Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 87 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 87 1 I n h a b e r Richard Herzog I. , Adlergasse 5 Tel. R-23-4-fK> II. ,KI.I»larrg.28 Tel. A-41-6-24 Jeder Art, ferner _ Jüdische und hebräische Schnirplotten I sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager 1 =§ In reichster Auswahl auf L&ger! " "3 | Auch Teilzahlungen 1 Provinzversand! I| Eine Richtigstellung. Auf dem letzten österreichischen, zionistischen Delegiertentage gab es, wie ich aus Berichten, entnommen habe, eine kleine Sensation, um meine Person herum. Im Zuge seines Referats hob Herr Dr. Desider Friedmann hervor, daß ich auf dem Zionisten-' kongreß 1923 für die Erweiterung der Jewish Agency, gestimmt , hätte. Ein „Aufhorchen"., ging durch den' Saal, so las idi in einem Zeitungsbericht. Begreiflich! da ich doch als einer der Kämpfer, gegen die jetzt von1' Weizmann und seiner Gefolgschaft geführte .Agency-' Politik wirke. Nur hat Herr Dr.. Friedmann vergessen, dem Parteitage zu berichten, w i e" der Agency-Antragvon t923 lautete. Hätte er nicht, daran vergessen —'" ich nehme an, daß er nur vergessen hat — dann wäre sein Bericht treuer . und das ^Erstaunen" über meine „Wandlung" wesentlich geringer gewesen. Der Beschluß — er ist im Kongreßprotokol.l niedergelegt — lautete: -.. „Der Kongreß bestätigt den von früheren zionistischen Konferenzen gefaßten Beschluß b e z ü glich der Einberufung eines jüdischen Weltkongresses für den" Aufbau Palästinas als jüdisch-nationaler Heimstätte, und erklärt, daß auf die von dem Weltkongresse, der möglichst im, Laufe der nächsten drei Jahre einzuberufen ist, gewählte Jewish Agertcy " die - Rechte der' Zionistischen Organisation — gemäß Artikel 4 des Palästinamandaies. — übertragen werden. -soUeh- Um„.»b^r; sdion-vjetet, mi zurjEinberufung -djss .'. jUdi^^^.^^PQ^ress^&Aj. den breiten Schichten des jüdischen Volkes," die* Möglichkeit.' einer Teilnahme" am Aufbau Erez Israels zu geben, soll die Jewish; Agency" durch; v'tfifc ^l^j^ögli^te^ -JHerfinziehüng von Vertretern derjenigen jüdischen Organisationen, die aüf dem Boden des Palästinaniandates, stehen, erweitert werden. Der (so gebildete) 'Gouncil soll für ~diö::Zusammenärbeit mit; der Zionistischen Exe kiutive als der Leitung der je\wish.Agency aus seiner Mitte einen Ausschuß bilden." „Die Exekutive wird zusammen mit dem Aktionskomitee beauftragt, alle Schritte;Zu unternehmen; um den jüdischen Weltkongreß z u in , g e n a n n t e n Termine einzuberufen." : Der Sinn .des Antrages ging also dahin,, daß die Erweiterungoder Jewish :Agency .:y;on,-Einern. aui,denxOf Jcratiseher Basis aufgebauten, von. den;Juden der ganzen Welt beschickten Kongreß vorgenommen werden soll. Bis dahin darf lediglich eine beratende Körperschaft,, ein Provisorium geschaffen werden und die Zionistische Exekutive, d. h. die Zionistische Organisation und der Zionistenkongreß, behalten die Leitung der Agency. Da ich die Leitung des Perr manenzausschusses des Zionistenkongresses 1923 innejhatte, kann ich auch über das Zustandekommen dieses Antrages Auskunft geben. Gegen Weizmanns Pläne hatte sich, von Sokolow unterstützt, eine starke Opr Position erhoben. Weizmann hatte mit Sokolow ger brochen und wollte den Kongreß verlassen. Ich wurde vom Permanenzausschuß mit der Aufgabe betraut, die drohende Spaltung zu verhindern. Ich forderte von Weizmann Garantien dafür, daß in der Jewish Agency:- Sache nichts unternommen werden dürfe, was den Volksr Charakterder Ägency gefährden könnte. Weizmann willigte ein und war damit einverstanden, einem demokratischen Weltkongresse die Entscheidung zu über^ tragen. So kam der Beschluß zustande, ein Beschluß, der mit dem, was heute als erweiterte Jewish Agency gilt, nicht das geringst? gemein h a t. Nicht,drei, sondern, sechs Jahre simLverr .flössen und von einem Weltkongresse ist überhaupt .keine Rede mehr. Die Leitung der Ägency wird der Zionistischen Exekutive, also der Organisation und dem Kongresse weggenommen, von einer demokratische^ Wahl der, nichtzionistischen Agencymitglieder keine Spur. Wenn jemand eine „Wandlung" durchgemacht hat, 60 ist es d\e Majorität der Zionistischen Organisation, welche den. Beschluß vom Jahre 1923 und die Demokratie einfach unter den Tisch hat fallen lassen. Ich aber habe keine Wandlung durchgemadit, deren ich mich schämen müßte. Robert Stricker. Todesopfer des ungarischen Numerus clausus* : Aus Malland wird beruhtet, daß dort in der letzten Woche, zwei jüdische Studenten aus Ungarn, die * wegen des Numerus clausus Ungarn verlassen mußten und " Not litten, Selbstmord begangen üafbea Aus der Wieüer Judengemeinde. Für das Judentum und die jüdische Bevölkerung wird nichts getan. — Dafür werden die Steuern um 20 Prozent erhöht. — Die zionistische Pseudoopposftlon. Nacn mehreren Reden, deren Inhalt mit den Beschlüssen In keinerlei Zusanimenhaiiig stand, hat der Kultus vorstand das heurige Budget ■beschlossen. Fürsorge, Jugenderziehung, Schulwesen bleiben im alten, elenden Zustande. Für die . Kre4itnot des . jüdischen Mittelstandes, für die erwerbslosen jüdischen Angestellten wird nichts getan, gegen die Taufseuche nichts unternommen. Hingegen wurden wichtige Posten .gekürzt, der Beitrag für den Palästinaifonds und das Paiästötiawerk gmz gewaltig, der Keren-Hajessod-Beitrag aiein um 10.000 Schilling. Zut ^Entschädigung, für .den Fortfall von. Leistungen, für ,die jüdische Bevölkerung und das Judentum hat sich der Vorstand die. Ermächtigung erteilt, ■ di e Steuern u m 2.0 Pr.ozent h3,nauf zus,gt.z.en. Dies alles, mit' Zustimmung des Zionistischen Kluibis. .Die Politik der. zionistischen Mandatare in : der' , jiidengemeinde wird Immer •ohnmächtiger. Aus -.Furcht vor einer Neuwahl haben sie dasaMgem ei n e-Wa bi l.r ech t, das im zionistischen Programm verankerte und An hundert-Wahlaufrufen .und Versammlungen versprochene, allgemeine Wahlrecht preisgegeben. Nun leisten sie, der>. Majorität hei Erstellung., eines skandalösen, jeder .lebenswichtigen jüdischen Förderung. Hohn sprechenden Budgets Beistand. Sie stimmen zu, daß , ,der Palästinaifonds g^küpz%w^d,u Sie »eben zu, daß einer-' seits.die- Juden durch %tett£|^fo^uugrhe'lästelt .%e-r<len und andererseits nichts ernstlich^pternommen wird,' unnden Staat und. die. . Gemeinde endlich zu der in. den Sta"ätsgVs'e'fzeh -festgelegtöri-' i.Beitrag'sh}istun,g• für; die Judengemeinde zu nötigen. Das antisemitische Budapest/ WärscHau und Czeru'pwiiziVdeT preußische Stäat und-Viele änderfe KörperschaheH "leisten längst :diese Beiträge! Die Wiener; lu^ehgem'eincfe^'te^c^m'f-nicHts rfhd leistet nichts, dafür werden die' Steuern'*'"ertiöiht. Und die1• zionistischen' Mandatare tun mit; ' " r ' 5 '' f ■'- < -v . «-. :. ••'; . * '-' - Den; Dank f ür die 'Fügsamkeit und die «Preisgabe:- des zionistischen Programms haben*"die zionistischen Manda-' tare :bereits''erhalten.' Im Organe, .der. Majorität, in der •('»Walrnhie'it'', -werden? sie. verhöhnti Dort wird, spöttisch, von •zionistis'dh'e'i'- Scheinopposition,v; von zionistischer. Pseudoopposi-Hon 'gesproohien.:- Das -'•Ansehen? -Welches ehfiich.. kämpfende,::demokratisch gesinnte Männer in •jährzehnteiänge.r-v-Arbeii dem- (Zionismus in - der: Gemeindestübe' errangenk haben, ist bedroht. Wenn die offizielle ^ionfeli'sche'!OVganisä'tiott: weiterhin den . Dingen; ihren Ä| faerdenihdiet :SBötte}rls.-Yr}ß?iter „Wiahriheit" r.re^hf ibeliaHt&mutttd die tfer<r«.n '-'bleiben urtd'-der Zionismus- * wird mft: 'einigen'-schäbigen Subventionen., für <Betbäusejy Hebräisöhkufsenr:und ^Vereinsheimeh.-erledigt sein. : JI. PalästiHäreisei 5689. ' v 2. September bis 1^ Oktober 1929. •"'Der'- Prospöktr für* äfe*'''-vom Verbände Demokrati-' scher' Zibnisten vera'nstälte'te zweite Paläsitinareise ist bereits' fertiggestellt und wird' über Verlangen! den Interessenten gratis zugesendet. ' Der Prospekt enthält außer einem genaueh Programm aucli die Zahlungsmodalitäten und alles' für die' Reise Wissenswerte. Gas •Prog¥a1hi# -^der"-^else'"'-#&#ö'e--r 'nachf den auf der ersten Palästinareise -gesämifie'ltetf ■•Erfahrungen erweitert und .äußferdem" ein Aufenthalt' in Venedig auf der Hinreise eingesdioben. Die Seereise''Wird:;sowohl aitf der Hinals auch auf der Rückreise mit dem Luxuseildampfet ,,Ausonia" 'der „Sitmar-Linie" zurückgelegt. Prospekte versendet das Sekrptariat " der Reisele|tuhg (Frau Berta Taubes, Wien, Tl., Böcklinstraße Nr.- 92). Anfragen ...und : Auskünfte bei Frau . Paula Stricker,- Wien, II;,; Hollandstiafle 10. (Tel. Ä 45-6^-89) und Frau Berta Taubes, Wien, II., Böcklinstraße-92 (Tel. R 43-9-19). »Illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllli s Die Wiener weltbekannten S wm — —' mm SS ' "if ' M Taläre u. Barette s ••' ' . s ■, . . 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Die Wiener Israelitische Kajltusgemeinde ist bei den zuständigen Behörden dagegen eingeschritten. „Rein vom Judengeist." Die Wiener Aufmärsche. Am 12, M'ai marschierten iin Wien die Heiimwe'bren und der Republikanische Schutzbund auf.' Zur besonderen Feier der Gelegenheit war der Muttertag gerade aouf diesen Sonntag a<n!geset!zt,worden, und Inimitten der angesammelten Sentimentalität entwickelte sich die reale Vorbereitung zum Bürger kri eig. Die Heiimiwehren, die ihr Führer Steidle kürzlich,als nicht antisemitisch, der andere Führer P f r i m e r dagegen als antisemitisch 'bezeichnet hatte, wurden vor der Votivkirche Interessanterweise auf Pfrimer vereidigt, (in einer Reipulblik werden Leute aui eine Person in Eid genomimen!) Steidle wurde übenganigen. und Pfrimer 'hielt eine Rede, in der er die Heimwehren feierte, die „rein vom Judengeist" sind. Jeder Jude wird diese Feststelluiiig bestätigen, und dies uan so mehr, als dann bei dem :Marsch, über, den Rimg „Nieder mit den. Juden!", im Ghor-ges^hriein wurde. In den jüdischen Krisen, die ihr .Geld und ihre Sym-' pathkn gerne dem Steidlle zugewendet hätten, hat der Vorgang ziemliches Befremden erweckt. Die Leutchen stehen ibelämmert da und-sind .empört. Sie wissen nicht, was sie jetzt tun sollen. Die Sozialdemokraten wiinken schon. In den Mieterschutzvereimharungen sind ja die jüdischen Intellektuellen -und Geschäftsleute preisgegeben worden, Die Sozialdemokraten halben wieder einimail bewiesen,, daß sie Antisemiten der Tat sind. Es' stände also nichts im -Wege, daß sich die Stieidle-Israeli fren bhmlb er wenden, zumal doch auch sie;,rein vom. Judengeist" sind... ... Brief aü! Jubiläum und Neubeginn. Von Dr. Frätz Loewenstein (Jerusalem). Die Pessachwpche, die in diesem Jahr durch einen besonders großen jüdischen Touristenström : ausgezeichnet war, bot' eine große Fülle festlicher Veranstaltungen, die zu einem großen , Teil .Gegenständen . gewidmet waren, bei denen zu verweilen sich lohnt. Sie ermöglichten, auf Teile unseres Werkes, die. eine Zeitlang bestehen, zurückzublicken und wjeder , einmal abzuschätzen, was. wir geleistet haben..;und(^n;;welcnem, Umfang; die Leistung. Erfolg hatte. Auf der anderer» Seite stehen Unternehmungen, die der Gegenwart und Zukunft gewidmet sind, Wege in die Zukunft weisen oder das gegenwärtige Palästina besser zu erkennen dienen. Das Fest der 2. Alijah, das in Petach Tikwali begangen wurde, und das1 Fest des zwanzigjährigen Bestehens v:on Tel-Awiw waren die beiden wichtigsten Jubiläen. Die erste Alijah, die in. die Jahre 1880 bis 1890 fällt, hatte die Grundlagen jüdischer Landwirtschaft in Palästina gelegt. Das Eingreifen Rothschilds und der ICA. hatte die vor dem Zusammenbruch stehenden Kolonien gerettet und unter Leitung der „Administration", mit arabischer Arbeit waren die Kolonien zu einem Zustand, wenn nicht der Blüte, so doch mindestens der erträglichen Existenz gelangt. Die Einwanderung war im letzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts und in den ersten Jahren des neuen ziemlich klein gewesen; denn die Chowewe-Zion-Bewegung verdorrte un:dl der junge politische Zionismus widersetzte sich der Infiltration. Da begann mit dem Jahre 1904 eine neue Epoche der Palästinaarbeit, als zum ersten Male Chaluzim — der Name war freilich damals noch ungebräuchlich — nach Palästina' kamen und. als Arbeiter in den jüdischen Kolonien tätig sein wollten. Es ist hier nicht der Ort, die Geschichte .der. 2. Alijah, den jahrelangen, aufopfernden, aber vergeblichen Kampf um die Durchsetzung der jüdischen Arbeit zu schildern und zu zeigen, wie der Gedanke der S e 1 b s t- Jhilfe des jüdischen Arbeiters sich mehr und mehr durchsetzte. Jedenfalls, wenn wir heute die Kolonisation der Achtzigerjahre gewissermaßen als Vorläufer empfinden: mit der 2. Alijah beginnt jene zionistische Kolonisation auf' der' Grundlage des Prinzips der jüdischen Arbeit, die uns zum unverlierbaren Besitz unserer zionistischen Auffassung geworden ist. Die Männer der 2. Alijah sind es, die heute ain der Spitze der jüdischen Arbeiterschaft stehen, in den wichtigsten Siedlungen und Institutionen stehen ihre Männer in der Leitung und von ihnen' führt der direkte Weg zur 3. Alijah, die in die ersten Jahre nach dem Kriege fällt und in der Richtung der 2. Alijah'weiter arbeitete, als sie das Emek eroberte. . Un nebe» das. Dorf tritt die Stadt: Jene Grupflej,