Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 82 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 DIE NEUE WELT Nr. 82 Sie fühlen sich wie zu Hause beim Seder im bestrenommierten ^yiÖtP Restaurant u. Hotel A. BARSCHAK, WIEN llM Grefte Schilfgasse 3, Telephon R-40-1-39 Erstes Haus für: PalSatlnavr Ine, Karmel, Musxat, Malaga, shar y, ungarische Weine Meth und (a Slihowfi* L leferungen von Ö Flaschen aufwärts ins Haus zugestellt' Sederanmeldungen werden schriftlich und telephorpsch entgegengenommen Bevölkerung genossen; dieses Land 'habe niemals eine antisemitische Bewegung gekannt. Referate über die Lage im Zionismus hielten der Landesrabbiner Dr. A l k a I a i und Dr. L i c H t Die Konferenz wählte Dr. David Alkalaj aus Belgrad zum Präsidenten der Landesorganisation und Doktor Alexander Licht au's Zagreb zum Präsidenten des Arbeitsausschusses. Es wurden Resolutionen betreffend Stärkung der Arbeit für Keren Hajessed und Keren Kajemeth gefaßt. Die Aktion für den König-Petcr-Wald in Palästina soll verstärkt werden, nach Beendigung derselben wird für .den Einstein-Wald gesammelt werden, Die finnländischen Juden. Von Israel Schur (Helsingfors). Der Verfasser bemerkt einleitend: In Nr. 78 der „Neuen Welt" (15. März) erschien ein Aufsatz des Herrn Israel Kohan über die Juden * in Finnland, in welchem der werte Verfasser, den ich persönlich leider nicht kenne, bestrebt ist, einen kurzgefaßten, aber erschöpfenden Ueberblick über das gesamte Judentum in diesem Laude zu geben. Zu meinem Bedauern habe ich gefunden, daß der fragliche Artikel gewisse statistische und psychologische Daten enthält, die den Tatsachen nicht ganz genau entsprechen. Als finnländischer Jude, dem die Ehre aller Juden Finnlands teuer ist, erlaube ich mir, die Aufmerksamkeit des Herrn Kohan auf gewisse Fehler in seinem ' Aufsatze zu richten. Eine derartige Berichtigung finde ich schon deshalb von Bedeutung, weil sonst der .Leser der „Neuen Welt" in dem einen oder andern Punkte eine Auffassung vom finnländischen Judentum bekommen könnte, die es nicht verdient hat. Herr Kohan befürchtet, daß die Juden in Finnland Gefahr laufen, dem Einfluß des Stockholmer „Reformjudentums" zu erliegen. Eine derartige Meinung hat keinen faktischen Hintergrund. Das Judentum in Finnland wurde niemals und wird auch jetzt nicht vom „ReformJudentum" Schwedens beeinflußt; zwischen den Juden Finnlands und denen Sehwedens ist der geistige Verkehr , so .minimal und unbedeutend, daß man kaum von irgendweichem Einfluß sprechen kann. Sowohl in religiöser wie nationaler Hinsicht stehen die Juden Finnlands sehr weit vom . schwedischen Judentum entfernt. . . Ein statistischer Fehler ist die "Angabe des Herrn Kohan, daß die Anzahl der jüdischen; Familien in Finnland; sich auf : rund 500 beläuft, von denen etwa 400In Helsingfors wohnen. Da er die Gesamtanzahl der Juden Finnlands' auf 1400 schätzt, was ungefähr richtig ist, so erhalten wir nicht ganze drei Personen auf eine Familie. In Wirklichkeit gibt es in Finnland etwa 500 (sage und schreibe: dreihundert) jüdische Familien, von; denen etwas über 200 in Helsingfors, zirka 60 in Wiborg und zirka 40 in Abo wohnen; die Gesamtzahl der Seelen beträgt etwa 1500, durchschnittlich also fünf Personen auf seine Familie. Das Urteil, das Herr Kohan über die Juden der Gemeinde Abo fällt, ist unrichtig; In Abo gibt es keine „Juden vom messianischen Glauben". Herr Kohan hat hier die alte schwedische Benennung für jüdische Gemeinden „Mosaiska Församlingen" (deutsch: Mosaische Versammlung) falsch aufgefaßt und das Wort „masaiska" mit dem Worte „messianiseh" ganz falsch übersetzt. (Dies war ein Druckfehler, 'Anm./d. Red.) Ebenso falsch ist die Aeußerung des Herrn Kohan, daß das Judentum in Abo den Bestrebungen des modernen Judentums ganz fem stehe, darunter auch dem Zionismus. Als gewesener Sekretär der Zionistischen Zentralorganisation in Finnland kann ich bestätigen, daß die Juden in Abo ebeusogute Zionisten sind wie die.in Helsingfors und Finnland, Dies kann ein jeder Repräsentant der Zionistischen Weltorganisation, der in den Angelegenheiten des Koren Hajessod und des Keren Kajemeth zu tun hatte, mit ruhigem Gewissen bestätigen. Wie in Helsingfors und Wiborg, gibt es auch in Abo kein einziges jüdisches Haus, wo die K-K-L.-Büchse nicht zu finden wäre, und mit ganz kleinen Ausnahmen nehmen sämtliche Juden der Gemeinde Abo lebhaften Anteil am Keren Hajessod. Die Juden in Abo haben keinen Betverein, sondern eine, wenn auch kleine, aber gut ge- SIE GM. KORNMEHL; GROSSFUISCHHAUCREI Zentrale 1X„ Bergga«a<? 19, Telephon 17-u. 16-9-34 L i e f e r a'n'i! ' ü r Heilanstalten Abteilungen für nv^-Flelsch unter Aufsicht de!» Ehrwürdigen Rabbmats der Isr Kul* ' tuagemeinde Wie» " AyteiustellunB Koatenla» IX. 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Hannovergasse 19 ordnete Gemeinde, jüdische Lehrer, einen in talmudischer Wissenschaft gut geschulten Schochet und Kantor, eine schöne Synagoge und den kleinen Verhältnissen entsprechende jüdische Vereine. Wenn wir mit „n a t i o n a 1 - j ü d i s c h e n I d e e n" nur und ausschließlich den Zionismus bezeichnen, so hat Herr Kohan recht, wenn er behauptet, daß das Judentum in Helsingfors eine Mittelstellung zwischen Abo und Wiborg einnimmt. Wenn wir aber als „national jüdische Ideen" auch alles andere zusammenfassen, was füi den Bestand des Judentums in der Diaspora von Bedeutung ist, so wird auch Herr Kohan zugeben müssen, daß das Judentum in Helsingfors eine ebenso hohe nationale Arbeit leistet wie die Juden in Wiborg, Schwedens beste Rasierklinge rasiert schnell, angenehm, erhält die Haut zart. deren nationale Bestrebungen ich unter keinen Bedingungen etwa auf Grund .eines krankhaften Lokalpatriotisimis verringern will. Im Gegenteil: ich gebe offen und ehrlich., zu, däß jg^ $$$}n i-S t i s cliV I'd e e in W i b.b'.r g einen besseren^ähj'boclei^ singfprs; man muß aber die Verhälthisse kennen, um sich diese Erscheinung "erklären zu können. Man darf nicht übersehen, daß die Gemeinde zu Helsingfors, die, wie gesagt, nur etwa 2Q0 Familien (nicht 400, wie RWR? fl^WfflWPWfjWrWWWPIWWPrTNflWPIff Herr Kohan behauptet) hat, während der letzten zehn bis elf Jahre mehrere Millionen finnische'Mark geopfert hat, um eine jüdische Schule, einen europäisch gebildeten Rabbiner und geordnete national-jüdische Vereine zu haben. Die Tatsache, daß auch in Helsingfors in allen jüdischen Heimen die K-K-L.-Büchse zu finden ist und daß alle Gemeindemitglieder am Keren Hajessod anteilnehmen, spricht dafür, daß die Juden in Helsingfors keine „Mitte" bilden, sondern warme, bewußte Nationaljuden sind. Daß der Zionismus in Helsingfors nicht so hoch steht wie in Wiborg, ist dadurch zu erklären, daß hier wieder andere, rein nationale Institutionen, die auch vom zionistischen Standpunkte von großer Bedeutung sind, existieren, die wir wieder in Wiborg nicht vorfinden. Die Ursache liegt darin, daß die Gemeinde in Wiborg viel zu klein ist, um sich einen solchen Luxus erlauben zu können. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die, Gemeinde in Helsingfors, die etwa dreieinhalbmal so groß ist wie die Wiborger (diese hat viel mehr — proportionell genommen —■ arme Juden als Wiborg), ein Gemeindebudget hat, das etwa fünfmal größer ist als das Wiborger Gemeindebudget. Zu der Auffassung des Herrn Kohan kann man nur dann kommen, wenn man das Judentum in Finnland ganz flüktig ' studiert hat. Ein ganz anderes Bild gewinnt man, wenn man die Verhältnisse im' Verlaufe von Jahrzehnten studiert, einen lebhaften Anteil an deren Entwicklung nimmt und nicht nur die Folgen, sondern auch die Ursachen näher und schärfer ins Auge faßt. ' :- Dämbler und die jüdische Welt. Was der Dichter einem Vertreter des Warschauer„Hajnt" Jbekennt, Der große deutsche Richter und Mitglied der Preußischen Dichterukademie' Theodor P'.au b 1er weilte kürzlich als Gast des polnischen Pen-Klubs in Warschau. Das Einzigartige dieser Persönlichkeit besteht vor allem darin, daß sie zum Typus des religiösekstatischen Dichters gehört, dessen Gefüblsintensität alles umfaßt, was die Welt bewegt, dessen Herz gläubig: ist lind darum auch jene Gefühlszonen heilighält, die. seinen Anschauungen entgegengesetzt sind, ..... Ein hochgewachsener breitschultriger Mann mit klarem Gesicht, mit warm blickenden Augen, mit weiße»1.) fast' patriarchalischem Bart, der an Max Nordau erinnert, dem er die ersten Informationen' überdie jüclisch'nationale Bewegung verdankt, empfängt midi, so erzählt der Mitarbeiter des „IIajnt-\! mitvornehmer Freundlichkeit. Der Dichter freut sich, daß die Juden Interesse an ihm nehmen, allerdings meint 01% daß er sich das Interesse ehrlich vercUent habe.' Theodor üäublor erzählt mit großer Freude yen seinem Besuch Palästinas. ~Ev malt bestimmte, Episoden, so bildhaft und detailliert, als würde sein Aufenthalt nicht bereits drei Juhre zurückliegen: „Ich bin nach P a 1 ä s t i n a-gekommen, habe gesehen und bewundert. Man kann gewisse Einzelheiten kritisieren, tglauben Sie nicht, daß es ein Ding auf der Welt gibt, das nicht seine Fehler hätte, was"einei? Kritik nicht unterworfen ist, lebt nicht — aber man muß feststellen, daß dort eine große Sache geschaffen wird, geschaffen werden soll und muß. Meiner Meinung «ach ist es ein glücklicher Zufall, daß die Einwände* rung nach Palästina begronzt ist. Eine nicht kontra!-; lierte Masseneinwanderung könnte Schaden bringen., und eine Gefahr bedeuten für das, was dort mit eijpieje; so wunderbaren, heute seltenen Begeisterung geschaffen worden ist. Mein erster Besuch (ich sage erster, weil icli bald wieder hinfahren werde) war ein zufälliger und kurzer. Ich war gerade in Griechenland und sa/gte mir eines Tages: Man spricht so viel von Palästina^ tt ich muß es sehen, ich war nur drei Wochen dort, habe selbstverständlich nicht alles gesehen, aber viel bewundert. Wer nicht glaubt, daß es heutzutage bei den Menschen noch religiöse Ekstase und religiöse Begeisterung gibt, soll, nach Palästina fahren.'Jcfr bjn ein tief religiöser Mensch und daher, versteht sich,, nicht mit allen Einzelheiten des Kwuzah-Lebena einverstanden. Aber man kann diesen Pionieren die größte Achtung . nicht versagen,. Sie haben ihre Religion, eine leidenschaftliche und ernste Religion. Auch sie suchen den Weg zu Gott, , Ich will auf .noch eine Sache Ihre AufrijerJcsamkeit lenken, auf die jüdisch-arischen Beziehungen. Sie waren zur Zeit meines Aufenthaltes in Palästina :sehr gespannt. Heute ist 6s"bedeutend besser und mit der Zeit, wenn nur etwas in dieses Hin* sieht getan wird, werden sie ganz normal werden. Ich bin der Ansicht, daß die Juden, die nach-Palästina, kommen, östliche Menschen /werden müssen, d. h. -nicht auf ein niedrigeres Kultnrniveau herabsteigen, isondern in sich die Kultur und Natur des Ostens aufnehmen. Sie müssen sich auch darum bemühen, die Araber auf eine höhere Kulturstufe zu bringen, denn nur Kultur ist ein Schutz- und Verteidigungsmittel im Völkerkauipf. Ich bin aber n e g a t i v eingestellt in" bezug auf 'jeden Versuch, eine j ü d i s c h e Legion z:u schaffen. Militarismus ist mir im allgemeinen antipathisch und die Juden sollten nicht nach ihm streben. Auch praktisch spreche ich ihm keinen Wert bei. Dagegen verstehe ich wohl; daß die Organisierung einer jüdischen Polizei und dergleichen nötig ist. Eine Verteidigungskraft muß vorhanden sein." — Wie ich sehe, sind Sie mit den Palästihafragen sehr vertraut. Interessieren Sie sich seit langem für Cafetier} Jakob Goldfllefc Wien, H., Prateriiraije Nr. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlerspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische Tretfpjinkt. der jüdischen pesejlschaft,