem Siege der Alliierten England, das begdwte" Mandat Palästina erhielt. •"' Solange' Englandin dieser Weise mit den Ueber* Schüssen ans der palästinensischen Wirtschaft zu verfahren •beliebt, wird man aber als deutscher Jude — auch als 2;i o n i s t i s c h e f d e « t s c h e r J u d e 1 — nicht um die Frage herumkommen, ob Nicht-Engländer weiter auf dem Umwege über Gaben für das Heilige Land Gelder für den Ausbau und die Erhaltung der englischen Armee und Luftfahrt beitragen sollen. Das ist die gleiche Frage, die ziim* ersten Male die „Frankfurter Zeitung" in einem Leitartikel über die Jewish Agency in die Debatte gewoffen hat, als sie betonte, daß zwar für einen englischen Juden: der. Entschluß zum Eintritt in eine Vereinigung, die ein englisches Mandatsland ttimd späteres Dominion .fiitianiztere^ sollte», seihr I'eicht wäre, keineswegs ober für einen deaitsahen Juden» Wie sich, der, einzelne deutsche Jude aiüch zu den aufgewiesenen Tatsachen stellt: .nicht wegzuleugnen bleibt Jedenfalls,'daß einer der Nutznießer des im Heiligen Lande •investierten,-aiich aius" DeutschTänd und auch aus nicht- zionistischen Quellen der, deutschen judenheif stammenden Kapitals, unerwünscht. und von den Spendern ungewollt,;. — die e.n g 1 i s c h e. ,M<a 1 i t ä r v e r wa 1 tu n g ist! U n d da s haben, u n s u n v o r s i clh t ig erweis e der e ng 1 i s c h e fC o l o n i a 1 m i n i s t e r Arne ty und Commainder Kenworthy verraten . . ." Nun ist es Sache der beteiligten Organisationen, aller derer, -die anvertraoites Geld „..nach Palästina senden, eine. Sicherung dafür anzustreben, daß sich aus der Verwaltung des Landes ergebende Uebers'chüsse, die, wie wir dargelegt ihaberij nicht zum wenigsten aus de'r Mithilfe der Juden der .'ganzen Welt "erst möglich geworden sind, restlos im Lande bleiben und allein zu seinem Wiederaufbau verwendet werden." . j^^' 4> '-' f Ä"; •..; Die AeußerungertX^ sters, waren; gegen ge#ilse reaiktionäre ähtiizionistische ^Blementq, in,, ßn-gia/nd «erichtet, welche der englischen '^^i4tiiiiU'^j^^Qnt daßsie - zu viel-vom Gelde englischer. Steuerzahler für das j ü d i s c h e Palästina verwendet'.' "Sie, 'dienten der Feststellung, daß, der jüdische Bürgerin Palästina redlich seine Stenern /zatift,; ^Palästina "Wirtschaftlich solid )st und die'"Ausi^a^en für''feeinen Schutz seUbst'bestireftel. ."Sie ^ahiiä^Äztil^gen;- daß'es das Zier Englands '.ist, mit' den 'Spenden ausländischer' Juden s 6 i n e" ";Ar%e^'Ws z5%*b a :ü eh — das •'• ,iänme";'En^läriid7 ibkur äüWosteiirdef3 „reichen'*- Juden:;seine Luftflotte! — ist Wahnsinn. Besser gesagt, klingt.wie ' Wahttsi©nv-•■•De»nj in-'diesem.) sebeinibaren . Wahnsinn steckt Methode, antinationale, . .antizionistisdie Methode;.- Einerseits-.soll, der Zionismus verdächtigt werden-, anderseits:will man gegen.das böse England vorgehen,, um dafür eine: Beiobung als guter dedtscher Pfa.m-'beikpotirnea'• Seht, ihr antisemitischen Öeüfsclinatiönalen, wir. . . deutsche Juden schützen: das? deutsche Vaterland gegen. den ■ eitglif $ii^färjb!f^ in ' Palästina." ''" ■ ~:^-h-^^'r^r-^:"v':-"- *'<■• ■ '■"x" \ * . . Die /tus^isu^en^ lfes, l\,Familienblattes" ^.;';sind um $p'bezelchrien^erjVals 'diese Zeitung nicht aggressiv anti^6nistisch,,-»iph^er^ \: jener ^.Qrgarie^ ist, welche f ü r den Eintritt der .niehtzipnistischen•■"Juden in die' Köripers'6häffc1-;Mr"-deii- Aufbau 'des jüdischen Palästinas, für den'"Eintritt in die Weiizmannschi^v e rweijerfe_..JAwi^Ji^'A^enc^ sind. Diese"Aus- JäsVuliien^^piifh^ der Weiamann-scheti'jP^p^^ welche ri te h tn a t i o n a 1 e, a n.t iai ä | i 6 rii a 1 e Juden in die p o- 1 i t i.s cih e L e 1 t,u rig; des Zionismus und damit in direktem Verkehr, mit det Mandaiimacht, mit England, brinjgen" will. Diese ''Jüdeii" Icörinen wohl in die Jewish Agenc^'^intr-eteh,' abet sie "'können nicht aus ihrer assimilätoriscnehj übe r p a t'ri'o tische» Haut heraus::kHeohen;ir:,,,'Sie werden in der Agency ^uiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiijiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ . Die Wienar weltbekannten E Talare u. 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Sie werden die übereifrigen Agenten der Parteien utnd Aemter dieser Länder bleiben. Von dorther, nicht aus ihrem jüdischen Gewissen heraus, werden sie sich die Weisungen für ihr Verhalten holen. Wird es dort angenehm empfunden werden, ja, wenn sie nur glauben werden, daß es dort angenehm empfunden werden könnte, daß ttiän vor der englischen Mandatarmacht kriecht, dann werden sie es tun, wenn es auch dem jüdischen Interesse zuwiderläuft. Wenn sie glauben werden, daß es zu Hause von den Parteien und Aemtern gewünscht wird, dann werden sie gegen England auftreten, es beleidigen und provozieren. Wie es jetzt das „Faimilienlblatt" und seine Freunde tun, die, unter dem Vorwande, jüdisches Geld und die Interessen Palästinas zu schützen, England die ungeheuerliche Beleidigung ins Gesicht schleudern, daß es „verarmten Juden" des Auslandes Geld entlockt, um damit die englische Luftflotte a u szuibauen. Wie die deutschen Nichtzionisten, so werden im gegebenen Falle, die italienischen, französischen, amerikanischen und sonstigen handeln. Doch man darf ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Das. ist nun einmal ihr-e politische Wesensart. Schuld tragen jene, welche den nichtzionistischen Juden dorthin stellen, wo er nie und nimmer hingehört, in die. politische Leitung des zionistischen Aufbauweflkes, in die Jewish Agency. Die Schuld tragen Weizmann und seine Gefolgschaft. . . * Herzl hat den „Hochverrat!" rufenden jüdischen Nichtzionisten draußen gelassen, hat die Reihen der Zionisten fest geschlossen und ist über die Verleumdung hinweggegangen, dem Ziel entgegen. Weizmann reißt die zionistischen Reihen auseinander und läßt die Verkünder des „zionistischen •Hochverrates!!;' oin> die' -Reihen hinein. Er zersetzt. die ..zionistische Organisation, durch Einführung, von Fremidkörpern. Herzls Politik hat dem jüdischen Volke und dem Zionismus das Vertrauen großer Kulturvölker gebracht, insbesondere das V e r t r a u.e n E n g 1 a n d s, welche schon vor fünfundzwanzig Jahren den Zionismus als große Bewegung erkennen' und schätzen lernte und den Zionisten ein Land anbot. Das vom Völkerbunde anerkannte Palä'Stinaanandat ist die Frucht Herzls* zionistischer W el tp ol i tik. Weizmanns Agencynolitiik; ist danach angetan, das Vertrauen in den Zionismus als reine jüdische Befreiungsidee frei von allen fremden Einflüssen, zu zerstören. Diese Politik, welche die. zionistische Organisation zersetzt hat, m n ß auch das Verhältnis zwischen Zionismois und der Mandatsmacht England vergiften. Den Bestimmungen des Mandats und dem eigenen giufczionistischen Willen folgend, hat sich England verpflichtet, mit der zionistischen Organisation als Jewish Agency •in Palästina Hand in. Hand zu arbeiten, weil es in dieser zionistischen Organisation keine Nebenabsichten, keine - f r e i w, i 11 igen, ode r unfreiwilligen Agenten dritter, fremdet Mächte gibt, . keine Leute, denen fremde Nebenabsichten höher stehen als das zionistische Ideal. England kann wnd muß es ablehnen, sich Elementen, wde die hinter der „Frankfurter Zeitung" •und dem „Familienblatte", vertraulich zu verkehren und sich in seiner Arbeit in Palästina von diesen Elementen kontrollieren zu lassein. Wenn in der Jewish Agency Nichtzionisten sein werden, wird England z w a n g s I ä u f i g dahin gelangen, den Verkehr mit der Jewish Agency ausdrücklich' oder faktisch abzulehnen* Und es wird im Rechte sein. Es ist nur dem Völkerbunde und dem jüdischen Volke Rechenschaft schuldig und braucht sich nicht von Exponenten dritter Mächte stören,, bespitzeln und — wie der Fall „Familienblatt" zeigt —• provozieren zu lassen. Die Politik Herzls war groß, einfach und übersichtlich. Die heutige Politik Weizmanns ist-unselige Zerrissenheit, Zwiespältigkeit und voll Widerspruch« Auf der einen Seite war Weizmann bemüht, die Opposition niederzuringen, weil sie eine aufrechte starke Haltung gegenüber England forderte, loyales, aber energisches Beharren auf den Bestimmungen des Mandates, welches die palästinensische Regierung zu aktiver Forderung des zionistischen. Aufbauwerkes verpflichtet, Tausendmal rief Weizmann: „Die kleine, schwache zionistische Organisation darf das große, mächtige England nicht reizen!" — Jetzt macht er, gegen den Widerstand der gleichen Opposition eine Politik, welche . den berechtigten Wünschen Englands nach Loyalität zuwiderläuft, diesem große«

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