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Die neue Welt · 1929-04-24 · Heft 84-85 (24.4.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 84-85 (24.4.1929)
Date
1929-04-24
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 DI£ NEUE WELT Nr. .34/85 Neueinführung IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII f8 r im gm isi an umu. fr nriAi Radioapparate auf unbestimmte Zeit. Beachten Sie tmsttre Mietbedingungen: 1. Keine Vorauszahlung der Leihgebühr 2. Die monatliehe Leihgebühr beträgt sirka 5 Prozent des Kaufpreises 3. Sämtliche Radioapparate werden inklusive Lampen verliehen. Vorteile des Leihsystems: 1. Keine Barbezahlung notwendig 2. Keine Anzahlung notwendig 3. Kein Ratenkredit notwendig 4. Keine Zinsenzahlung notwendig Interessenten erhalten detaillierte Leih« punkte nach deren Erscheinen kostenlos. Ii II- J) Wien, VII., Neubaugasse 19, Telephon B-32-5-75 Serie ner historischen Heimat, den Judenstaat schaffen soll. Das Qualitätsprinzip' hingegen anerkennt Palästina als die Stätte („Heimstätte"), die das in der Galuth präparierte Muster Judentum zu einem Laboratorium für sein Weltanschauungsexperiment machen soll — das ist die in den Zionismus transponierte Assimilation. Bernstein berührt hier Tendenzen, die Jakob Klatzkin in seiner berühmten Auseinandersetzung mit dem »^geistigen Judentum" Achad Haams analysiert hat, im übrigen Tendenzen, die Prag und Berlin unter Führung Martin Bubers zu einem Turm von Babel aufgeschichtet haben. Der Antisemitismus, von Herzl richtig als. Reflex der Anorrnalität der jüdischen Position in den Galuthländern erkannt, wird wieder durch WIEN VI!., KAISERSTRASSE 123 IX.. ALS ER STRASSE 6 FERNSPRECHER B.38-0-3-4 Abwehrpropaganda und Ueberzeügüngsmitlcl zu überwinden versucht, wobei eine Qualitätsverbesserung desv „Judentums" diese Aktionen unterstützen soll. Dadurch, wird der Galuthzustand politisch ünd soziologisch stabilisiert. „Dies hat dazu geführt, daß der Zionismus, statt die Juden zu akzeptieren wie sie sind, und die Galuth abzulehnen, die Juden abgelehnt und die Galuth akzeptiert hat." So sieht Bernstein auch im Galuthnationalismus, d. i. im Bestreben .nach nationaler Autonomie und Verankerung in den Diasporaländern, im Grunde genommen eine antizionistische Tendenz. Nach einer gründlichen, mit zahlreichen Beispielen belegten völkerpsychologischen Durchforschung des gegenwärtigen Zustarides im Zionismus gelangt er zur Ueberzeugung, daß die unklare, von A s s i m i I a t i o n 81 e n d e n z e n durchsetzte Ideologie die Krise im politischen und wirtschaftlichen Palästinaaufbau hervorgerufen und beispielsweise die Annahme des Churchill-Weißbuches, das dem Judenstaat die Flügel nimmt, möglich gemacht hat. Im Zusammenhang mit dieser These widerlegt Bernstein die Möglichkeit eines Sich-Auslebens auf Grund der hebräischen Kultur in Palästina bei Vorhandensein einer jüdischen Minorität. Majorität allein kann ein Volksleben in seinem ganzen Umfange in Funktion setzen, weil Majorität allein auch die politischen Vorbedingungen, ohne die jeder Schwächung des Volkskörpers Tür und Tor geöffnet sind, schaffen kann. Daraus ergibt sich, daß die Lösung des Araberproblems durch Verwenden auch Sie nur die Österreichische Qualitäts-Rasierklinge einen zwei völkischen, biiuitionalen Staat den Sinn des Zionismus als Befreiung des Gesamtvolkes der Juden niemals erfüllen kann, unabhängig davon, ob das Land Palästina (nichf jenes Palästina, „von dem zwei Drittel des ganzen abgetrennt sind") numerisch das Gros des jüdischen Volkes aufnehmen kann oder nicht, Aber „Majorität bedeutet den Schlüssel zu jeder Möglichkeit, und Preisgabe der Majorität bedeute!; Verzicht auf jede Möglichkeit". Bernstein sieht somit auch das jüdische Kulturproblem als politisches: Problem an. Er folgert; aus der Erkenntnis Ilerzls vom Kernproblem der jüdischen Frage, jäeül; S t a.a t S p r o b 1 e m, daß die Erneuerung'der jüdisclieif -Kultur aus der künftigen politischen Gestaltung eines' staatlich zusammengefaßten Judentums heraus kommen ' müsse. „Von allen sogenannten kulturellen' Bestrebungen ist die Hebräisierung die einzige vom zionistischen Standpunkt absolut notwendige." In einem Zeitpunkt, in welchem von rechts und links jede Besinnung auf die Urquelle und Lehre des Zionismus als. r^efaitismus ausgerufen wird, erscheint Bernsteins Schrift: als ein'Dokument des Mutes, der Erkenntnis und' befreienden Kritik.' |)IIIIIIIIIIIIIIIIIIUIIIIIIilllllllllilllllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIJ SÄ Als OSTER- GESCHENK besonders beliebt sind Bonbons u. Schokoladen füilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll^ Trotzdem ist es fraglich, ob Bernsteins Analyse der gegenwärtigen Situation als Auftakt zu sachlichen Erwägungen von denjenigen aufgenommen wird, die bisher jede Vertiefung in die zionistische Materie als unnützes Theoretisieren abgelehnt und den kämpferischen Geist des Zionismus als „inopportun" niedergeschlagen haben. Die englisch-jüdische Vereinigung. Bericht Uber die allgemeine Lage der Juden. Iin London hat Mitte April ddie JiaihresvensarranhMig der englisch-jüdischen Vereinigung (anglo jewish association) stattgefunden, in der der Bericht des Außenausschusses über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern erstattet wurdie. Der Borfobt tsit •dlie.typifscilne SohÄtifärbereil, düe sich daran genug s<edin läßt, wieim dliie Pogrome ausbleflbeai. Der weitaus gefährlichere weiße Pogrom, die wirtschaftliche Aitabliutowg die* Judentums, seine EnM.rätft'.nrig, diieiser aiiiihe!mlcli fortschreitend«? Prozeß, der die jüdisclbe Jugend polnisch I., Tatoer Straß© 8 ss T©8. R- 42 -3 -41 Wegen des großen Erfolges r~ 3. Woche prolongiert . Ein Spielfilm aus der afrikanischen UrwiBdrais (GoJUaid-Kluge-Expedition) - . Beginn: An Werktagen um l/»6,,,/48'und 9 Uhr.— An Sorin- und Feiertagen 7,5. 8/<6, Va8, 9 Uhr. Jugendllohe haben Zutritt! nicht beschieden ist, meine Tage in Jerusalem zu beschließen — so will ich wenigstens in meiner Heimat sterben." " s,Papa — um alles in der Welt — was fällt din ein? Warum sprichst du auf einmal vom Sterben?" ,,Du hast wieder recht — Herrsch. Vom Tode braucht man nicht zu sprechen — man soll nur an ihn denken... und dennoch fahre ich zurück... dort ist meine Heimat, dort finde ich meinen Gott wieder! Während bei euch sich alles auf Rädern bewegt ~ ... alles „von selbst" in Bewegung gesetzt wird ..." („Was meinst du damit?" „Kein ,\vas meinst du damit', mein Sohn! Du glaubst, daß weil ich alt sind, meine Augen getrübt sind — ich etwa nicht mehr gut sehe? Zum Beispiel... deine Tochter... ach, wenn ich mir nur ihren Namen merken, könnte ..." „Madeleine..." „Also, nehmen wir z. B. deine Tochter... die Lippen geschminkt... die Wangen geschminkt... Augenbrauen,, Wimpern, alles künstlich gefärbt... Willst du vielleicht behaupten, daß das in Ordnung ist?" .„Aber, Papa — das bringt die jetzige Mode mit sich! Alle Frauen folgen ihr — schau sie dir mal an!" „,bas kannst d u tun, lieber Sohn — denn ich bin es auch früher nicht gewohnt gewesen, andere Frauen anzusehen als deine Mutter. Und jetzt... sind es ganz! andere Dinge, die meine Aufmerksamkeit erregen... Ja, um wieder darauf zurückzukommen. Du sprachst von der „iMode". Aber willst du mir nicht sagen, was eigentlich die Mode ist?" Der alte Mann verfiel in Nachdenken; auf seiner Stirne erschienen tiefe Furchen. „,Also, die Mode", ergriff er von neuem das Wort, k,— das heißt, wenn alle es einer dem anderen nachmachen — und wenn es den Menschen einfallen sollte, das gegenseitige Erschlagen sei angezeigt ~ dann hieße sich erschlagen—»weil die Mode es so vorschreibt! Die heilige Schrift kennt keine Moden — darin ändert sich nichts: Jehovah war, ist und wird immer der alleinige Qott «toi« Und leise vor sich hinkichernd, setzte der Alte seine Betrachtungen fort. f "!" „In der Religion kann es natürlich keine „Moden" geben, denn der Glaube ist beständig," Er hatte sich inzwischen erhoben und ging im-Zimmer auf und ab. Die; Hände am Rücken, die schwächen Greisenfüße mühsam' nachschleppend, fuhr er fort: ■ ■ „.Und warum mußte das alles so. kommen, weil bei euch eine Idee die andere überrennt — Untergrundbahn, Hochbahn, Tramwäy, Autobus alles auf Rädern, ein' Vehikel das andere überholend — ein ewiges Geruder**' ein ununterbrochener Wettkampf... Kapn denn unsereiner hier in Paris leben? Ich möchte mal einen Fußgänger in Beschaulichkeit seines Weges daherkommen sehen, einen' Gaul in leichtem Trab... aber bei euch rollt das ganze Leben nur auf Rädern... Wo soll ich, alter Jude, hier zur Ruhe kommen? Kann man denn einen vernünftigen Gedanken fassen, wenn um einen herum ein wahrer Hexenkessel tobt?" Er hie|t inne, um nach einer kurzem Weile fort-, zufahren: „Du meinst wohl — hier bei euch fehlt mir nichts, hier kann ich es mir gut gehen lassen — aber du' irrst dich — ich bin kein Parasit..." 1 Vater, aber bei euch zu Hause in Rußland ist. dpch das Leben so erbärmlich,.." ».Du meinst wohl, daß ich mir dessen nicht be-, wüßt bin?... Kannst du dich an den Krämer Israel Chaimeles erinnern?" „Na und ob!" „Also, der stellt jetzt unsere Obrigkeit vor... Ein Trunkenbold.. Ein Vagabund ... schließlich ist keinerbesser als der andere und Chaimelea bleibt eben Chai-;. jneles — aber ich fahre ja nicht zu ihm ... Ich fahre zu unserem Fluß, der ruhig weiter dahinfließt... Und unser Wald — unser lieber Wald... kannst du dich seiner entsinnen? Die Menschen als solche können etwas ver-' patzen, etwas schlecht machen — aber das russische Reich ist stärker — es bleibt weiter bestehen und lacht sich, ins Fäustchen..." Und kläglich fuhr der AJte fort: „Weißt du, Herrsch,! es tut mir in der Seele weh, ich habe dich <*f(n Stück Geld gekostet... und dir auch viel zu schaffen gemacht ... .nun tue mir noch eines zuliebe: gib mir das Geld; zur Heimreise____ und ich werde dich nie mehr belästigen ..." »,Aber, Papa, was fällt dir ein, warum sprichst du so zu mir?" („Mein Sohn, ich weiß ganz genau, was ich rede — Geld verdienen ist nicht leicht... aber ich habe eei dir ja schon einmal gesagt: von uns beiden bin ich — der Verrückte... Wenn es so weit ist, wirst du mich an die Bahn bringen und mir eine Fahrkarte lösen. AUS einem Zettelchen wirst du mir für den Kondukteur, der mich ja nicht versteht, aufschreiben, wo er mich umsteigen lassen soll, damit ich an meinem Bestimmungsort ankomme... Ihr aber lebt indessen ruhig weiter^ wie es hier Sitte ist. Du bist doch hoffentlich nicht gekränkt, Herrsch? Oder am Ende doch?... Öder glaubet du, daß man Ru'ßland so leicht vergessen kön'nie?..." Georges' Zigarre war längst ausgegangen. Auf dem Sessel vor dem Vater saß wieder der kleine blasse Herrsch. Ihm war, als sei er wieder im Cheder in Krepowitz, als erkläre der alte Reb Chonon. ein Kapitel aus dem Talmud und das schwache Licht einer Talgkerze falle auf den; großen Folianten. Er sah die kleinen Breiterhäuschen sei* nes Heimatstädtchens vor sich, hörte die Stimme seiner. Mutter wieder... l„Nicht wahr, Herrsch, ich habe dich nicht gekränkt? ... Bitte, säge mir die Wahrheit; habe ich dich gekränkt?... Der Sohn erhob sich. Er sah starr vor sich, hin und sah doch nichts... Er ging auf den Vater zu, ergriff sc;tie Hand und küßte sie lange und inbrünstig. „Es soll so sei«, wie du willst, Vaterl Du wirst reisen, sobald dir das Visum ausgestellt wird... Ja! Und höre nochj eines, Vater — von uns zweien tiist du 7nicht der Verrückte!" Und um die hervorbrechenden Tränen zu verberget* drehte er sich jäh um und verließ das Zimmer.

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