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Die neue Welt · 1929-04-24 · Heft 84-85 (24.4.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 84-85 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. B4IS5 DIE NEUE WELT Seite 8 ' IfllMÜDAI rvuncKUL ist verbürgt reines Fett ans Kokosnüssen. Die Erzeugung steht unter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. K U N B R O L kann daher von allen Strenggläubigen zur Zubereitung von Osterspeisen verwendet werden. uiiud sozial radilkafetort und vom Judeniurn wieiglühr>t, komimt den aissiimii'liatoriisohein Ongiaitiiisaifionen kauim zu Bewußtsein und wflnd h'öohisitenis als eSm TeäJ der allgemeinen KrSise angesehen. Bs gtilbt eben keime jöifdStsöbe PollÄ als Korosequieniz einer echten ltotAonaltein Anschauung und so gilbt es auch keine nationale Organisierung nach einem die ganze Welt in Beiöradht ziehenden Programm. So kommit es, daß der Bericht sogar für Umgarn van einer Konsolidierung spnicht, von eiimer fortschreitenden Versöhnung zwischen Juden und Christen. „Es wäre", saigt das offertba/r von Liudiiem Wolf amsgieairbeiteite Reflenait, „ülbereiill't, aus der augenblicklichen Lage Schlüsse für die Zukunft zu ziehen, aber im Hinblick awif dien öfit beiaeiugten 21t ten Wd 11 en d er b e-tr*if enden Regierungen, diiie heute besteheinden giii'tien Beziehungen zwteefoem d&esen Regiiieintingen und dieim Jolnit Foreign Comitnfiitfcee und die Wachsamkeit des Völkerbundes 'besteht Grumd zu der Hoffnung, daß das Iietoöe Jahr dier Ruthe wSirikllich einen WenidepuThikt in dem Schii'üksal der Juden dfiieser Länidie/r bedeutet." Es iist erfreulich, daß doch weniiigistos etwas Angst vor Ueibereihmg besieht. . Aibeir dleir Beirlioht feit in puncto Ungaini niciht nur itnbereohdgt optiömfsfliisch, er ist sogar feilsch. Es wiürd gesagt: ,J}as ungarische Pairlamieinit hat das von der Regiileirunig lilbm vorgelegte Gesete üb&r die Abänderung des Niüraleruis clausus schind! Mnbeireiiiniandier lim allen Lesungen . veiraibschtodeit. Dliie bei dteseir Gelegenheit dn der Kammer wie im Henrenlhiaws sfeaititigieifuinid'einen Defbairten zeictuneden •sich «im aMgemieii-ne« dluirch reiligirase Tokirianz, den Wüllen zu büngeirlcheir Gleiichlbeiilt und Freiheit auf eraiieltoed'scheni Gelbiiete aus. Dlie Befürchtung, daß das neue Gesotz nicht warkisaim genug sein und wicht ehrlich durchgeführt Wiens , den würde, foait sich gföckHidbeirwieiiise als gnuindlos er- wiesen/ Den besten Beweis für die Wirksamkeit ■ des , Gesetzes Kieifenben dlie erregten Kundgebungen dleir aniti- ..semitischen Studenten bei der Eröffnung! der Uni- , versitäteri im Oktober v. J. Die Reg'reirii'ng bat döese 'Bewegung mit fester Hand niedergehalten, so daß die Auflehnung nur von kurzer Dauer war.". •:' Nliahft eforefiinizJges Wlarit ist wahr. Das Geisiotz dist «licht gettfw'ldert wordion, sondern im Gegenteil, dlfe Regierung hat unter dem Druck der vom Grafen Teleki organisierten Unruhen sogair dliie zugesagten Abänderungen, zurückgezogen,' D|$' Präsidenten der'' Kul!(fi«sjge'meiiinde<'- Dir. Lederenhat nach'i dl& Besprechung mit föl/efbelisibeng vor Au'freiguing.- iiiber deft f W'OTtfarudh <Jier Schlag ge/fcrolilfen, Dr. Vesizii, der'-'den Teleki ': rügte/wunde veinurteäilt. In dien Farlatminitsdlehaitiben wurde die Tofeiraniz, Gleichheit uimd Freiheit . von dien jüdischen Rednern* vertaten,• diie" andieiren schwiegen. Das Gesetz wüird so. wfiie.es filst, ebrM'cih durchgeführt. Das iist wiahr. ... Diie iüdlisdhen Stmdenrten, -diie naclh Wien, Prag und Maitond fMdbten, könniein das Ibezeuigen. Der Befiehlt befaßt sfielb auch' mit Rußland. Es foelißit doirf: ■ „Auch in (dem kltziten Jalhire wair dliie Lage deir nus^' sfecihlein Juden eine soklhie; daß sich ühnen di;e Besongmiisse und die Sym/piaitlhlilen dihirer wes.tläeh)en Brüldier zuwenden mußten. Wenn es auch wahr ist, daß Entrechtungen der Juden in S ow je tru Bland n Ii cht vor'komimen und daß Ausniabimielbeistiiimimunigen gegen dite Juden ails sioiloihe nicht bestehen, so ihait sieh ü'hire Lage denmooh selhr seibwiedg, ja tra/gtiselh gestaiitiöt. Die für die jüdischen Massen bestehende Unmöglichkeit, sich der Scwjetwiirt'selbaft awzupassen, hait si'e au eimeim Zuisitamid der Verarmung gieifühirt, der weiilt schlimmer 'isit, als der in den alten Zeli'tendös Gtotlto bestandene. Die Gesotize . ülber die Beischirän-kumg deir reiigiösen Erziehung, diie forrae;!! ifiür alle Konfessionen gesdhalfen wuirdlen, wiinkem sich ffögeniüber den Juden fiinifoilge des fanatischen. Athdismus . der' söge n a n n t e n „J e w s e ik <z i a" (jiüldßschie' Se'ktlilon deir kommunistischen Partiei) beso'ndeTs ®abii'mm atusu In der.leiteten'Zeilt gelbt uniter den Kommuniistien en'ime nageheuerlicihe a.ntisernitische Aigiltation vor sich, dlie tirotiz d/er scihiarifen Gegenimaßna/himen dler Regierung die Zulku^ruSt dirsteir erscheinen läßt." Der Berfohit eirwähnt schließlich die Unlterdtiuckaing der. Juden im Yemen und zeichnet auch die politischen Ursachen dieser Verfolgung. Das Auswandietungsweirbot scheint auf" Verliangiem dleir palästinensischen Arjabier ergiamigon zusejin. ■.In der Debatte rühmte der Präsident Leonard Montefio re die vfionzülgjähiniige Tätigkeit der Verelnäigun®. Ihm trat Dr. Gast er entgegen, der amf die Ausbreitung dies sozialen Anitisemlitismus häiniwiiies und auch das W8ede>rauflelbender Ritualimordlegende betonte. Di«. Lage. der Juden im, Yemen sei schllmimieir, als ■sßieder Borächlt darstellt. Manmuß.diesie FliiiclbJtiliimge, die eine weiflbvoBe Kraft sind, nach Palästina bringen; Julius Rosenwald spendet. 250.000 Dollar für die amerikanische Universität in Beirut. ' Die J. T. Ä. meldet aus N ew Y o r'k: Der Ghicagoer Philantrop Julius Rosenwald hat für-die amerikanische Universität in Beirut 250.000 Dollar gespendet. Diese Universität ist eine Missionsansta.lt, eines jener Institute, deren „segensreiches Wirken" eine stehende Redensart geworden ist. Soweit sie von Christen unters stützt wird, die die Ausbreitung ihrer religiösen Lehren sich etwas kosten lassen wollen, ließe uns die Sache kalt, obzwar es heute schon kaum mehr fraglich ist, ob diese Anstalten politischen Nutzen stiften, zumal sie ja politische Stützpunkte sind. Wie kommt aber der jüdische Philanthrop dazu, eitle Anstalt zu beschenken, die unter gar keinen Umständen dem religiösen Frieden dient? Es liegt doch auf der Hand, daß die Mohammedaner solche Institute nicht mit freundlichen Augen betrachten, und. da auch tm Orient die Verallgemeinerung betrieben wird, die Juden als Förderer des Seelemfanges ansehen. Herr Rosenwald ist auch sonst mit seiner Philanthropie auf schlechtem WegeJ Er ist ja jener Herr, der für die Sowjefckolonisation den lO-Miilionen-DoIlar-iFonds begründet hat, aus welchem die Enrjudung und Boisohewisierung der jüdischen Proletarier in Rußland betrieben wird. Die Philanthropie ist dort tut politischen Gefahr für die Juden geworden und Herr Rosenwald schafft nunmehr auf andere Art eine' ähnliche Situation in Beirut, in der nächsten Nähe desjödlscheii Nationalheimes in Palästdna, „Die Phantasie von Pferdeschlächtern". Ritualmord-Debatte im preussischen Landtag. Nationalsozialisten Ley. —- Das Zentrum erklärt kategorisch, daß der „Jüdische Ri* Demokratische Front gegen die Redeexzesse des tualmord" nicht im Dogma der katholischen Kirche gelehrt werde. ( „Schande des Antisemitismus". In Oberwesel Ist an der Kirche, die auf die Stadf-i Im Verlauf der Aussprache über den Kultusetat in der Sitzung 'des preußischen Landtages am 17. April führte der Sprecher des Zentrums, Abg. Dr. LI n n e-! b o r n, Domprpbst von Paderborn, noch weiter aus: Wenn neulich,einri*il der nationalsozialistische Abgeordnete Kube versucht häi, das Zentrum als Helfershelfer1 anzusprechen bei jener eines gesitteten Volkes unwürdigen Judenhetze, die vielfach in völkischen und nationalsozialistischen Kren sen betrieben wird — ich erinnere an die rohen Schändungen israelitischer Friedhöfe — so muß das Zentrum jede Bundesgenossenschaft mit allem Nachdruck abweisen (stürmischer Beifall im Zentrum). Herr Kube hat dabei einen Artikel der „Germania" aus derrt Jahre 1912 zitiert. Der Artikel handelte von dem großen Einfluß,, den das Judentum auf dem modern-künstlerischen und finanziell-kommerziellem Gebiete ausübe. Aber .die „Germania" schrieb ausdrücklich von der Beweglichkeit und Rührigkeit der jüdischen Minderheit, um die christlichdeutschen Kreise zu einem .gleichen Handeln auf. diesen Gebieten anzuspornen. 'E^riwav\^ine Mahnung, die man ruhig zu jeder Zeit ^wiederholen kann und. auch jenen christlichen Kreisen sagen ,darf, die über jüdische Konkurrenz klagen, aber in ihrer Lethargie, wie die „Germania** sich ausdrückt, verharren und sich zu gleicher Rührigkeit und Lebendigkeit nicht aufschwingen können. (Lebhafter Beifall bei der großen Mehrheit.) Wenn Herr Kube dann noch angedeutet hat, daß in den Richtlinien katholischer religiöser Dogmen der jüdische Ritualmord gelehrt werde, so entspringt eine solche Behauptung der 'Unwissenheit oder Frivolität. Des Horgens sieht man in jedem Hause FRANZBRANNTWEIN mit Menthol in Gebrauch. Warum gerade diesen! | l. Weil die meisten Menschen gewohnt sind, ihren' Körper mitDiana-Franzbranntwein einzureiben und| ihn damit für die Mühen des Tages zu stählen und dieTätigkeit der Haut anzuregen, die Blutzirkulation zu beleben und die Nerven der Haut zu kräftigen. 2. Wer leicht zum Schwitzen neigt, muß unbedingt des Morgens den Körper mittels eines in Diana- Franzbranutweln getauchten Lappens frottieren, damit der geschilderte Uebelstand behoben wird. 3. Bei Brüchigkeit des Haares, Schuppen etc. ist Diana-Franzbranntwein von ausgezeichneter Wirkung. 4. Infolge des angenehmen Geruches und Geschmackes des Diana-Franzbranntweines sowie dessen Eigenschaften gibt derselbe ein ausgezeichnetes Zahn- und Gurgelwasser. 5. Wer in der Früh einige Tropfen Diana-Franzbranntwein in Wasser aufschnupft, beseitigt die häufig auftretende Verstopfung der Nasenkanäle, DIANA - FRANZBRANNTWEIN wirkt also kräftigend, abhärtend und kühlend. Uberall erhältlich! mauer stößt, ein gotisches Relief, das die Marterung eines! christlichen Knaben durch zwei Juden darstellt. Es han* delt sich um eine Legende. Damit will nun Herr] Kube jenes wüste Bild entschuldigen, das der „Westdeutsche Beobachter" in Nr. 44 vom 22. Oktober 192» gebracht hat, und zwar unter der Ueberschrift: „Daube von Juden geschachtet." Ich lege die Nummer? auf den Tisch des Hauses zur Ansicht nieder. Die Konzeption solcher wüster Szenen, wo mit Zylinder geschmückte Juden das in Schalen aufgefangene Blut saufen, kann wohl der Phantasie einer Gesellschaft voni Pferdeschlächtern entspringen J (stürmischer Beifall fast im ganzen Hause; lebhafter WU derspruch bei den Nationalsozialisten), doch hat das mit Richtlinien katholisch-religiöser Dogmen nichts zu tun. Der nationalsozialistische Abgeordnete Dr. Ley ver« suchte, die Behauptung, die Richtlinien zu den katholiJ sehen Dogmen predigten Judenhaß, durch Zitate aus antisemitischen Schriften zu belegen. Dabei ^ärtnte er alle bekannten Ritualmordmärchen von Simon (1475) bis Könitz! auf. Mehrere Räpstö^ führte *r als Kronzeugen an und beJ hauptete, " ^«f'^:'<: ' - . unter dem Papst Sixtus IV. sei im Jahre 1475 eini ' Knabe von Juden geschachtet und deshalb heilig gesprochen worden. j ^och heute, sagte er, gäbe es Innerhalb des Judentums! eine Sekte, die nach chassidischem Gesetz Ritualmord begehe. Unter dem Widerspruch des Zentrums vertrat er die Ansicht, das Zentrum habe im Jahre 1880 alsdie antisemitische Partei gegolten und auch in neuester Zeit gäbe es antisemitische Neigungen im. deutschen Katho- Hzismus. Im Verlauf der Debatte ergriff noch einmal Dr. Linnes born das Wort. Mit Entrüstung wies er die Behauptung des Dn. Ley zurück, daß der jüdische Ritualmord fm| Dogma der katholischen Kirche gelehrt werde. Als eri mit den Worten schließt: „Das deutsche Volk denkt zu| ruhig, als daß es sich zum Antisemitismus aufpeitschen] ließe", lärmen und toben die Nationalsozialisten, während! ihm von der großen Mehrheit der Abgeordneten lebhafter] Beifall gezollt wird. Auch der demokratische Abgeordnete Graus, evangelischer Pfarrer in Berlin, trat mit warmen Worten für| eine Versöhnung der Konfessionen ein und erklärte unter! erneutem Lärm der Nationalsozialisten; daß d ie S ch an dtj des. Antisemitismus ausgerottet werden müsse» , Hetze der Hitler-Presse. Das in öerliln von Dr. GöbbeJs ttierausgegeibene' nationalsozialistiische Organ „D er Angriff4 setzt in seiner neuesten Nummer die Ritualmordhetze in Verbin-: dung mit dem Mord an dem 4V»Iä'hrigen Karl Keßler In. Manau fort. Das Blatt behauptet, daß gravierende Indizien für einen Ritualmord vorliegen; „dies um so mefor, als am Nachmittage vor dem Morde in verschiedenen Dörfern der Umgebung ein Kraftwagen mit 'augenscheinlich jüdischen Insassen gesehen wurde, die spielende Kinder zum Mitfahren aufi forderten". „Man würde wofol bald auf aufsic-htsreiche Ermittlungen stoßen" meint die Zeitung, „wenn man sich dazu die Frage voriegen würde, welche in Deutschland befindliche ^Religionsgemeinschaft" schon seit Jahrhun«i derten im Verdacht steht, daß sich in ihren Reihen Fanai tiker befinden, die das Blut christlicher Kinder zu rituellen Zwecken gebrauchen." Der Synagogensturm in Arnsberg. Vor dem Erweiterten Schöffengericht in Arnsberg fandl am 12. April im beschleunigten Verfahren die Verhandlung gegen fünf jüngere Leute im Alter von 19 und 26 Jahren wegen der Anschläge gegen die Synagoge und die jüdische Schule in Arnsberg statt. Der Haupt angeklagte ist derj

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