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Die neue Welt · 1929-05-17 · Heft 87 (17.5.1929) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 87 (17.5.1929)
Date
1929-05-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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^Nr. 87 DIE NEUE WELT Seite 3 * Jaffaer, Juden, die 1909 eine Gartenstadt auf den Dünen schaffen wollte, wußte vielleicht nicht, was sie tat, aber ihr historischer Instinkt leitete sie richtig und aus der Gartenstadt wurde das jüdische Tel-Awiw, das heute zwanzig Jahre besteht und das trotz aller Probleme der letzten Jahre zu den stärksten Leistungen unserer Aufbaubewegung zählt und dem es zu gönnen war, daß es nach den Schwierigkeiten der letzten Jahre sich auch einmal seiner Leistung freuen durfte. Heute wird die Frage, ob Tel-Awiw existenzfähig sei, wohl von niemand mehr gestellt werden. Die Ausstellung ist der beste Beweis und auch sie ist in diesem Zusammenhang zu nennen! Denn diese dritte Ausstellung gibt eine erschöpfende Antwort auf die Frage, wovon Tel-Awiw lebt und zeigt in ihrem Hauptpavillon, dem Pavillon für T o z ereth-Haaretz (Produkte des Landes), wie überraschend sich die Stadt entwickelt hat. Und es ist nicht nur für Palästina im allgemeinen, sondern gerade auch1 für Tel-Awiw ein Zeichen ehrender Anerkennung, wenn heute große Automobilfirmen, wie Citroen und General Motors, wenn heute die großen Petroleumtrusts und die Chemical Industries es für vorteilhaft halten, an diesen Ausstellungen teilzunehmen. Es ist auch interessant zu bemerken, daß die syrische Regierung eine besondere Delegation sandte, um die Ausstellung zu besichtigen. | Jubiläen, wie die der 2. Alijah und Tel-Awiws, dürfen bei uns ruhig gefeiert werden; denn jüdischem Temperament liegt es gewiß nicht, sich beruhigt zu freuen, wie1 herrlich weit wir es gebracht haben und zu vergessen; daß alles Geschehene nur Wert hat, wenn es, und zwar in größtem Maßstab, fortgesetzt wird. Das klang mit besonderer Deutlichkeit aus den Reden heraus, die Ben Gurion, Chajutah Bussel und andere in Petach Tikwah hielten und wo jede Rede das1 Gelöbnis enthielt, weiter zu arbeiten und wo die Erinnerungen an die 2. Alijah ihren eigentlichen Sinn aus den Hoffnungen auf die fünfte. erhielten. Es scheint, als wenn diese Hoffnungen sich, vorläufig in bescheidenem Umfang, erfüllen werden, denn zwischen Zionistischer Exekutive; und Arbeiterorganisation ist eine Einigung erreicht worden) kraft dern jetzt von der Regierung wiederum Zertifikate verlangt werden. Immerhin gab es auch einiges in der Pessachwoche, was nicht nur an die Vergangenheit erinnert, oder in die Zukunft deutete, sondern beweist, daß auch in diesem! Augenblick in Palästina gearbeitet wird. Das von Lina und Nathan Strauß gegründete und von der Hadassah verwaltete G e s u n d h e i t s z e n t r u cn in Jerusalem wurde in diesen Tagen durch den Oberkommissär eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Palästina und speziell Jerusalem haben keinen Mangel an' modern eingerichteten Krankenhäusern: Was fehlt oder jedenfalls nur in ganz unzureichendem Maße vorhanden ist,- liegt auf sozialhygienischem und überhaupt sozialem Gebiet: Die orientalisch-jüdische, aber zum Teil auch die ostjüdische Gemein- Sali Geiger Wien Heinrich Wenig Antwerpen empfehlen sich als Verlobte Wienern Mai 1929 schaft sowie die Araber sind: fern von jeder modernen Hygiene und eine Stelle, die die werdende Mutter und die junge Mutter berät, sie über Säuglingspflege orientiert und die alle jene Erkenntnisse verbreitet, die in Europa' lähgst Gemeingut auch der ärmeren Bevölkerung geworden sind, hat große Aufgaben zu erfüllen. Palästina hat eine außerordentlich große Bevölkerungsvermehrung, aber vorläufig eine sehr große Säuglingssterblichkeit, vor allem in den ärmeren Schichten beider Nationen. Hier ist eine wichtige Aufgabe zu erfüllen. Die neue Institution steht, wie dies bei allen jüdischen Krankenhäusern der Fall ist, Arabern wie Juden offen und in diesem Falle hat man sogar vorgesehen* daß am Dienstag das Gesundheitszentrum nur von Frauen besucht werden darf, damit Mohammedanerinnen es unbedenklich aufsuchen können. Grundsteinlegungen haben in Palästina nicht ganz dieselbe Bedeutung wie in Europa. In Europa is.t die Grundsteinlegung der wirkliche Beginn des Baues und man kann am Tage der Grundsteinlegung das neue Gebäude sozusagen schon als bestehend ansehen. In Palästina bedeutet die Grundsteinlegung in vielen Fällen nur den Wunsch, eine bestimmte Institution ins Leben zu rufen und nach der Grundsteinlegung verfließen manchmal nicht nur Monate, sondern Jahre, bis es gelungen ist, die Mittel flüssig zu machen, die den wirklichen Bau gestatten.' Es gibt in Jerusalem Baulichkeiten, wie zum Beispiel das4 Diskinsche Waisenhaus oder das Krankenhaus Bikur Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke Cholim, wo zwischen Grundsteinlegung und wirklicher Fertigstellung mehr als ein Jahrzehnt verflossen ist. Mari baute einige Monate, dann ging das Geld aus und es bedurfte einer neuen Finanzierungskampagne, bis wieder ein Stückchen weiter gebaut werden konnte. Ja, es gibt Institutionen des alten Jischuw, wo das Niemals-ganz-fertigwerdsn geradezu Prinzip ist, denn wenn man fertig ist,' wofür soll man schnorren? Diese Bemerkung ist vielleicht nicht überflüssig,' wenn von den Grundsteinlegungen der Pessachwoche hier die Rede ist. Zu zwei neuen Stadtvierteln wurde hier der1 Grundstein gelegt, zu beiden im Nordwesten der Stadt,; wo bereits Giwath Schaul, Kiryath Mosche, Beth Hakerem' und Bajith Wegan bestehen: Ein Viertel des alten Jischuwi „Etz Chajim" und ein Viertel der Bne Brith- Lo ge n, das in unmittelbarer Verbindung mit Bajith Wegan entstehen soll. Ueberhaupi; haben , die Bne Brith-Logeri jetzt größere Mittel zur Verfügung, mit denen sie in' Jerusalem die Baubewegung erleichtern wollen. Hoffentlich werden die beiden neuen Stadtviertel (Schchunoth) bald wirklich gebaut werden. Das ist sicherlich der Fall beim Büro haus des N a t i o n a 1 f o n d s, dessen. Grundstein am ersten Chol Hammoed-Pessachtag in Rechawiah. gelegt wurde. Hier ist ein großes Grundstück vorhanden, auf dem das gemeinsame Haus der Zionistischen Exekutive, des Kerenj Hajessod und des Keren Kajemeth gebaut werden soll und wo auch für eine Reihe anderer nationaler Institutionen, so den Waad Leumi (Nationalrat), Platz vorgesehen ist. Hievoni REPTILLEDERSCHUHE in allen Farben von S 37b50 bis S ^tS«"" direkt in der Fabrik bei LISSIANSKY VII. Kaiserstraße Nr. 46 - im Stock wird zunächst der Flügel gebaut werden, der die Büros des Nationalfonds aufzunehmen bestimmt ist, während die! anderen Institutionen erst auf günstigere Finanzverhältnisse warten. Gegenüber diesem Grundstück befindet sich der Neubau des hebräisch e n Gymnasiums, der sich der Vollendung nähert. Damit wird Rechawiah ein wichtiges Zentrum des neuen jüdischen Jerusalem werden, das in den zionistischen Zentralbüros und dem Gymnasium1 seinen Mittelpunkt hat wie Beth Hakerem in dem Lehrerseminar. Die Tote-Meer-Konzession. Der Kampf in der Kali-Industrie. Die Angelegenheit der Tote-iMeen-Konzession scheint nunmehr wenigstens formell zu einem gewissen Abschluß zu kommen. Ein Prospekt gibt die Namen der Persönlichkeiten, welche das Konzessionsbegehren der Herren Tul- 1 o c h und N o v o m e y s k y, das ja jetzt endgültig 'genehmigt zu sein scheint, unterstützen. Es werden folgende Herren, beziehungsweise Firmen genannt: ßasil Montgomery and Company, London, C. Tennant, Sons and Co. Ltd., London, Pauling & Co. Ltd., London, Mr. Leislie, Ur quhart, der J e w i s h C ö 1 o n i a 1 T r u s t L t d., London, die Palestine 'Economic Corp oratlon, | Verband demokratischer Zionistcn | i MIKwoch, den 22. Mai 1929, um halb 9 Uhr abends im 1. | Cate Produktenbörse IL, Taborstr. 10 (Klublokal) | (Versammlung] g Gegenstand: g | Englands Orienftpolitfk - England | | und Palästina | H Referent: j| | Dr. N. Samonsky | 1 Eintritt frei I Gäste herzlich willkommen! j§ . Der Sechser. Eine wundersame Geschichte, nacherzählt von B. Epelbaum. Irgendwo in einem Meinen Städtchen im Lande Polen wohnte ein frommer, reicher, wohltätiger, der heiligen Schriften kundiger Jude, der allen Gute« tat, an die Armen wicht vergaß, alle Tage seinen Abschnitt lernte und mit Gutsherren aus der Umgebung Handel trieb. Da geschah es einmal, daß der Jude einen wichtigen Handel abzuschließen hatte. Er sollte beim Gutsherrn einen ganz igroßen Wald kaufen. Ein ganzes Vermögen konnte er daran verdienend Aber er brauchte dazu eine bare große Summe. Da nahm er seinen ganzen Besitz, füllte die Zehntausend voll und fuhr wegen des Kaufes zum Gutsherrn. Auf das Gut gekommen — der Gutsherr ist nicht gesund, krank ist er auch nicht. Was denn also? Es tut dbm der Kopf weh, die Glieder schmerzen, es fällt ihm schwer zu sprechen. So verschiebt man den Abschluß des Kaufes für einige Tage. Geht der Jude hin und läßt das Geld beim Gutsherrn zurück — da die Heimfahrt in die Nacht fiel und ihm der -großen Summe wegen bange war. Der Gutsherr nimmt das Geld, versperrt es in seiner Kasse und nichts: irgend eine Bescheinigungj ein Blatt Papier, der Gutsherr gibt es nicht, der Jude verlangt es nicht. Schon Jahre, daß man miteinander handelt und sich aufs bloße Wort glaubt. Wozu also? Soll er plötzlich eine Bescheinigung verlangen? Es vergeht.ein Tag und zwei: Der Gutsherr fällt auf einmal hin und stirbt eines plötzlichen Todes und der junge Gutsherr ist seinem alten Vater nicht nachgeraten. Er tot ein großer Bösewicht. Er kommt aus dem Ausland gefahren und haßt einen Juden, wie man Gift haßt. Er läßt den Juden nicht einmal in den Hof hinein. Und der Jude beginnt zu weinen, zu schreien, sich die Haare zu raufen. Da sagt der Bösewicht: „Ich weiß von nichts. Hast Du ©ine Bescheinigung? Wenn du sie nicht hast, geh' den alten Gutsherrn mahnen.,," Er kennt schon die 'Juden , . ., sie denken sich eine Geschichte au® und wollen C-e&L Und es half nichts. Der Jude , war auf einmal bettelarm geworden. Ging leer aus, ohne einen Groschen für die Seele. Und wenn das Glück einem Menschen zu leuchten aufhört, wird es finster in jedem Winkel. Der Jude ward ärmer von Tag zu Tag. Hatte nicht womit zu handelnd Keiner wollte borgen. Und wenn man nicht handelt, womit soll man verdienen? So verdiente er auch nichts und Kinder hatte er viele. Jungens und Mädchen. Und im Hause war kein Brot zum Sättessen, keim Gewand für den Leib. Ist man doch aber ein Jude und ein frommer Jude,' nimmt mit allem fürMeb.. Denn wahrscheinlich ist es so beschieden vom lieben Namen. So. leidet man und schweigt. Man leidet und hofft. Ein Jahr vergeht ,und noch ein Jahr und wieder ein Jahr. Die Kinder wachsen heran.'. Das Aelteste ist schon ein Mädchen in Jahren. Zeit für sie zu sorgen. Aber sorg heute, sorg morgen, wenn nichts' da ist. Nicht nur Mitgift fehlt, nicht einmal ein Kleid* äst da, wie dann also? Und die Jahre stehen nicht und warten nicht, sie eilen. Alle Mädchen in ihren Jahren haben längst schon geheiratet, sind schon Mütter von Kindern. Nur sie, Dvojrele heißt sie, sitzt als altes Mädchen beim Vater im Haus, weint sich still die Augen aus. Vater und Mutter sehen des Kindes Leid, aber was können sie tun? Sie können-seufzen, darum seufzen sie auch. Aber die Hoffnung verliert man nicht. Und Gott hörte des Mädchens Weinen, schrieb sie ein in das Buch der Gnade. Ins Städtchen kehrte ein Jüngling aus der Jeschiwah zurück. Der Jüngling., war aus ihrer Familie, aber eine Waise, ohne Vater und ohne Mutter. Wo'seil er also einkehren. Bei ihnen. Er verweilt einige Wochen im Hause. Das Haus gefällt ihm und auoh Dvojrele gefällt ihm. Wehn er mit ihrem Vater sprächt, macht er Andeutungen... Er wäre einverstanden, schämt sich ein wenig und schützt vor: die Mutter sei ihm im Traum erschienen,., habe gesagt, sie fftWfoUn ZU«atBtuejjs _.................. Das erzählt der Vater im Hause, Dvojrele hört es, die andern Kinder hören es, und es wird fröhlich und hell im Hause, als wäre die Sonne aufgestiegen mitten in einem trüben Tag. Da .ruft man einige Leute zusammen, Verwandte, gute Freunde, man schreibt die Urkunden, man bricht Teller, und Dvojrele wird Braut in guter Stunde. So freut man sich Tag um Tag, eine ganze Woche. Aber dann geht die Sonne wieder unter und es wird finster. Der Jüngling selbst ist doch leider arm. Eine Erbschaft nach seinen Eltern ist ihm nicht zurückgeblieben. Und die Braut ist auch arm. Was soll daraus werden? Da begann der Jude sich zu grämen. Dvojrele, die arme, erschrak. Das Glück steht vor ihren Augen, wie aber es fassen? Mitglift ist nicht da, für die Hochzeit kein Geld, und im Haus herrscht Hunger, nicht einmal womit, dem •Bräutigam.-Kost zu gelben... Und /wenn man arm ist, wird man auch häßlich, und wenn -man hungrig ist, findet man an nichts Gefallen. In der Jeschiwah hat er wenigstens „Tag" zu essen. Worauf soll er hier warten? .—- er wird bestimmt davon. Da kam dem Vater etwas in den Sinn. Er erhob' sich bei Morgengrauen, nahm den Stecken in die Hand, warf die Stiefel über die Schulter und machte sich auf den Wieg zum Alten seligen Angedenkens, vor ihm sein Herz auszuschütten und um Hilfe zu bitten. ♦ Es steht der Jude vor dem Alten seligen Angedenkens und schüttet vor ihm sein Herz aus. „Meine Tochter ist ein altes Mädchen. Sein Name Sei Gesegnet hat ihr Gebet erhört und ihr den Ihren geschickt. A6er was ha/t man davon. Alles kann noch gott-, behüte zunichte werden. Es ist nicht da, womit die Hochzeit zu machen." Sitzt der Alte seligen Angedenkens da und »hört des Juden Weinen und Leid, fühlt noch hundertmal mehr als er sieht, und sein Mitleid ist groß. Er seiig&n Angedenkens weiß doch, wie es dem Juden einst ging, daß "er ehrlich' Haßdsi trieb, AJmQ§erj gab. Da erhebt sjch' er: settgen Alf

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