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Die neue Welt · 1929-04-12 · Heft 82 (12.4.1929) · page 11

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 82 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32 DIE NEUE WELT Seite II 1 er Herrscher. Die Wohnungen bestehen meistens aus einem Zimmer, in welchem vielköpfige Familien wohnen oft zwölf bis fünfzehn Personen. Die Hochzeitszeremonien sind überaus interessant. Vor der Hochzeit ist es Pflicht aller Bekannten! und Freunde, der Braut eine Chontschka (Teller) mit neun kleinen' Broten und neun Lawasch (kleinen Kuchen), ein Huhn und zwei Flaschen Wein zu schenken, ferner Pflicht der Brautführer, am Samstag nach der Hochzeit beim Bräutigam das Mittagessen einzunehmen. Die Braut gilt dem Bräutigam .schon nach dem Verlobungsakt als angetraut; sie erhält von ihm eine Silbermünze (keinen Ring), die sie ihm allsogleich wieder zurückgibt, was man „Beh" (Handgeld) nennt. Die Braut heißt von nun ab „Tschol" (Ehefrau). Am Tage vor der Hochzeil führen die Brautführer den Bräutigam zum Hause der Braut, deren Tür verschlossen ist, worauf die nahen Verwandten des Bräutigams fragen, warum sie nicht ein gelassen werden und von' seiten der Brautfamilie \ die Antwort erhalten, man solle bezahlen und dann werde man den Bräutigam einlassen. Nach einer Weile des Hin- und Herhandelns einigt man sich auf eine kleine Summe und das Brautpaar wird unter den Traubaldächin geführt. Den bevorstehenden Vollzug der Traüüngszeremcinien verkündet ein Unterführer des Bräutigams, indem er einen „Barkaij" (Gänsefuß) in die Härid .nimmt und sich ein Seidentuch umbindet. Das Bräutpaar stellt sich zur Wand und wird mit einem Talles bedeckt. Zum zweitenmal beschenkt der Bräutigam die Braut mit einer Silbermünze. Darauf wird der Heiratsschein vorgelesen, worin genau verzeichnet ist, was die Braut , an Geld und Gegenständen in die Ehe zu bringen hat. Hochzeitsgeschenke haben mir von seiten des Bräutigamskreises zu kommen. Die Leute der Braut breiten ein Tuch aus und fordern zu Hochzeitsgeschenken auf. Die Trauungsmahlzeit am Abend findet im Hause der Braut statt, die Brauteltern begeben sich für diesen Abend anderswohin. Die Braut sitzt bereits mit einem Tuch auf dem Kopf. Eheschließungen kommen auch innerhalb der eigenen Verwandtschaft vor. Die Braut ist zumeist ' int Älter von 15 bis 18, der Bräutigam Von 20 bis 25 Jahren, Jünglinge und Mädchen höheren Alters gelten bereits als „Sitzengebliebene". Am Sabbat wird der Bräutigam zur Jhora aufgerufen und liest den Abschnitt „Und Abraham war alt geworden". Einer der Unterführer wiederholt! den gleichen Abschnitt zusammen mit dem Bräutigam in „Targum" (chaldäisch-aramäisch), worauf nach Erledigung derHafthora der Chacham den Segen spricht. Die Beschneidung findet in der Synagoge am achten Tag. statt, selbst wenn der Arzt sie wegen Schwäche des Kindes niciit ^ulassßiiL.will. Der Pate :ist stets, der Großvater-, Auf sehr seltsame Weise gehen-bei den grusinischen Juden Beerdigungen vor sich. Der Leichnam wird in einem Holzsarg - hinausgetragen. Kaum hat man das!- Haus.verlässen, zerbricht der Ghammes einen- Krug, indem er auf grusinisch sagt: „Wie dieser Krug zerbrochen wurde,; so .-..mögen alle bösen Geister, die sich des Leichnams! bemächtigen wollen, zerbrochen: werden. Ich verbanne alle aus dem Reiche des Bösen,. auf daß sie nicht die Leichje zum Grabe begleiten." Man bestattet die Toten in Leinenhemden aus Erez Israel, wie man ihnen auch unter den Kopf Erez Israel-Erde legt, mit der jede Familie versorgt ist. Den Toten werden die Hände übereinander' gelegt. Es ist nicht Brauch, daß. der Sohn den .ersten Kaddisch sage, in den meisten Fällen tut es der Schammes der Chewra Kaddischa. Die größten jüdischen Ansiedlungen befinden sich in Tiflis und in Kusaisch. Früher war die Hauptbeschäftigung der Juden der Handel, den sie sehr erfolgreich betrieben. Da heute der Handel untersagt ist, hat sich ihre Lage sehr traurig gestaltet. Das Verhältnis zwischen Juden und Grusiniern ist ein sehr gutes, zumal man äußerlich einen Juden von einem Grusinier schwer unterscheiden kann, Antisemitismus gibt es in Grusinien überhaupt nicht. Wäre die. materielle , Lage der Juden Grusiniens besser,, hätten sie sich nicht zu beklagen. Synagogen und Baethe Hamid rasqhim sind in Grusinien nicht konfisziert, obwohl im Jahre 1923 ein derartiger Versuch unternommen worden war. Die Juden Grusiniens mobilisierten damals ob der Gefahr, sperrten alle Bet- und Lehrhäuser und verbarrikadierten äich in den Höfen, um dem Feind das Eindringen zu verwehren. In manchen Städtchen besetzten Männer, Frauen ' und Kinder die Eingänge zu den Synagogen und führten einen regelrechten Kampf zum Schütz ihrer Heiligtümer. Soldaten (gaben Salven in die Luft ab, aber die Juden wichen) nicht, bis endlich Moskau nachgab und die. Konfiskation; aufhob. Seinem ganzen Wesen nach ist der grusinische. Jude primitiver,; kampflustiger und mutiger als jeder andere Jude. Die J e w s e k z i a bemüht sich, das grusinische Judentum z-u gewinnen, bisher ganz ohne jeden Erfolg. Der grusinische Jude (wie der Grusinier überhaupt) ist eine harte, zähe Natur, die sich von ihren jüdischen Traditionen dürfen keinerlei Verlockungen abbringen läßt. . Ein Denkmal für Oskar Straus. Der - Senat der - Vereinigten Staaten hat. die vom jü-. ciischen Kongreßmitglied Emanuel GeH.er eingebrachte und vom- Repräsentantenhaus: bereits , angenommene Bill über die Errichtung eines Denkmals: in . Washington für den verstorbenen Staatsmann Oskar S, Straus, der dreimal Botschafter der Vereinigten Staaten inder Türkei war und — als einziger jude bisher — m»m Jfebifi^tt der bereinigten Staaten angehörte, auch seinerseits angenommen. Sie' ging nunmehr des Präsidenten zur Unterzeichnung zu. Es wird dies der erste Fall sein, daß einem Juden in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten ein öffentliches Denkmal, .gesetzt, vvird.! Der Mann mit den acht Töchtern. Reiseerlebnisse aus Neuseeland vom Schauspieler Morris Mo'stfikowics. ' ' .Der berühmte Schauspieler Morris Moschkowics, der viele Jahre hindurch mit großem Erfolg auf der jüdischen Bühne tätig war, wurde dieser Tage nach seiner . Rückkehr aus, Australien und Neuseeland , vom Londoner jüdischen Literaten- und Jouralis'tenvefein auf einem Bankett begrüßt. Moschkowics schilderte seine Reiseerlebnisse, von denen wir die folgenden zwei Geschichten wiedergeben. Im allgemeinen geht es d«en Juden in Australien und Neuseeland gesellschaftlich und materiell gut. Viele von ihnen sind reich geworden, aber man spürt bei ihnen sehr wenig vom eigentlichen jüdischen Leben. Die Mischehen, besonders zwischen jüdischen Mädchen, die eine hohe Intelligenzstufe erreichten, und christlichen jungen Leuten hat sehr überhandgenommen. Große Verwunderung erregte in mir der Anblick des Denkmals für den „u nbe^an-nten Soldaten" in Perth In Westaustralien. In dieser Stadt leben im ganzen 150 Juden und dieses Heine Häuflein hat es zustande gebracht, daß mitten in der Stadt, aulf dem schönsten Platze von Perth, ein herrliches Denkmal für die im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten errichtet wurde. New York mit seinen mehr ais 2 Millionen. Juden hat das, was 150 in Perth erreicht haben, nicht zuwege gebracht; ... In einem anderen Städtchen in Neuseeland besuchte mich in meinem Hotel ein Jude und .lud mich in sein Haus. Als ich Ihn um seine, Adresse bat, meinte er lächelnd: „Fragen Sie nur den Erstbesten in der Stadt nach der Adresse des Mannes mit den acht Töchtern, und man wird Sie sicher zu meiner Wohnung bringen. „Und so war es auch. Ich frug den ersten Polizeimann, dem ich auf der Straße begegnete: „Wo w'ohnt der Mann mit den acht Töchtern?" Der Hüter der öffentlichen Ordnung sagte mir genau, wie ieludas Haus finden, könne. Als ich dort eintrat, stellte er mich seinen acht föchtern; lauter schönen, gutgeratenen Mädchen, vor- Der Vater rühmte mir: „Man hat mich wiederholt gefragt, was mir Heber wäre, 8000 Pfund Sterling, oder meine acht Töchter. Ich habe , lieber die acht .Töchter, 'gewählt. Denn, . sagte ich, hätte ich 8000-Pfund.Sterling ,so möchte ich sicherlich noch mehr tausend PfundVhäb'en'; wollen, aber an ach t Töchtern h a b e 1 c h « c h Ö fn " W i r k i i c h g e n at ig ,. Landeskonferenz des' Kerfen 'Kajemeth. Die diesjährige - Landeskonferenz'>des->Keireri' Kajemeth' findet am 13. d;,:. 7 Uhr' abends,- im' 4 ti0käie' der Bezinkssekbion Leopoldstadt', Wien, Zir-kiisgfcsse' '33, statt. Tagesordnung: 1. Referat des 'Präsidenten des Keren'Kajemeth, Herrn Adolf B öh m: Soziale aiwd nationale Bedeutung der Bodenkäufe: in der HaiifarBai.'Z Dr. Chäim T a r t a- Zwei aparte Friihjahrs-Modelle 'IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM aus dem Warenhaus Bruder Schlfftnann, £8-, Tatoorstraße 48 kower: Rechenschaftsbericht über das Jahr 5688. 3. Debatte. 4. Wahlen in die Landesikommisslon. 5. Eventuelles. Jede Gruppe, die im Jahre 5688 mindestens 15 Pfund aufgebracht hat, entsendet einen Delegierten, Gruppen, die mindestens 50 Pfund aufgebracht haben, zwei Delegierte. Die Delegiertcnlegirimationert können ab 10. April in den gewöhnlichen Bureaustunden, spätestens aber unmittelbar vor der Tagung abgeholt werden. w Dieser elegante englische Kasba-fvlantel, kostet S 39.50 Öieses fesche Kasha-Klaid •i v i to&tqt piiwr^, $8-90 Theater und Kunst. Der literarische Nachlass von Mapu. Es sind bereits etwa hundert Jahre verflossen, seitdem Abraham Mapu seinen Roman „Zionsliebe" geschrieben hat. Dieser Roman wird gegenwärtig ins Französische übertragen, und der Zufall, der dies herbeiführt, brachte auch die interessante Entdeckung eines reichhaltigen literarischen Nachlasses des unsterblichen Verfassers der „Ahawath Zion". An den in Paris lebenden! französisch-jüdischen Schriftsteller L. B1 u m e n f e I d wandte sich vor kurzem der Enkel eines Bruders von Abraham Mapu mit dem Vorschlag, den in hebräischer f ^rache erschienenen Roman von Abraham Mapu gegen entsprechendes Honorar ins Französische zu übersetzen, da er leider nur französisch spreche und die hebräische Sprache nicht beherrsche, aber doch den Roman seines verstorbenen berühmten. Großonkels lesen möchte. Bei dieser Gelegenheit brachte, der Auftraggeber Herrn B1 u m e n f e 1 d eine große Kassette mit vielen Briefen, die Abraham Mapu an seinen Bruder/gerichtet hatte, und welche sehr wertvolles Material enthalten. Außerdem besitzt dieser Neffe Abraham Mapus eine Grammatik der französischen Sprache, welche Abraham Mapu in hebräischer Sprache verfaßt hat. Diese durch Zufall ans Tageslicht gelangten wertvollen Korrespondenzen und der . sonstige Nachlaß Mapus sollen jetzt gesichtet und verarbeitet werden. Jüdische Abende. Zum zweiten Male in dieser Saison trat der •Interpret des jüdischen Volksliedes J. S e g al-Ros en b ach-vor das Wiener Publikum. Er..absolvierte ein überaus reiches Programm, aus dessen ernstem teil „Schneider" (Text von An-ski) und „Tancherh" (Text von1 Golub) hervorzuheben sind. Der jüdische Liedbumor kam in. „Schiiker is a goj", „A Semmerl" und <„Jerusoholajim'.' zur Geltung.-Der ,>Rebbe Elirnelech" erschien in neuer musikalischer Bearbeitung. Einen Sepafaterfolg holte sich Segal-Rosenbaeh mit dem sentimentalen Wiegrerilied j,Ai4i-lu4i-Jü" und bewies' von Neuem, daß er in1 unnachahmlicher Weise die . Seeledes jüdischen Volksliedes zum Klingen bringt. Wie wir erfahren, wird Segai-Rosenibach am 7. Mai im Festsaal des Indu'striehauses (Schwarzenbergplatz) als Sänger hebräischer Lieder vor die Oeffentlichkeit treten. Auf seinem Programm, stehen;Gesänge von Golufo, Silberta und Gnessin zu Dichtungen von Bialik, Schneiir, Tschernichowski und Jehtida Halevy. Ehrenabend Nathan Breitmann. Als Ehrenabend für Nathan Be e i t im a n n, dem ausgezeichneten .jugendlichen Bonvivant , und Komiker,' gelangt in den „Jüdischen künstierspie'len" ' J.' Gordins Lebensbild „Mirele Efrös" Mittwoch den 17. April zur.'Aufführung. Nathan. Breitrhann tritt in der Rolle der „Josselc"- auf. ■ < •■/■-• Julius Watt und Elise Haas. Am 19. d. findet im .Bayrischen Höf", II..'Taborstraße 39. zu Ebnen des Kammersängers Julius Wa tt ein Theateralbend statt, an welchem der geschätzte Künstler mit seiner Partnerin, der Primad'onna Elise' Haas die bekan-nteste-n' Opernarien .und Duette sowie den Jeki rozoin" aus „Schabe« Kojdesch" mit großem Ghor singen wird. ' Zur Aufführung gelangt das Lebensbild .yDämon Weib" in sechs Bildern von H. 'Markus. mit Maiikus Herschkowicz, Bieflla Berson, J. Hausknecht, Frl.. Zelnik etc. in den tfwtrofflteti, In der 'K'ünstlerrevue des dritten ' Aktes wirken nachstehende K ü n s 11 e r mit: Edmund E y s 1 e r und Emst Arn o.l d begleiten persönlich, ihre Kompositionen am Flügel; die sechsjährige Ly a. Ferner wirken Gertrud K.rauis und die Konzerbpianistin Alice Schwarz mit. . Jehuda Ehrenkranz, der bekannte jüdische Rezitator und Schauspieler, der in der letzten Zeit 'mehrmals - am Vortragspttit erschien, ist kürzlich erkrankt und dadurch gezwungen, seine Mitwirkung .an ■ verschiedenen jüdischen Veranstaltuingen abzusagen. „Jüdische Künstlerspiele". Gastspiel Vera Zaslavskaja—Mischa Fischsohn. Als Auftakt der Frühjahrssaison beginnt in den :„J ü d i s ch en K iin s 11 e r s p i e ie<nu (Theater Reklame) ein Gastspiel zweier hervorragender Vertreter der jüdij sehen Schauspielkunst: Vera ' Z a s 1 a v s k a j a und Mischa i Fi sc h s o h jv.... .Nach einer, großen Welttournee ist? das Künstlerpaar in Wien eingetroffen, wo es zum -ersten Mate ab Freitag den 12. April zu sehen sein wird. Das Eröffnurigsstück iist: die Tragödie „Nach dem Stürm" von 9ch. H. Cohen; worin' Frau Esther Perelmann ihr Gast- , spiel' fortsetzt. Montag den 15. April geht das Lebensbild " IJVIirele Efros" von J. Gordin. in Szene1. Dieses von Packendster Reafetik .erfüllte, Stück, typisch für Gordins i TiHeatertecnnik, hat sich alle jüdischen Bühnen der Welt i erobert. Zu den besten' Interpreten Gordins gehört Mischa Fisch söhn, der gemeinsam mit der Tragödin Vera Zäslavskajä „Mirele". auf seinen amerikanischen, polnischen und rumänischen Gastspielen zu einem Serienerfolg 'verhall 'S." Iris wird wiederum Gelegenheit haben, i seine große schauspielerische. Begabung zu zeigen. Die Regie -führt diesmal Mischa Fischsohn, de>r das Gordinsche Werk einer dramaturgischen Umarbeitung, unterzogen hat. Die Proben zu den bejdeii Premieren, in: denen die Damen Deutsch, Welnfra'ub-Graf; Perelmann, Meiseis und die jUerren Deutsch, Iris, Breitmahn, SigaM» Zelnlker, Schneidow wsc'häftigt sind, hahen bereits begonnen. Wochenprogramm: Von. Freitag den 12. bis Sonntag |den 14,:,,,Nach,.dem Sturm"...Von Montag den 15. his Mittwoch den 17.:- .»Mlreie Efros", Donnerstag den 18.: Ver- '.einsVorsteluing..' . '. jüdisches Theater-Studio. Die Aufnaihme in das Jüdische Tlieater-Studio wird -am 1. Mai geschlossen. Schriftliche Anmeldungen an Dr. Oskar Rosenfeld» IX,, TMeastraße 19,

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