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Die neue Welt · 1929-04-12 · Heft 82 (12.4.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 82 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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r Nr. 82 r DU NEUE WELT Seite 5 KUNEROL ist verbärgt reines Pett ans Kokosnüssen. Die Erzeugung steht nnter streng ritueller Aufsicht des Herrn Bezirfcsrabbiners S. Ehrenfcfd tu Mattersburg. KUNEROL kann daher von allen Strenggläubigen zur Zubereitung von Osterspeisen verwendet werden. £?s»n» ein. Die Nürnberger Wochenschrift der „St iirme r" bemächtigte sich der Angelegenheit und suchte das Verbrechen in einen Ritualmord umzubiegen. Sie brachte folgende Notiz: „Die Kehle war durchschnitten und die Leiche völlig blutleer. Die Aufregung in der Bevölkerung ist ungeheuer. Allgemein herrscht die Ueberzeugung, daß es sich hier um einen jüdischen Blutmord handle." Die nächste Nummer des „Stürmer" brachte in schreiender Aufmachung einen Leitartikel: „Der Blutmord in Manau. Der blonde Knabe. Der Stich in die Halsschlagader. Der blutleere Körper. Die Wunde am Rückenwirbel. Das geheimnisvolle Auto." In dem Aufsatz selbst heißt es: „Die Sektion der Leiche ergab, daß der Körper völlig ausgeblutet war . . . damit ist der Beweis einwandfrei geliefert, daß es sich hier nur um einen jüdischen Blutmord handeln kann . . . Das Opfer trägt auch noch am Rückenwirbel eine Wunde, die an den jüdischen Braach erinnert, am Vorabend des „Schabbes" schwerkranke Juden zu „knicken", damit sie nicht durch den Tod den „Schabbes" entheiligen." Der Schreiber behauptet, überall nur eine Stimme vernommen zu haben: „Es geht auf Ostern zu, es kann nur ein Blutmord sein!" Diese Nummer des „Stürmer" wurde in einer großen Anzahl von Exemplaren in der Mariauer Gegend verteilt, nationalsozialistische Agitatoren erregen die Bevölkerung. Drei Versammlungen, die die Nationalsozialisten am 3. April in Hofheim veranstalteten, in denen Landtagsabgeortlneter Dr. Hellmuth (Marktbreit) zur „Schächtfrage", Landtagsabgeordneter Holtz zur „Sache", sowie die Krann und Poisel sprachen, waren lange vor Beginn überfüllt. * Die Vorstandschaft der Bayerischen Rabbinerkonferenz, gezeichnet Dr. Freudenthal, Nürnberg, Dr. Hanover, Würzburg, Dr. Stein, Schweinfurth, Dr. Salomon, Bayreuth, Dr. Baerwald, München, Doktor Wohlgemut, Kitzingen, Dr. Ephraim, Burgpreppach, veröffentlicht im „Boten vom Hassgau" eine Erklärung, in der es heißt: „Das verabscheuungswürdige Verbrechen des Kindermordes bei Manau gibt gewissenlosen Hetzern willkommenen Anlaß, wiederum die schon unzählige Male als Lüge gebrandmarkte Mär eines Ritualmordes in die Bevölkerung zu werfen . . . Wir empfinden es als Schmach, daß sich das Judentum auch heute noch gegen einen so schimpflichen Vorwurf wehren zu müssen gezwungen ist, gegen einen Vorwurf, der auch dem oberflächlichsten Leser der Bibel als ein Wahngebilde deä Hasses erscheinen muß. Wir erklären hiermit feierlichst: Die Quellen der jüdischen Lehre, insbesondere auch des Talmud, enthalten kein Wort, das auch nur entfernt im Sinne dieses teuflischen Vorwurfs gedeutet werden könnte . . . Die Ritüalmordlüge ist eine Ausgeburt finsteren Hasses, eine Verleumdung unseres Glaubens, die wir in tiefster Entrüstung zurückweisen. Wir sind bereit, die Wahrheit /dieser Erklärung gegenüber allen Verleumdern vor jedem Gericht zu erhärten." Der Lustmord erwiesen, Aus M üm einen wird uns berichtet: Die gerd'ditädcJhe Untersuchung der Knabenkiche in Manau (Unterfranken) ist beendet. Sie ergab den geradezu typischen Fall des Lustmordes. Die Leiche hat Schnitt- und Stichwunden im Nacken und . im Rücken, Die Kehle ist nicht verletzt. Die , Nationalsozialisten setzen ihre Versammlungen fort. . Die bayrische Regierung hat ein Einschreiten abgelehnt mit dem Bemerken, daß diese Versammlungen keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit bedeuten. Freigesprochen weil er die Juden hat beleidigen wollen. Aus Karlsruhe wird berichtet: Der nationalistisch-antisemitische Oberrealschullehrer Professor Kraft in Pforzheim, gegen den hier das Schwurgericht wegen Beschimpfung der Reichsfarben verhandelte, hat verständnisvolle Richter gefunden. Kraft hat einem nationalistischen Wochenblatt einen Artikel aus einem anderen Blatt zum Abdruck übergeben, in welchem die Reichsfahne unter Berufung darauf, daß sie angeblich am Verfassungstage in der hiesigen Käiserstraße überwiegend von Juden ausgehängt gewesen sei, eine Juden fahne genannt wurde., Vor Gericht verteidigte sich der An> geklagte damit, daß er nicht den Reichsfarben, sondern den Juden eins habe auswischen (wollen. Das Gericht ging auf die Verteidigung ein und sprach, obwohl es objektiv eine Beschimpfung der Reichsfarben annahm, aus subjektiven Gründen den An geklagten frei. Ritualmordpanik in Wilna. Am Abend des 2. April entstand plötzlich in der Hetmangasse und in der Breiten Gasse in Wilna ein Ritualmord-Tumult. Der jüdteche Friseur Hirsch Nigus und seine Frau stießen beim Verlassen des Haustors ihres Wohnhauses ans Versehen am Dunklen ein kleines christliches Mädchen um, ohne ihm ernstlich Schaden anzutun. Die Mutter des Kindes erhob ein Geschrei, die Juden wollten ihr Kind töten, um sein Klüt für das Pcssachfest zu benützen. Sofort sonimclto sich eine f a n a t isierte Menge vor dem Hause an. Das Ehepaar Nigus wurde fürchterlich mißhandelt. Bs rettete sich in eine benachbarte Konditorei, worauf #dic Konditorei von der Menge zwei Stunden lang belagert wurde. Endlich erschien Polizei, befreite das schwerverletzte Ehepaar aus dem Keller, wo es sich versteckt hielt, und nahm ein Protokoll auf. Ein Kammerknecht. Max Naumann kriecht vor Wilhelm. Im Aprilheft des „Mitteilungsblattes des Verbandes national-deutscher Juden" veröffentlicht Dr. Max N a uni a n n unter der Ueberschrift „Gerechtigkeit" eine „Zeitbetrachtung", in der es unter anderem heißt: „Wilhelm II. gilt als „Antisemit" und n a c h meiner Ueberzeugung m i t Recht. Er ist c i n geborener Antisemit und hat. niemals aufgehört, es zu sein Als junger Prinz stand er im Stöckerkreise, war Besucher der Waidersee-VerSammlung, die Bismarcks Zorn erregte . . Im Grunde hatte sich des Kaisers Stellung zur Judenfrage nicht geändert, trotz seines Verkehrs mit „prominenten" Juden, — das zeigt jedem, der daran noch■z-w^j'ejn •konnte, der kürzlich yer- . öffentlicbte- Briefwechsel' triff H- St. Chamberlain. Und seit seinem Sturz soll Wilhelm II. entschieden „deutschvölkisoh" denken, soll „die Juden" für alles Unglück verantwortlich machen, das ihm selbst und Deutsch- :■ Jand betroffen hat. Ist. alli^djes; nicht, vom Standpunkt . „jüdischer Würde" betrachtet, nicht als genug, um den Mann zu. hasnen und zu schmähen? Die se Frage zu verneinen ist der Zweck dieser Betrachtung, ist das Grundsätzliche, das ich aus dem Einzelfall abzuleiten versuche . . . Wir verlangen Verständnis und Gerechtigkeit für uns, und klagen bitter, wenn man sie uns verweigert. Mit vollem Recht. Aber diesem Rechte entspricht din Pflicht, auch gegen andere verständnisvoll und gerecht zu sein, auch dem gegenüber, der uns selbst nicht gerecht wird. Und wir d e u t s c h f ü h1e n d e n Juden sind deutsche - Volksgenossen. Daraus folgt, daß wir uns endlich entwöhnen müssen, Menschen und Dinge in erster Li n i e vom Jude «Standpunkte aus z u ,s e h'e n. Auch der Antisemit ist unser Volksgenosse, und wir . schuilden ihm das Verständnis, das jedem Verirrten gebührt . . . Wir schulden dem deutschen Volksgenossen Wilhelm II. Verständnis und Gerechtigkeit. Versagen wir sie ihm nicht, weil es sein Schicksal war, ein Kaiser und ein Antisemit zu sein." Das ist die ekelhafteste Entartung der Assimilation, sich sogar dem anzubiedern, den man selbst als Gegner bezeichnen muß. Es ist festzuhalten, daß dieser nationaldeutsche Israelit in seiner Froschperspektive die jüdische Würde zu verspotten wagt! Oer Seml-Imperator. Ob der Sanitätsrat Naumann bei den Hakenkreuzlerai, um deren Seele er wirbt, Glück, haben wird? Wohl schwerlich. Denn in diesen Kreisen ist man von Wilhelm II. schon weit abgerückt, da man ihn für einen Juden hält. Was {Dachen Sie jeden Abend? „Ich lasse mich mit Diana-Franzbranntwein massieren!" — »Warum gerade mit Diana Franzbranntwein?"— „Weil ich mich überzeugt habe, dass nur Massage mit DIANA Franzbranntwein! mit Menthol solche Schmerzen lindert, welche von Ueberanstrengung und schwerer Atbeit herrühren. Eben darum kaufe ich nur Diana Franzbranntwein und nichts anderes." Nahmen Sl« nur Ol«n« I WotMo«« it«clt«htniirig0n w«l««n Sl« zurück! Überall erhältlich I Die nationalistischen Deutschen können ihm nicht verzeihen, daß er den Krieg verloren hat. Er hat sich Jetit vollständig aufs Völkische gestellt, forscht nach den blonden Haaren des Jesus aus Nazareth und verflucht die Juden. Das nützt ihm nichts. Sein Stammbaum ist durch- 'schnüffclt worden und irgendeiner der germanischen Forscher hat herausgebracht, daß Wilhelm II. ein Jude]ist. Er stammt *ius einem Verhältnis der Königin Viktoriä,mit einem jüdischen Arzt namens Wolf. Darüber hat einer ein ganzes, 200 Seiten starkes Buch geschrieben. Es heißt: „Semi-Imperator". Um für die Behauptung von dem Arzt Wolf eine kleine Stütze zu finden, wirft der Euchschreibcr die Frage auf, ob die Engländer Juden sind. Die Frage wird forsch bejaht. Beispiel Lord Kitchcner heißt Koch, David. Lloyd George heißt David Lcvi Löwit; Balfour ist „für Baal" zu lesen, Baron Cunlife ist aus Kohnleben entstanden. Der Antisemit Northcliffe hat auch keine Ruhe; er hieß Stern und ist aus Frankfurt. So geht es weiter. Das englische Königshaus ist durch und durch verjudet! Schon König Jakob I. war Jude! Von den schottischen Hochländern ist bekannt, daß sie kein Schweinefleisch essen! Und um das Maß voll zu machen, wird an Hand einer Ahnentafel nachgewiesen, daß es eigentlich der David- oder Sexualstem war, der über dein ganzen Hause Hohenzoliern geleuchtet hat* Derat abgesehen von dem schon genannten Fehltritt der Königin- Großmutter werden die Kinder des Herzogs Franz von Sachsen-Koburg einem Herrn Eskelcs zugeschrieben, der unter dem Namen Salfeld sich in die Familie ehebrecherisch eingeschlichen hat ... Es ist nicht ganz klar, ob sich der Autor und der Verleger nicht einen Faschingsscherz haben machen wollen. Klar ist aber, daß ein solches Buch in dem verseuchten Deutschland Leser und Gläubige findet! Wieder antijüdische Ausschreitungen in Rumänien Exzesse in Bessarablen und Siebenbürgen. Aus Bukarest, 3. d. meldet die J. T. A-: Studenten der Ja=syer Universität, die eine Exkursion .'unternahmen, überfielen unterwegs in den Eisenbahn- Ei s c n b a h n c o u p e s die mitreisenden jüdischen Passacoupes die mitreisenden jüdischen Passagiere und" mißhandelten si'e schwer. Auf der Station Kalaraschi (Eessaraibien) schlugen sie auf den sephardischen Juden Eeilrasohni so lange ein, bis -ar bewußtlos liegen blieb. Er wurde in bedenklichem Zustand nach dem Krankenhaus gebracht. „Diminiatza" teilt mit, daß die Täter bei ihrer Ankunft in Kischinew von der Polizer zur Ausweislei'süing aufgefordert wurden,' daß aber keiner von ihnen in Haft genommen wurde. Die Zeitung „Lupta" verurteilt schart die Ausschreitungen in Bessarablen und berichtet über antisemitische Ausschreitungen in Transylvanien. Der Schuhmacher Moses Josef aus Klausen b u r g, sein Enkel Josanka Molnar und die jüdischen Bürger Hirsch und Peter Kuhn wurden auf der Straße von Cuzisten so schwer mißhandelt, daß sie bewußtlos auf dem Platze 'blieben. An der Technischen Schule in T emesvar wurde d e r e i n zig e und letzte jüdische Schüler der Anstalt durch seine Mitschüler gezwungen, die Schule zu verlassen. Bis jetzt wurden diese Verbrechen nicht bestraft. Die Regierung möge endlich, fordert „Lupta", solchen Skandalen mit der erforderlichen Energie entgegentreten. Der Generalstaatsanwalt des Cz e rno wi t z er Landesgerichts, sowie ein administrativer Inspektor in Bukarest haben die Untersuchung über die Vorgänge in dem bessarabischen Städtchen Britschan, wo dje Mitglieder der jüdischen Kulturliga, weibliche und männliche Jugendliche, durch Polizeiorgane, im Beisein des Unterpräfekten und eines Staatsanwaltes, schwersten Peinigungen- Hinterzogen worden waren, beendet. Der Polizeiunterpräfekt wurde enthoben; gegen den Staatsanwalt wurde das Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Konferenz der jugoslawischen Zionisten Der Kultusminister wohnt den Beratungen bei. Die Zionistische Organisation Jugoslawiens hielt dieser Tage in Belgrad ihre Jahreskonferenz ab. Der Minister für Kultus und Unterricht, Alaufovic, wohnte der feierlichen Eröffnungssitzung bei und hielt eine Ansprach e, in der er die Ziele der zionistischen Bewegung, zu gleicher Zeit das jüdische Volk und das jüdische Land wieder aufzubauen, als. edel und erhaben bezeichnete.. Er hob insbesondere hervor, daß die Zionisten überall treue und loyale Bürger ihrer Länder sind. Nach dem Minister sprach der Oberbürgermeister von Belgrad, S t o j a d i n o v i c, der betonte, in Jugoslawien hätten die Juden stets die gleichen Rechte-mit der übrigen

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