Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 81 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 81 DIE NEUE WELT Seltef i ff«? kM . im U tj * m \ m *?, »&£ tM W I CAFtz | PRODUKTENBÖRSE Wien, II., Tabor8tra8e 10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behagich durchwärmt I Rauch- und dunstfrei. Ausgezeichnet ventiliert. Am Abend: Tieffpunkt der jüdischen Intelligenz und der Zionisten aller Richtungen sowie der juüiscnakademlschen Korporationen und Vereine flfHtlinöl Zwei Prozent d9r oasamten Abendlosung werden HUIIUJ15J allmonatlich dam Keren-Kajemeth »geführt. PIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIU die nicht wie bei un3 in gerader Reihenfolge von der Misrachwand verlaufen, sondern sich halbkreisförmig um die Bimah, den Almenor, der sich in der Mitte befindet, ziehen, während die Misrachwand, wo die heilige Lade steht, ganz frei bleibt. Der Raum ist ziemlich klein und dürfte wohl 50 bis 60 Personen Sitzgelegenheit bieten, was für die jetzigen Verhältnisse der Gemeinde mehr als hinreichend ist. Eine Frauenabteilung fehlt überhaupt. Der heutige Bau der Synagoge, errichtet an der Stelle dos alten Tempels aus dem Jahre 1501, stammt aus dem Jahre 1741, nachdem er seither zweimal, und zwar das letztemal im Jahre 1889 restauriert wurde. Mannigfaltig waren die Geschicke der Gemeinde seit den ältesten Zeiten ihrer Ansiedlung. Bis ins 13. Jahrhundert war ihre Lage eine glückliche. Sie konnten sich aller Freiheiten erfreuen; doch noch in diesem und dem darauffolgenden Jahrhundert änderte sich das Schicksal. Sie mußten zweimal zum Wanderstab greifen. Aber immer wieder kehrten sie zu den liebgewonnenen Stätten zurück, so daß noch im Jahre der französischen Revolution die Zahl der Juden 1000 erreichte, um heute nur mehr 30 Familien, alle Sephardim, zu zählen. Wir nehmen schließlich von unserem Cicerone Abschied und in der Erkenntnis, eher einen Franzosen als einen Juden vor uns gehabt zu haben, bleiben wir uns fremd und ohne Kontakt, denn es fehlt das vereinigende Band der bewußten Einstellung aufs lebendige Judentum. Unser nächstes Ziel ist Avignon, die alte Stadt der Päpste, unter deren Schutz die Lage der Juden etwas freundlicher war, als in den übrigen Landstrichen, wo sie von den königlichen Beamten geschröpft wurden; als sie schließlich aus dem übrigen Frankreich etwa 100 Jahre vor der Vertreibung aus Spanien endgültig ausgewiesen wurden, bildete der Avignonische Kirchenstaat, zu dem auch Carpentras gehörte, die einzige Stätte auf französischem Boden, wo die Juden unbehelligt blieben. Ihre Ansiedlung daselbst geht ins erste nachchristliche Jahrhundert zurück und im 4. Jahrhundert leisteten sie sogar mit den Waffen in der Hand einem Bischof Widerstand. Aehnlich wie in Rom verlegten sie ihre Quartier an den Fluß, bis die engen, schmalen Gäßchen, die „Juiverie", eine Gefahr für den Gesundheitszustand der Stadt bildeten und Ludwig der XIII. das Quartier von der Rhone ins Zentrum der Stadt, in die Nähe des nachmaligen Papstschlosses verlegte, wo sie aber bald in ihrem Ghetto ebenso zusammengepfercht waren, wie zuvor in der Juiverie. War die Lage der Juden hier unter der unmittelbaren Herrschaft der Päpste eine glückliche zu nennen,, indem sie sogar eine Art von Parlament mit legislativer und exekutiver Gewalt be-( saßen und als Beamte in den verschiedenen Aemtern, des Hofes fungierten, verschlechterte sie sich nach Abzug der Päpste, war aber dennoch, dank der Eifersucht der drei Gewalten, der Bürgerschaft, der Barone und der Kirche, noch immer eine erträgliche. Allerdings mußten sie hier wie überall ihre Duldung durch hohe Steuersumraen erkaufen, was sie sogar zur Aufnahme von Anleihen bei den Baronen oder der Kirche zwang. Indessen hatte dies den Vorteil, wenn ihnen die Gefahr der Vertreibung drohte, in ihren Gläubigern wirksame Fürsprecher zu finden. Ihr GesehäftsumsaU war für die Krone auch' die einzige Einnahmsquelle aus dieser Enklave, aber unter Pius V. im 16. Jahrhundert wurden sie auch von hier ausgewiesen, um aber bald darauf unter einem einsichtsvolleren Nachfolger wieder zugelassen zu werden. War es in Carpentras nicht leicht, die Synagoge ausfindig zu machen, so gibt uns hier nur ein Blick auf den Stadtplan von dem Vorhandensein einer solchen Kunde. Nur der Name ihres Standortes, Plan de Jerusalem, ein kleines enges Gäßchen, ein Ueberrest aus dem ehemaligen Ghetto, flößt uns etwas Mut ein. Aber trotz eifrigen Nachforschens können wir keines der Gebäude als Synagoge erkennen. Enttäuscht wollen wir bereits den Rückweg antreten, als uns eine alte Frau auf unsere Frage einen festungsftiiiui rn¥Q iiiiiiiiimiiiniiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiii HCD bv V nniif | Sämtliche Osterwaren I 3 kaufen Sie am besten bei m I GEFLÜGEL-DICKER| S VII., LINDENOASSE 33, TW.. 8*33-3*13 I §j Altbewährte Firma, führt Wiener und Gödinger, amerl- 2 S kanlsche und Palästina - Mazzoth sowie Weine, s 5 koscheren Slibowitz und sämtliche Spezereiartikel, 5 sowie diverse Osterbäckereien. Spezialität in § prima Geflügel, Fettgänse, Indlan, Enten, Suppen-, Back- und Brathühner I ri¥a -^i* * f-K K8llf©t die In Oualltät und Geschmack unübertroffenen, weltberühmten Kaufet _ ualltät und de Palästina A Mazzoth SB» SS £3 Die Herstellung erfolgt - wovon sich Sr. fihrw. Rabbiner Schenk (Raw der „Talmud Thorfc") persönlich Uberseugt hat - unter streng ritueller Aulsicht Sr. thrwurden Herrn Rabbiner Josel Chaim Sonnenleid, Jerusalem, und des „Chlet-Rabbi" von Eres Israel, Sr. fihrw. Herrn A. I. Kook, Jerusalem QinirilrepräiQntani für gans Oesterreich: Nathan Brodetzki, Wien, Ii. EsasviX^ In das Haus ledes bewußten Juden aehüren zu Pesorh m tiwnn nus Erez Israel! FlUI M. Spiegel, III. RadetskystraHo 4 Sabine Binder, IX. Hahngasse 33 — A L E H : 3§ M. Wildmann, I. BHckerstraBe 16 sa Jakob WelB, II. Untere AugartenstraBe 39 £5 S. Schneider, II. Miesbachgasse 3 53 II. Novaragasse 12 ss David Raab, II. Schillamtsgasse 7 Qerson Schlesinger, II. Hollandstraße 11 Es Jakob Wassermann, XX. WallensteinstraBe' 58 ällllllllllU Max Silberberg, IX. RotenlÖwengasse 8 Ib Mandl, IX. r ignas Finkeisteil Bernhard Luwisch, XX. Hannovergasse 19 Leib Mandl, IXT OrUnentorgasse 41 Ignas Finkelsteln, XX. Kloslerneuburgerstr. 9 artigen Bau als Synagoge bezeichnet. Auf unser Läuten erscheint ein Diener, scheinbar soeben aus dem Mittagsschläfchen erwacht, der nach unserem Begehr fragt. Nachdem wir unseren Wunsch, die Synagoge zu sehen, äußern, entfernt er sich rasch, um einen Hut zu holen, was uns erst die Gewißheit gibt, dafl wir ein jüdisches Gotteshaus vor uns haben. Durch eine kleine Pforte in einem engen Hof betritt man die Synagoge, die im gleichen Baustil, wie die zu Cnrpentrus im Jahre. 1847 auf dem Platze der alten Synagoge, die einem Brande zum Opfer fiel, errichtet wurde, über womöglich noch kleiner ist, als die letztere; .denn nur ein kleines Häuflein Juden bewohnt heute die ehemalige Papststadt und nur zweimal im Jahre gibt es ein Minjan. Hier dasselbe Bild wie in Carpentras. Man hat einen verdorrten, zum;. Absterben verurteilten Zweig des Judentums vor sich. Ünd als uns der Mann, der uns führte, zu einem Kasten halb vermoderter alter Schriften brachte, konnte er sich vor Staunen gar nicht fassen, als wir eines , dieser Bücher herausgriffen (übrigens die Handschrift eines Machsor „der heiligen Gemeinde Carpentras" aus dem Jahre ,1714), und darin lasen. Dehn hier ist der Rabbiner der einzige, der noch hebräisch zu lesen vermag. Uud wie traurig vermag diese Tatsache in einer Gemeinde wie Avignon, wo einst der Meinungskampf um die Philosophie und Lehre Rambams die Gemüter,,.entzündete, zu stimmen! Und wieviele Hunderte solcher Gemeinden gibt es in Frankreich, Italien, Deutschland oder Böhmen, die einst zu den Leuchten Israels gehörten und in denen heute jedes jüdische Leben' erstorben ist, öder unier einer dicken Aschenkruste nur schwach weiterglirnmt? Doch diese, unter der Asche, glimmenden Funken harren auf einen kräftigen Windstoß, der sie zu einer mächtigen Flamme entfachen soll. Fährt man etwa zwei Stunden von Avignon nach dem Süden, zu den Gestaden des Mittelmeeres, an denen sich Marseille^ausbreitet, da spürt man bereits die ersten Anzeichen einer Regung und sehr leicht passiert es hier dem Wanderer,' daß auf der Cannebiere, dem Mittelpunkt der Weltstadt, plötzlich hebräische Laute aussein Ohr dringen! Verband demokratischer Zionistetpu Die Berichte über die Palästinareise. Am 13. April um halb ,9 Uhr abends findet im großen Saale des Hotel Qontinental, H., Taborstraße 4, eine Versammlung statt, in welcher die aus Palästina zurückgekehrten Reiseteilnehmer begrüßt werden. Ueber die Erfahrungen ..und Eindrucke der Reise werden Oberbaurat Stricke r, Dr. David Taube s, Doktor Israel W a 1 d m a n n und Frau Dr. Perle W.echsler berichten. Neues Material zum Dreyfus- Prozeß, Zolas Flucht nach England. Eine der letzten Nummern des „Mercure de France" bringt einiges neue Material zum Dreyfus- Prozeß und der Rolle, die Emile Zola in dieser Zeit gespielt hat. Es handelt sich um bisher unveröffentlichte Briefe und Dokumente. Man erfährt unter anderem, daß Zola in der Zeit der Hochflut des Antisemitismus keinen Augenblick seines Lebens.sicher w a r. Sein Verteidiger und seine Freunde riefen ihm auch, niemals allein und unbewacht auszugehen. Eines Morgens, als Zola seinen Verleger aufsucheu wollte, wurde er vom Pöbel erkannt und umstellt. Es gelang ihm, poch rechtzeitg das Haus seines Verlegers George Charpentier zu erreichen, wo der „Generalstab" um Zola einen Kriegsrat hielt. An dieser Beratung nahmen unter anderem der Verteidiger Labori und George Clemenceau teil. Es wurde beschlossen, daß Zola so rasch als möglich Frankreich verlasse. Anfangs wollte Zola davon nichts wiäsen; schließlich gab er nach und fuhr am t9. Juni 1898 nach London. Bald darauf trat in der Affäre Dreyfus eine Wendung ein, Kapitän Henri hatte, nachdem er seine Fälschungen eingestanden hatte, Selbstmord begangen, der Dreyfus-Prozeß wurde revidiert, und Zola konnte nach Frankreich zurückkehren. Aus seinen Briefen aus der Verbannung ist zu entnehmen, wie schwer er unter den Vorgängen in Frankreich gelitten hat. In einem Briefe an Octave Mirbeau schreibt Zola: „Ich habe wieder zu arbeiten begonnen und dieser Entschluß macht mir das Leben wieder erträglich. Die Arbeit war stets raeine Retterin. Meine Hände zitterten und Sie könen sich gar nicht vorstellen, wie die Geschehnisse in Frankreich mein ganzes Wesen zerrüttet haben, Jeden Abend glaube ich, die Welt gehe unter." In einem zweiten Brief schreibt Zola:, . „Vier Monate sind es bereits, daß ich im Exil leben und nicht so leben kann, wie mein Herz und mein Geist zu leben gewohnt sind, Ich kann es nicht länger ertragen. Das Leben im Exil lastet schwer auf mir, ich zähle schon die Tage, in der glücklichen Erwartung eines sicheren Sieges." Ein Jahr lang lebte Zola in der Verbannung, um seinen Kampf für die Wahrheit bis zum Siege' zu führen. Frankreich nähm ihn Wieder in Ehren auf.. Die Verfolgung der Juden im Yemen. Auf der südarabischen Halbirisel-Yemen hat sich! das dort seit langem geübte grausame System der Verfolgung der Juden in der letzten Zeit noch verschärft. Die Araber bemächtjgen sich mit Gewalt der jüdische« Waisenkinder und führen ihre Bekehrung zum Islam1 durch. Wenn jüdische Personen in solchen Angelegenheiten intervenieren, werden sie verhaftet und in d ert Gefängnissen grausam mißhandelt. Wenn Juden das Land verlassen, dürfen sie ihre Häuser und Habseligkeiten! nicht an andere verkaufen, sondern das Vermögen der Emigranten wird von den Behörden beschlagnahmt. i "PEPPICHHAUS I WEITZNER straße 105 IV., Wfedner Hauptstr. 10 macht höfl. aut den besonderen Okkasionaverkaui aufmerksam. Es gelangen zum Verkaufe Teppiche, Decken, Vorhänge, Linoleum, Stores. Doppelbettdecken, Künstlervorhänge etc. Tischteppiche S 25.— Stores S 3.50, Madrasvorhänge S 5.80, Doppelbettoecken S 12.-, Laufteppiche per Meter S 2.50, Flane)ldecken S 4.50, Bettvorleger S 3.50 und vieles andere bis zu feinsten Qualitäten Wochen-Kalender April 1929 O "HK trenn Adar II. 5689 5 Freitag 24 -TD Sabbateingang 6-30 6 Samstag 25 -rq Sabbatausgang 710 Pinn p"OD jmm »d otw n •« "»oh r© mson 7 Sonntag 26-iD nwpn 8 Montag 27~ TD 9 Dienstag 28 -rft 10 Mittwoch 29-M pp TßD DT« n Donnerstag 1-K tenn fftn /