Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 81 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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r Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 81 Das Beste vom Outen sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten Schmidl-Mazzoth welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien hergestellt werden Die Mazzoth werden aua dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt Seit vielen jähren genießen die ,8chmidl-Maxzoth' das beste Renommee und werden vor allen anderen bevorzugt zentrale: N. Brodetzkl, n. Uopoidsg.43T" -.^ mmmmmmmmmmmmmm nu M. WiJdmann, I. Bllckarttralt« 16 Jakob Wem, ||, unter« AiifjartanatraA« 81 S. Schneider, II, MtotbachgiM« 8 II. Novaraqast« 18 David Raab, II* ScHllfamlsgaM« 7 Gerson Schlesinger, II, HoTinndstratt« 11 A W I H t M. Splagal, III. RadalikyslraBa 4 Sabina Blndar, IX, Hahngatia 38 Max fllbarbarg, IX. Rof«nl#wengasse 8 Laib Mandl, IX. GrUnentorgaite 41 Ignai Pinkalataln, XX. Kloitorneuburgarstr. 9 Bernhard Luwisch, XX. Hannevergaase 19 Jakob Wassermann, XX. WallenstelnstraDe 58 PwmMMMnm\ IIIIIMIMTIIIIITlIllllTlITri Wollen Sie billig kaufen? Dann besichtigen Sie die Orig. engl. Herrenstoffe und »Doubles im Tuchhaus zum Hirschen, II.Taborstr, 17b um sich vorzustellen, was sie über Zionismus und jüdisches Palästina erzählen werden. Für die Fremdenindustrie det Landes sind sie von keiner sehr großen Bedeutung!, ausgenommen natürlich für die damit beschäftigten Reisegesellschaften und die wenigen von den Cruises benutzten Hotels; die Riesengeschäfte machen. Ein zweiter Typus von Touristen unterscheidet sich von dem ersten dadurch, daß er im allgemeinen auf dein Landwege von Syrien oder Aegypten kommt. Dasi sind Leute, die bei einer der großen Reisegesellschaften eine* Ortentreise machen,' wobei sie gewöhnlich blindlings die Programme dieser Oesellschaffen akzeptieren. Mag es sich um Oruppen oder um Einzelreisende handeln, mögen es Nichtjudert öder Juden sein; das Programm hat das Bestreben, den Reisenden möglichst lange in Aegypten festzuhalten, wo die großen Gesellschaften viele Millionen vöii Pfunden Investiert haben, und den Aufenthalt in Palästina auf ein Minimum abzukürzen.* Auch von diesen Reisenden erhält die große Mehrzahl keinen oder nur einen unzureichenden Eindruck vom modernen Palästina und die Fi«emdenindustrie, vor allem die jüdische, hat Wenig von ihnen. Nur der dritte Typus Ist der für uns bedeutungsvolle: Nichtjuden und Juden, die wirklich Palästina kennen lernen wollen, entsprechend längere Zeit im Lande bleiben, zu einem beträchtlichen Teil sich für das jüdische Aufbauwerk interessieren und auch der jüdischen Fremdenindustrie etwas zu verdienen geben. Es jst ein schwieriger circulus vitiosus: Da die große Mehrzahl der Touristen nur ganz kurze Zeit in Palästina bleibt und im Lande in den vorgeschriebenen Bahnen wandelt, entwickelt Palästina seine Eisenbahnen und Straßen, Kurorte,- Hotels, Autogesellschaften usw., nicht in genügender Weise, aus Angst, daß solche Investitionen nicht rentabel sein könnten und — auf der anderen Seite — ändern die großen Reisegesellschaften ihre Reiseprogramme nicht, weil Palästina nicht die Voraussetzungen für längeren Aufenthalt größerer Touristengruppen bietet. In der Tat muß das eine klar sein: Die Reize Palästinas werden nie ausreichen, um ausPalästina ein Verkehrs Zentrum zu machen, wenn nicht das Land selbst die Voraussetzungen schafft, um Fremde länger im Lande zu halten; Wer heute eine Woche oder mehr in Palästina bleibt, ist ein am jüdischen Aufbauwerk interessierter Jude, ein Wissenschaftler, oder sonst ein Reisender, der irgend welche Untersuchungen oder Studien betreiben will. Alle anderen folgenden auf zwei bis drei Tage zugeschnittenen üblichen Reiseprogrammen. Man muß Uebertreibungen nach beiden Seiten ver meiden: Palästina ist kein primitives Land mehr, wie es etwa -vor dem Kriege war, als Reisen mit großen Strapazen oder gar Gefahren, verbunden waren. Palästina ist aber auch noch kein Land, das etwas verwöhnteren Ansprüchen eines Publikums zu r entsprechen vermag, das nicht, wie. unsere zionistischen Besucher des Landes, von vorne herein alles mit Liebe und Nachsicht zu beurteilen geneigt ist. Die palästinensische Eis enbahn, mit Schlaf- Warenverkehr von Aegypten. nach Jerusalem ist besser, als man es im allgemeinen weiß,: aber sie fährt nur auf wenigen Hauptstrecken. und; ganze Landesteile, wie Samarten und Galiläa sowie die Jordanebene sind völlig unerschlossen. Palästina weist erstklassige Qhausseen auf, di.e immer wieder das Staunen der Reisenden erregen, aber ihre Zahl ist völlig unzureichend und es. gibt weite Strecken des Landes, die in der Regenzeit einfach unerreichbar sind Pa'äsiia besitzt zahlreiche Hotels, die sauber, für orientalische Begriffe sehr sauber sind, und ein genießbares; Essen verabfolgen. Das reicht für anr spruchslose Reisende, die eben zufrieden sind, wenn in d?n Betten kein Ungeziefer und das Essen erträglich und ausreichend ist. Es reicht nicht für den etwas verwöhnteren. Reisenden, der zum Beispiel den Wunsch hat, sich selbst sein Menü zusammenzustellen oder sich aus' einer Weinkarte den Wein auszusuchen, den er liebt, oder der Gesellschaftsräume erwartet, in denen er bei schlechtem Wetter sich behaglich auszuruhen vermag; bestimmt aber reicht es nicht für den Touristen, der aus den Luxus-' hbtels Kairos oder Lüxors kommt, und der das Gefühl h'pt, in Provinzhotels schlechtesten Ranges zu kommen. Palästina hat die Voraussetzungen für Kurorte: Tel-! Awiw kann ein Seebadeort, der Karmel oder Safed, Im» Sommer viel besuchte kühle Höhenkurorte werden, Jericho steht in bezug auf sein Klima Heliopolis in nichts M^UmjIMUlMttlltUmilUtllMllllllUm^ .....liHIUM'IMIiHllitlllliiltlhlllltlHIHHHIMHItllimiHlUlb'!fM»«»'»'"MilhUilM<HI»JHJ»i»HtlMlflMUMM^ . nach, die heißen Bäder von Tiberlas können wieder werden, was sie einst waren. Das alles kann sein, aber es ist es heute nicht. Hier haben die Regierung, der private Unternehmungsgeist, die Zionistische Organisation und andere Faktoren ein reiches Arbeitsfeld vor sich. Auch die großen Reisegesellschaften, die sich ja von" keinen gefühlsmäßigen Momenten, sondern nur vom rein geschäftlichen Standpunkt aus leiten lassen, werden Palästina eln>en wesentlicheren Platz in ihrem Programmen einräumen, wenn sie das Publikum in Palästina zufriedenstellen zu können glauben. Heute freilich fehlt es noch gänzlich an ernsthaften Bemühungen in dieser Richtung von Seiten aller in Betracht kommender Faktoren. Wer wird den Anfang machen? Die Staatsbürgerschaft. Im englischen Unterhaus fragte Colonel W e d gwood, ob geplant sei, die Rechte britischer Staatsbürger aüf palästinensische Bürger auszudehnen, ebenso den britischen Bürgern in Palästina dort Stimmrecht zu gewähren. Der Unterstaatssekretär für die Kolonien, Ormsby- Gore, stellte fest, daß palästinensische Bürger nicht britische Staatsbürger sind und die britische Staatsbürgerschaft nur im Wege der Naturalisation erwerben können. Der internationale Status von "Palästina ist der Status eines Mandates gemäß einer besonderen Klausel des Artikels 22 Nur . ~7~~""'. " ' ' S mt im mi gga&die einzige echte Schweden- MlÖliBÖBllklin-e mit breiter haarscharfer Schneide—rasiert schnell den stärksten Bart! des Völkerbundstatuts, der Palästina als einen, vorläufig losgetrennten Staat, geleitet u n d k p n t r o 11 i e r t d u r c h G r o ß b r i t a n n i e n, anerkennt. Demgemäß gilt auch das Wahlrecht zu den Stadtverwaltungen in Palästina nur für palästinensische Bürger. Messe-Ausstellung in Tel-Awiw. In diesem Monate findet bekanntlich in Tel-Awiw eine Messe und eine Ausstellung der Palästina-Produkte statt, ßm Anschluß daran wird auch eine Konferenz der Interessenten stattfinden, die sich für die Verbreitung der. Palästina-Produkte in der ganzen Welt interessieren. Die Messeleitung hat von den wichtigsten Schiffahrtsgesellschaf-, ten -bedeutende Fahrpreisermäßigungen für diejenigen Per-' ,'sorien erlangt, die zur Messe, nach Palästina kommen. Die Ermäßigungen betragen 25 bis 40 Prozent und gelten bis inklusive 15. Mai d. J. (Messekarten sowie Anweisungen auf Fahrpreisermäßigungen sind im Palästin aamte, Wien, I., Kärntnerstraße 28, erhältlich, und zwar täglich vörj '9 bis 1 Uhr vormittags.) Das Kongrefiabzeichen. Von der zionistischen Exekutive würde ein Kori^ kurs zur Erlangung von Entwürfen für ein Abzeichen des 16. Kongresses ausgeschrieben.' Auf Grund dieses Ausschreibens sind bei der Exekutive 2t Entwürfe eingelangt. Sie wurden zur Beurteilung; einem von der Exekutive eingesetzten P r e i s g e r i c h t vorgelegt. Dieses hat beschlossen, zwei gleiche Preise von je 60 Mark zu verteilen und zwei weitere Entwürfe zu' beloben. Die zwei Preise wurden folgenden Entwürfen zugebilligt: 1, Entwurf „Hebräische Schwabacher" von Radimiel Sehechter, Berlin; 2, Entwurf „Isch" von Otto Wajliseh, Prag. Die belobende Anerkennung wurde folgenden zwei Entwürfen zugebilligt, und zwar: 1, Entwurf „Kennzeichen" von Rachmiel Schechter, Berlin; 2. Entwurf „Paschut u'maassi" von Symacha Binnem Vbtka, Berlin. Einstein-Feier des Jtid. Akad. Philosophenvereines. AmläßHch des 50. Gefaurtstages Einsteins findet am 4. d, um halb 9 Uhr abends im Hörsaale 34 der philosophischen Fakultät der Universität eine vom Jüd. Akad Philosophenverein, Wien, veranstaltete Feier statt. Sprechen werden die Herren Prof. Doktor Philipp Frank (Deutsche Universität Prag): „Die Stellung der Einsteinschen , Relativitätstheorie in der Entwicklung unserer Naturerkenntnis", und Dr. Guido Beck' (Institut für theoretische Chemie, Leipzig): „Einstein und die neue Quantenthe,pije". -» Streifziige durch die alten Judengemeinden der Provence. Von Ch. Schicher. Langsam schlängelt sich der Zug durch die provencalische Ebene, die sich weithin ausbreitet, in der Ferne von einem sanften Zuge kahler Hügel abgeschlossen. Reich sind diese Gefilde an historischen Denkmälern aus längst entschwundenen Kulturepochen. Besonders den Juden bieten sie zahlreiche Erinnerungen an eine ruhmreiche Vergangenheit, in der sie in Scharen hieher strömten. Durch Vieles in dieser Gegend an, ihre alte Heimat Erez Israel erinnert, bildeten sie zahlreiche, durch ihre Kultur und Wissen ruhmreiche Gemeinden. Von Orange kommend ist unser Ziel Carpent r a s, heute ein kleines unansehnliches Städtchen, voll Schmutz und Unrat in den schmalen engen Gäßchen. Abseits von der großen Heeresstraße gelegen, wii'd es nur selten von einein Fremden aufgesucht, und sogar der Gendarm scheint dem Fremdenverkehr mißtrauisch gegenüberzustehen und über die Störung des gewohnten Bildes wenig erbaut zu sein. Ganz verwundert über unser Hiesein, zeigt er lebhaftes Interesse für unsere Ausweispapiere. Nachdem wir seihe Neugierde diesbezüglich befriedigt hatten, setzten wir ihn und einige Ortsbewohner, die sich um uns geschart hatten, durch unsere Frage nach der Synagoge nicht wenig in Erstaunen und erst als wir einige Male „la synagogue des Juifs" wiederholten, wird uns recht eindrucksvoll der Weg in eines der Gäßchen, wo die Synagoge sich ^befinden soll, beschrieben. Recht mißtrauisch, ob liiis auch die Ortsbewohner richtig verstanden haben, suchen wir das fragliche Gäßchen und gerne hätten wir einen Juden getroffen, um uns Gewißheit zu verschaffen. Aber dies ist leichter gedacht als gefunden, denn entweder sehen alle Franzosen wie Juden aus (was sie unseren Hakenkreuzlern nicht gerade sympathischer macht) oder was auch anzunehmen ist, alle Juden sehen wie Franzosen aus. Indessen scheint uns das Glück doch hold zu sein, denn wir treffen einen jungen Burschen, der vor nicht langer Zeit aus Polen gekommen ist, und dieser bringt uns zum Vorstand der Gemeinde, einem kleinen Männchen mit Spitzbart, seines Zeichens Handwerker. Dieser Herr ist anfänglich sehr zugeknöpft, denn gewohnt, daß jeder hier vorbeikommende fremde Jude die Gemeinde um eine Unterstützung angeht, scheint er ein gleiches auch von uns zu vermuten. Unsere Wandererausrüstung bestärkt ihn wohl nur in seiner Angst. Erst unsere Versicherung, daß wir zum Vergnügen reisen und nur die Synagoge zu sehen wünschen, stimmt ihn etwas freundlicher. Recht stockend ist unsere Unterhaltung in der fremden Sprache und meine Frage, ob er nicht Hebräisch verstehe, kann er nicht begreifen, da er doch Franzose sei und nichts damit zu tun habe, Also eine recht bekannte Melodie, nur in anderer Variation. Die Synagoge, die von außen unscheinbar aussieht, bietet im Inneren recht viel Interessantes und ist so ganz abweichend von dem bei uns üblichen Synagogenstil. Die weiß getünchten Wände gestalten den Bau sehr freundlich. Von der Decke hängt in der Mitte eine große Hängelampe nach Art der Synagogen im Osten herab. Eigenartig ist die Anordnung der Sitzreihen, Cafe Reklame Cafetters Jakob GoIdflie$ Wien, II., Praterstralje Nr. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlerspiele«4 / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen l Rummy- Spieltische Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft SIEGM. KORNMEHL OROSSFLSISCHHAUERBI Zentrale IX., Bergg*«ge 19, Telephon 17.3.99 u, 16-9-34 Lieferant lUr Heilanstalten Aämm«M unter Aufsicht des Ehrwürdigen RabbwaU der Ur. Kultiugemeinde Wien Autocuetallung Hoetenlo* I IX, Berggesse 1* / xvili., WüDrlngtrstr. 91 MNMWWMHUWUUVMUUIMIUIIIIIIWUMM^ .tiiii«n«MMM«ii«iiHi»«lii««iMMii.«itn.........ii.....im«mm«,.i,^ii.i,,,,,n,,u,M..Ui,Mi.i,..^oi,.,,.^,..o,|u|rt|,.^|.,,,,,,^,,,.t|^i)f(||>||<