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Die neue Welt · 1929-05-17 · Heft 87 (17.5.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 87 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 87 DIE NEUE WELT Seite Ii Rodauner Grofl landwasciierei '«■■■»»■■■»■■■■■■■■■»■■»»■■■■w' aECORo*, •chwemmt mit Bachw«8«r, bietet ttastnb eiche Zentrall u. Betrieb! MWl, TlL AI SIS Md " 7 •ehontndat« Behandlung, billigste Prelte. Mletwlsch*. * Wiener Büro: IT., Wilküfunttt 2-4 Ttl. B-35-3-98 Tägliche Abholung In allen Bezirken. Gelehrten und Persönlichkeiten dea Verbandes russischer Juden in Berlin sehr stark besucht war. Herr Staatsrat Dr. Jakob Teitel brachte als Vorsitzender die große menschliche Persönlichkeit Nelsons in Erinnerung. Professor Dr. Franz O p p e n h e i m e r gab der Klage der Oelehrtenwelt darüber Ausdruck, daß es Itelson nicht vergönnt war, sein großes Werk der Logik zu vollenden. Schon seine iwei berühmt gewordenen Formeln der Logik und Mathematik, die er vor Jahrzehnten auf dem internationalen Philosophenkongreß vortrug, sichern ihm die Unsterblichkeit. Itelson gehört zu den größten Oelehrten aller Zeiten und Länder. Wenn man die Persönlichkeit in ihren Stufungen als führende, dann schöpferische und schließlich freie Persönlichkeit charakterisieren könne, so hat Itelson den höchsten Orad erreicht; die freie Persönlichkeit. Ein dem Denken und dem Höchsten geweihtes Leben ist dem Stoß eines Rohlings zum Opfer gefallen. Aber* dieses Leben wird in die ferne Zukunft leuchten. Dr. Emanuel L a s k e r, der frühere Weltschachmeister und hervorragende Denker, gab persönliche Erinnerungen an Itelson, den großen Reformator, der Logik. Der Dichter Arno Nadel las Gedichte zum Andenken an den Verstorbenen. Professor David Koigen gab einen Umriß von Itelsons Philosophie. Der Philosoph Dr. M. Schwärt ergänzte diesen Umriß durch eine Darstellung der Itelsonschen Definitionen der Logik und der Mathematik* die dem philosophischen Denken neue Wege öffneten. Zum Schluß gab Dr. Alfred Klee eine eindringliche! Schilderung von Itelsons jüdjscher Persönlichkeit und führte aus, daß nicht nur die menschliche ' Persönlichkeit Itelsons in ihrer Reinheit und Hoheit jüdisch war, sondern! daß auch seine Philosophie des Allumfassenden, Allgegenwärtigen in ihrem Kern die jüdische Achduth-Idee hatte., Es sei zu bedauern, daß das, geistig hochstehende:, russisch-jüdische Element noch nicht in das deutsche Judentum eindringt und daß sein Beispiel nicht stärker wirkt* -Dr.: Teitel forderte zum Schluß;die Freunde Itel-f sons auf, zur Errichtung, eines Denkmals1, das Itelson auf seinem Grabe errichtet werden soll, beizutragen, -~< Schöne musikalische Darbietungen umrahmten die Feier, Salmon Levinson errichtet eine Kriegsächtungs- Stiftung. Aus Ne w York meldet die J. T. A.; Herr Salmom 0. Levinson der den früheren 'Staatssekretär Kollegg zur Veröfferitidchung des Kriegsächtungs-Paktes angeregt 'hat und dafür, wie verlautet, den diesjährigen Nobei- Preis für Frieden erhalten soll, bat 55.000 Dollar zur Errichtung einer Kr legis äch tun gs- Stiftung an der Universität Idaho w Ehren des Mitkämpfers für den Kellogg-Pakt, Senator Borah, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat der Vereinigte« Staaten, gewidmet. Ein orthodoxer Jude Bürgermeister von Bloemfontein. Aus JohannisbuTg tneledt die J. T. A.: Das Stadtratsmltglied von Bloemfontein im Oranje-Frejistaat, Solomon Harris, wurde einstimmig zum Bürgermeister von Blqemfonfeia gewählt. Harris ist orthodoxer Jude und widmet sich seit vielen Jahren mftnizipalen Angelegenheiten. Die Antischächt-BHI In Connecticut zurückgezogen, (J. T. A.) Die von den Schäcbtgegnern in Connecticut eingebrachte B1H wegen Verbots der Schichtung ohne vorangegangene Betäubung hat eine so starke Opposition erweckt, daß die Antragsteller es vorgezogen haben, die Bill zurückzuziehen, bevor sie noch die Unterschrift des Gouverneurs, die zur Vorlage an das Staats- Parlament notwendig ist, erhalten hat. Die orthodoxe RabWnerschaft des Staates, unter Führung von Rabbi Isaak C. Hut witx in Hartford, hat sich mit größter Entschiedenheit gegen die Behandlung des Antrages durch das Parlament gewandt. Das ZeniralbUro d«r ZIonUten-RevialonUten Mir die Konten» wählen befindet sich ab 15. d. Im C»f6 Metropole, IX.. Belasse 33, Toi. A.1M-57. Amtsstunden täglich auQer Freitni? von 8 bis 10 Uhr abends. Alle Revisionisten werden aufgefordert, in «Jen nächsten Tagen dort vowtuprechen. Wir ersuchen,-lamtlieh« Zuschriften an die oblc« Adresse zu richten. . * pMpiffl^^ Das m» modernen Gewichtstechnik welche allein künstlerisches Spiel ermöglicht,. lehrt staatlich geprüfte 'Klavlerlehrerln Klavierspielern, die über die Anfangsgründe hinaus sind, toi zwei, bis drei Stunden. Honorar pro Stunde 10 S. Unter „Mißerfolg,a#s.g'a'sc>hlosseuf! an die: Exp. d. Bl, . i Unangenehme Schönheitefehler. Von Jakob Kraust. Sieden preisgekrönte europäische Schönheiten sind 'bereits unterwegs nach Galveston, um dort die Staffage aft>- zwgeben für einen großen Schönihettsrummel, den ein gerissener amerikanischer Unternehmer zum Gaudium von Unde Saan und zu Nutz und Frommen der eigenen Kasse in Szene gesetzt hat. Großzügig, wie schon Amerikaner in ihren Geschäftstransaktionen sind, halben sie diese Unter» nehraunig mit allen Finessen der .Reklame in die Wege geleitet, daß ich gar nicht üherr^wht wäre, wen« steh das Gerücht bewahrheitete, daß auch der in den europäischen Blättern veröffentlichte Mahnruf des Bischofs von Galveston an die preisgekrönten Schönheiten, «ich schon aus Sittflicfokedtsigrttnden nicht alis Werkzeuge Wir ©inen skrupellosen Manager herzugeben, nichts andere« ah eines der vielen Reklametnittel sei, durch welche das Reinerträgnls des Geschäftes erhöht werden soll. Was bisher ih dieser unschönen Afifäre bereits erreicht wurde, beweist, daß die Unternehmer von Galveston gediegene Psychologen sind. Bs ist ihnen ohne besondere Investition, mit Hille der allezeit zu- Jeder Abgeschmacktheit bereiteten Schmücke der Inhaltsleeren und gedankenarmen europäischen Presse der di^tafltfHMigrigen kleinen Staaten, den Lokalpatriotistmts für das ScMnheltsgescMift in Kontribution zu setzen. Es ist ihnen gdungen, mit ein paar tausend Dollar in Mittel- und Osteuropa, in Halbasien und auf dem Balkan, eine reiche „Miß"-Ernte zu zeitigen u>nd eine Mißepddemiiehervorzurufen, dtie bereits die bedemklichsten Formten anzunehmen droht. Denn das, was sich nach dem ersten Akt des Schönfoedtakabaretts, der in Paris spielte, besonders in Wien und Budapest, bei der Heimkehr von Miiiß Austria und Miß Europa, ^zugetragen hat, sind doch unzweideutige Symptome einer endom-isch auftretenden Hirnrissigkeit einer bestimmten Gruppe von Menschen, die mit ihrem schwachen Hirn nicht merkten^ daß sie sich mit Ahrem Lokalpatriotismus. zu unbesoldeten, lächerlichen Bintänizern'ftir die große,; internationaile Schdnheit&bary zu Ausrufern für die rtÄen>sationlellle4, VolksbeltosNgung ■•; von Galiveston herabgewürdigt halben. Das Rekfom'elbüro der ^MiHiiMiiuiMiiMiiniiiiiMiHiiiiniiniiiiiMiiMiiHiiiiiiMMiniiiiniiiiiiiMiiniiiiiiiiiiiiiiMtiiiMiiiiiniiniMiniiiiiniiiiHM I Der Gesamtverband jüdischer HochschUJer „Jud8n"§ | , entbietet seinem Präses Herrn | 1 David BuHspan I I anläßlich seiner | | Promotion i I zum Doktor d@r Rechte | §d i e h e r z l i ch s„t ,e,n ,0 1 ÄMjir ü ij s,c h ei Siiiiiiiiiuiiiiniiiiiiiniiiii(iiiiiiiiiiiiliiliilMii|lliliiliitiiliiiliiiiiiiiii»iiiii|iiM Galrvestomer Veranstaltung, hat denn auch all die Wahn-, sirnnsausbrüche, hauiptsächiich in Wlien und Budapest, amerikanisch angemacht und übertrieben, in der. gesamten aimerilkamlsohen Presse geschrieben,.die, totlten Szenen diele aufgetragen abgebildet,, und dadurch, die Chancen des Geschäftes wesentlich erhöht. Ich möchte duröbaus nicht als griesgrämiger Miesmacher des Mißrummels angesehen werden* Ich gönne allen preisgekrönten Misse« den Triu»mph ihrer schönen Leiber und die tausend Dollar, die Ihnen pro Scbönheitskoptf in Galveston für alle Fääle In ihre reizenden Händchen gezählt werden» Ich freue mich, daß meiiine'Staimimesschiwester und Religionsgenossin Miß> Austrla,. die bisher i-m Verborgenen blühte, jetzt, als Sctoönheitskonigiin bei jeder Modenschau huldvoll- Preise verteilt, die Attraktion f>ttr Fitlim, Revue und illustrierte Zeltschriften bildet, und daß sie gegenwärtig, voll'gepaükt mit Gesdhäiftsuwd.ScJhn'orr'- aufträgen für Bund wnd Gesellschaften, als eine Handelsattaohee und Almoseniere ad hoc ins. Dollarland zieht Ich empfand auch Genugtuung darüber; daß der Gesandte Horbhys in Wien der lüdischeh Miß "Europa Taimens der ungarisohen Nation, dessen jüdischie'Söhne -aus' den Hochschulen vertrieben werden, gehuidigt hat. Daß aber bei dieser Sohonheitsigesch'äf tigkeit nicht mir - die j il d i« c h e Miß, sondern auöh'das Jüdische' Volk' zum Handkuß kptriim t,, ist «ine, Tatsache^ .ftber 'ein Xutje y^n G9schmacik iind'W-ürde Uihfff&i'^ii' ^caiin;''':'- ' ' Abgesehen davon,' daß selbst sonst bewußt jüdisch eingestellte Zeitungen die Gesehimacklosigtkeit begehen, die j.lÜdischen Schönheltskönlgin-nen" über ihre Stellung zmm Judentum ausfragen lassen und ihren Lesern in wohlberechneten hundert Räportagezeilen enthusiastisch erzählen, daß die ejirj/e als trene Jüdin für den Freltagabendk'arjRfen schiwärtmt und die andere sogar die. Melodie des „LeQho daudiM singen kan«n, ist in dem jiüdlsc'hen gesellschaftHchen Leben eine abstoßende „Miß'-Wtrtechaft eingetreten, die berejts zm unliebsamen Skandalen geführt hat und beweist, daß wir auch in nationalen Volksschichten niemals eines R'ttdkifalles in den assimilatorischen Abgrund sicher sind. Ghettomäßlge Engstilrnlgikeit einerseits und Geltuin/g'skltiz*! auf der. anderen Seite haben so in WeiTschau den Skandal der Wafol ejuor „Miß Jud^la" und die Huldigung des Vlize» Präsidenten der W'ar$ehauer Kultus«wnelndQ vpr ihr.herauf beschworen. Die einzige richtige Antwort auf diesen Unfug.hat der betriebsaime Hauspoet einer WaTschauer }ü* dischen Bühne gegeben, indem er gegenwärtig mit setoer MMiß Jüdene" die G*ch«ftelhuber der Wiarschauer Judiengasse und ihre widerliche Ma«kerade allabendlich bei-au»s-» verkauftem Haus Y«'ru^t« Selbst P a 1 äs td n a Ist von dieser Epidemie nicht verschont geblkben, und welches Unheil so. eine gedaukeii'lQse Naohaliirming apzurichten yermag, 'bwefost der FaW der vbrlährlgeh Sc^önheitsiköniglh TAPETEN aller Art Herrliche Hu5terl Grosse Auswahl l in jeder Prelslöfle! PHILIPP HAAS & SOHNE Wien, I., sroch-lm-CIsen-Platz 6 Telephon U-27-5-95 Kostenvbranschlöge iiber Wunsch von Tel-Awiiw, jener jemenutischen Arbeiiterin, die seither irgendwo beim Fiäm oder Kabarett ümtengieigang'en ist. Miß Europa., die Tochter des jüdischen Arzites von Kestzthely, Boasi Simon, ist nicht nach Gätoeston gefahren; Sie will erst stpäter, mit der in Galveston siegreichen ,,Miß America" im Endspurt, der sich abermals im Franikreich abspielen soll, den Kampf wm den Titeil ,^Miß Umiiversa" auifnehmen. Als Asslmiiaimtin ist sie Amhänigerin der kirchlichen Autorität und bat sich angeblich die Mahnungen des Bisehofs von Galveston zu Herzen genommen. M'ain hat ihr das Regleren als Schönheitskönigin jüdischer Konfession waihrülch nicht leicht gemacht. In ihrer Heimatstadt wurde sie mit Katzemmuslik emiptfangen umd muißte vor Imvektivßn der Rassenschützler nach Budapest flüchtea Die antisemitischen Blätter überschütteten sie wegen ihrer ^üdischien Zudringlichkeit" mit Kübein von Unflat, Die Cudsten in. Rumänien drohten ihr mit Tod und .Hölle und mit Protesten gegen „die Zumutung, daß eine Jüdin das europäische Schönheitsideal darstellen solle". Daau forderte die Presse die Revision des Friedensvertrages, daß Miß. Europa in Amerika in nationaler Trauergala auftrete und für die Wiedererstehung des Landes der Stephanskrone Propaganda mache« Mag sein, daß Simon Bozsti oder ihre Verwandten von allen diesen Dingen die Seekrankheit bekamen, noch bevor sie daran dachten, die Reise übers groß« Wasser am unternehmen. Dazu kormmt noch, daß sie erst in den letzten Tagen die Staatsanwaitsohaft in Bewegung setzen mußte, weil ein Verleger ihr Bild als Relklaime für ein erotisches Buch mißbraucht hat. Das Bild wurde auch konfisziert; In Galveston ist man über die Absage der Miß. Europa sehr ungehalten. Der Glou der Venanstaltuimg fehlt: Miß Europa defiliert in dem mit dem Trianonscihwuir: „Nein, neun soha!u („Nein, nein, niemals!") gesühmückten, schwarzen Badetrikot vor der. Jury. So eine Hetz läßt man sich doch nicht. gerne entgehen! Hoffentlich .entstehen daraus keine diplomatischen Verwicklungen, .Es ist waihrßch schwer zu sein, eine jüdische Schönheitskönigin- Aus einem Brief Einsteins an die ungarischen Jutfe«. Im Organ der ungarländischen Zionisten richtet Pro- , fessor Albert Einstein einen Appell an . die Juden Ungarns, den Keren Hajessod kräftigst zu unterstüteeni, und schreibt unter anderem: „Der größte Feind des jüdischen Selbstbewußtseins! und der jüdischen Würde, sind die aus Reichtum und Wohlstand herausgewachsene Degenerierung,; die Gesinnungslosigkeit und die leichtfertige Loslösung; von der jüdischen Gemeinschaft, i Nur dem Gefühl der Gemeinsamkeit können die schönsten menschlichen Eigenschaften entspringen. Wir. können esi daher ermessen, welch große Qefahr der sittlichen Weft des jüdischen Menschen droht, der seinen Zusammenhang mit der eigenen Nation verloren hat, von den 'übrige«' Nationen jedoch als ein Fremder betrachtet wird. Diese schiefe Lage ist der Fluch und die Quelle der freudlqsen Selbstsucht. Von außen her lastet ein großer Druck auf dem jüdischen Volk, aber das war für uns immer von* Nutzjen. Der äußere Druck hat die Nation zu größerer Solidarität geführt und ein Oemeinschaftsideal hervorgebracht, von Qwelchem die älteren Generationen nicht einmal zu träumen Wagten. Unter der Wirkung der neuen jüdischen Solidarität ist die Kolonisierung Palästinas in Angriff genommen) worden, an deren dauernden Erfolgen ich nicht zweifle. Der Wert dieses Werkes ist für das Judentum der ganzen Wochen-Kalender Mai 1929 1"« ö"sin Ijar 5689 17 Freitag 7-V Sabbateingang 7.30 Omer 22 18 Samstag 8-« Sabbatausgang 8.17 D^n crorDrn mraen sm» 19 Sonntag 9-3 Omer 34 20 Montag 10 - i Omer 25 — njjip n?3J?n 21 Dienstag 11 ~ T Om«r 26 , . 22 Mittwoch 12 - n Omer 27 23 Donnerstag 13-1 Omer 28 - TOn'TOri

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