Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 84-85 (24.4.1929)
- Date
- 1929-04-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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r Nr. 84785 DIE NEUE WELT Seite 3 1 D E RIEBE N D E LEICHNAM (dasehegeseTZ ) ■j* NACH DEM WELTBERÜHMTEN DRAMA VON LEO TOLSTOI IN DEN HAUPTROLLEN: W. PÜDOWKIN, DER MEISTERREGISSEUR, ALS „FEDJA" UND MARIA JAKOBINI UR- UND ALLEINAUFFÜHRUNG TÄGLICH IM SCH WE D E N - KI N O TABORSTRASSE 1, TELEPHON R-49-0-60 VORSTELLUNGSBEGINN: 5, 7 UND 9 UHR, SONNTAG AB HALB 4 UHR ■■HHHHHBMHHHHHBHI Monopol.- allianz-film-ges. wien, vii. apparat, Keren Hajessod und Keren Kajemeth also, and wenn dieser Apparat das Budget aufbringt, arbeitet er gut, wenn nicht, so hat er eben versagt. Die Hechaluz-Organisationen stehen, von diesem palästinensischen Gesichts* Winkel aus gesehen, gewissermaßen außerhalb der Zionistischen Organisation: das ist sozusagen vorweggenommenes Palästina. Es braucht nicht gesagt zu werden, wie ge- FESTSAAL DES HOTEL CONTINENTAL II., Taborstraßc 4 / Samstag, den 27. April, 8 Uhr absnds, zweiter und letzer ]fld, Liederabend Hilda Heues Programm Karten im Vorverkauf in der Bücherstube M. Rath, Taborstraße 20 a und im Hotel Continental fäbrilch diese Anschauung ist, wie sehr die Palästinenser vergessen halben, daß auch sie einst Galuth-Zionisten waren, daß auch sie einst durch die Idee des Zionismus •und die diese Idee repräsentierende, lebendige Zionistische Organisation unserer Sache gewonnen wurden «ud daß, wenn diese Organisation ihre Werbekraft verliert, wenn die Idee nicht mehr imstande Ast,, auch einer neuen Generation Lebensinhalt zu werden, dann unser Werk nicht gelingen kann, sogar wenn die Agency das Finanzproblem völlig zu lösen vermöchte. Hier zeigen sich die Nachteile Palästinas, das Leben.in.einem Milieu, in dem die Probleme des Tages so stark im'Mittelpunkte des Interesses stehen, daß darüber der weite Ausblick für die Grundprinzipien unserer Arbeit leicht verloren g e h t. So sehr wir glauben, daß in den Fragen des Aufbaus die Stimme Palästinas •ganz (besonders gehört werden muß, so sehr scheint es uns, daß Palästina «ich stärker als bisher auf die Bindungen besinnen muß, die. es mit der Diaspora und vor .allem mit der Zionistischen Organisation verbinden. Diese Wechselwirkung kann von höchstem . Segen für beide Teile sein. Zionismus und Assimilation im Zionismus, Bemerkungen zu F. Bernsteins neuer Schrift, Die letzten Jahre der zionistischen praktischen Arbeit brachten es dahin, daß Weg und Ziel des zionistischen Gedankens verschiedenartig interpretiert wurden. Die gegensätzlichen Anschauungen der „praktischen" und „politischen" Zionisten, die man als schon überwunden und in den Begriff vom „synthetischen" Zionismus verschmolzen geglaubt hatte, haben sich 25 Jahre nach Theodor Herzls Tod Bahn gebrochen, und zwar durch die Erfahrungen, die wir im Kampf um Palästina und um die nationalen Rechte in der Gallith gemacht haben. Eine kritische Auseinandersetzung mit den neu aufgekommenen Ideen, die den Zionismus als die für das jüdische Volk notwendige Lebensform begründen sollten, unternimmt der bekannte Verfasser des Buches „Antisemitismus als Gruppen- Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die führende schwedische Weltmarke erscheinung" F. Bernstein in^einer Schrift, die unter dem Titel „D e r z i o n i s t i s c h e G eda n k e auf I r r wegen'4 soeben im Verlag „D i e Neue Welt" (Wien,- IX.,. Universitätsstraße 8) erschienen ist. / : . Nach einer Analyse der Herzischen Konzeption vom jüdischen Weltproblem als dem Konstellationsproblem, das die Transponierung der in der Galuth anormal lebenden Juden in ein Land mit eigener Staatlichkeit bedeutet, gelangt Bernstein dazu, alle Arten der Verschiebung und der Verfälschung der Kardinalfrage zu uniersuchen und sie als ein irreführendes, unzionistisches Qualitätsproblem zu erkennen. Konstellationsproblem heißt, daß eine Volksexistenz als ewige Minorität unter den „Wirtsvölkern" einen Krankheitsherd nach innen und außen schaffe. Eine Lösung gibt nur nationale Konzentration. Qualitätsproblem heißt: die einzelnen jüdischen Volksteile, wo immer sie sich befinden, können die ihnen drohenden Gefahren nur dadurch überwinden, wenn sie aus sich heraus eine Eliterasse als Vorbild für die Menschheit bilden, in dem die ganze Speisenkarte feinster Weltbeglückungsideale, wie So-; zialismus, Pazifismus, Antimilitarismus, Antinationalismus, Musterkultur, zu finden ist. Eine Lösung liegt hier nur vom Geistigen her, nicht vom soziologisch Bedingten, wie es die Geschichte der Völker erhärtet. Das Konstellationsprinzip entspricht dem Willen, das jüdische Volk aus seiner abnormalen Situation zu befreien — indem es in Palästina, sei- An die Freunde und Leser des Blattes! Wenn Sie der Ansicht sind, daß die „Neue Welt" ein empfehlenswertes Biatt ist, geben Sie uns freundlichst die Adressen von Freunden und Bekannten an. Wir werden denselben die „Neue Welt" durch mehrere Wochen zur Probe gratis zukommen lassen. Wenn wir uns bei der Werbung auf Sie berufen dürfen, bitte dies ausdrücklich zu bemerken. Aus der Zusendung erwachsen weder' Ihnen noch den «Empfängerin irgend welche Verpflichtungen. Die Verwaltung der „Neuen Welt". furä öurtfl grofee $111610061 erhobt Qute äualitSten und ftatitbefannt nt eitrige $ teile Die Mfeinen $er?en« unb Samenftoffe fomie alle Selietttoarett bei vif fifafe SBiettaeile 40 (im $ofe) Heimweh. Skizze von P. R y s s. •j Aus dem Jiddischen übertragen von Raja Barber. Im Palais der Sowjetvertretung in Paris spricht ein alter Jude vor. i,,Ich lasse den Genossen Konsul dennoch ersuchen» meinem Anliegen so rasch als möglich nachzukommen"« wendet er sich an den vor ihm sitzenden Sekretär des Konsulats. „So rasch als möglich?" Der Sekretär sah den von ihm stehenden Meyer Salmanowitsch verächtlich an und begann in den vor ihm liegenden Papieren zu wühleru „So rasch als möglich!" wiederholt er nochmals bissig. i,;Wer sind Sie schon ... kommen Sie nach einer Woche wieder — ich muß vorher noch Informationen über Sie einholen ..."-•• i,,Was für Informationen? Was meint Ihr, Genosse — was für Informationen? Ein alter Jud' will in seine Heimat zurück... Was bedarf es da noch für Informationen? Habe ich denn gar keine Rechte?" „Ich habe Ihnen schon gesagt — kommen Sie in einer Woche — guten Tag!"... Meyer Salmanowitsch trat unschlüssig von einem Fuß auf den andern, dann näherte er sich dem Ausgang. |„AIso wenn's nicht anders geht, muß es eben in einer Woche sein", murmelte er in seinen Bart, ohne sich direkt an jemand zu wenden. „Zu Hause habe ich vier Monate warten müssen, bis ich das Visum nach Frankreich bekam... ajso werde ich es hier auch noch eine! Woche aushalten — der Jud' ist ja gewöhnt zu warten ., < also heißt's warten!..." Als Meyer Salmanowitsch nach Hause kam, war es schon;spät — gegen ein Uhr mittags •— man wartete auf ihn, um zu Tische zu gehen. („Wo bist du so lang gewesen, Papa?..." if,Wo ich war? Spazieren bin ich gegangen — oh, ist das eine große Stadt, euer Paris!" ' „Und was hast du dir alles angesehen?" i Oer Alte tat, als hätte er die Frage nicht gehört — was sollte er dem Sdhne auch antworten— er hätte ihn ja doch nicht verstanden. Er aß langsam die ihm vorgesetzten Speisen und nach beendetem Mahle schloß er die Augen und betete in Gedanken-zu seinem Gott, dem er für Speise und Trank dankte. «»Willst du nicht ein wenig ruhen, Papa?" Der Alte hob die Augenlider und sah seinen Sohn fragend an. Natürlich w'ill er ein Wenig — ruhen... Sein Sohn . . . da sieht er ihn wieder vor sich, den kleinen, Herrsch... die großen, schwarzen Augen im blassen Gesicht... Oh, der kannte die heilige Thora genau und erst den Talmud!... Der halbblinde Melamed, Reb Chohon» sagte schon immer: „Aus Herrsch wird ein großer Rabbiner werden!" Und was ist aber nun? Jetzt heißt er nicht einmal mehr Herrsch, sondern „Georges" — ist rot und feist geworden und trägt eine bunte Modekrawatte um den Hals und ist Besitzer irgend einer Strumpffabrik. Er trinkt viel Rotwein, ißt Chaserfteisch und geht nicht mehr in den Tempel beten... Und das — soll aus dem kleinen Herrsch geworden sein?... „Ja, Herrsch, ich gehe, ich will ein wenig.ruhen.. In der Türe bleibt er stehen und siehtl den Sohn noch einmal aufmerksam an. I („Ja, ich will ein wenig ruh'n... hast du die Absicht auszugehen, Herrsch?" „Raum, Papa?" „Bitte, komm mit mir — ich habe dir etwas hu sagen." Sie betraten das Zimmer des Vaters. Der Alte setzt sich aufs Bett und zeigt dem Sohne mit einer Handbewegung, auch er möge sich setzen. ^AIso, was ich sagen wollte, Herrsch —" „Ich höre, Papa!" Die bei Tisch getrunkenen drei Gläser Rotwein haben Herrsch-Georges tüchtig eingeheizt. Er knöpft sich die Weste auf, steckt eine Zigarre an, und ein Bein über das andere* schlagend, ist er nun zu hören bereit. .„Sage, mein Sohn, weißt du eigentlich, wie alt du bist?" jtQott sei Dank! Meinst du am Ende* daß ich den Verstand verloren habe,* Papa?" j,,Warum gleich so aufgeregt? Uebrigens, daß du's nur weißt: von zweien — ist einmal einer immer verrückt!" | Herrsch schien sich vor Lachen schütteln zu wollen», „Lache, lache nur, mein Sohn — denn auch das) Lachen hat uns unser Hergott geschenkt... Sag einmal, Herrsch, kannst du dich noch erinnern, wie du inj Cheder gegangen bist?" „Jawohl, daran erinnere ich mich." „Und gedenkst du noch des Reb Chonon?" [,,Was sollen alle diese Fragen, Papa?..," Der Tort seiner Stimme klang gereizt. („Eigentlich gar nichts, mein Sohn— ich frage nur so. Von uns beiden bin ich — der VerrÜicktq, das istj alles!" Und dieser Satz machte dem Strumpffabrikanten: klar, daß sein Vater mit seinem Lebenswandel wohl nicht einverstanden war, daß sich zwischen ihnen — eine Kluft aufgetan hatte... ( „Aber Papa, du bist doch erst einen Monat in Paris... du mußt dich eingewöhnen... du weißt doch^ welche Mühe wir uns gegeben, um das Visum für. dich zu beschaffen!" Der Alte saß am Bettrand und hielt den Kopf-tief auf die Brust gesenkt. „Ja, ja, das weiß ich alles.,,. Schließlich liebt auch der Tiger sein' Junges und das Huhn seine Kücken... Aber sag' einmal, Herrsch, zieht es dich niemals, ein frommes Buch zur Hand zu nehmen, die Nähe Gottes zu suchen?" \ »Lieber Papa, wir leben in einem anderen Zeit» alter..."! „Das stimmt — und ich denke ebenso — daher* mein Sohn, fahre ich wieder heim..." , ^bWieso — das ist doch nicht dein Ernst!" -<-j „Das, was du gehört, ist mein fester Entschluß Ich war eben heute im Konsulat — um ein Rückvisutn zu verlangen. Ich fahre heim nach Krepowitz — natürlich ist Krepowitz mit Paris nicht in einem Atem zu nenaen^ Aber ich bin dort geboren..* Und wem ea mir schon,