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Die neue Welt · 1929-04-12 · Heft 82 (12.4.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 82 (12.4.1929)
Date
1929-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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r Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 82 Richorit Herzog Ui Adlergasse 5 Yel..R-23-4-90 I!., Kl. Pfarrg. 28 ' Tel/A-41-6-24 _ Jfldop ArU ferner (. | Jüdische und hEbrflische Scnnüplnttsn § sowie alle modernsten Tanz- und Gesängsschlager S in reichster Auswahl auf Lager! Auch 'Teilzahlungen! Provinzversand! =S Ohne Führung,, ohne Organisation.? —y. üureb. den in der Vorwoche erfolgten Rücktrittder Regierung Seipel ist diö- ÖsterreichififÄe Kreise , in ihrem ganzen Umfang, akut geworden. £)re fragen» die; zu klaren sind, liegen sjehr iief^imd eVsfchöplen °sfan/durchaus; nicht* in ' '(lern Mieterfecliutzproblem aHein,; dasmit .betonter Beflissenheit "immer wieder7 in den ' Vordergrund t> des Streites geschoben wird. Es geht heute schon um die Grundfragen der Demokratie und es ist ja kein Geheimnis, daß starke Flügelgruppen auf der linken und rechten Seite um die Vernichtung aller Freiheitlichkeit bemüht; sind. Diese Tendenzen treten ganz offen auf und sie sollten den Parteien, aber auch derganzen Bevölkerung die Gefahr zeigen. Gerade jetzt wäre es notwendig, alle Bürger 'aufzurufen und an ihr Urteil zu appellieren. Aberdie Parteien zeigen keine Lust dazu. Vielleicht fürchten sie diese Ärf der Entscheidung und sie haben wohl auch allen Grund dazu. Sie taten so, als wäre nur eine Personenfrage zu lösen und als wäre mit der Bildung des heuen Kabinetts die Krise, die ja eine Krise der Gesellschaft' ist* bei schworen. Immerhin bestreberi: sie sich aber, den seit den Wahlen unterbrochene»-Kontakt mit. der . Bevölkerung wieder herzustellen. ' Ob es aber zu Neuwahlen kommt oder nicht ~ tief bedauerlich ist es, daß die jüdische Bevölkerung unorganisiert und ohne Führung dasteht und daß sie mit einer: fast aufreizenden Selbstverständlichkeit übergangen werden kann. Es ist jedem Juden klar, daß die antisemitische Strömung weitaus stärker ist als je und daß von den tatenlüstigen Gruppen, der Rechts-. Parteien unter, der Parole des Antimarxismus eine sehr bedeutende.antijüdische Propaganda betrieben; wird. Aber .es würde sich nicht so sehr um diese mehr negative Seite der'Frage handeln . als vielmehr darum, daß die Judenschaft auch positive politische, kulturelle' und' wirtschaftliche Forderungen zu stellen hat, die sich einerseits aus ihrer Stellung als nationale Gruppe, andererseits aus dem ursprünglichsten Recht als' Staatsbürger ergeben. Die Juden sind Steuerträger, sind in allen Erwerbszweigen vertreten und haben doch auch die Pflicht, sich darum zu kümmern, wie der Staat verwaltet wird, was mitihrem Steuergeld geschieht, wie die politischen und1 wirtschaftlichen Beziehungen zum Ausland geregelt werden. Auch sie haben über das System zu sprechen und es geht dem jüdischen Kaufmann, Fabrikanten und Agen-* ten sehr viel an, nach welchen Prinzipien ein Handelsvertrag aufgebaut wird. Es <kümmert sie sehr viel, wie das Unterriclitswesen sich entwickelt, und sie haben auf diesem Gebiet sehr gewichtige Ansprüche zu stellen. Aber — die Juden als solche sind ausgeschaltet und sie verfügen über keine Körperschaft öffentlichen Rechtes, die in ihrem Namen sprechen würde und die angerufen werden müßte, wenn eine Klärung der so verworrenen Situation erfolgen soll. Wir haben als Juden und als Bürger ein sehr starkes Interesse daran, was man unter Entpolitisierung der Exekutive, unter innerer Abrüstung versteht. Aber wir sind ohne Vertretung und dies, deshalb, weil keine schlagkräftige nationale Organisation besteht. Die Kultusgemeinde ist eine- Kultusgemeinde, ein mechanischer, seelenloser \ erwaltungsapparat, und ihre Umwandlung in eine Volksgemeinde istauf Jahre hinaus nur ein Feiertagswnnsch für Fcstvers&mmlungeu. Und doch ist hier die einzige Möglichkeit, das Recht zu erkämpfen und eine Stelle zu schaffen, die autoritär im Namen aller auftreten kann.- Alle Juden ausnahmslos empfinden den heutigen Zustand als untragbar. Es ist doch schon so viel an politischein Willen vorhanden, daß wenigstens die Erkenntnis besteht. Aber — es ist keine Führung da. Sie muß geschaffen werden in einem Zusammenschluß aller national und jüdisch Empfindenden, sei es in einem jüdischen Nationalverband oder in einem National rat. Der Name ist nebensächlich. Aber es wäre verhängnisvoll, wenn wieder nur auf den Zeitpunkt gewartet würde, wo die Wahlen ausgeschrieben werden. Es darf nicht wieder so kommen wi in dem Unglücks jähr 1.927. Man muß schon jetzt anfangen und ungescheut in. Hunderten von Versammlungen über die Stellung der Juden in diesem Staat und über ihre Forderungen sprechen. Wenn man die Juden ruft, dann kommen sie schon und-sie haben auch den Willen,' sich zu organisieren. Aber man muß es wagen und man muß anfangen. HEIU HAI M ALAN -zmam w^<mm&wmrsmmm-u> Das Budget der Kultusgemeinde Der Rechnungsabschlußverabschiedet. — Der Voranschlag für das laufende Jahr. , In der Sitzung des. Vorstandes der Wiener Kultnsgemeinde am 9.- April wurde 'der Rechnungsabschluß für das Jahr 1928 ver ab schied e.i. Das Ergebnis weist Einnahmen im Betrage ybn. S 5,977.556,. Ausgaben von S 6,047.220,' sohin .ein, Defizit von S. 69.663 auf. Es begann, sodann die;-Berafowig des laufenden Voranschlages. Bisher hat' ej'!i. ftüdgetprovisoriiuim bestanden, da der im Dezember ..192§ .antretende Vorstand nicht dem n enge wähl te n . Vorstand vorgreifen, konnte. Die Beratung leitete der Eänarareferent ' RegTerungsrat Dr. Oppenheim ein. Der Entwurf siefft Emtia'hmen in der Höhe von' S. 5,650.450, Ausgaben von S 5,839.786 vor, so daß sich ein Abgang von ß, l,89.336^pr|ib{v Die., .Ausgaben für das Fürsorgewesen betrageifi$29$5$T' ■" *.::^e:?Genefaide6atl^tat^ Ii: Aftpii-Begötiiri'en. '■■ - vv;'-:'■'■■■■:.>. hfrrtf—TTFtr^i;: :-r;r/".':''■>:-■<;■'■ autoiiomie in Palästina. Erklärungen der,, Regierung an den jüdischen Nationalrät* , Aug J§ r u s^a l.e m, wircj tunj?. gemeldet: In einer Besprechung clex^Xeitun^cJe^.' ^Väad, Lcuiui (jücl. National raies) •.nnt('i"4em .t Ch^li'eäal^pur L'u ke.'wurde die neii?. Verordnung der Regierung .über, die Erweitermg der Kompetenzen des Oberkonimissärs gegenüber den Stadtverwaltungen behandelt, . Die Delegation, wandte sich gegen diq Bes.cliiväi^kun^ der auto-noui e n, Jl.e,c h ie - d .e-v-.. .S-.t-adt, v.,e.r.w a l,t un g eai, die durch (die neue, Verordnung droht. Herr Luke erwiderte, ^lllllllllllllllllllllM^ s D9e Wie n ar, weltbekannten 1 Talare u, Barette I in dsn niannlgfaltiqslen Formen erhalten §' Sie fertig und nach Maß/ - In bester Qualität ~ zu den billigsten Preisen! 1 nur in der altbekannten ' §f' Unlf örmier ungsii. MaBsdineldeiBi I WlienJUaHrallüllr. (Achtung auf Hausnummer!) _ Tel. 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Von den Vertretern des Waad Leumi wurde darauf hingewiesen, daß diese Begründung sonderbar sei, da die Führung der finanziellen Geschäfte in Tel Awiw stets einwandfrei gewesen sei. Anderen Stadtverwaltungen, wie Jerusalem, habe die Regierung außerdem mit großen Summen ausgeholfen. Herr Luke betonte hierauf, daß die Regierung verpflichtet sei, der Hauptstadt des Landes mehr zu helfen als anderen Städten. Die heiligen. Stätten in Palästina. > •••••..s..-;.;;;^-:7 ßf&Yj^li. England. / s--t:-i VWie^-dierömischen-'Zeitungen-■; melden,.: weilt ■ .der Apostolische "Delegierte'-.für.- Was >h-i n g t o n in Palästina. Er gedenkt, dort mit dem englischen Kirchenprimas, dem Erzbisehof vofr C a n t e r b u r y,. zusammenzutreffen, um mit ihm die im Zusammenhang mit den heiligem Stätten bestehenden Meinungsverschiedenheiten .zu, erörtern. Wie die dem Vatikan nahestehende Agentur „Corrispondenza" mitteilt, ... wird die Fra'ge der heiligen Stätten demnächst in das Zentrum der internationalen Verhandlungen treten. Es bestünden Meiniinysverschiedenheiten zwischen dem Vatikan und der britischen Regierung, wobei es der Standpunkt des Vatikans ist, daß England afls: Man-datarmacht des Völkerbundes voll vcramt-wortlich sei iür die Ordnung der Besitzverhäitnissle bezüglich der 'heiligen Stätten. . .- . ...... Ohne Wohnung nnd ohne Brot. Die Juden in Sowjetrußlahd. Aus Moskau meldet die J. T. A.: In der letzten Zeit wurden in Leningrad wiederum Wohnungen sogenannter „unproduktiver Elemente" beschlagnahmt. Die Bewohner müssen die Wohnungen bis zu einer 'bestimmten Frist räumen. Von dieser Maßnahme wurden TU'iid 25.000 Personen betroffen. Wie überall, 'bilden auch in Leningrad die Juden als ehemalige Kaufleute und Angehörige tfreier Berufe einen sehr großen Teil der „Unproduktiven". Demnächst wird auch in Moskau mit der Beschlagnahme der W oh n u n g e n „Unproduktiver" begonnen werden. Die in Moskau erscheinende Zeitung „Emeß" teilt mit, daß ihr aus der Provinz standigBr.eie ütoer dieschwere Nötlage der jüdischen Bevölkerung zugehen. Die Juden der russischen Kleinstädte ersuchen flehentlich, sie mit Brot zu versorgen, da sie am Verhun* gern seien. Nur sehr wenige kleinstädtische Juden gehören den Gewerkschaftsverbänden an, die anderen 'nahen als „nichtwerktäti'ge Elemente" keinenAnspiruch auf eine Brotkarte. Die freien Brotpreise seien aber so hoch, daß, wie die Briefschreiiber erklären, die jüdische Bevölkerung sie nicht bezahlen könne. ■ ■ jm j_ ' •_■ JBl H Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei Hort und Staunt I SommerfteitnH, SSien, VIII., MllllllllllllflllltllllllfllllflllllllttlltltlttictlillfllltiiitllllliiliiitiiittiiiiltiiitiiiiiiiitiiMitiiiiiifmtiiiritittiiitiiiittitiititiittttttit......iiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiir HH » ¥ W ' Wie schön und billig 1 Josefstädterstrane 35 / Telephon A-22-1-87 in Perser- und chinesischen Teppichen geboten ist. Lässet die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen / Nach Tunlichkeit Zahlungserleichterungen!

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