Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 82 (12.4.1929)
- Date
- 1929-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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. Nr. 82__ filllllll!1iillll!llllllllllllll!llilll!l!Htilll!lin 1 Verband demokratischer Zionhten | I Mittwoch, den 17. April 1929, um halb 9Uhr abends im 1 | Cafe Produktenbörse II., Taborstr. 10 (Klublokal) | I Versammlung ( 1 Thema: i | Aktuelle Fragen § 1 Referenten: 1 | Oberbaurat Robert Stricker 1 | Rechtsanwalt Dr. L. Plaschkes | 1 Eintritt frei! Gäste herzlich willkommen! § lillllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllilW^ Brief aus Polen. Von unserem Warschauer N. R.-Berichterstatter. Der Jüdische Klub und die Oppositionsparteien des Sejm. Das Judenghetto im päpstlichen Rom. Von Ferdinand Gregorovus*) (1S53). Die, politische Reform des Jahres 1847 bezeichnet das Ende jener Sklaverei der Juden Roms, welche soviele Jahrhunderte, hindurch gedauert hat; so wenigstens hoffen wir, daß die Macht der Meinung sich stärker zeigen werde als das Vorurteil, wenn es sich noch je erneuern sollte, und daß die . geringen Freiheiten, welche die Hebräer errungen haben, sich auch so weit ausdehnen werden, daß i'hnen ein ungeschmälerter Anteil an alten Gütern der Zivilisation gegeben werde. Die Aussichten stehen freilich in der Ferne, aber sie sind nicht nähergerücikt. ' Gegenwärtig bezeichnet man die Gesamtzahl der Gfoettobevölkerung auf 3800 Menschen, eine unverhältnismäßig . große* Menge bei dem kleinen Raum des Ghetto, welcher an Fächenausdeliuuug weniger beträgt als der fünfte Teil irgend eines Städtchens von 3000 Seelen. Die ganze Judeuschaft (Universitä degli Ebrei) steht unter der obersten Kongregation der Inquisition; ihr Tribunal ist das Kardinalvikariat. In polizeilichen Dingen übt der Präsident der Region von Sant Augelo und Campitelli die Gerichtsbarkeit im Ghetto aus. Die jüdische Gemeinde hat das Recht, ihre innere Verwaltung durch drei Fattori del Ghetto .zu 'besorgen, weiche auf ein halbes Jahr gewählt werden. Diese beaufsichtigen das öffentliche Wesen, verteilen die Abgaben nach dem Vermögen und sorgen ifür Kranke und Arme, Im ganzen beträgt die jährliche Abgabe der Juden an; 'den Staat und an verschiedene religiöse Körperschaften gegen 13.000 Francs. Wir haben die Geschichte der Juden in Rom zu Ende geführt; nun aber wollen wir das Ghetto in seinem gegenwärtigen Zustande kennenlernen, *) Siehe „Neue Welt" Nr. 77, 78, 79 und 80. __DTE NEUE WELT_ Budgetrechtes des Parlamentes (Anklage gegen den Finanzminister) wie auch gelegentlich der Behandlung des Antrages auf Aenderung der Verfassung, den der Regierungsklub eingebracht hatte und der im großen ganzen das Parlament zu einem Schattendasein hcrabdrücken will, daß die jüdischen Abgeordneten ohne Schwankung f ü r d i c Demokratie und für die Rechte des Parlamentes eintreten. Leicht war diese Arbeit der jüdischen Abgeordneten mit Rücksicht auf die ostgalizischen zionistischen Politiker unter Führung Reichs nicht, doch hatte deren Absenticrung zumindest den Vorteil, daß der Klub auf seiner klaren Linie ausharren konnte. Dies hat auch bewirkt, daß die oppositionellen polnischen Parteien nach und nach, mit den Problemen der nationalen Minderheiten sich zu befassen beginnen. Wenn in dem Antrag betreffend das Schulwesen der nationalen Minderheiten, den die polnische sozialistische Partei eingebracht hat, die Frage des jüdischen Schulwesens offen gelassen wurde, so ist dies5 im wesentlichen auf die Tätigkeit des Bund (jüdische Sozialisten), auf den Kampf „hebräisch oder jiddisch" zurückzuführen. Auch die anderen polnischen Parteien beginnen das Problem der nationalen Minderheiten und die diesbezüglichen jüdischen Forderungen in Betracht zu ziehen. Als ich es z>um ersten Male besuchte, war der Tiberfluß gerade ausgetreten und seine gelbe Flut strömte durch die Fiuniara, die unterste Ghettostraße, deren Häuserfundamente zum Teil im Wasser stecken; sie strömte auch am Bogen der Octavia und bedeckte die unteren Räume der am tiefsten stehenden Gebäude. Welch ein melancholischer Anblick, das elende Judenviertel so in den Tiberfluten versunken zu sehen! Alljährlich muß Israel •in Rom die Sintflut erleben ti-nd das Ghetto schwimmt dann in den Wellen wie die Arche Noah mit Menschen und Getier. Die Not steigt, wenn der Ti'ber, von Regenflut angeschwellt, noch durch den Westwind vom Meer zurückgetrieben wird; danu flüchtet sich, was zu unterst wohnt, in die oberen Stockwerke der Häuser. Man zeigte mir die Marke des Wasserstandes während der Ueberschwemmung von 1846; die Flut hatte damals , alle unteren Zimmer bis zur Decke angefüllt. Im verwichenen Herbst und in diesem Frühjahre war der Tiber nur für kurze Zeit ausgetreten, doch war auch diese Not empfindlich genug. Gleichwohl soll die Sterblichkeit im Ghetto nicht größer sein als in den anderen Vierteln der Stadt; sogar während des Cholera« jahrcs 1837 war sie nur gering. Berechnet man sie nach den Leichensteinen der Juden, so erscheint die Zahl ihrer Toten sehr klein. Diese weißen Steine mit ihren Inschriften stehen wie ärmliche Denkmäler von Verstoßenen auf einer klassischen Stelle Roms, in einer Ecke des alten Greils maxhnus, unter wildem Gras und Schierling, Denn dort, ,In der von Tarquinius Priscus gebauten Rennbahn, liegt jetet der Judenkirctohof, Orto degli Ebrei genannt. So' wandeln sich die Zeiten! Es gibt eine geheime Krait der Beziehung, welche auch das Oertlichc in die Physiognomie von Menschen oder Dingen hineinzieht, so daß es zu ihrem Symbol wird. Ich habe dieses Gesetz zu oft wahrgenommen, als daß, ich es nicht aussprechen sollte. So fiel mir das Aussehen der 'Ghettoumgebung als eine solche auf, welche die Atmosphäre mit traurigen Vorstellungen durchdringt. Ich meine nicht allein jenen verfallenen Porticus der Octavia, aus _ Seife? üiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihiiiiiiii^ KARMELi Weine aus Rlschon-Ie-Zion I E sind das edclsie Produkt jüdischer Arbeit in Palästina § i Großkellereien der Baron Rotschildschen Kellereien 1 | RISCHON-LE-ZION J 1 Vertrieb für Oesterreich: | I GUSTAV WILDER, WIEN, IV., Blechturmgasse 12 I | Telephon U-43-8-19 | | Verlangen Sie Gratiszusendung des neuen Preisblattes § lllilliilllllllliilWIllllilllM Lord Baliour. Aus London, 6. April, meldet die J. T. A.: Lord' Baliour, der am 25. Juli d. J. 81 Jahre alt wird, hat sich infolge seines hoben Alters und seines •hartnäckigen Leidens, besonders eines KehUcidens, das ihm andauerndes Sprechen schwer macht, entschlossen, sich aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen. Er wird eine Wiederwahl als Lord-Präsi* dent des Council darum ablehnen. Er verkauft sein Londoner Haus, das 58 Jahre läng sein Londoner Heim und einst (1846 bis 1855) das Heim eines anderen großen Premierministers, Lord Palrnerston, war und das an der Stelle des 1827 niedergerissenen Prlnzrcgenten-Palais erbaut worden war und wird seinen endgültigen Aufenthalt auf seinem schottischen Besitztum in Whittinghanic nehmen* Zionistischer Provinz-Distriktstag. Der für den 13. und 14. April angesetzte Distriktstag in St. Pölten wurde verschoben. Anläßlich des Wiener Delegiertentages werden die Delegierten aus der Provinz den endgültigen Termin des Distriktstages in St. Pölten; festsetzen. - , dessen schwarzen Bogen mian in die Pescaria tritt, den stinkenden, finsteren Fischmarkt, wo .auf antiken Marmorplatten Fische aufliegen. Lesen wir nur den Namen auf der nahe an der Synagoge liegenden Piazza. „Platz des Weinens", so heißt er von der Kirche Santa Maria del Pianto. Welcher Name wäre hier passender? Denn hat wohl je ein Volk mehr geweint als diese Juden hier in Rom? Am Platz des Weinens steht ein großer alter Palast zwischen zwei Kirchen. Auf der einen sagt die Inschrift, daß sie der Maria del Pianto geweiht: sei, auf der anderen steht der Name des Erbauers, Francesco Cenci. Er ruft dem Beschauer die schrecklichste der Tragödien Roms ins Gedächtnis, welche Beatrice Cenci heißt. Jener Francccso .war ihr Vater. Der Palast des Geschlechtes der Cenci steht der; Synagoge gerade gegenüber, wo sich : au Festtagen die Klagelieder der Hebräer hören lassen. Noch mehr — in diesem Palast wohnt der Maler Overbeck. Dies örtliche- Zusammentreffen' nötigte mir 'ein Lächeln ab, als ich in das Atelier trat, welches (fromme Menschen wie ein Alterheiligstes betreten und wo ein blasser Mann mit langem gescheiteltem Haar, liebenswürdig und sanft, nicht sprechend, sondern leise Worte aushauchend, die Heiligenbilder auf den .Staffeln erklärt. Auch diese sind still und tonlos; ein entschlafener Josef in den Armen des Heilands, eine schattenhafte weinende Madonna, ein Christus, den Verfolgern entschwebend und auf luftige Wolken tretend, geflügelte Engeisköpfe, leiblos; entleibte Menschen, entleibte Kunst, Rede ohne Worte, Bilder ohne Farbe, die Madonna dolorosa, die-Passion an der Wand'-das Trauerspiel Cenci, drüben das überschwemmte Ghetto, hier die heilige Maria vom Weinen, mitterr imie'der'Beato, Angelico der modernen Malerei. Vor dem Jahre 1847 trennte noch' eine tiohe>Mauer den Platz Cenci von jenem der Juden, welcher auch Piazza! dclle Scuole heißt, Hier befand sich das; Haupttor des Ghetto; Mauer und Tor sind niedergerisseiMind der Schutt liegt noch zum Teil umher, (Fortsetzung folgt.) . Die soeben abgelaufene fünfmonatliche Budgetsession des Sejm;hat den Beginn einer gewissen Kristallisierung sowohl der Beziehungen der gesetzgebenden Körperschaften zur Regierung wie der Stellung des jüdischen Parlamentsklubs in diesem Kräfteverhältnis gebracht. Nach wie vor steht die Persönlichkeit des eigentlichen Schöpfers des neuen polnischen Staates, des Marschalls Josef P i 1sudski hoch, über allen Wechseln der Ereignisse und stellt das bedeutendste Aktivum der Nation dar. Schon seine Mitarbeiter, die Mitglieder des Kabinetts verstehen es nicht, alle Aufbauelemente zu sammeln. Im Gegenteil. Es werden ohne Grund wichtige Faktoren der Linken und der nationalen Minderheiten abgestoßen und in die Opposition gedrängt. Die9 bezieht sich vor allem auf die J ud e n, deren parlamentarische Vertretung nichts unversucht gelassen hat, um eine aktive Zustimmung der Regierung zuihren nationalen Forderungen zu erlangen. Das größte Hindernis scheint der Regierungsklub zu sein, der es zuwege gebracht hat, sich ganz zu isolieren, wie dies die Abstimmung über die Anklage gegen den zurückgetretenen Finanzminister wegen der Budgetüberschreitungen erwiesen hat. Der jüdische Klub hat unter Führung G r ünbaums im Plenum gegen das Budget gestimmt und hat in den Kommissionsanträgen fast sein gesamtes nationales Oegenwartsprogramm ausgedrückt, leider mit negativem Erfolg. Im Senat hat sich sogar ein Minister dazu verstanden, dem Senator Körner, dem Präsidenten des Klubs der jüdischen Senatoren, während einer Kommissionsdebatte zu erklären, daß die Regierung mit ihm gerne verhandeln würde; mit dem Präsidenten Grünbaum sei ihr dies nicht möglich. Sena'or Körn er antwortete, daß Grünbaum das Vertrauen der Mehrheit des jüdischen Volkes und der jüdischen Parlamentarier besitze, welche sein Programm und Taktik teilen. Der Senatsmarschall versuchte die Juden zumindest zur Stimmenenthaltung zu bewegen, aber dies gelang nicht. Hingegen, vollzog sich bei klarem geradlinigen Vorgehen des Abg. Grünbaum in gewissem Sinne eine A tili äherungd er jüdischen Abgeordneten an die -polnische Linke, indem diese sah, daß der jüdische Klub sowohl gelegentlich der Verteidigung des Die zaristischen Gesetze. Trotz der Gleichberechtigung in Polen sind, wie bekannt, gewisse antijüdische Vorschriften aus der Rüssenzeit noch nicht aufgehoben. In der Verfassungskommission wurden neuerdings diesbezügliche Anträge des jüdischen Klubs und der polnischen sozialistischen Partei behandelt. Namens der Regierung hat der Vizeminister JivUw Nur diese Schwedenklingc macht Rasieren zum Vergnügen für Justiz vorgeschlagen, daß Bestimmungen, die vor Erlangung der polnischen Selbständigkeit herausgegeben wurden und rechtliche Beschränkungen enthalten, ungülitg sein sollen, insofern sie im Widerspruch sind mit dem gegenwärtigen Rechtszustand oder mit den Bestimmungen der Verfassung über die bürgerliche Gleichheit gegenüber dem Gesetz. Der Abg. Grünbaum verlangte gegenüber den Möglichkeiten einer böswilligen Interpretation eine klarere Fassung. Es wurde jedoch der Antrag der Regierung angenommen. Die Getauften in Warschau. Die Statistik der Getauften in Warschau wird mit einem Geheimnis umgeben. Weder die kirchlichen noch die städtischen Behörden wollen der Presse das Material zur Verfügung stellen. Letzthin ist es doch gelungen, einige Einzelheiten zu erlangen. Im Verlaufe des letztem Jahres wurden 2000 Personen in Warschau getauft. In den Jahren 1926 und 1927 betrug die Zahl der Getauften 2500 Personen jährlich. WURSTEL-BIEL I., Schottenring 14 I., FUfirlchgasse 3 KARMEL WEIHE noo1? "wd zu billigsten Preisen.