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Die neue Welt · 1929-05-17 · Heft 87 (17.5.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 87 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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. 87 DIE NEUE WELt Seite 5 Die jüdische Presse in Polen. Die ökonomisch-statistische Sektion des jüdischen wissenschaftlichen Instituts in Berlin hat auf Grund offizieller Quellen zusammenfassendes Material über die. in Polen erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften in jüdischer und hebräischer Sprache fertiggestellt. Festzustellen ist, daß d'ie jiddische Presse im Wachsen begriffen ist. Der Prozentsatz der jiddischen periodischen Ausgaben zu der Gesamtzahl dietser Ausgaben war: 1925: 6-5 Prozent; 1926: 6.2 Prozent; 1927 7 Prozent; der der hebräischen in den gleichen Jahres 0-9 Prozent; 1 Prozent , 0.7 Prozent 1927. erschienen in Polen folgendde periodische Ausgaben: politische 1598 (80.2 Prozent), jiddische 139 (7 Prozent), deutische 98 (5 Prozent), ukrainische 87 (4.4 Prozent), weißrussische 23 (1.2 Prozent), russische 17 (0.9 Prozent), hebräische 15 )0.7 Prozent), andere 12 (0.6 Prozent); insgesamt 1975 (100 Prozent). Während also die 3,898.000 Seelen zählende ukrainische Bevölkerung nur 87 Presse-, ofgane unterhält, bestehen für die 2,845.000 Juden 154 (jiddische und hebräische) Zeitungen und Zeitschriften.1 Dagegen fällt der Vergleich mit den Deutschen in Polen für die Juden ungünstig aus: die 1,059.000 in Polen lebenden Deutschen verfügen über 98 Presseorgane. I Die Mehrzahl der jiddischen Zeitungen und Zeitschriften (92 von 139) ist. politisch informativen Charakters, der Rest dient Erziehung und Bildung (religiöse, wissenschaftliche, illustrierte Zeitschriften, sowie Blätter für Technik, Theater, Bibliographie, Kinder- «tnd Jugendzeitschriften, humoristische Blätter usw.). Nach den Woiwodschaften ist die jüdische Presse wie folgt eingeteilt Stdt Warschau 46 jiddische, 9 hebräische periodische Ausgaben: Woiwodschaft Warschau 4 jiddische 0 hebräische; Lodz 14 jiddische, 3 hebräische; Kielcy 10 jiddische, 1 hebräische; Lublin 8 jiddische, 0 hebräische; Bialystok 17 jiddische, 0 hebräische; Wilna 9 jiddische; Nowogrudok 2 jiddische; Polesje 5 jiddische; Wolhynien hebräische; Lemberg 2 jiddische Zeitungen |FüR HAUStmoQARTEN Für Strasse u Sport d«r gute österreichisch« Sfrapaz« Leinenschuh VICTORIA starker Gummisohl« und exfra v«rtf8rkf«m Absate, Außerordentlich halfbar. In allen •fnidtltafgan Geichäffen •rhfilflldi. PraiM p«r Paar in Sehilling Kinder Mädchen Frauen Männer 5.20 6.50 35-41 42-46 . Krakau 3 jiddische, 1 1 hebräische; Stanisiau 11 jiddische; jiddische, itiiWiiwaMhiiiiaBüM^ Zum Friedensschluß zwischen Italien und dem Vatikan. Von Ludwig Bato. Nach, dem Abschluß des Konkordais zwischen Italien und der päpstlichen Kurie, das, im Zusammenhange mit der Wiederherstellung des Kirchenstaates und der vollständigen Kursänderung in der Jpiifiher.i^en.'. freiheitliclien Politik des ^önigreiclies, als. ein großer Sieg der k 1 e r i k a 1 e n K r eis e gewertet wird, herrscht im Kreise der italienischen Jiidenheit eine stark pessimistische Stimmung vor. Dieser Pessimismus ist leidit verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß das vereinigte Italien, an dessen Erkämpfung sidi die Juden mit Bljit und Geist beteiligt hatten, für sie vom ersten Täge an bis zum Ende des Weltkrieges ein H o r t d e r F r e i h e i t war. Mit der kirchenfreundlichen Haltung des Faschismus hat nun die italienische Politik, die bis zu. diesem Zeitpunkte mit Fug und Recht im guten Sirine des Wortes als liberal bezeichnet werden konnte, eine ganz neue innere Richtung eingeschlagen, die sich zunächst in der grundlegenden Aenderung des früher gänzlich säkularisierten Schulwesens zum Ausdruck kam. E)er Volksschulunterricht wurde nämlich auf rein k a t h p 1 i s c h, e Grundlagen gestellt, so daß er in allen Gegenständen ein ausgesprochen christliches Gepräge erhielt, wobei allen Schülern die Verpflichtung auferlegt wurde, den katholischen Religionsunterricht anzuhören. Es: bedurfte des Einschreitens des jüdischen Gemeindelcmndes, um zu erwirken, daß die jüdischen Schüler auf Ansuchen von der Teilnahme an der christlichen Religionsstunde befreit werdeii konnten, Damit war aber die Sache natürlich nieb-t erledigt, denn, plötzlich empfanden die. jüdischen Eltern das: Unerquickliche der Lage: sie mußten ihre Kinder in Schulen schicken, wo sie im Geiste des ihnen fremden Katholizismus unterwiesen wurden.. Dieser Stimmung machte der inzwischen verr storbene Professor Pölacco, früher Rektor der IJniversitäi zu Rom und Erzieher des Kronprinzen, Luft, indem er in einer großangelegten Rede inj. Senat, vpiji. dem den Juden angetanen Unrecht auagehend, die Errichtung von eigenen j ü d i- §cten Schulen auf Staatskosten forcierte. "• ■ .'; 1, Dieser Wunsch ging natürlich nicht in ErfU)Jung,.fijij(jcl s,o sahen sich, die größeren jüdischen ^neiniden*genötigt, zur Selbsthi 1fe zu greifejj. früher bestandene jüdische Gemeindesdiulen wu?« aüsgebjftiif, neue ins Leben gerufen, und si/e KURORT GLEICHENBERG AmiÖ. Mai 1929 wird das älteste und streng orthod. "itps-Restnurnnt-Hotel Drelbaum neu renoyiert eröffnet Pensionspreis Inklusive Zimmer S 8.-~ tHgUch ■ ■. . Will!" W*lw urtweisen allesamt eine gute Frequenz auf. Nicht interessant ist es, daß beispielsweise die jüdisdien Gemeinden in Tufrin und,:Maiila.nd große Autobusse haben, mit denen die entfernt wohnenden Schulkinder " in^ cle^ ^rii,]! abgehpjj., und Nachmittag aus der Schule, »wieder nach Hause, gebracht werden. Jüdische Kinder, die die staatlichen Volkssdiulen besuchen^ erhalten auf Wunsch jüdischen Religionsunterricht. . >. Nun hat die Regierung'jetzt, eine eigene.Kommission in Rom ernannt, die sich mit c}er Frage des jüdischen Reli.gi o n s uai t e r r i c h le s > J?efassen soll. Derselben Kommission obliegt auch, die Schaffung eines e i n h e i t1 i c h e n G ve s.e t z e s über die jüdischen Gerne inden,-<clas die. in den yersdiiedeuQn Teilen des, Königreiches: bestehenden, ganz auseinandergehenden. , ges,etzlidien Grundlagen für clic Gemeinden —' m\Ve)ietien gelten zum Beispiel nödi die österreidusdiei) und in Piemont die sardisdieri Gesetze — ersetzen soll. Diese Kommission hat ferner den Axifträg-~ejrr halten, auch die Frage des: j ü d i s e h e n ß h cg^e s e t z e s zu studieren. Es ist nur wenig bekatäiftt, daß trotz der obligaten Zivilehe» die übrigbn^je^t _||r die Katholiken nur fakultativ gewprdenj(;ist,! $$is auf dem kanonischen Rechte fuHende .iiaUe-; fische Ehegesetz die Uni ö s b a r k e i t der a% c h für die Juden vorsieht.; "1 V ', , .'.'*"..• ' \' fjk Seit achtundsechzig Jahren besteht. iiia- {iejnisdie Königreich, und während dieser |>$t IfTaeji^ Juden; in Italien cljie; Jiöfäisten stÄai^|efl, jvirtschaftlidien und gesellschaftlichen Stufen er-, klommen. Es ist leidit erklärlich, daß die ^üdwtfce .Gemeinschaft angesichts der Abkehr Italiens; 'Von seinen bisherigen Grundsätzen, der Zu^unfji: ipit Besorgnis entgegensieht und die Befürditung hegti d'§.ß durch das TJeberhauclnehmen der vom Staate geförderten klerikalen Richtung;, dte* iü Italien — im Gegensatze zu vielen anderen; Staaten ■~C eine ausgesprochene antisem iti Sehe Tendenz hat, die Juden aus ihren Positionen,'#i>U* fündig verdrängt werden, eine Befürditüng, die leider durdiaus nicht unbegründet erscheint,;y-r?; ff'' Zur Steuer der Wahrheit soll nicht unerwähjrt leiben, daß gerade in Rückwirkung auf die katliöliierende Tendenz der Regierung ein r^e g.^ jfes j - ji d i s c h e s Leben in Italien zu beobachten <|st» ^j|d .daß infolge der letzten Ereignisse Jude^v zrtwi ^\idöntum zurückfanden, die ihm bisher vcillstä.n|(ig teilnahmslos gegenüberstanden. Andererseit|;i^;se9t 35Ü bedauern, daß das einzige jüdische Wpdien^fatt Italiens, „Israele", das in den letzten Ja.hr.en jn Turin ersdiien, eingegangen ist. ' \, >■ *' h'. " \ j* Aber viel schwerwiegender für tSes^mtjudeiiheit ist die Neüerrichtung des ^lVÄ«yar Staates in ihrer Rückwirkung auf Palästina, Der durch die italienische Geldentscfaadigung finanziell uhet dufeh den Friedensschluß mit Malieh auch politisch ungemein erstarkte Vatikan wird zweifelsohne mit, aller Zähigkeit und Zielbewußtheit daran gehen, seine Position in Palästina auszubauen. Die päpstliche Ktitfc kann hiebei auf' die unbedingte (Mithilfe Italiens: rechnen, denn abgesehen davon, daß der Katholizismus im Heiligen Lande hauptsächlich durch Priester italienischer Nationalität vertreten wird, gehört Palästina, als ehemaliges römisches Dominium, nach der faschistischen Ideologie zu Italiens Machtsphäre. Hiezu kommt noch, daß die italienische Mittelmeerpolitik einer solchen Fußfassung des Vatikans durchaus sympathisch gegenübersteht. Formell hat wohl das in Italien nichts weniger als beliebte Frankreich, diese etwas ungebärdige „erstgeborene Tochter der Kirche", das Protektorat über die Katholiken im Orient inne, damit ist es aber, in Palästina in Wirklichkeit sdion langst zu Ende. Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Monsignore B a r 1 a s s i n a, der ein geschworener Judenfeind ist und dessen „unmittelbar bevorstehende" Abberufung seit vielen Jahren nach jeder von ihm in Szene gesetzten Judenhetze feierlich versprochen wird, wird für die wirksame Wahrung der iiunmehr vereinigten italienischen und päpstlichen Interessen in Erez Israel bestens Sorge tragen. Wenn er auch in seiner Jugend in Turin sehr eifrig das große Werk des Maimonides, „Führer der Unschlüssigen", in hebräischer Sprache studiert hat, ist er niemals unschlüssig, wenü es darum geht, den Juden eins am Zeug zu flicken. Zwei Ereignisse der letzten Zeit sind übrigens sehr bezeichnend für die Rüstungen des Vatikans. Vor allem die Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Palästina und die Absage der Palästinareise des Oberhauptes der anglikanischen Kirch e, die über Einspruch des päpstlichen Stuhles erfolgt sein soll. Nun wirft der Vatikan die Frage der Heiligen Stätten in Palästina auf, aber das ist nur der Anfang. Der Zionismus muß unbedingt mit einer zähen und mächtigen Gegnerschaft rechnen, die nach dem Friedensschluß mit Italien audi eine europäische Großmadit hinter sich hat. Es ist uns nicht bange davor, allein wir müssen diese Gefahr ins Kalkül ziehen, und es wäre Selbsttäuschung, wenn man vom Vatikan Wohlwollen erwartete. Hitler-Töne aus Italien. Der Mailänder „Cprriere della Sera" «betaprioht den eben in München durchgeführten Prozeß Hitlers .gegen seinen völkischen- Kumpan Graefe, der ihn der Bestechung :durch Italien beschuldigte. Graefe wurde verurteilt, trotzdiemv aber ist die Sache nicht auifigeilclärt wordieji. Das Mailänder Blatt freut sich über das Lob, das Hitler dorn neuen Italien spende, und meint, er habe das Verdienst, die ■itali-erasohrdejütschen Beziehungen in anderem Licht als „die a ii t if .aschis U s ch e Ju denpre-ss e" darzustellen. Das. itaiiemsohe Blatt, das vor radit -ganz (ferner Zeit, von den deutschen Chauvinisten als „Judenlblatt" aJnigspöbelt. wurde, Jiat den Hltler^Katecbianius mt gelernt. Nicht .zur.Ehre der,.immerhin rttfetnensiweTten Vergangenheit •des Blattes.! , Die Religionsfreiheit in Italien. Aus R om", 10. Mai, meldet die J. T. A.: Bei Etabriug'iuig den Vorlage über die Position der 'niohtkatholischen Religionen in Italien erklärte der Justiziritni-ster, Siguor Rocco,' daß nach dem neuen Gesetz die Geistlichen der nichtkätholischen Konfessionen die gleichen Rechte wie die Geistlichen der Staatskirche haben. Geistliche aller Konfessionen erwerben eine juridisphe Position und fungieren bei Eheschließungen als ^Staatsfunktionär«. In den Söhuieri erhalten nichtkatholi-sohe Kinder 'Dispens vom katholischen ,Religionsunterricht. Alle Bürger, ungeachtet der Religion, sind vor dem Gesetz gleich. Jüdischer Hcch&chülausschuß, IX.j ZJmmerroannplatz 8. Donnerstag den 16. Mai 1. J. um lialb 8 Ubff abend im Cafe Arkaden, Wien I., Univerisiltätsstraße Studenten-Meeting. Thema .„D.sr jüdische Student .u n d P a 1 ä s t i n a". Sprechen werden Oberbaurat Robert Stricker und Dr. J, Wald mann, die vor kurzer Zeit in Palästina weilten, Kollegen und Kolleginnen! Wir fordern euch auf, zahlreich werscheinen. Gäste willkommen;. Ich' habe meine Advokaturskanzlsi etabliert und fiihre dieselbe in Gemeinschaft mit Rechtsanwalt Doktor Michael Ringel, welcher sein Büro in Lwow, Kosciuszkigasse 8, reaktiviert hat. Dr. Artftr^ I^ileh. E MiiraflHentrale Wien — Merkas Wie «Ml Wien .:; $Qnntag, 4en J9. Mal 1929, prä^se: »/410 Uhr vormittags, im Festsaale des Hotel „5<ephaniew, II., TahorstraiBe 12 MASSENMEETING Redner : Chiefrabbi Prof, Or. I. Undau, Johaimisburg (Südafrika) Thema: Di« Stellung de« Mlsraohl In der Zlonl»tlsbh«n Weltorganisation Juden erscheinet in Massen! Eiatrltt fr«i l

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