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Die neue Welt · 1929-05-10 · Heft 86 (10.5.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 86 (10.5.1929)
Date
1929-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 86 Mmms 1 Richard Herzog f.. Adlergatse S f«l. R-S3-4-ÖO II., Kl. Plarrg.28 Tel. A.41-8-54 i Sprechapparate ( Joder Art, ferner _ Jüdische und hebräische Sthnllptotten I i sowie alle modernsten Tanz- und Gesangsschlager ff — in reichster Auswahl auf Lagerl g Provinzversand l 1 1 Auch Teilzahlungen! ■I Amerikanisches. Der Antisemitismus und seine jüdischen Helfer. Bm gelobten Land der jüdischen Freiheit, in den Vereinigten Staaten, wächst der Antisemitismus, der sich bisher auf gewisse soziale Schichten beschränkte, ins öffentliche Löben hinein. Während noch vor kur zer £eit lediglich -.auf den Hochsqhulen und in den Kreisen der Geldaristokratie gegen die „semitischen Eindringliche" gekämpft wurde, wird jetzt die Auseinandersetzung mit den, Juden in der Presse und in Versammlungen geführt. Man hält sich hiebet treu an das europäische Muster. Jüdische Zersetzungssucht, jüdische Ausbeutung, Bedrohung des amerikanischen Nattonalcharakters, jüdische Sittenfäulnis sind die Schlagworte. Verbreitung von Ritualmorcknärchen, Boykott und Pogromhetze sind die Mittel. Die Proteste von jüdischer Seite verhallen wirkungslos, wie in Europa. Und die Geschmacklosigkeit und Aufdringlichkeit der Assimilationsjuden, welche krampfhaft das jüdische Volkstum ablehnen und hunderfczwanzigiprozentige Amerikaner sein wollen, gibt den Hetzern täglich neuen Stoff, wie in Europa. . „Ordinärer - Art, überfressen, Geckenhaft und unerzogen, . Herzlos, gottlos, satanisch, Röh am Tage und gemein .• in,der Nacht,; Von Juden und Hu r e n beherrscht..." Das ist New York! — So lautet-die erste^Strophe eines Gedichtes „Toast an New Yortk!", welches an der Spitze einer führenden amerikanischen Zeitung „The New Yorker" vor einigen Wochen erschien. Die jüdischen Zeitungen schlugen Länm, was nur zur Folge hätte, daß die Leserzahl des angegriffenen Blattes wuchs. In der Diskussion über den roihen Ausfall kamen nette Dinge zutage; Der Präsident der Verlagsgesellschaft, welche das1 Blatt her.aüsgi'bt, ist ein Juderistämmling «und viele Mitarbeiter sind JudenI Juden, von der Sorte derer, die. ihr Judentum'hinter Antisemitismus am besten zu verbergen glauben, Juden, welche hundertzwanzigiprozentige Amerikaner sein wolfen. Wie in Europa. Im Monatsbericht de9 „American Jewish Committee" wird von einem peinlichen Vorfall erzählt, welcher sich in einem der Staaten der Union zugetragen hat. Die Freimaurerloge dieses Staates hatte zu Ehren eines Ministers ein großes, öffentliches Bankett veranstaltet. In seiner Ansprache sagte der hohe Würdenträger folgendes: Fürifumdsiebzig Prozent < aller New Yorker Verbrecher sind Juden. Der größte Teil der Führer aller Freidenkervereiue ist jüdisch. Die amerikanischen Juden sind gottlos, in allem New Yorker Synagogen sitzen keine zweitausend Menschen. — Das „American Jewish Committee" bemühte sich, festzustellen/daß die Zahl der jüdischen Verbrecher in New York nur etwas über 10 Prozent beträgt, bei einem Bevölkerungsanteil von sechzehn Prozent; daß es in New York über 400.000 Tempelsitze gibt und daß im Vorstand der amerikanischen Antibibeilgesellschaft keine Juden sind. Ob diese Feststellungen die entsprechend© Wirkung ausüben werden, ist allerdings fraglich. Wie in Europa. An der „Brown-Universität" in New York wurde den jüdischen Studenten die Bildung jüdischer S t u d e n t e n v e r e i n e untersagt, obzwar die anderen an dieser Hochschule bestehenden Studentenvereine Juden nicht aufnehmen. — In C leveland ist der Friedhof der Judengemeinde von bisher nicht ermittelten Tätern geschändet, worden. Grabsteine wurden besudelt und zertrümmert, Gräber aufgewühlt. Bei der Besprechung des Falles erinnern die jüdischen Zeitungen an die Rituaimordhetze in der Stadt Massena, welche bis zur Festhaltung des Ortsrabbiners gedieh, und bezeichnen die Friedhofschän« düng als den zweiten Fall barbarischen Antisemitismus in den Vereinigten Staaten. * Der Ruhm Oberammergaus läßt Amerika nicht ruhen. In New York hat sich elhe Gesellschaft gebildet, welche Passionsspiele veranstalten wird. Die Leiden Jesu, welchen die Juden zu Tode gemartert haben, sollen dramatisch dargestellt werden. Im New Yorker Hyppodröm wird vor 100.000 Zuschauern in effektvollster Weise — in dieser Beziehung kann man sich ja auf Amerika verlassen — das Martyrium Christi, das den Auftakt zu allen Judenmetzeleien in der Weltgeschichte gegeben hat, vorgeführt werden. Die Arrangeure des erhebenden Schauspiels sind der Theaterdirektor Morris Gest, ein Jude aus Wilna, und sein Schwiegersohn, Theaterdirektor David B e 1 as. c o. Der. Teil der Judenschaft, welcher noch Sinn für Jüdische Würde hat, ist empört Nöch empörter aber sind viele christliche Blätter, die dagegen protestieren, daß aus den Leiden Chriuiiiiiimumimiinimm iiiiiiiiiiiiwiiiiiitiiiiiimmnwmiTiimwiiiHMwiuinmnHWHj Jtidische Bibliothek darunter 'seltene Exemplare iu verkaufen _ Zuschriften unter „M. M.tt:an die'„Neue Weit« SlIlllllinilllllllHllllllllllllllllllllllWinHIIIIH sti ein jüdisches Geschäft gemacht wird. Sie schreiben ungefähr so, wie manche europäischen Blätter über die -katholischen Mysterien, welche-Herr Max R ein ha r dt. vor einem Parterre .entzückter und zahlender jüdischer „Kunstfreunde" und entzückter weil bezahlter jüdischer Journalisten von sich zu geben pflegt ' » Zusammenfassend'kann man sagen: Der'Antisemitismus in Amerika beginnt zu blühen und die jüdische Assimilation trägt ihr Bestes bei. Die jüdische Minderheit. Das Appellrecht an den Völkerbund. Das aus Chamberlain, Quinones de Leone und Adatci besehende Dreier-Komitee des Völkerbundes für die Prüfung und Durchberatung der Minderheitendenkschriften und Noten trat am 29. April in London zusammen. Das Dreier-Komitee hat s<ich u. a. auch mit dem Memorandum , befaßt, welches der Rat für die Rechte der j iL disehen Minderheiten (Paris) , beim Völkerbund für das Dreier-Komitee eingereicht hat. Dieses Memorandum behandelt die folgenden Punkte: Die Kampfgebiete der jüdischen-Minderheiten um ihre bürgerliche, politische und ethnische Gleichberechtigung, die Haltung des Völkerbundes gegenüber den jüdischen Petitionen, den Anschluß der jüdischen Minderheiten an den Kongreß der europäischen Nationalitäten ('Minderheitenkongreß) und die . notwendigen-•. rn i,n i n) a 1 e n Aenderungen für das Beschwerderecht ' der 'Minderheiten im allgemeinen, die jüdischen Minderheiten eingeschlossen. , . ... Wlie kn M'eim'Orand'üim festgestellt wird, sind die Juden durch die Friedensverträge, beziehungsweise durch Erklärungen der betreffenden Regierungen gegenüber dem Völkerbünde in folgenden Ländern geschützt: Polen, Rumänien, Ungarn, Tschechoslowakei,' O e s t'e r r e i c h,' Litauen, Türkei, Griechenland,. Lettland, Jugoslawien; Bulgarien, 'Estland. Eine genaue statistische Zusammenstellung der jüdischen Bevölkerung dteser/Länder/'die •'•i'rii' 'Mernorandum angeführt' wird," ergibt 'die Ges'aWzäh! von. 5,754.000 Seelen;' -. Zur' Vermeidutig von1' 'MißViersrändn'isi'sen wird gleichzeitig' erwähnt,'-^aß'die! Juden'''Urig arns,;ünd" diie Juden der T ü fk p i,''welche züsamme'n '650l000 Seelen ausmachen (letztere unter einem starken Druck) auf Minderheitenr'echte verzichtet 'haberij wobei andererseits. darauf verwiesen'wird, daß eine s,o angesehene "'(jeselisb'liäft^ wie die Interhiat'ional Law 'Association / '■' solche Verzichte als dem Geiste der Verträge, wider* sprechend und als nichtig betrachtet. ' Weiter wird .im Memorandum darauf verwiesen, daß die Juden Polens, Rumäniens, Litauens, Lettlands, Estlands, Bulgariens und Griechenlands' (insgesamt 4,400.000 Seelen) durch ihre politischen Vertreter In aller Klarheit neben dem Streben nach gleichen bürgerlichen Rechten auch für die Erhaltung und Entwicklung ihres ethnischen Charakters kämpfen und nationale Rechte erstreben, die sie'auch in einem gewissen Grade genießen. Die den Juden, als, Minderheiten durch die Friedensverträge oder durch die Erklärungen gegenüber dem Völkerbund gewährleisteten Rechte, heißt es weiter, seien zu einem großen Teil noch nicht verwirklicht, so daß deswegen in -mehreren Ländern, einschwerer Kampf geführt werde, der von Zeit zu Zeit auch in das internatio-" t)lll!IIIIIIIIIIIIIIIIII!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIl]3IIIIIIIIIIIIII|lllUl!!l£ Die Wlsnar weitbekannten 5 Talare u. Barette | Inden mannigfaltigsten Formen erhalten 5 Sie fertig und nach Ma8 1 's In bester Qualität zu den billigsten Preisen! I ' nuhn der altbekannten § Uniformierungs-uJaMneiderBi | tü WiGU!Ä!ra»y | (Achtung auf Hausnummer!) fßt s Tel. II 45-6.29 Oegr.1866 § Zahlreiche oelobende 2 Anerkennungsschreiben s Veraand naoh allen Weltteilen 'S- Reich illusilerte Kataloge giatlt SS reinst« Harreng ■rdarqbon nach Mit« | Reichhaltiges Stofllager. Zivile Preise, ZahlungserleichterungenS illlilllllllllllHlllllllllllllllllillllilililiiiiilililiilllililiiliiiiilir S riale Leben hinübergreift. Wenn man die wichtigsten Kampfgebiete hervorhebt, so handelt es sich um folgendes: SchutzdesLebens, des Eigentums oder, anders ausgedrückt, Kampf gegen Exzesse; gerechtes Btirgerschaf tsge se tz, entsprechend dem widdidien Sinn der Minderheitenklauself ' Ka^mpf für eine gerechte w j r t s c h a'f t i«c h e Behandlung" (.gegen spezielle Beeinträchtigung bei der Steuerbelastung, gegea ungerechte Verteilung von Konzessionen, gegen eine ungerechte Anwendung der Agrarreform und dergl.); Schutz der Sprachen (vor den Tribunalen, vor den .Admraisiträtivonganen, bei, der Ambrihigumg von Schildern u. digl.); Schutz d e s Schulwesens in einem doppelten Sinn: mit Beziig auf die Unterrichtssprache (Hebräisch oder Jiddisch und im Sinne eines gerechten Beitrages des Staates, der Provinz oder der Gemeinden an das Budget der Jüdischen Schulen; Kampf für den unbeschränkten Unterricht in den Hochschulen (Abwehr des Numerus clausus); Schutz der Sabbatruhe (im Sinne gewisser" Zugeständnisse für Abweichungen von dem allgemeinen. Ruhegesetz für Städte mit einer dichten jüdischen Bevölkerung); Auerkenmimg der jüdischen Gemeinden und ih;re Ausstattung mit gewissen Rechten usw. Es sei erfreulich, daß in einzelnen Ländern die Förderungen der jüdischen Bevölkerung a 1 s •tiat'ionäler K ö rp er s c h a f t in einem gewissen Grade berücksichtigt worden seien. Gerade in einigen baltischen Ländern, wie Lettland, Estland, Finnland, erfreue sich' das" 'iüdls*che:- :&cnulwese;|i'1 der Ihm zukommenden fechte, in EsMhid,i'hafrj- -'die^d&tfge kleine jüdische"'Bevölkerung einen vom Staate anerkannten K u 1 t u rrat, dessen Schul- und Kulturbudget aus den öffentlichen Miitteln gesichert sei. Dies "wären jedoch nur Einzelfälle, denen gegenüber meist 'die en<tgegengeset'zte Praxis' zu verzeichnen sei. Es sei" sogar vorgekommen, daß die jüdischen Schulen einer gaezen Provinz, nämlich Bessaraibiens, iin-deinen <ile Untie'rrichtsspracibe zu etwa drei Vierteln Hebräisch, zu einehi Viertel Jiddisch war, Elementar- und Mittelschulen mit etwa 16.500 Zöglingen, im Widerspruch miit der Minderheitsklausel vor einigen Jahren einfach rumänisiert: worden S'ind. Die'jüdischen Minderheiten waren stets dävon ausgegangen, daß mir in äußerstein Fällen an dem Völlkertaid.. ein Ap'peir gerichtet' werden solle. Erstt wenn die lokalen Bestrebunigeti trotz langer Bie'mtthu'ngen vöHUg engebnilsilos waren, dürfe eine Petition an den Völkerbund gedichtet werden. Dar Rat für 'diie Rechte der jiMiscfoen Mindenbeilten, der meihrmalis In dies'eim Sinne für den Sdiiutz ibetrorfifenier jüdisoher Minderheitein einigetreten seil, habe Ibedaueriiohörweise feststellen müssen, daß die Prozedur des Völkerbundes io Fallen von Beschwerden sich immer weniger befriedigend gestaltet habe, insbesondere auch deswegen, well die' teschwerdeführenden Organisationen die Antworten der betreffenden Regierungen nicht erhielten und deswegen jede von ihnen vertretene Sache nicht welter vertreten und belegen konnten. Dies sei oft zum Schaden auch der jüdischen Minderheiten geschehen. Als 4m Deizember 1926 die ersten aititlijüdlscJien Exzesse in mehreTem Städten Bessxar&lbleins (KiscMnew, KararascM u. a.) ausgebrochen warten, hatte sich das Komitee der jüdischen Deleg-atton,en trtit einem entspir'echend'en Appell an den Völkerbund giewandt und dairiin die Gefahr einer Erneiterung älhhlldher Vorkommnisse betont, wenn der Vötkeribund nicht sofort eine besttom'te Alktion vorneihimen .würd'e. D&rmi hat der Völdceinbund «war, wie der Rat nach andierthalib Jahren aus einer zufälligen Quelle eirfahiren hat, die betrerffende Petition znr Kiemntnls der ru'mänlschen R<eg>leirunK gebrachit, er hat sich aber mit einer Antwort begwügt, ohne auch nur der b-esch werde führ enden Organisation di»e entsprechende Infor-bation znJcomimen zu lasse n. Die so behandelte Pietitlon, die einen »ehr ernsten Vorgang betraf, ist nun ohne wesentliches Resultat geblieben. In der Tat sind ein Jahr später, von denselben Krelsien ausgehend, abermals Exzesse gegem die Juden in Rumänien ausgebrochen^ Der Rat für die Rechte der Jüdischen Minderheiten bat sedann andere Wege betreten und betreten müssen, um die perimanente Verhetzuuig ^&|pen diie Juden im Rumänien zur Kemitads der. Oei^niUilceit m

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