Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1929-04-24 · Heft 84-85 (24.4.1929) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 84-85 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2711613-2711683-2711701--1120-2714309
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 6 DIE NEUE WELT Nr,. 84/85 Ein Interessanter (Urach! Y „Schichts" Alumin-Soda bleibt stets Ein neuer weißblanker Alüminiumlöffel in wärmer Lösung von:""*| gewöhnt. KristaH- Silberhell bleibt blankes Aluminiumgeschirr beim Reinigen mit SCHICHTS Alumin-Soda Verwenden Sie auch zum Kocrton und Em» welohen der Wäsche nur SCHICHTS Alumin-Soda diese entfernt , mühelos den größten Schmutz od. Amrhoniäksoda wird in 5 Minuten silberhell Erhalt loh In Katzen- und Selfangascttlfto», . Diogarlen, Qasihirrhand- , (ungen o w. grau und matt Alleiniger Hersteller: Georg Schicht, Wien-Leöpoldau Telephon-Nummer A-40-106 Sohn eines Prokuristen der Kosackscheti Papierfabrik, <5in anderer Angeklagter der Sohn eines angesehenen Pap^erfabrikartten in Hageti (Westfalen). Sämtliche Angeklagten, haben, höhere Schulen .besucht, zum Teil sogar d as, A b i t u r i u in e x a in e n gemachf. Sie leugneten einen Zusammenhang der Tat mit der vorangegangenen Hetzversammlün'g; .' des Pfarrers Münchmeyer und gaben an, sie seien sämtlich schwer betrunken gewesen und z ufällig an dem . Hause vorbeigekommen, in dem sich die Synagoge befindet. Auf den" Zurufr »H i e r is t d ie J udenschule!" seien sie lediglich-aus Leichtsinn in das Zimmer eingedrungen und härten dort- Unfug getrieben. Der Anklagevertreter, Staatsanwaltschaftsrat Horstmann, geißelte scharf das Vorgehen der Angeklagten, erklärte aber bezüglich des1 Strafmaßes, daß es wohl zu berücksichtigen sei,' daß es .sich-um." junge, bisher unbestrafte Leute aus guten . Familien »handle. Andererseits falle die Tätsache, daß alle ftinf Angeklagten eine gute Erziehung und Schulbildung genossen hätten, straf verschärfend ins Gewicht. Sie möchten nicht bewußt :y o n den; Hetzreden Münchniey e r s b.e e i n f 1 tiß t worden, sein, aber aus dieser Atmosphäre, heraus sei die Tat entsprungen. Der Staatsanwalt beantragte Gefängnisstrafen: Von zwei Monaten bis zu drei Wochen*/ Die Synagogengemeinde; in Arnsberg-wurde von demi Rechtsanwalt Dr. David in Hagen (Westfalen) .vertreten,; der insbesondere betonte,^ daf); so^ nichtjj allein durch die nationalsozialistischen Redher', sondern erst'^ recht durch die. B et e'i 1 j gun.g ..v-on höheren ■ ■ t4 4 ' ■*.'»- < _n ■ •- .-. ■* IvA^'^j^tJ^.L'... -Afy. . ■ *,*. s t a d t i s che n B e a iril e n ari~den "näfionalsozialHu'schen Hetzereien beeinflußt.werden.:; . Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu Geldstrafen in der Höhe yon 150 bis '350 Mark und bezeichnete in der Begründung die Tat als „ä u ß e rs t f 1 e ge I h af t und ge m e in". ' ' ' ' '■ Hakenkreuzler mit .ziemlich'großen. Abzeichen saßen am'Pres>etisch und' nahmen -die 'Verhandlungen 'fast wörtlich auf. Der Manauer Mord.. _ Die fränkische Presse veröffentlicht eine •ausführ- Hche - Erklärung;' der Ba m b e r g e r. g e ri c h'tl i.c h e n Pressestelle, über den Manauer Mord. Die Erklärung beginnt: .-„Der Bericht des -„Stürmer-4 über den» Mofd an Karl.Keßler in Manau bei.H.ofheim, enthülltfolgende Un r;i c h't 1\% h e i t e n . ." In sieben Absätzen nimmt die amtliche Stelle eingehendgegen'- diejenigen Behauptungen des „Stürmer" Stellung, durch die der Nachweis eines Ritualmordes geführt werden soll. Sie stellt fest, daß atn Tatort eine große Blutlache vorhanden und die Kleidung-des Knaben stark-mit* Blut durchtränkt gewesen sei. Der Grad der Blutleere habe dem bei einem Verblutuugstode üblichen -entsprochen; eine, außergewöhnliche, auf künstliches Ausbluten deutende BlMlccre sei nicht aufgefallen. Unwahr sei auch; daß sich an der rechten Halsseite d r e 1 V e r 's u c h s s t e 11 e n, die Adern zu durchtrennen,-gefunden hätten. Eine an das „Knicken" erinnernde Verletzung, am- Rückenwirbel sei nicht festgestellt. Die Erklärung geht dann ausführlich auf die Befunde bei der Obduktion ein und kommt zu dem Ergebnis, daß irgendwelche Anhaltspunkte-für die: Beschuldigungen des ..Stürmer" nicht vorhanden seien. Die Ermordung de$ J. T. A.¬ Direktors Goidberg. Burger zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt. , Aus P a r i s, 18. d., wird uns gemeldet:' Der '20jährige Lettländer Moses Burger, der' dm vorigen Jahr den Direktor" "der Pariser Filiale der Jf. T.' A., G ö 1 d b e r g, durch einen Revolverschuß getötet hat, ist heute zu sieben Jahre« Zuchthaus verurteilt worden. " ' S iahr kaufen Sie billigst Orig. engl. Herrenstofle und-Doubles im Tuehhaus zum Hirschen, II, Tabojrstr. 17b ...... ~ Ältäräbische Konferenz. Im Juli In Palästina. Eine iiti Kairo sta'tfgefundene Versammlung arabischer Nota'beln Aegyptens und Syriens beschloß, für Juli d.; .I: eine allarabische Kpnfcreiiz n a c h J c r u s a 1 e-m;' .einzuberufen, in der die Schaffung einer Einheit der rfrafoischeii Länder erörtert werden soll. ' ' wm »«JffHNPVlVl^l -äalbi ■ fiiT 1M rr1 w* * *™ W^(WäEK£WJ&^-$tXMOm-io Mazzoth in Sowjetrußland. Hilfsaktionen des Weltludentums. Noch niemals vgabes :soviel;Lärm um die Mazzoth-' frage in Sowjetrußlandwie 'licUerv In Amerika und in anderen Ländern erschienen. Aufrufe an die jüdische Bevölkerung, sich . au einer - großzügigen Mazzothaktion für ihre russischen: Brüder zu betei'Kgeiv Von denen 90 Prozent den Pessach ohne Mazzothwerden feiern müssen. Im Zusammenhang" mit diesen Bestrebungen sprach eine Delegation jüdischer .Führer Deutschlands beim Sowjetbotschafter in Berlin vor, um die Erlaubnis der SoWjetregicrung zur Einfuhr von 50 Waggons Mazzoth als Geschenk der deutschen Juden zu erwirken. Weitere Aufrufe erließen der Obcrrafobiner von England Dr. Hertz und Oberrabbiner. K u c:k aus Jerusalem, in Polen höben die jüdischen Gemeinden spezielle Abgaben ein, den Aufruf der deutschen Juden' untersch'rieb sogar der Sozialdemokrat Oskar Cohn. Mazzoth — konterrevolutionär. Mazzoth sind' nichtnur eine Pessachspeise. 'Sie sind nicht nur ein Nahrungsmittel-'für ■ den russischen Juden, der kein Brot hat. Sic sind in der Auffassung der jüdischen Kommunisten Rußlands > ein Faktor der K'ö.n tcr r e v olut-ion, gleich dem Trotzicismus, nlem Antisemitismus, der Indtistriesab.otage ti; d'gl., Av'eshal'b viele Juden, Rcgierungs'beamtc; ,Arbeiter, Handwerker, die als privilegierte Politik) änderte sich die Lage vollständig. Das 'Jahr 1922 stand im Zeichen der Hungersnot, wenn auch für die Juden Melilpa'kctc aus Amerika kamen. Von 1923 . bis zum heurigen Pessach gab es genug Mazzoth in Rußland: es gab, besonders in den ukrainischen Städtchen, kleine Mazzothbäcker, die ihre Ware auch nach Moskau und Petersburg brachten. Da setzte die jüdiische Kommunistenpresse mit einer Hetze ein, indem sie es als, eines revolutionären Arbeiters unwürdig erklärte, in einem Betrieb mit r e 11 gl ös etn Cha.r a,kt e r tätig zu sein. Dieser Schlag aber ging fehl, da man diese Backstuben als „Industrie" ansah, in die maoi arbeitslose Kommunisten — als Mazzothwaikerl —^ einstehen konnte. . Keine Mazzoth, kein' Mehl, kein Geld. Wie ist -die - gegenwärtige Lage? Ist kein Mehl und insbesondere kein Weißmehl vorhanden? Nach den letzten Sowjctstabisti'ken gab es im heurigen Frühjahr verhältnismäßig genug Weißmehl, trotzdem aber mußte die Regierung, um eine rationelle Verteilung zu ermöglichen, Konsumbüchel ausgeben, und zwar im Gegensatz zur Zeit des militärischen Kommunismus nur an Arbeiter und Angestellte. Da also der größte' Teil der Juden nicht in den Besitz von Konsumbücheln gelangen konnte, war er gezwungen, seinen, Bedarf an Weißmehl als' „Ncpmann" auf den freien Markt zu dcke'n, wo natürlich die Preise viel "kaufen Sie schön, gut und billig nur im p^tehhaus S. Sehein A» """"""""Bllinr:*^i;ifi'iiii,:'r.'ii;'fiiauei*iimapkt |lÖ-l:Ä-l^"'-;:', fA^f^ '.-;,..•;ja: .!'i:r;.«;:---;v,v:-, .iv^^/v^. L. •2vyaiorilö4erla8.^pg.: y,ll., ,fyla|iabUfers.tr.a.9ßa. 9Q, (Eck^ .Zjegi^ergQSs^):,;,^ ^...,, Klasse "ein Stückchen Schwarzbrot auf Ka'rteh bekommen und-notdürftig ihren Hunger stillen können,-das Angebot der ausländischen Verwandten und Freunde ablehnten, aus Furcht, konterrevolutionärer 'Gesinnung bezichtigt zu werden. Hingegen nehmetv diev'rsbgenannten unproduktiven Elemente, wie Kaufleatte,-Händler und Luftmenschen,. .-die Hunger leiden undnichts zu verlieren h'abeiv alles, was man ihnen gibt, selbst-™-Mazzoth. .. Diese Situation nützte die jüdisch-kommunisfische Presse in der Vorpessachwö'che' zu einer intensiveren antireligiösen Agitation aus,' besonders gegen Pessach und gegen Mazzoth. Die antireligiösen Artikel trugen Titel, wie: „W er Mazzoth ißt , i s t e in Fei n d der O kt o b e r r e v o 1 u t i o n", P e s s a c h und M a z z o t h kou t e r r e v o 1 u ti on ä r'" und beschäftigten sich mit der Ftfage', wie das neuerwachende religiöse Gefühl der Juden'eingedämmt werden könne, das besonders im Zusammenhangt mit dem heurigen Pessach ans Tageslicht kam: in der Nachfrage nach Pessachartikeln, in der enthusiastischen Aufnahme einer Thorärplle, die von einer gesperrten Synagoge an eine jüdische Kolonie abgegeben wurde, du der Heilighaltung einer Thora anläßlich eines Schwures, in der Bitte einer -jüdischen Kolonie um ein Darlehen von 500 Rubel zum Amfbau einer Synagoge.; Kartolfeln in der Pessachwoche. ..Während des .inilitärischen Kommunismus war der Kauf und Verkauf von Meh-Lüberhaupt verboten. Man'konnte Brot nur. auf. Karben und in beschränktem Maße erhalten, besonders:die .Mehrzahl der Jud^n» die. in die sogenannte dritte. Kategorie eingestellt Wörden, waren, gar nicht'zu reden vom weißen-. Mehl für die Mazzotherzeuguiig, Damals erlaubten die Rabbinerr/Sav/jietirußlands das Essen der diverse.rj Er'bsensprten und das Backen von Mazzqth aus Kommehl. Besonders schwierig, war die Lage im, Jahre 1920, so daß'die Moskauer, Kehilla: trotzder Gefahr eines solchen. Schrittes das. Versorgen, mit Mazzoth wenigstens für die. Sederabendo auf sich iiahm, indem, sie bejm Ernährungs'komitee.durchsetzte,' daß den Juden, dis nicht chomez essen wollen, auf ihre Karten weißes Mehl im Ausmaße der gleichen Schwarzmehlportion ausgefolgt .werde. Nichtsdestoweniger war in Moskau in den anderen ßtädten gelang eine solche Aktion nicht — die Mehlratlpn so gering, daß tausende Familiensich die ganze Pessachwoche hindurchausschließlich von Kartoffeln nähren ■mußten. Mit der Eiablicrung der. Nep (Neue ökonomische höher sind. Dazu-kommt noch, daß der .private Kamfmann seine Ware nicht gerne auf den Markt bringt, aus Furcht, der Spekulation beschuldigt, schwer bestraft oder deportiert zu werden. In Kiew und Charkow z. B. kostet ein Pfund Mazzoth 40 Kopeken, das sind 20 Cent,,also viel mehr als in Polen und Deutschland selbst, aber ."viel weniger, als wenn-man: sie aus diesen Ländern importiert. Da es in Sowjetrußland für-Mazzoth keinen bestimmten ZaHtarif gibt, rangieren sie als Kanditen, auf dene« per Pfund 1 Rubel Zoll liegt. Daher wäre ,es vernünftiger, keine fertigen Mazzoth zu schicken, sondern M.e hl,,, das mit Zoll nichtbelastet ist, bzw. Geld, für das man im Lande selbst-sehr bequem hätte . Mazzoth hersteli.en können — trotz des Beschlusses der Arbeiterschaft, sich nicht an der Fabrikation rituellen Gebäckes für jüdische oder christliche Zwecke zu beteiligen. Allerdings wäre auch eine reine Geldaktioii für. die russischen Juden mit Schwierigkeiten verbunden gewesen, da sie hätten fürchten müssen, ' konterrevolutionärer - Verbindung mit der ausländischen jüdischen Bourgeoisie verdächtigt zu werden. -' > IBBIIIBimilDlIBII ■ ■•■■«BWW«««U ■ Das öofioiniiiiii des Ersten allgemeinen Baamtenvereines Wien erteilt an öffffentllohe u. Bundesangestellte aller Kategorien sowie an Pensionisten zu den günstigsten Bedingung an und gegen höchst annehmbare Rückzahlunosmodalfttttej! langfristige PerfoitalkredSte ohne Lebensversficherungspolizze Die monatlichen Rückzahlungen werden Oei derZinsenberechnung berücksichtigt Die monatliche Rate beträgt für ein Darlehen von $1000.- S 25.- Die Erteilung von Auskünften über Spareinlagen und Entfegennahme von Darleht-usansuchen erlolgt vorsbf sen« rol durch die Zentrale: Wien XVIII, Welmarerstr. 28 und'durch die Stadtbüros: Wien I, Kärnfnerstr. 26 (Eingang Schwangasse 1) l9 Uraniastr. 2 2* ■ uta^iBi«a«BBiaaissauaDBaaaaHanaaii«ia«aaa«iaa

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.