Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 87 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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r Seite ö DIE NEUE WELT Nr. m Cafe Reklame CafeHer: Jakob Goldflfe* Wien, II., Praiersira^e Kr. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spleltische ) Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft Jüdische Passionsspiele in Amerika. Juden und Christen sind empört — Louis Marshai protestiert vergebens. In der letzten Nummer der „Neuen Welt" wurde berichtet, daß im New Yorker Hyppodtom vor vielen hunderttausend Zuschauern Passionsspiele nach dem Muster der Ofoerammergauer Spiele aufgeführt werden sollen. Den Hauptinhalt bilden die Leiden Jesus. In der rchep amerikanischen Au-fmachunig werden diese Darstellungen,, welche in der europäischen Vergangenheit so oft zu Judenmetzeleien und Hetzen Anlaß gaben, gewiß aufreizend wirken. Widerlich tierührt aber vor allem der Umstand, daß die Unternehmer und Hauptdarsteller Jude.nsind, der Theaterdirektor Moriz Gest und sein Schwiegersoiiru David Beiasco. Von christlicher, und jüdischer Seite wurden Proteste laut und; der Präsident des jüdiisch-amerJkanischen, Komitees Louis Marsh al richtete zwei Briefe an Herrn Gest, in welchen er ihn im Namen seiner Organisation beschwor, von;,dieser aufreizenden und beleidigenden Veranstaltung, welche das amerikanische Judentum In schwere Gefaihr bringt, abzusehen* G e s t Heß die Briefe unbeantwortet, wie es sich jetzt zeigt, wohlüberlegt. Marsbal veröffentlichte nun, wie Gest es erwartet «harte, seine Briefe' in der Presse. Nun •batte* Gest dieerwünschte billige Riesenreklame. Er veröffentlichte seinerseits ein Antwortteleg.ramrn an Märsbäl, ' zynisch und -roh, daher wirksam. Das Telegramm lautet: , „Ich habe Ihnen bis jetzt nicht geantwortet, weil ich es für besser fljalte, das Pufolikniim und die Kritiker 4er wich^gsteth Zeitungen uirteilen zu lassen. Ich halte die- PassiansspSele nfiebt für. schädlich. Wenn Jch sie für\geffthrfich "hielte, Wörde ich sie nichtaufführen." Mit Recht i-st MarsbaJl über diese freche Antwort empört und veröfifenflieiht jetzt seinerseits eine Antwort an Gest, welche mit «den Worten schließt: „Es ist frivol, die - Erfahrungen der: Vergangenheit zu ignorieren, wenn es sich um das Schicksal eines ganzen Völlces handelt. Bure Antwort beweist Eure - überraschende Herzlosigkeit, welche nicht vergessen werden wird!"— Gest ist natür- ' Höh nicht gekränkt, 'sondern höchst erfreut, per Zulauf ist gesichert, umso eher, als ihm letzt viele christliche und Jüdische Zeitungen gegen gute Bezahlung stützen. Es hat Sich erwiesen, daß der Einfluß des lüdisch-amerilcartisohen Komitees, das wofol auis. selbr reichen und mächtigen' Juden besteht, nicht tief reicht, wenn es sich um die'jüdische Moria!] handelt. Dieses Komitee kann Wohl die Juden dabin bringen, Geld für verschiedene Zwecke zu geben. Wenn es nationale Würde wünscht, bleibt seine Forderung wirkungslos. Herr Gest spielt ruhig den leidenden Jesus, wie jüdische Zeitungen seelenruihig - Bilder reichgewordener Jüdinnen bringen mit der Unterschrift: ,*Madame Sarah X, trägt die Perlen der letzten Zarin...." Jüdische Kandidaten für das englische Parlament. Innerhalb aller drei englischen Parteien kandidiert eine beträchtliche Zahl Juden in das Unterhaus. Von den konservativen jüdischen Kandidaten sind zu nennen der Ünterstaatssekretär beim Schatzamt M. A. Samuel, der Uiiterstaatssekretär für das Luftfahrtwesen Sir Philip Sassoon, Samuel Samuel, Sir Walter D- Frece, Major J. B. BruleJ-Cohen und Major Isidor Salmon, die bereits dem jetzigen Unterhaus angehören, sowie die Herren S. Gluck'Stein, L. H. QLuckstein,. Samuel H. J. Solomon und'Bloch, die neu 'kandidieren. Von den jüdischen Kandidaten de r Ar bei t^rp arte! sind zu nennen der frühere Arbeiterminister Shinwell und Colonel Day, die dem letzigen Parlament angehören, und die neu kandidierenden C. E., Spero, L. Spero, G, R. Strauss, J. B. Baum und M, Marcus» Auf dem Programm der liberalen Partei kandidieren außer den bisherigen Parlamentsmitgliedern P. A. Harris, E. A. Strauss und Major Höre» Bellsba noch Sir Samuel, Major H. L, Nathan, L. B^Frank- IIa, L. Freedman, M. J. Landa, H. B. Mackower, C. Picdotto, S.• Teff, Philip Guedalla, Marcus Lipton, W. E. Baron, Oberstleutnant C. Waley-Cohen, S. PnMips, R. G. LjvewtHHi <nid Sri. Cohen. wümm »Mb« SIEGM. KORNMEHL OROSSFLEISCHHAU«Ril Zentrale. 1%,. Belasse 19, boiil7'3t99p.iW4 e n , ,..- -r ™ f Ii w 'fü|j-+" jm iiw m ,ip m m litt C% 'I % :# #ü r <■ H i H fee f I I t Jj£*^ «aUr Autiiflht d*% Ehrwürdijroii R*bbioftt« aar Kul* tu»gemeinde Wien, AutosMStalluno kostanloe Hl. »«w«f»t> 19 / XVIII., Wihrlfii«r»lr. ff mmm"'...... '"»...........»~»^^ Wie Plehwe den Zionismus aufhalten wollte. Da« geheim« Rundschreiben vom Jahre 1903. Wie das zaristische Rußland sich zur zionistischen Bewegung verbleit, zeigen die zahlreichen und intensiven VerioTgUrrgen, denen der Zionismus aasgesetzt war. f)tr AosgahgspurtSt der russischen Veffol-gungspolitik gegenüber dem Zionismus und ihre Baals' war das „historische" Zirkulär, das der traurigibertthnlte rassische InnernninSster Pleäwe im Jahre 1903 an die Behörden versandte. Bis au Plehwes Zirkular hatten die einzelnen fussischen Behörden keine einheitliche Orientierung gegenüber der jungen zionistischen Bewegung. Der Zionismus war in der jüdischen Gasse eine neue Erscheinung und nicht alle Polizeibehörden1 wußten sich mit ihr abzufinden. Es herrschte Desorientierung. Plehwes Zirkular hatte die Bedeutung»' daß es klar, kategorisch und autoritativ ei« iür allemal die Beziehung der rassischen Regierimg zum Zionismus formulierte und die Richtlinien vorzeichnete, wie man mit den Zionisten zu verfahren habe. Plehwes Zirkular wwde an alle Gouverneure Rußlands als ,»v d \ i ko m m e n g e fc.e 1 «'*■ geschickt, die es mit der gleichen Vorsicht an Ihre untergebenen Organe weitergaben. Dennoch wußte aian'davon. Man erfuhr, daß Plehwe ein Ve r l ol gu n g s xl r ku 1 a<r gegen den Zionismus erlassen habe, der genaue Inhalt aber war itnbekar*nt. Im Archiv der Jüdischen 'Historisiah-Ethinographischen .' Gesellschaft in Wilna, die - den Namen Sch. An-^s'kls trägt, befindet sich das Exemplar des geheimen Zirkulars, - welches.. der WUnaer: Qouverneur am 19. Juli 1903 dem Wilnaer Polizeichef Oberst Meyer betreffs des Zionismus zustellte* Dieses Zirkular, das während des Weltkrieges in jüdische Hände geraten war, ist eine Wiederholung des Plehweschen Zirkuläres, auf das es sich Schwedens beste Rasierklinge lasiert schnell, angenehm, emält die Haut zart. auch •beruft- Magister Pltikäs C o h n veröffentlicht nun Im New Yorker „The Morning Journal" den Text dieses Zirkuläres, das für die Geschichte der zionistischen Bewegung in den. heutigen Randgebieten ein trauriges Kapitel bedeutet. Der Gouverneu^s^ihreibt: .... . .;;..- „Den .Nachrichten,?d|et sich im ^Innenministerium über die sogenanhiien zionistischen Vereifte bMnderi, ist zu entnehmen, daß diese Vereine, die sich ursprünglich das Ziel der jüdischen Aus Wanderung nach1 Palästina stellten, um dort einen selbständigen jüdischen Staat zu schaffen, gegenwärtig die; Verwirklichung dieses Gedankens für eine ferne Zukunft aufgeschoben haben und ihre Tätigkeit auf die Entwicklung und Festigung der nationalen jüdischen- Idee richten,; Zu diesem Zweck predigen sie.' die Vereinigung der Juden zu geschlossenen Organisationen an jenen Orten, wo sie jetzt leben. Diese Richtung, die der Assimilierung der Juden mitden anderen Nationalitäten leiudlich gesinnt ist, vertelt den Rassenantagonismus zwischen diesen und jenen und widerspricht den Gründlagen der russischen Staatsidee, Deshalb kann die Richtung nicht toleriert werden. Deswegen und in Uebereinstimmung mit dem Zirkular des Innenministers vom 24. Juni Nr, 6142 beauftrage SUCHE für meinen Bruder, gebildeter, sehr gut sit. Großkaüfmann derTextilbraridhe von seltener Herzensgüte, 34 Jahre alt, aus erstklassiger jüdischer Familie, fesches intelligentes wirklich hübsches großgewachsenes Mädchen aus besseren jüdischen Kreisen, die einem tradition. rituell. Haushalte vorstehen kann. Mitgift erwünscht, jedoch nicht Hauptbedingung. Zuschriften unter „Seltene Gelegenheit" an die Expedition dieses Blattes ich Eure Exzellenz, mir in-möglichst kurzer Zeit Nachrichten über die zionistischen Kreise, die dort existieren, und Ilire Anseht Über deren Bedeutung vom staatflicheh und nationalen Standpunkt zuzu'senden. ,, Wegen der dringenden Notwendigkeit aber, Verhtitungsmaßnahmen zu treffen und die Fundierung der zionistischen Organisationen und die Entwicklung der «io* nlstischen Bewegung in ihrer schädlichen Richtung z«, paralysieren,'schlage ich Ihnen noch vor Beant* wortung der gestellten Frage in Uebereinstimmung mit dem erwähnten Zirkular des Staatssekretärs Plehwe als Richtlinien folgende Anweisungen vor; - '<! 1. Die Propaganda der zionistischen Idee an öffentlichen Plätzen und auf Versammlungen gesellschaftlicheh Gharakter« ist zu^ verbieten.' Zu' diesem Zweck muß - die Tätigkeit der speziellen zionistischen Agitatoren, der sogenan'nten Magidlm, die die Städte und die Städtehen bereisen und in Synagogen und bei gesellschaftlichen Veranstaltungen Reden halten, um däs Publikuim und besonders die große Masse für die zionistische Bewegung m gewinnen, unterbunden werden. 2, Ebenso sollen die schon bestehenden zionistischen Organisationen, die ganz Rußland wie mit eiaam Netz umspannen, Inabiefo Ibra Tätigkeit sich öffentlich in Meetings, Veranstaltungen und anderen Zusammenkünften äußert, verboten werden. 3. Konferenzen von Repräsentanten und Anteilnebmern an zionistischen Organisationen (aus Rayons, i« welche die Zionisten ganz Rußland eingeteilt haben, Kreisen, verschiedenen Loikaien und gewählten Gruppen) d-ürfen nicht gestattet werden. 4. Allerlei von der Regierung nicht erlaubte Geldsammlungen für zionistische Zwecke, das Verbreiten von Aktien der Jüdischen Colonialbank in London in befristeten Scheinen, die nach Rußland nicht eingeführt werden dürfen, ebenso wie Sammlungen zugunsten des Jüdischen Nationalfonds, der dort gegründet wurde, und solche, die durch das Herantreten an die ganze jüdische Ortsbevölkerung betrieben werden, sollen sofort nach Erhalt von Nachrichten über solche Sammlungen eingestellt werden. Personen, die an der Spitze solcher zionistischen Organisationen stehen, müssen sich durch Unterschrift verpflichten, das Leiten der Bewegung und das Betreiben jedweder Geldsammking einzustellen. Die Summen, die sich in ihrem Besitz befinden, soll man, wenn sie auch entgegen der Erlaubnis des Staates durch Sammlungen zustandegekommen sind, mir zwecks Überweisung an jüdische Wohltätigkeitsinstitutionen zustellen« Aktien und befristete Scheine der jüdischen Colonialbank wie auch Quittungen von Einzahlungen zugunsten des Jüdischen Nationalfonds sollen beschlagnahmt werden unddie Personen, welche die oben erwähnten Dokumente verbreiten, sollen sich durch .Unterschrift verpflichten, für die Zukunft sich von solcher Tätigkeit loszusagen. 5. Man soll auch die Organisierung von neuen wie auch existierenden Schulen (Chedarim), Bibliotheken, Lesesälen, Samstagschulen für Erwachsene, Kursen zur Erlernung der hebräischen Sprache, öffentlichen Vorlesungen über jüdische Geschichte und ähnlichen von Zionisten gegründeten Institutionen k o n t r o 11 i e r e n. Die jüdischen staatlich genehmigten, den religiösen Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung im Lande dienenden Schulen -sollen nicht unter Führung der Zionisten zu Anstalten für die Entwicklung des nationalen Separatismus im russischen Judentum verwandelt werden. 6. Wenn bei den kompetenten Behörden Kandidaten zur Bestätigung ■ eingereicht werden, die für gewisse Aemter in den jüdischen Gemeinden, hauptsächlich als Rabbiner gewählt wurden, sollen über diese Kandidaten Informationen b e' t «rse f f s i h r e r Beziehung zu d en z i p n i s t i s c!b e n Organisationen beigefügt werden. Ueber jeden Fall der Entdeckung einer Tätigkeit von Personen, die an der 'Spitze1 der^löwis-tisbhen Organisation stehen oder an deren Arbeiten teilnehmen, wie auch über die Mittel, die Sie zur Liquidierung der Tätigkeit im Sinne der Forderung dieses Zirkulars ergreifen, sollen Sie mich sofort in Kenntnis setzen." . * Diese antizionistische Politik des russischen Zarismus ist nicht der Abschluß, sondern der Beginn der grausamsten Verfolgung des Zionismus und des Judentums im heutigen ibolschewlkisc'hen Rußland, über die wir eine zusammenfassende, mit Dokumenten belegte Darstellung bringen werden. Ein Aufruf Schwarzbarts. Schalem Scn war zbart und der Advokat Eberl in haben, wie die J. T. A. aus P a r i s meldet, einen Aufruf zur Schaffung eines Weltverbandes für jüdischen Selbstschutz« gegen Pogrome veröffentlicht. In dem Aufruf wird' an die ' Schrecken'der Pogromja'bre 1919/20 erinnert und betont, daß die Auffassung, es könnte eine solche Epoche nicht wlederik'ehren, falsch sei. Man müsse für alle Fälle gerüstet seip. Eine Gedächtnisfeier für Gregor Itelson. Vor drei Jahren starb der Philosoph Gregor Itelson, ein Gelehrter von hohen Graden und intemationaleirt, Ruf, an den Folgen eines Ueberfalles eines Haken-» kreuzlers, der ihn während seines abendlichen Spazierganges in der Tauentzienstraße zu Berlin als Judten' schwer beschimpfte und ihm mit einem Knüttel schwere Verletzungen am Kopfe beibrachte. Der Ueberfalt haü den Gelehrten nicht nur physisch gebrochen, sondern ihn auch seelisch tief niedergedrückt. Dieser Tage hat sich «ine Gruppe persönlicher Freunde des Verstorbenen zusammengetan, um die Erinnerung an Itelson wach zu halten. Am! dritten Todestag Itelsonsj den 9. Mai, fand im Guttnann- Saal eine Itelson-Gedächtnisfeier statt, die von zahlreiche» STRENG WS SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., lflQft«r««ubwr««ritr«a« 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr, Ehrwtirden des Rabbiners M. Mayersohn t 3 * *i a mmi v Mn i 9 iyt ' r rmia ooncon pm wm,rnw nrwn nnp >N fiß ptornrnW WTHÖ TKD 'Täglich frische und erstklassige Spezial-Erzeugnlwe feinster . Wurstu, Selchwaren. «~ Provlnaversand W IL II ILM PITYANi SILCHWARIN-FABRIK i wien, XX., KlotternffoMrgeratrafle 30 T«lepl»on A-43,1-59. J LU tAUJl <i üyL»Ii»A KW! IllllllllllltUll