Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 87 (17.5.1929)
- Date
- 1929-05-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc. 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schwel« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.Ö0. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätssträße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 17. Mai 1929 Nr. 87 Rom und Jerusalem. in Seite 5 Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: Robert Stricker: Eine Richtigstellung. Aus der Wiener Judengemeinde. Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem: Jubiläum und Neubeginn. B. Epelbaum: Der Sechser. Die Tote-Meer-Konzession. Wie Plehwe den Zionismus aufhalten wollte. Jakob K r a u s z: Unangenehme Schönheitsfehler. Citroen, der Automobilkönig. Die Gestrandeten. (Von der jüdischen Wanderung.) Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Austritte aus dem Judentum. Schalom Ascji: Die Mutter. Schaloin Alechem: Komödianten. Hunger in Biro-ßidschan. ' Krise der jüdischen Kolonisation in der Mandschurei. Aus Moskau, 12. Mai, meldet die J. T. A.: Der Hauptägronom der Regieru'ngsgesellschaft Komzet, Professor B. Bruk, der in den letzten Monaten im jüdischen Rayon von Biro-Bidschan geweilt hat und soeben nach1 Moskau zurückgekehrt ist, teilt mit, daß sich die Arbeitslage wie die allgemeine Lage unter den jüdischen Neu-- Siedlern von Biro-Bidschan infolge des Fehlens von Lebensünd Futtermitteln radikal verschlechtert hat. Die Krisisl ist ein Resultat der vorjährigen Ueberschwemmungen, die zum Beispiel die nichtjüdischen Neusiedler veranlaßt haben, ihre Siedlungen zu verlassen und nach Sibirien auszuwandern. Die jüdischen Neusiedler, erzählt Professor Bruk, die mehr oder weniger von * außen mit Nahrungsmitteln versorgt werden, wollen in ihren Wirtschaften verbleiben. Sie haben am 15. April mit der Bestellung der Felder) angefangen, mußten aber einige Tage darauf wegen der neu eingebrochenen abnormen Kälte die Arbeit einstellen. Heute leben 500 Juden in Biro-Bidschan. Die jüdischen Kolonisten siedeln sich in der Nähe der Eisenbahn an, weil sich ihnen dort die Möglichkeit bietet, auch außerhalb' der landwirtschaftlichen Betätigung Arbeit zu bekommen. Da die Aussaatbedingungen in diesem Jahre ungünstig sind, gehen die Juden zu Viehund1 Bienenzucht über. Die geplante Anlegung von Reisplahtagen wurde ver4 schoben, weil die hiezu notwendigen 150.000 Rubel noch! fehlen. Die deutsehen Nationalisten. Judengeld wird angenommen, die Ehrung Einsteins ' ' hintertrieben. Aus B e r 1 i n, 12; Mai, meldet die J. T. A.: Frau Olli peu.t'sc'h» die Witwe des-Generaldirektors der A. E. G. Gehejtttrat Dn Felix Deutsch, ihat ihr Besitztum <hi Schreibe r iWu/ta .'Riesengeibirge, bestehend; aus Haus und 40 Mong^n'Par'k, der Stadt Berlin als den Namen „Felix p'ew'fe'dh^lajis'' tragende Stiftung zu Eigentum übergeben. Die; Stiftung soll geistig «tod künstlerisch in schöpferischem Sinne. tätigen' Persönlichkeiten zur. EtfholunK und; Aübeits- ■ rufte' zur Verfügung gestellt werden. In.'der'Stadtiverordiietenfvcrsaimi^luijig wurde die Annäfome " der ^Stitftaimg'. auch mit den Stimm eh der D e.u t schVa t'dana 1 en dankend zur Kenntnis %genomn^eiv ^abe'r darauf die Vorlage über die Sohenlkung eines kleiweni wnibebauten Grundstückes an;der Havel an Professor ..'Al'bert Einistedti zur Behandlun.g gelangte, machten die 'idieU't'ScftnatipnaJien Stadtverordneit en Schwierigkeiten und drohten, die BeschluMäWgkejt der Yersainwilunig zu verhindern. Um dies, zu vermeiden, kam man überdn, die Beschlußfassung bis wi nächsten Sitzung, die inaeib ßfiflgs.ten stattfändet', m. x.er.fUäg es. Das Tor ins DunkeL t —y. Im August soll der nach Zürich einberufene- Zionistenkongreß die Entscheidungen über die Erweiterung der „jüdischen Vertretung" beschließen. Es wird dies, wie die,Dinge jetzt liegen, seine letzte Tat als das .autonome jüdische Weltparlament sein und selbst diese Tat soll er nicht mehr in freier Entschließung vorbereiten. JEr steht bereits unter dem Druck der Beschlüsse des Aktionskomitees, das schon Ende Mai in Berlin zusammentritt und seine alte Gewohnheit, zu allen Enthauptungsanträgen der Leitung den Kopf hinzuhalten, nicht mehr ändern wird. Die Exekutive ist dessen so sicher, daß sie den Termin, für die Konstituierung der neuen , Agency bereits für die dem Zionistenkongreß unmittelbar folgenden Tage angesetzt hat. Tritt diese Konferenz zusammen, dann ist auch die Kompetenz cj.es Kongresses für Budget und Palästinapplitikizu Ende und der,, politische Zionismus,: die; gr;pße Schöpfung :;Herzls ist ,.nür mehr...eine'''fmä'f6i^iäj&iit&'^"Sif^öde, die;auf ihre Fortsetzung! "warten muß. *v r'H" W~:*v': Aber die Entscheidung ist noch nicht gefallen.. So berechtigt der Pessimismus scheint und so' sehr er sich auf eine reiche ^Erfahrung stützen"darf, so verlangt es doch däs; Pflichtgefühl, bis . zu dem letzten Augenblick die Sa ch e des p o 111 i.s c h e h Zionismus zu vertreten und die'Gefahren zu zeigen, die heraufbeschwören werden. Daß Palästina den Juden gegeben worden ist, dieses Wort wird oft und falsch angewendet. Palästina ist als nationales Heim erklärt worden, das die Juden aufzunehmen hat und in welchem die verschiedenen jüdischen Volksschichten zu einer % einheitlichen, freien und unabhängigen Nation verschmolzen werden sollen. Diesen Prozeß hat der Zionismus durchzuführen, die Bewegung, die eben von dem Grundsatz des Bestandes einer jüdischen Nation ausgeht*. Der Zionismus trägt die Verantwortung für die Art, wie dieses Werk errichtet wird. Er kann von der Verantwortung nicht befreit werden und er kann ihr nicht entrinnen, auch wenn er abdiziert und sich von seinen Führern in die Bettlerecke verweisen läßt. Noch immer lebt die Idee Herzls, die die Idee des"Judentums ist. Man hat sich von ihr entfernt und das Problem der nationalen Regeneration als eine Geldfrage augesehen; man ist von der ideellen Betrachtung in die mechanische geraten, man ist vom Volk zu den Reichen gegangen und steht nun vor dem Tor ins Dunkel. Der Zionismus hat das Mandat erkämpft und dieser Besitztitel besteht noch. Aber er wird einer großen Gefahr ausgesetzt und dies unnötigerweise. Niemand verlangt von der Zionistischen Organisation oder ihrer Exekutive die Erweiterung der jüdischen Vertretung. Auch England nicht und es ist schon so, daß gerade England diese Entwicklung nicht gerne sieht. Auch England hat um das Mandat gekämpft und wenn es dabei auch nur seine eigenen Ziele im Auge gehabt hat, so liefen sie doch parallel mit den unseren. Die drei großen Parteien und jede ihrer Regierungen haben sich zur B alfour-Deklar a ti o n bekannt und eben erst, knapp vor den Wahlen, hat die k o nse r va t iy e Regje r ung, die . vielleicht abtreten wird, haben die A r bei t spar t e i 1 e r, die vielleicht siegen werden, die Erklärung wiederholt- und sogar die Errichtung einer jüdischen hatio- ■ nalen Zivilisation als den Sinn des Mandates an-j erkannt. Das ist eine wertvolle Manifestation, die den Fehler des Churchillschen Weißbuches zu korrigieren trachtet, aber auch außenpolitisch vpn höchster Bedeutung ist. Sie ist der Reflex, auf das römisch-vatikanische Signal von der Aufrollung der Frage der heiligen Stätten. Will nun England am Mandat festhalten., ao. heißt das, daß es jede Möglichkeit einer Diskussion vermeiden will. Das Mandat soll eine res iudicata, eine feste Tatsache sein, die nicht vom Faschismus, nicht von Amerika oder Deutschland oder Frankreich zum Ausgangspunkt eines politischen Schachers gemacht wird. i Das Mandat ist der jüdischen Nation gegeben, d. h. jener Richtung, die auf dem Boden des nationalen jüdischen Bekenntnisses steht. Die Erweiterung der Agency führt zu einer internationalen Konversation, die England keinesfalls mit Freuden sehen kann. Aber der Eintritt nicht national - jüdischer Personen schafft wieder Konfliktsmöglichkeiten, die man im Zionismus nicht sehen will, die aber schon jetzt im Keime bestehen. Die deutschen, französischen, polnischen, amerikanischen Notabein, die da eintreten sollen, sind und fühlen so wie ihr M a j o r i t ä t s v o 1 k. Sie bringen in die jüdische Frage, die politisch doch nur zwischen Judentum, England und dem V ö 1 k e r b u n d spielen darf, fremde und wohl auch e n g 1 a n d f e i n d 1 i c h e Tendenzen. Sie komplizieren die Lage, verschlechtern das Verhältnis zwischen uns und England und belasten den Völkerbund, diese keuchende, stöhnende Maschineriei mit einer neuen Sorge und lenken dessen Aufmerksamkeit; noch mehr von der Judenfragei "von Palästina und dem Minoritätselend ab. D a s Judentum hört auf, ein von der Welt-, p o Ii t i k z u; biö^ück sichtig e n der F a tor zu sein, und es wird in die politische Sklavenstellung zurückgeworfen, wie sie bis 1917 bestanden hat. Der Zionismus soll, so will .es seine Leitung und seine Mehrheit, auf diese Position verzichten. Er d a nkt ab. Aber es gibt für dieses beispiellose Harakiri nicht einmal den Vorwand der Opportunität. Wer bei einem Vertrag sich nicht als gleichwertig fühlt, der wird minderwertig. Die Personen, an die der Zionismus appellieren soll, sind nicht national. Sie sind nicht für die politische Idee des Zionismus. Sie wollen nicht den Jüdenstaat. Sie wollen keine nationale und soziale Erneuerung. Und sie haben noch nicht einmal gesagt, wie hoch die Beträge sind, die sie zur Verfügung stellen wollen. Der Zionismus ist zu einem Pakt bereit, bei dem er den Wert des Opfers noch' gar nicht errechnet hat. Er verzichtet, er gibt sich, das Volk, die nationale Kultur, die jüdischen Minderheitsrechte — die ja der heutigen zionistischen Leitung ein Dorn im Auge sind — preis, er will sich sogar so weit erniedrigen, daß er die Nichtzionisten sucht und organisiert; die von der universellen Zionistischen Organisation Gewählten sollen im Rat gleichwertig sein einigen Ernannten, von denen diejenigen, die nicht zur Sitzung fahren wollen, sich durch Vollmachtträger vertreten lassen sollen. Das alles soll der Kongreß schlucken *~ wofür? Wer wird das Mandat verteidigen, wenn es angegriffen wird? Wer wird die nationalen Grundlagen des Aufbaues sichern? Die 50 i 50«Leitung: ist ja so wie sie gedacht wird, gar nicht arbeitsfähig. Ihre Autorität ist ein Schemen. Die Zionistische Organisation tauscht für diesen Verzicht ein? ihre Ohnmacht, ihre Beschränkung auf Vereinsmeierei, auf ein sinnloses, leeres, vergiftendes Herumreden. Sie vereinsamt und sie verliert alle energischen, fordernden und vorwärtstreibenden Kräfte. Es ist noch Zeit. . - Samstag, den 25. Mai, halb 9 Uhr abends1 Restaurant Bayer, Prater, .Venedigerau (vis-ä-vis Cafe" Winkler) Zur Vorführung gelangen nur die anläßlich der ersten Palästinareise des Verbandes demokratischer Zionisten aufgenommenen Bilder Begleitwort«; Oberbaurat Robert Strle-k§r