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Die neue Welt · 1929-04-12 · Heft 82 (12.4.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 82 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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r Mf. 82 DIE NEUE WFX1 Seite I |i I flTÜÖ iimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiim ncD P* iiiiin Sämtliche Osterwaren I kaufen Sie am besten bei I GEFLÜGEL-DICKER I § VII., UNDENOASSE 23, TEL. B-33»3«13 | 1 Altbewährte Firma, führt Wiener und Qödinger, ämeri- 2 S kanische und Palästina - Mazzoth sowie Weine, S koscheren Slibowitz und sämtliche Spezereiartikel, j§ s sowie diverse Osterbäckereien. Spezialität in S 5 prima Geflügel, Fettgänse, Indian, Enten, Suppen-, S g . Bacfc- und Brathühner s Biiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiif tiiifiifiiitififfifiirtifrifftfffifffiiiiitiifif lititiiitffffffffiitiitfiS diese Probleme und wer hat Sie mit ihnen vertraut gemacht? — „Midi interessiert der Zionismus schon seit Jahren. Ich habe Theodor Herzl gekannt. Mit N o r d a u aber verbanden mich nahe freundschaftliche Beziehungen. Er ist auch der erste gewesen, der mir viel über den Zionismus erzählte und mir für diese große Bewegung Interesse einflößte, wofür ich ihm bis heute dankbar bin. Auch heute stehe ich in freundschaftlichen Beziehungen zu einigen bekannten deutschen Zionisten. Einige meiner Vorlesungen über Palästina wurden von der Zionistischen Organisation arrangiert." — Was ist Ihre Ansicht über die Juden, die eine, hervorragende Stellung im deutschen Kulturleben einnehmen? — ♦ „Darüber kann man entweder nichts oder sehr viel sagen. In der Wissenschaft sind viele Juden führend. Ihre Namen allein sagen schon viel. Ich will mich damit begnügen, die Namen der bedeutendsten zu erwähnen: Albert Einstein, Siegmund. Freud, Julius Adler, Rudolf Xassner. Sie sind zu groß, als daß man sie mit ein paar Worten abtun könnte. Auch in der Literatur sind die Juden gut vertreten. Ich muß Ihnen das Bekenntnis machen, daß es mir schwer .'fällt, alle Namen der jüdischen Schriftsteller aufzuzählen, da ich einen Teil von ihnen nicht kenne und man bei uns übrigens nicht nach der Geburtsmatrik fragt. Man beachtet nur das Schaffen. Aber nur wenige jüdische Schriftsteller geben in ihren Werken ihrer Abstammung Ausdruck. Zu den Bekanntesten der Juden in der deutschen Literatur gehören Wassermann, Toller, Arnold und Stefan Zweig, Döblin, Werfe!, Brod, Else Lasker-Schüler. Sehr hoch schätze ich die letzterwähnte Dichterin. Sie ist nebenbei auch die am meisten jüdische , von allen jüdisch-deutschen Dichtern. Noch einen muß ich hier erwähnen, einen zwar wenig bekannten, dafür aber begabten Mann: Erich Butkind. Er wird in kurzem ein großes Werk über die Kabala erscheinen lassen. Das Werk ist von streng jüdischem. Gesichtspunkt aus geschrieben." Bezüglich seines eigenen Schaffens erzählt der Dichter, daß er sich gegenwärtig weniger mit Dichtung als mit Wissenschaft beschäftige. Nach. Vollendung der beiden Werke „Die Philosophie Griechenlands nach Christus" und „Das alte und neue Griechenland" gedenkt Däübler, sich nach Palästina zu begeben. „Ich werde dort längere Zeit bleiben und das Leben Palästinas gründlich studieren. Ueber Palästina plane ich zwei Bücher zu schreiben: eines mit publizistischwissenschaftlichem und eines mit poetischem Charakter." . , — Sie beschäftigen sich doch viel mit Kunst. Wissen Sie etwas von unserer Kunst?.— „Meine ersten Arbeiten waren über Kunst und'. Künstler. ..Im Jahre 1903 veröffentlichte ich größere Schriften tibeT polnische Kunst in Paris und ich schreibe noch heute über Kunstfragen. Juden in der Kunst? Ja. Es gab den Israels und den Lilien und es gibt den Glycenstein, Struck, Liebermann und viele andere. Für den größten Künstler der Gegenwart halte ich den Juden Marc Chagall. Er ist ein genialer Künstler von so holier und weiter Perspektive, wie sie selten auftauchen. Es wird Sie interessieren zu erfahren, daß ich unter den ersten, ja der erste war, der auf die Größe Chagallsaufmerksam gemacht hat. Ich habe über ihn viele Arbeiten veröffentlicht und von Zeit zu. Zeit komme ich immer wieder auf ihn zurück. Das ist ein Künstler, der, wie auch immer wir ihn abschätzen, nie in seinem ganzen Umfang abgeschätzt werden wird. Ich habe in Berlin die jüdischen Kunsttheater „Iiabima" und das Moskauer Jüdische Akademische Theater gesehen. Das Grauowskytheater ist mehr dekorativ und stilisiert als hohe und saubere Kunst, die hingegen bei der Habima zu Hause ist. Beide sind sehr ernste Theater. Habima, ja, das ist das ideale Thater." Karmel-Welne beim „Würstel-Biel", Beim „Würstel- B.ie'l" werden — in der Fürichgasse 3 \ e auch im Zweiggeschäft Schottenring 14 — Karmel-Weine aus Richon-le- Zion sowohl direkt vom Faß wie auch in Originalflaschen verkauft. So gesellt sich zu der sprichwörtlich gewordenen guten Küche -dieser populären Kleinrestaurants ein ebenbürtiges Getränk. Karmel-Weine werden beim „Würstel- BleiT, -dem alten guten Geschäftsprinzip getreu, zu mäßigen Preisen in den Verkehr gebracht. T EPPICHHAUS IE I TT iSC N E Rt VI., Marlahilferötraße 105 IV., Wiedner Hauptstr. 10 macht höfl. aul den besonderen Okkasionsverkaut aufmerksam. Es gelangen zum Verkaufe Teppiche, Decken. Vorhänge, Linoleum, Stores, Doppelbettdecken, Kunstlervorhänge etc. Tischteppiche S25.- Stores S 3.50, Madrasvorhange S 5.80. Doppelbettdecken S12.—, Laufteppiche per Meter S 2.50, FlaneJldecken S4.50, Bettvorleger S 3.5Ö und vieles andere bis zu feinsten Qualitäten §IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIW H Ksufct?3S*^^" Kaufet |§ ES die In Qualität und Geschmack unübertroffenen, weltberühmten 55 Palästina v f f Ath 44WII1 Die Herstellung erfolgt — wovon sich Sr. Ehrw. Rabbiner Schenk (Raw der „Talmud Thora") persönlich Ubeneugt hat — unter sträng ritueller Aufsicht Sr. ehrwürden Herrn Rabbiner Josef Chalm Sonnenfeld, Jerusalem, und des „Chief*Rabbi" von Eres Israel, Sr. Ehrw. Herrn A. I. Kook, Jerusalem Gener alraprasentani für ganx Oesterreich: sss Nathan Brodetzki, Wien. u. In Ans Haus Jedes bewußten Juden gehören zu Pessacti nur Horath nm im Israel! 43 90 ££ FILIALEN] M. Wildmann, I. Bäckerstraße IG Jakob Weiß, Ii. Untere Augartenstraße 25 S. Schneider, II. Miesbachgasse 3 II. Novaragasse 12 David Raab, II. Schiffamtsgasse 7 Gerson Schlesinger, II. HollandstraOe 11 Jakob Wassermann, XX. Wallensf einstrafle 58 M. Spiegel, III. Radetskysfrafle 4 Sabine Binder, IX. Hahngasse 33 Max Silberberg, IX. Rofenlöwengasse 8 Leib Mandl, IX. GrUnentorgasse 41 Ignas Finkelstein, XX. Klosterneuburgersfr. 0 Bernhard Luwisch, XX. Hannovergasse 19 Olllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll!^ Die Judenmission in Palästina. Einheitsfront gegen die vereinigte Propaganda der Seelenfänger. Lange genug hat das jüdische Volk tatenlos und fast resigniert den vereinigten Judenmissionen der ganzen Welt zugesehen, die, nach christlichen Konfessionen geigliiedert, ihre Netze überall, wo jüdisches Elend und jüdische Verzweiflung auftauchen, auswerfen, um zusammengebrochene oder indifferente Judenseelen für ihre Kirchen einzuschachern oder sonstwie einzufangen. Der ziffernmäßige Verlust, den das Judentum durch diese Praxis erleidet, ist zwar nicht überwältigend, aber trotzdem kann man nicht länger tatenlos bleiben. Von diesem Gedanken dürfte wohl die englische Bnei-Brith-Loge aus* gegangen sein, als sie daranging, diesem Uebel an den Leib zu rücken, und der Einheitsfront der Demoralisrerungsarbeit der Judenmission die Einheitsfront des gefährdeten Judentums entgegenzustellen. In der Vollversammlung der genannten Loge. erstattete der Edinburger Rabbiner Dr. Samuel D a i c h e s als Vorsitzender einen Bericht über die veranstaltete Enquete zu dieser Frage. Die Enquete erstreckte sich auf die Bnei-Brith-Logen in den verschiedenen Ländern und die CENTRAL II., Taborsfraße 8 :: Tel. R - 42 - 3 - 41 Täglich Uraufführung ein Spielfilm aus der afrikanischen Urwlldnis (Qontard-Kluge-Expedition) Beginn: An Werktagen um V,6, '/48 und 9 Uhr. — An Sonn- und Feiertagen y45 3/<6, V28, 9 Uhr. Antworten decken nicht nur die Wege der Judenmission zur Erreichung ihres Zielens, sondern auch die vielen Versäumnisse auf, welche bisher schon von jüdischer Seite verschuldet wurden. Die Missionsarbeit in Palästina schildert der Bericht der Bnei-Brith-Loge in diesem Lande. Hiernach sind die verhältnismäßig häufigen Tauffälle in Palästina zunächst der Wirksamkeit der in großer Zahl vorhandenen Missionsschulen, Spitäler und Klubs zuzuschreiben. Eine offizielle Statistik beziffert die Zahl der armen jüdischen Kinder, welche die Missionsschulen besuchen, mit sechshundert, eine andere Untersuchung ergab sogar tausend judische Schüler in Missionsschulen. Die jüdischen Schüler bekommen hier vollständig unentgeltliche Ausbildung, viele auch Verpflegung; gründlichen lUnlerricht in der englische 1 Sprache und nach Absolvierung d'er Schulen auch weitgehende Förderung zur Erlangung einer Leenssbtellung. Es muß damit gerechnet werdeni, fdaß eine große Zahl dieser Kinder früher oder später abfällt. Eine große Rolle in dem Umsichgreifen der Taufepidemie spielen die M i s s i o n s s p i t ä 1 e r, wo jüdische Kranke völlig unentgeltlich geheilt, verpflegt und auch mit Geld unterstützt werden, ferner die Missionsklubs, welche über reichhaltige Bibliotheken verfügen, Abendkurse, Sport und Spiele für die Jugend unterhalten. Einige Missionsgesellschaften in Palästina haben ihre Tätigkeit noqh dahin erweitert, daß sie die besonders in. den letzten zwei Jahren herrschende Arbeitslosigkeit ausnützen und Handwerkerwerkstätten errichteten, in denen Juden Arbeit erhielten, wogegen diese an den gotfcesdienstlichen Uebungen der Missionäre teilnehmen müssen. Die jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen sind finanziell iii schwach, um den Konkurrenzkampf gegen die sehr reich dotierten Missionsgesellschaften aufzunehmen und mit Erfolg durchzuführen. Die Bnei-Brith-Loge von Palästina schlägt als Gegengewicht gegen die Umtriebe der Mission vor, wenigstens! in den armen Vierteln von Jerusalem und Tiberias mehrere jüdische Kindergärten zu errichten, wo die Kinder unentgeltlich oder zu sehr geringen Preisen KleYe-, Schulbücher und Mahlz.iten erhallen, ferner eine Schule und Abendkurse zu errichten, in denen ein gründlicher Unterricht in der englischen Sprache erteilt wird, eine Stelle zu schaffen, welche armen Juden unentgeltlich medizinische Hilfe leistet!^ " und gegen die Misrionsklubs gut geführte jüdische Klubs ins Leben zu rufen. Alle diese Arbeiten müßten unter gemeinsamer Mitwirkung der englisch-jüdischen Vereinigung, der zionistischen Organisation und. der Alliance Israelite Universelle, welche bereits über eigene Erziehungsanstalten in Palästina verfügen, geleistet werden. Der Bericht erwähnt ferne«, daß die zur Bekämpfung der Aktionen, .der Missionsgesellschaften gegründete Gesellschaft „Mezudath Zion" vor kurzem eine Broschüre veröffentlicht hat, bei deren Lektüre jedem Juden mit Ehrgefühl die Schamröte ins Gesicht steigt. Man erfährt aus dieser Broschüre unter anderem, daß zu Beginn des Schuljahres Jerusalemer Juden vor den Missionsschulen in endlosem Queue angestellt stehen, um nur rechtzeitig ihre Kinder in den Missionsschulen unterzubringen. Aus dieser Broschüre erfährt man auch, daß die in europäischen Ländern in den letzten Mctna'en entstandenen Verbände sogenannter Judenchristen ihren Ursprung in Palästina haben, wo der „Verband der messianischen J den" gsgriindet wurde, dessen Zweck es ist, „in einer Vereinigung aller christusgläubigen Juden sämtliche getauften Juden ' v.der Welt zusammenzufassen". Zum Zwecke der Irreführung der uniformierten Juden wurds dis hebräische Sprache zur offiziellen Sprache disser Vereinigung erklärt. Dasselbe Bild erhält man auf Grund des Berichtes! der Bnei-Brith-Loge in der Türkei aus diesem Lande. Auch dort nimmt die Taufbewegung dank der großen Zahl der Missionsschulen immer mehr zu. „Wenn die Konstantinopler Judengemeinde ungeachtet ihrer glänzenden historischen Vergangenheit sich heute im Zustande traurigen Verfalles befindet — klagt die Konstantinopler Loge — so ist das zum allergrößten Teil der nationalen und religiösen Gleichgültigkeit der Mehrheit der jüdischen Bevölkerung zuzuschreiben, die ihre Erziehung in den Missionsschulen erhalten hat. Diese Juden bleiben wohl zum überwiegenden Teil noch dem Namen nach Juden, in Wahrheit und in ihrer Haltung dem Judentum gegenüber sind sie es jedoch längst nicht mehr, das Judentum hat von ihnen kaum mehr etwas zu erwarten. Den eifrigen und geschäftigen Missionären ist es wohl nicht gelungen, allen ihren Schülern einen neuen Glauben zu geben, aber immerhin haben sie es erreicht, den alten Glauben ihrer Zöglinge aus dem Herzen zu reißen. Auch die türkische Während des Osterfestes kocht Jede Hausfrau aus hygienischen Gründen nur in Aluminiumgeschirren die in bester Qualität billigst bei Leopold Heine A. O., Wien, VI. GumpendorferstraBell, su haben sind.

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