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Die neue Welt · 1929-05-24 · Heft 88 (24.5.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 88 (24.5.1929)
Date
1929-05-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 30 Grei V. b. b. PIE HEUE WELT BEZUOSBEDINQUNOEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBERt*ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien montt- Hch Lewa 20.-, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwei» und die übrigen Länder monatlich Schwei*« Francs 1,50, vierteljährig Schweizer/ Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon; A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 24* Mai 1929 Nr. 88 Im Lande des Kerkers m Seite 4 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus de?m Inhalt: Robert Stricker: Das Gespenst des Hoch Verrates. Ludwig Bato: Moritz Gottlieb Saphir als jiddischer Dichter. Josef Frankel: Das Autodafe von Ustrziki dolne. Dr. Paul J. Di.amant: Die archäologischen Entdeckungen im Emek. Das Technikum in Haifa. Dr. N. S1 uschz: Kairo. Ein Talmud-Prozeß in Jugoslawien, 'Juden im New Yorker Polizeidienst. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Schalom Asch: Die Mutter. Schalom! A1 e c h e m: Komödianten. / Der Wife*^ Antisemitische Hetzereien gegen das Schächten. ' In Wienhat am 12. Mai, dem Tage der bewaffneten Aufmärsche der verschiedenen iAnviterrorisäen, ein Tierschutzikomgreß 'begonnen. Die Leute, die nichts gegen die Barbarei, des Jagens, '1 des Bmspearrens von Tieren in ''Käfigen einzu wenden halben, versammelten sich zu einer •Tagung der Phrasen und' der verlogenen Sentimentalität und'natürlich tobten sie ihre Tierfreundsehaift in einer Bettze gegen das jüdische litoeMe •' .Schächten aus. Es wurde 'sogar von einem Reichsdeutschen Schlachthofdire'ktor Dr. Kl ein aus Lenmieik ein F#m vorgeführt, der die Grausamkeit des jüdischen Sohächtejis demonstrierte. (Uelber die Parforcejagden und die Fuchsjagden enthielt der .Film nicbtsO Einige anwesende jüdische Tierfreunde protestierten zornig .und die. Vorführung mußte abgebrochen werden, zumal der Filim eine offenbar gefälschte Darstellung des Schächtoorganges .zeigte. Ein Beschluß des Kongresses wurde nicht 'gefaßt. Uhde gegen das Schächten, Ueber die, Vorgänge auf dem jfcqpgreß wird. ::.uns noch" das Folgende •.mitgeteilt: Schon bei',deri"-Vorverhandlungen mit der ■ Kongreßleitung, die in"' den Händen des Wi en e r Ti e rs oh-11 t-z Vereines liegt,- ist .die - entschiedene-Einseitig^ in der-Frage'der jüdischen Sehächtung>nang'cneli'rn aufgefallen. So wurde bereits im voraus •gesagt,' eswürden,-kein«. -Wor't'meidwinfgein v.o-n Fürsprecher n d e r Schach t m e thode entgegengenoniimen werden. , Einzig Rabbiner Dri; Feuchtwang . wurde späterhin die Zulassung zum Redneripult mg-esagt. , Wie weit man alber den Gegnern des : Schächtens Ent- gegenik'omimenzeigte, trat schon--am ersten Verhandlungstaige, am Montag, hervor, als Professor Uhde, ein •katholischer Geistlicher aus Graz, dessen Referat. dem Alkobiolismus gegolten hat.. vöHig unbeanstandet'einen' großen Teil ''seiner '.Au-sfüihr 11n,g011 zu scharfen« Ausfällen gegen ■ d as...,S chäob t en-. Ibenu fcsi't e.. -Für Mittwoch^'nachmittags, verkündete die,Tagesordniujg die Vorführung* des sohäobtigegiierisc'hjen Filmes .durch 'seinen Urheber,, Schlacbthofdirielktor Dr. KJ ein-Leimet. Nur mit.'Mühl gelang; es •ein-wn- Fachmann, Scnlachtihoffdireiktor Doktor; B a s e i - Stettin, in der ". nachfolgenden Diskussion das: Wort , zu erlangen. Alber'sowohl seine Ausführungen wie die des Rabbiners Feucht/waug. wurden fortgesetzt •in hef'tigstor .Weise gestört. Es folgte ein Referat des sohächtgeguerischen Professors Max• Müllet- München, nach dessen Beendigung durch den Beschluß der Vertagung eine unmittelbare Kritik unmöglich gemacht wurde. Am Donnerstag vormittags wurde die Diskussion wieder aufgenommen. Die Versammlung war aber nicht gewillt, die sachlichen kritischen iAtisf-ührungen von schächtfreundiieher Seite, die von vdem Stadt-Obertieranzt Dr. Hatschefc1 ü^^kji^pt!Mrekt<x 'Dr.. 'Basel ■gegeben wurden, ernstlich anzuhören,' geschweige denn zu prüfen, ' De^ Hafenbau in Haifa. •' 1 Aus Haifa wird der' „Neuen Weit geschrieben: In alier Stille 4in4'"'0^i^>Ä^^n.^t^Äinfei^ dieses^ Monats der Hafenbau begonnen. Ms - Ehland traf; Herr Palme' r mit einigen Ingenieuren, ein und In einein Hause nahe-der Eisenbaihnihaitestelie Karmei'.'w^ride,_ ein besonderes Haferibaaanrt eingerichtet.' Die:'Bfe^^l»nv*rwall)tu«r schritt an die Trassierung der. ZufahTtsg'deise von den' Atiliter Steinbrüchen zur Hauip'tiiinie tud^Iaiffa und: von dieser zum Meere.. Unter Leitung ^^;^s^ft©n>. Sachverständigen Landsjber'g werden. S.preft^;.;;-tti»l.-;-Brttdhiyejrjsucb'e' im Atliter Gebiet gemacht. ..Di^ei '-Versiüdie,., erfuhren t .eine längere Verzögerung^ des U* mens einen geifiv»d.en. forden, waren. , 'r ' .-. ' '■- - ■ v;v^;vVv,^t'^v-.W'' .'-■:r-1'- *•"'.-■-■• ' ■ i '; In En^nd w^ett.frfctzt, ß^^ü^^S^n vop. 'grölen "Öbnensioneri bereitgeisteiit.. Es vsoMen, aBgebiic^i Stein'Öl'öc'ke von .20' Tonnen ,;Gewich.t - aus dem Berg' gesprengt werden,, uni, in idie;;See versenkt, das Fundament der ziu bauenden':We;M e.nMe:cA eo* zu bidden. .Die Maschinen werden geigen EndeMdieses' Jatores■.-da Haifa erwartet, worauf dann der.::Bau , der . Wettertbrecbe>r seinen Anfang nehmen wird. Der- Beginn des;, Hafenbaues dürfte seine 'Wiriteung' auf das Gescbäfteib eil'niobt veri fehlen und den Anstoß -zu einem AuiSsobwumg geben, der nacih der jahrelangen Krise „doppelt erwünscht wäre. Die maßgebenden .Kreise sind bemiibt, einer wilden S^etola- .tian wie vor drei Jajhren mit ailien Mittein. Einhalt zu imy Diesem Umstände ist es auch zuzuschreiben, daß dem Beginn des Hafenbaues nicht die/ nötige Publizität gegeben wurde. Es ist -aucn möglich,, daß. internationaie. Rücksichten auf den französischen Nachbar, der-den Häfembau von Haifa sehr ungern- -sieht,-,.dabeiihre- Rolle gespielt (haben. Auf jeden Fall muß 'konstatiert werden,.daß ein .neu es Kapitei" im/.-der iEntwiciklung.. Palästinas• und viel'leidi'fc auch des nahen Orients begonnen bat, , : 12.0ÖÖJ[udeii für^^^Uhgatn gefallen Eine Tagung ungarisch-jüdischer KuJturlöfderer. Am 12. Mai fand in, B u d a p e s t die Jubiläums» tagmig. des ungarisch-isreaHtiscIien Landeskuitürv'ereines! statt; Welche Leute' sich da-zusammenfanden, zeigt die Tatsache,, daß die Sitzung mit den „Akkorden des ungarischen Credo", eines Haß- und Rachegesanges, eröffnet wurde. Der Vorsitzende Leo von Buda-Goldberger beantragte unter allgemeiner Zustimmung, an Hor.thy und Rothermere Begrüßungen zu' senden! Weiter, sagte er:. „Die Zukunft wird von uns Rechenschaft verlangen, ob wir unsere Pflicht getan habend als man die Mitglieder unserer Glaubensgemeinschaft zu Staatsbürgern zweiter Ordnung degradieren wollte? Ob' V erb and de m o kr a ti*s eher Zid n i st i Samstog, den 25. Mai, halb 9 Uhr abends Restaurant Bayer, Prater, Venedigerau s-ä-vis Cafe Winker, jetzt Cafe „Stadt Wien") (vis-a-vis Cafe Winzler, jetzt & UMm-MU Zur Vorführung gelangen nur die anläßlich der ersten Palästinareise des Verband«« demokratl«eher ZionUten * aufgenommenen Bilder Einleitung; Oberbaurat. Robert Stricker Beglejtyorte: Frau: Bve r t a T a u b e s fleslebeltrag 190 Qro«ohen wir dag Andenken der Glaubensgenossen vor Unglitnp^ bewahrt haben, die ira Jahre 1848 für dleittngarlsoh'ii Freiheit bluteten, und die 10.000 an der Zahl I m W e 11 k r i e g e ihr Leben für dasr ungarische Vaterland gelassenhaben? Im Namen dieser dtirch ver* gossenes Blut dokumentierten Vaterlandsliebe dürfen: wir nicht darauf verzichten, die Oleichberechtigung und die gleich«* Behandlung mit unseren Volksgenossen andere^ Konfessionen < zu. verlangen, So dürfen wir uns. heute! nicht wortlos an der Frage des Numerus: clauf sus vorbeidrücken. Der Numerus clausus ist dl« Ver^j leugnung derer, die aus unseren Reihen für unsei) Vaterland gestorben sind, und ira Namen dieser Tote^ verlangen wir heute bei dieser festlichen Gelegenheit!- Recht und Gerechtigkeit für die Lebenden. Diese Bitternis! unserer Seele zu verschweigen, wäre nicht bloß Feig«! heit, sondern auch eine schwere Unterlassungssünde, dief, wir weder vor der Geschichte, noch vor. unserem elge* nen Gewissen . verantworten könnten." . I Dann wurde an Horthy telegraphiert. Die Palästina-Ausstellung In London« ". Am 13i, Mai wurde fin London .die Palästtoa-Au^s js^fluijiÄ und--(Messe, die von einem Komitee, acalt der. Mar^ ^qüise -;of R e a' id i n Gattin dea Ex-Vizeikönigs voji Jadeit tyn& Pültt&c^-drer :EJb6railen PaTtei, an der Spitze, azroBäwriT ^Warden waf.'to der;^eetis Hall (diiiircn eanen feäeril$c3jeri A3rf eröfifnet. Die Aussteiuing verfolgt das Zie% die Forts<(Mrätet die Palästina seit Üebernatae dies Mandates durdh En«i land gemacht h%t, m üemcmsthrbei'en, idie Pal&ffiina-Jnidu'strde' zu fördern, den BändeJ . zwiisdien Palästina und Großi bri'taininien enitiwfc&elin au äidifien umet ischilieißll'C'h 2S.000 Pfund! .für "den jüdiiseihen NationaJIfonids autoibringen.. Es we.rderi' .neben 'den r^icnlichen Produkten und Induiatirieeirizieiuignissien' Palästinas auesh' fcälhlkeio'be ttiistoriisdh sehr totteriessante Aussteltogsstückie gezeigt, so z. B, Wcbexelien, dile bei .den jüngsten Ausgrabungen in Palästina än iednier'S3^näigog0 ge&iniden wiurden und aus dem sechsten voirdhrlstllchen. Jabrbundert stammen, . Diese Erölfifnunig yolzog Lord Meie tieft, der Vow „sitzende der engliscihfin aiionistisobert Pörlderatilon, mit einet Anspradie, in der er u. a. sagtfe: „Nur sdhr wenige vergegenwäritigen steäii, daß, als das Nationaliheam unter britischem Mandat a.iigeboten und von tder Zionistischen Organäsation Baigenornnren wurdes leider Dunam Palästina-Bodens nur mit fareiwllUig#H •Opfern des Judentums ki der garazen iWdt «rfeauift we<s den m/U'&te. .. -''! In der Regel hängt die Immigration mit einer, j großen Bodenschenkung seitens des Staates an die j Neusiedler zusammen. Die Palästina-Einwanderer j haben keinerlei Staatsschenkung erlangen können, *l j So stieg der Baden kn Preise tomer mehr, undl Mi mußte Dunam an Dunam gefügt werden, um dauernde: ' Heime zu schaffen. Der Jüdische Nationalfond1» besitzt' heute 75.000 Ac'ker, die von 50.000 Bauern (kul'tüviert wer* den. Sümpfe werden ausgetroeiknet, Malariage'biete sanderfi Oedland in möderne LandiwfcrsohaftsSouteen uwgewanw ( "delt. Kable Hügel weiden aufgeforstet. Idi zwetiHe nicht im geringsten an der wirtschaftlichen Zulkunft Palästina«',, Wonülbör ich Zweifel hege, 'ist dies: welchen An*eäli wlfdl ' das jüfdiscbe. Volk au diesem wirtsöhafüclhen Gedeihen 'haben?'Das ist ein ernstes Problem. Paläste ist foettfe1; kein, Traum mehr, Palästina wird' 'zw,'g«r0 ß ed Lat4k s tr aße d er Wel t; täglich gewinnen große tMtf« iüdisphe' Ünternehmu'nigen an Terrain, Wenn wir luns'.nlchl zu"'(stöftoferi,^nstrenigungen aufraffen, wird in ein ipaiat! Jah-reTi'kein . Böden mehr sein, den der Jüdische Nati-onati fonds : erwerben könnte. Daran könnte die Bewegung fetoU schlagen. Es wind mWWt an den Hunderten und Tausenden ■fehlen, die nach Palästina gehen wollen, um hier zu m* beiten,:aber es wird an Boden fehlen, weil nloM redht*- zeitig für das nötige Kapital zu dessen Erwerb vor* gesargt war. Ich habe nicht nur ifiür den Jüdischen Nationa^' fonds bisher 150.000 Pfiund gegeben, sondern ich habe aweh* der ich Palästina kenne und «ebe, dort Baden und Haus-» besi'tz erworiben. Viele Juden soiten sich in Palästina efa Stück Land kaufen, auf dem sie ihre» Lebensabend! ta Buhe verbringen köniieiV*-!.:, li

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