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Die neue Welt · 1929-04-24 · Heft 84-85 (24.4.1929) · page 13

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 84-85 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. DIE NEUE WELT Seife 13 1 aiu^unnTfiminniuinnnuiiniunriiniiinTuuimnTriniimiuTU^r Leberide Karpfen Sedlachs (Schuppenfisch) Seelachs In Oel gebacken j preiswert bei der „Nordsee" Deutsche Dampffischerei-Ges. Filialen in allen Bezirken Wiens liiiiiiiiwiiiiiiiiiiftiim Shtflöcfc ist keine! Können Sie sich, Teweies, vorstellen, daß ein Jude ein Pfund Fleisch aus dem Leib schneiden kann?" Teweies: Ich glaube nicht. Aber schließlich, das Gefühl der Demütigung, des Zorns um die Tochter, die Rache... Sonnenthal: Nein! Nein!... Man sagt, daß wir alttestamentarische Rache nehmen. Vor z w e itausendJahrenistC-hristusgekretizigt worden und heute le id e h w i r J u d e n noch darunter. Das istRache! Aber Shylock ist unwahr.' Shakespeare hat keinen Juden gekannt. Da erinnere ich mich... Er hat überhaupt merkwürdige Fehler gemacht. Bei ihm dst ja Böhmen noch ein Meer... Shylock ist kein Jude! Teweies: Aber Sie wollen ihn doch als Juden spielen! Sonnenthal: Ich habe ihn noch nicht gespielt. Wissen Sie, was eine jüdische Rolle ist? (Er blieb stehen.) König Lear! Der von seinen Töchtern verlassene, betrogene Vater, das ist das Judentum! S i n d w i r d e n n ni c in t unter lauter G o n e r i 1 s?... Ich änuß darüber hoch nachdenken... Ach, jetzt habe ich mich verplauscht. Auf Wiedersehen! * Pessach war wieder da. Sonnentihal war in Prag. Ich sollte mit ihm ein Interview machen und kam geigen 2 Uhr ins Hotel „Blauer Stern". Im Speisesaal saß Sonnenthal mit einigen Damen und Herren än.lebhafter Unterhaltung. Er kam auf mich rasch zu: „Ich bin etwas müde von der Probe und muß schlafen., Vielleicht'gegen 4 Uhr, wenn Vinnen so paßt-Heiute ist ja Sonntag, da pressiert's nicht so, nicht wahr? Also" auf Wiedersehen." Gegen 4 Uhr kam ich ins Hotel/ Im Vestibül und auf den Stiegen standen Kellner --urid .• Stubenmädchen herum mit;' 'erschrockenen' G^slöhtercilv: V,Was' ist "geschehen?" r;,~,D e m: H e r r n von Sonnent.ha 1 ist schlecht gewor den und wir: können keinen Arzt auftreiben. Sonntag ist halt!" Eben kam ein Arzt, den man von einem Ausflug noch hatte zurückrufen können. Er lief hinauf, alle liefen nach. Oben im einem Salon lag der Kranke, schwer stöhnend, ein Auge offen, das andere geschlossen. Der Körper war bewegungslos. „Schlaganfall!" sagte der Arzt. „Rasch Wasser, heißes Wasser.. Oeffnen Sie das Bett!" Er beugte sich über den Kranken, streifte einen Aermel und das Hemd auf und machte einen Aderlaß. Das Blut spritzte. Sonnenthal atmete tief auf. Der Arzt sagte: „Es wird gut sein, nach Wien zu telegraphieren. Rufen Sie den Direktor Neumann an!" Hinter dem Patienten stand weinend sein alter Diener. In einer offenen Türe zoim Nebenzimmer lehnte heftig schluchzend eine Dame, wie es hieß, eine Freundin des Künstlers, die ihn nach' Prag begleitet hatte. Der Arzt sah säe äh. Dann verbeugte er sich und ging. Draußen sagte er: itE x i t u s 1 e t a 1 i s! Ich werde die Beerdigungsbruderschaft anrufen!" Eine 'halbe1 Stunde später schlugen die Zeitungen die handgeschriebenen Extrablätter am: „S o n n e n t h a 1 plötzlich gestorben!" Die Vorstellung im Neuen Deutschen Theater — es sollte „Tantris der' Narr" aufgeführt werden — wurde abgesagt. Abends überführte man die Leiche i n de n B ad- Iiof, die Leichenhalie der Prager Beerdigungsbrüderschaft beim alten Friedhof in der engen Harnpeßgasse. Die strenge Chewra Kadischah hatte den toten Bruder übernommen... * Der'Vorsteher der Brüderschaft, Herr Brandeis, ging am nächsten Vormittag mit mir hinunter. In dem eisig kalten, halbdunklem Raum kg auf eineim Brett der Körper. Bin Mann von seltener, v ol 1 e n d et e r Schön h e i t. Es war kaum »u fassen, daß das ein sechzigjähriger Mann sein sollte. Finger und Zehen, die wie vom Bildhauer modelliert schienen, waren durch dünne Kupferdrähte mit Signalapparaten im Wächterzimmer verbunden, 'Der Tote hate ein stilles, friedliches Gesicht, Er lächelte ein wenig. Aber die Finger zuckten nicht mehr... Auf dem Rückweg hielt uns ein junger Mann an. Er sei im Auftrag des Theaterdirektors da und wolle die Totenmaske abnehmen. Herr Brand eis antwortete: „Das kann ich nicht gestatten. Das jüdische Gesetz läßt das nicht zu. Ich bedauere sehr!" „Erlauben Sie", sagte der Künstler, Sorihtnthal: gehört der Welt!" „Hat er gehört", sagte Herr Brandeis. „Jetzt gehört er uns!" „Ich muß aber meinen Auftrag ausführen! Herr Direktor Neumann..." „Herr Direktor Neu mann ist einmal auch Jude gewesen. Er hat es nur vergessen. Ich lasse keine Totenmaske abnehmen. Ich kann Sie aber beruhigen, in Wien istman nicht so streng, dort wird die Maske gemacht werden!" Dienstag früh stand vor dem Badhof ein einfacher schwarzer Fourgon. Ein paar alte Leute brachten den Tannensarg heraus, stellten ihn in den Wagen und breiteten das Bahrtuch darüber. Die Familie Sonnenthals war angekommen, aber sie schliefen noch im Hotel. Es regnete. Der Wagen fuhr weg. Hinter ihm gingen Herr Brandeis, zwei Journalisten und der Polizist, der dort seinen Posten hatte... Sonst niemand... —sy, IL Palästinareise 5689. Reiseantritt: Frühherbst. — Reisedauer: 4 Wochen. Das restlose Gelingen der ersten Palästinareisc des Verbandes demokralisoiier Zionisten hat eine große Anzahl Interessenten für weitere Palästinarcisen gewonnen. Es sind bereits heute so viele 'Anfragen und VonanmeldtinK vorhanden, daß die zweite Reise für den kommenden Herbst iu Vorbereitung genommen ist. Die Preise für diese Reise sind die bleichen wie bei der ersten Palästinareisc, nur. wurden in die Pauschalpreise auch die diversen Ein- und AussChiffungs- sowie Sanitätstaxen usw. einbezogen, so'daß die Reisetcilnehmer nunmehr -der Zahlung jedweder Gebühren und 'sonstiger Zahlungen enthoben sein werden. Die Preise betragen: Bei Benützung der zweiten Schiffsklassc S 2100; bei Benützung der dritten Spezialklasse S 1500; bei Benützung der dritten einfachen Klasse S 1300. Dais Programm dieser Reise wurde nach den g csammelten Erfahrungen erweitert, indem das Programm in Palästina eine Bereicherung erfahren wird. Sowohl die Hin-, als auch die Rückfahrt wird mit dem L u x « s e i 1 d a m p f e r „A u s o Ii i a" der „S.1t m a r- Linie" zurückgelegt. Die Prospekte befinden sich bereitos im Druck und werden über Verlangen von der Reiseleitung (Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92\ gratfe zugesendet. Anfragen und Auskünfte hei Frau Paula Stricker, Wien, IL. Höllandstraße 10 (Tei.-Nr. R 45-6-89) Und Frau Bertha Taubes, Wien, II., Böcklinstraße 9? (Tel.Nr. -R ,43-9-19). Der Stolz jeder Hausfrau Ist sohSne, blendend weiße WSsche Im Schranke Unsere Felhwäscherel parantleft für sorgfüitiRste, schonendste und Individuelle Behandlung. Lieferzelt binnen 4—5 Tagen. Abholung und Zustellung kostenlos. Ein Versuch wird Sie überzeugen und Sie Werden unsere ständige Kunde FsiwMsrti Jim". XIII:. Linzerstraee 299. Tel, B-3H-46 An die Förderer der Palästlnareise. Deir Verband <te/miafcra,tisdhier Zioroi^eh hat diri seiner Siteunig aletn FöndiereTin der vom Verbände ve/ramstaltieten PalästSnaTeiisie die« ihe>nz'Mchsiten Danik ausgesprochen. Vor allem den Herren Direktor Josibaia ■ G o r d o n im Tel-Awiw and Ehr. F. W as chiitzifoi Badtfia, welche in awfopfeurogsvolleT Weise ta, Palästina adle Vorh&nei;tutngie>n getroffen hatten, d5e Redserteitaelhmieir iin iheforäiisdrer WÄie zu eunpfaiiiigen uinid unteTzubiriiitiigeai.- Es wurde mit Beirdieidilgiutng zm: Kemvtniiis genommen, daß d 4 te i ü d ii s c h e n Hotelier s dm Palästina dm voirfbdld- 'Meiner Wleiise für ilhine Gäste sorgten und alles taten, was den Reisetoitoetacrin dem A-uiferntthalt dn Palästina amigeneihm. gestalten konnte. Den Besitzern «md Leitern der Hotels: Warschawsky twid Borsutzaky in< Jerusalem, Aller'bay, Erez Israel und American House in Tel-Awiw, Europe und Gwbermann dm Tlbeiräias, Heralnoh atod Stwärod dm Haiilfa warnde die vollste An^rkeninumg ausgesprochen. Besonderer Dank wwrde »diera aus Wlien stammenden ziomisitiiscluem Freoiimdie Herrin Groß, dem Besitzer de:» glänzend geleitetem Hotels H a da r - H a k a r m e 1 ©ezoMt, •welcher dtiie bei iShim UintergcbmadTten Gäste midt iüberquieliendieir Preiwidschait ibetreoite. Audi Herrn Warschawsky, Besitoer des Hotels Td-Awdiw dm Jeruisalem, dst für ©ein gana awöerordentliidhies Bnitgegenikcimimen ibesoiideireT Dank ausgesprochea Rühmlich liwvongelroben maß die Täüigkeit des Herrn Diirekiboiris Altschul vom der WHwer Rliiale dier Sohdlfsgeseilschaft „Sifcmar" werden. Er hat nicht mur dafür gesorgt, daß döe Redis€itdlm'elh'miC'r >au$ diem Prachitscihiff der Gesellschaft, der „Ausonia", in ganz hervorragender Wedse uwtwg'eb'rä'oht und verpflegt w«.rdien, Swine Fürsorge erstreckte sich aud; alle Zwiiscihenstation&n dn Italien Aegyipten u«d Palästina. Ueberali wiurd'em dik! Red'seiteilneili'mor vo«n seinen Orgamen geführt und beraten. Paß die erste Palästinareise, des. Verbandes einen so herrlichen Verlauf ^abm, ist zoim großen Teile Herrm Direktor AU sc hu 1 von der „Sitmar" zu danken. Beachten Sie unsere sensationelle, wirklich 'Unerreichte Neueimführun.g! Wir verleihen komplette, erstklassige Radioapparate auf unibestimmte Zelt, gegen eine monatliche Leihgebühr von zirka 5 Prozent des Kaufpreises, inklusive sämtlicher Lampen, wobei wir keine Vorauszahlung der Leihgebühr verlangen. DetaiWierte Prospekte stellen wir iedermann auf Verlangen kostenlos., und unverbindlich zur Verfügung. Lassen Sie eich nicht durch ähnliche Angebote anderer Firmen irreführen, „Zum Radioamateur", Eugen Goldschmied, Wien, VII.» Neubaugasse 19, Tel. B 32-5-75 Serie. Moderne Anzugstofie nur hervorragend guter Qualitäten, und trotzdem infolge •kleiner Regien stadt'bekannt Wliig hei Kann & Fried, VI., Linke Wienzeile 40, im Hofe. <a GÜNSTIGE TEILZAHLUNGEN! Die Vierzahl in der Hagadah. Die Pessach-Hagadah, die Festordnung für die 2wei Sederabctide> wurde nicht von einem einzigen Atttor einheitlich abgefaßt und zusammengestellt. Auch das Ent-. atelrungsdatum der einzelnen Stücke ist zeitlich voneinander sehr verschieden. Während zum BeispieL die letzten Kapitel, die mehr der Unterhaltung nach dem Festmahl dienert, wie die Fabel von dem Zicklein, das der Vater für zwei Susa gekauft hat, und die dieser Fabel vorangehende» Rundgesangsstücke nicht älter als vier- bis fünfhundert Jahre sind, finden wir in der Mischnah bereits einen Hinweis darauf, daß die bekannten vier Fragen wegen der Unterscheidung der Pessachnacht von den übrigen Nächten schön zur Zeit des zweiten Tempels in den jüdischen Häusern von dem jüngsten Sohn der Familie gestellt wurden. Mit einem Unterschied allerdings: Damals lautete die letzte Frage wie folgt: „In allen Nächten des ganzen Jahres essen wir Fleisch sowohl gebraten als auch gekocht, während wir in dieser Pessachnacht nur gebratenes Fleisch essen." Nach der Zerstörung des zweiten Tempels, nachdem die Darbringung des Pessachopfers endgültig eingestellt worden war, wurde die vierte Frage dahin abgeändert: „... Während wir in allen anderen Nächten frei oder angelehnt sitzen, setzen wir in dieser Nacht nur angelehnt." Auffallend in der Hagadah ist die wiederholte Wiederkehr der V i e r z a h I. Im allgemeinen wird die Zahl sieben als eine Art mystisch heilige jüdische Zahl angesehen; Dieser Glaube der Juden an die Zahl sieben isf auch in das Sprichwort der anderen Völker übergegangen." und man hört nicht selten aus nichtjüdischem Munde das Worte: „Sieben is a Jud!" Es scheint aber, daß die Zahl vier, welche in der Hagadah eine so wichtige Rolle spielt, im alten Palästina und auch später in der Diaspora* eine mystische Bedeutung hatte. In der Hagadah finden wir vier Fragen über die Bedeutung des Pessachabends. Vier Becher werden geleert und über sie der SegensspruchJ gesprochen. Die Sedeirschüssel hat vier eigenartige, auf das Fest bezughabende Speisen: Pessach (das Ei), Mazzahj Maror (das bittere Kraut) und Charosseth. Ebenso führt die Hagadah vier Typen von Söhnen an, den Weisen,'den Bösen, den Einfältigen und den Vierten, der nicht einmal zu fragen versteht. Die Vierzahlspielt aber nicht nur in der Hagadahl' eine Rolle, wir finden ihre Anwendung auch in anderen!" mit deM^jüttischeW^ Zeit der Propheten im Zusammenhang stehenden Weissagungen und Visionen* So heißt es im Buche Daniel, daß es vier große Weh> mächte uh.d vier die Welt beherrschende Staaten geben! werde, bis dann der Messias erscheinen wird. Die Schöpfungsgeschichte erzählt, daß im Paradies, dem Garten! Eden, vier Flüsse ihren Ursprung haben, die ihren Lauf in vier Weltrichtungcn nehmen. Auch herrschte der Glaube, daß die Erde vier Ecken und der Himmel vier Seiten! habe. Der Prophet Sacharia sieht in seiner Vision Ge^ schöpfe mit vier Hörnern und der Prophet Daniel spricht von seiner Vision mit vier verschiedenen Wundertieren, Nicht unerwähnt bleibe hier auch die Tatsache, daß das! den Namen des Ewigen bezeichnende Wort gleichfalls! aus vier Buchstaben besteht. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser mystische Glaube an die Vierzahl als. Glückszahl die Autoren der einzelnen Stücke der Hagadah wie auch den Kömpilator derselben zu einer Festordnung für den Pessachabend dazu veranlaßten, sie auch in der Hagadah zur Geltung zu bringen. Ebenso begreiflich ist es, daß im Laufe der Jahrhunderte, seitdem die auf unsl überkommene Hagadah an den Pessachabenden in Verwendung steht, eine Unzahl von mehr oder weniger geistreichen Kommentaren und homiletischen Erörterungen veranlaßt. hat, und daß sich auch die Kabbala, die ja überhaupt gerne mit Zahlendeutungen operiert, der Häufung der Vierzahl in der Hagadah bemächtigt hat, j _ J- Kw. Non vivimus, ut edamus, sed edimus, uit vivamus. „Man lebt nicht, um zu essen, sondern man ißt, um zu leben." Wenn du aber, o Mensch, schon essen mußt, so iß Gutes, darum, o Mensch, damit du Freude hast an deinem Passahfeste, genieße, was dir dein Freund Manischewitz darbietet. Manischewitz erzeugt in seiner nach streng, rituellen Gesetzen arbeitenden weltberühmten amerikanischen Fabrik Mazzoth, Mazzothgrieß, Farve! und Mazzoth Crakers, die in jeder Beziehung unübertrefflich sind. Millionen Juden haben es erkannt. Sei auch du keine Ausnahme! Leinen aus Irland, Rosen aus Florida, Manischewitz-Mnzzoth aus Amerika. Der Genuß von frischen Seelischen ist ganz besonders geeignet, um unserem Körper Jod zuzuführen, und damit ergibt sich aufs neue der große Nutzen des Fisch» gewisses, da das Jod nicht bloß bei der Bekämpfung des Kropfes große Dienste leistet, sondern sich ganz allgemein als .sehr förderlich erweist, weil es beim Stofiwechsel edne zwar nicht völlig' aufgeklärte, aber zweifellos sehr wichtige Rolle «ptelt,

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