Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 81 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 81 DIE NEU! WELT Seite! KUNEROL ist verbürgt reines Fett aas Kokosnüssen. Dil Erzeugung steht unter streng ritueller Aufsfdit des Herrn Bezirksrabbiners S. EhrenfeM zu Mattersburg. KUNEROL kann daher von allen Strenggläubigen zur Zubereitung von Osterspeisen verwendet werden. Eine Gruppe der Reisegesellschaft vor der Omar-Moschee in Jerusalem. „Graf Zeppelin" über Palästina. Der Flug über Tel-Awiw und Jerusalem. Eigenbericht der „Neuen Welt". Jerusalem, 27. März. Fahrten kühner Flieger über den Ozean können kaum ■mehr als Sensation gelten, seitdem man den Nordpol, Amerika, Asien durch die Luft erreicht hat, seitdem die Technik Raum und Zeit überwindet und die rätselhaftesten Kräfte der Natur ans Tageslicht gebracht werden. Diesmal aber gilt das Große, Erhabene, Wunderbare nicht der Fahrt. Es gilt dem Ziel. Der stoke, weltberühmte „Graf Zeppelin" hat nicht Entdeckungsa-benteuer, nicht Weltrekorde gesucht. Dr. Eckeners Flug war in höherem Sinne eine Huldigung für Palästina, für das neue Palästina. Vor einem Vierteljahrhundert, da Theodor Herz! die Augen schloß, war für alle Kulturvölker, für die m/eisten auch der wohlwollenden Menschen, die Idee vom Aufbau eines jüdischen Palästina als der Heimstätte des jüdischen Volkes nur eine Idee, eine Utopie, Palästina selbst ein verlassenes, ödes Land, ein Stück toter Erde, ein Rest alter Geschichte, ein StudSaiimobjekt höchstens für Forscher und Gelehrte. Palästina? Ein Land mit Vergangenheit, ein Land ohne -Hoffnung, ■ Erst der zionistische Gedanke in seinem ganzen Umfang, mit seiner grandiosen Ideologie, aber auch mit seiner ganzen Verantwortlichkeit, war es. der die Atmosphäre schuf, aus der neues Lehen sprießen konnte uind in weiterer Folge ein Akt geschaffen wurde, der berufen ist, ein Galuthvolk in ein weltgeschichtliches Volk zu verwandeln. Erst die zionistische Arbeit hat Palästina aus dem Nirvana des Orients herausgehoben, es dem europäischen Kulfurkriis genähert, urbar gemacht — auch in geistigem, sittlichem Sinne, und jenes Interesse, jene brennende, ja leidenschaftliche Teilnahme hervorgerufen, die überall vor, handon ist, wo noch kuit.tr«!!e Werte Ge-rrn* haben. Nf-.-fct die Wiederbelebung in kolonisatorischem Sinne allein, vielmehr vor allem der Wille eines Volkes, ein eigenes nationales Leben, ein neues jüdisches Leben zu schaffen, ein Zentrum des jüdischen Kulturwi,llens zu errichten, gibt diesem Werk seine Bedeutung, seinen historischen Sinn. Palästina ist nicht mehr ein Land für Touristen: es ist der Boden für die jüdische Selbständigkeit, es ist ein Herr geworden, der Gäste empfängt, ein Herr unter Herren, Dienstag, den 26. März 1929, vier Uhr nachmittags, liegt „Graf Zeppelin" über Haifa, an der Schwelle von Erez Israel. In der Ferne der weiße Hermon, das Wahrzeichen Israels. Die sanften Hügel des Karmel, wo jüdische Bauern Ihre Reben pflanzen, leuchten in der Frühlingssqnne. Im mächtigen Bogen gebt es nach dem Süden ins jüdische. Villenviertel, das rund um das Hebräische Technikum dem •.Karmelberg hinansteigt, dessen.,' Anblick als erster Gruß des Landes die Flieger erschüttert. Laugsam streichen sie Palästinas Küste entlang, über den lang •ausgedehnten ..ßuikalyptuswälderin unserer Kolonien Ghedara und Sichron Jaakob, über den jüngeren Siedlungen. Herzlija und Nathanlja. Sie fliegen über den kleinen Häuschen am Ufer des Audschau, bis groß und mächtig, mit architektonisch reffen "Straßen und Alleen die Herrin des neuen jüdischen Palästina auftaucht -r Tel-Awiw, Elit StU'rm von Grüßen dringt hinauf zum „Zeppelin", dem Bot^n der neuen Zeit, von Juden der neuen Zeit. Die Straßen sind voller Menschen. Die Stadt ist mit Tausenden gefüllt. Die Fabrikssirenen brüllen. Blau-weiße Fahnen flattern überajj, Autos rasen unterhalb des Luftschiffes, um es zu begleiten. Unsere Brüder feiern Purim, Karneval, in Tel-Awiw. Und ..während' utsiefcitoeiM&nge -Hedad ruft und die nationale .Flagge -sehwirtgt^ .wirft der „Gral Zeppelin" drei große SäcfceO.miit:. Kon^i>hi*tab, ^ls;, Tribut zum lustigen, übermütigen Puramtreihen, das; heuer mit besonderem Frohsinn vor sic^, geht. Das neue' Judentum in Asien grüßt Europa-:in;den^üftekrEs, wiird, Abend. Ein strahlender" Kranz-1' von -/;^^ä<«d^t^i^i'4^^*^-"?^-*dem Ele'k- , trizitätstek&a^;^ und Häuserntfan}mt^Üch%> ubft'^r^ hinauf. Ein'1 Ehrentag; für' ^diel^tie ' jüdische;Stadt,.. ein Ehrentag für den „Grafen Zeppelin", seinen Lenker Doktor Eckener, und ein Gruß des jüdischen Landes an das ferne Grab des Kaufmannes David Schwarz, des eigentlichen Erfinders des Zeppelin! In zartem .Licht des Mondes steht das Gebirge Juda, über dem der Zeppelin kreist. Nichts ist von Jerusalem zu sehen, kaum die Umrisse der Mauer, kaum di'e. tiefen Schatten des Tempelplätzes. So still wie unten ist es auch oben im Luftschiff. „Wie schön", sagt ein Begleiter Eckeners. „Palästina ist stärker als die früheren Eindrücke... Palästina ist lebendig, noch immer leben d i g." Dr. Eckener läßt süßen, schweren Palästinawein bringen, den Ihm das deutsche Kereu-Hajessod-Komitee auf die Fahrt mitgegeben hat, und als die Zeppeiinfahrer von ihm getrunken haben, sagt Eckeners Tochter: „Pa 1 ä s ti n a s Son n e i s t in ih m!" Es ist die Sonne jenes Palästina, in dem jüdische Hände am Werk sind, die Sonne der Arbeit, der Pflicht und der Selbstaufopferung. Die Insassen des Luftschiffes verstehen intuitiv den Sinn des Landes, dem sie Ihren von' der ganzen Welt bewunderten Flugbesuch gemacht haben. Denn ihre Abschiedswörte lauten: „Glück auf, Jerusalem!", denen wir unseren Ruf hinzufügen: „Glück auf, Juda, Gljlck auf, Erez Israel!' können Sie vollständig wieder, zurücker'angen, von allen Ihren Schmerzen werden Sie gründlich befielt, wenn Sie Franzbranntwein mit Menthol äußerlich zu Einreibungen, inner*' lieh' auf Zucker tropfenweise genommen, verwenden. Das beste Hausmittel Uberall erhältlich Begrüßungen zwischen Eckener und Dlzengott. Aus Tel-Awiw meldet J. T. A.: Als das deutsche Luftschiff über der Stadt kreiste, sandte der Bürger meister Herr Di ze ngoff, einen Funkspruch an Doktor Eckener und lud ihn ein, in Tel-Awiw zu landen, er, seine Besatzung und die Fahrgäste können des herzlichsten Empfanges gewiß sein. Dr. Eckener erwiderte durch Radiospruch, es sei ihm unmöglich zu landen und er wünsche auch im Namen der Besatzung und der Passagiere, der Einwohnerschaft von Tel-Awiw: „Gut Purim".. < Bürgermeister Dizengoff funkte ein zweites Mal att Dr. Eckener: Die 30.000 Seelen zählende Einwohnerschaft von Tel-Awiw, die in dieser Stunde das fröhliche Fest des Purim begeht, bewundert die Taten des Zeppelin, wünscht dem Luftschiff, seinem Führer Dr. Eckener und der Be* Satzung weitere Erfolge und sagt ihnen ein herzliche«! „Schalom". Die Karmelweine an Bord des „Graf Zeppelin". Während der Rundfahrt des ..Graf Zeppelin" über Palästina wurden, wie erwähnt, Karmelweine an Bord des Luftschiffes serviert. Diese sinnige Aufmerksamkeit hat bei den Passagieren lebhaften Anklang gefunden. Die Qualität der Weine, speziell der natursüßen, alten Ausbrüche,- wurde außerordentlich gelobt. — Wie war nunmehr erfahren, haben die Großkellereien in Richon-le-Zlon die Weine im Wege des . Deutschen Keren-Bajessod- Eureaus der Fhvgleitung in Friedrichsfoafen zur Verfügung gestellt. Palästina als Fremdenzentrum* Von Dr. Fritz Löwenstein, Jerusalem. i Daß Palästina dazu prädestiniert ist, ein Land großen Fremdenverkehrs zu werden, ist eine Binsenwahrheit. Palästina ist für den größten Teil der Kulturmenschheit' tm Land, das mit den schönsten Jugenderinnerungen, mit den heiligsten Vorstellungen unlöslich verknüpft ist, es ist ein Land von großer Schönheit und ungewöhnlich reicher Abwechslung; es ist ein Land, in dem eine jedem falls doch ungewöhnlich interessante und bemerkenswerte Bewegung wie der Zionismus verwirklicht wird. Das alles sind Momente, die völlig ausreichen* um Palästina neben Italien, Aegypten, der Schweiz zu einem der anziehendsten Länder für den Reisenden zu machen. Die Statistik der Regierung gibt an, daß Palästina jährlich von etwa 40.000 Fremden besucht wird. Schätzungsweise wollen wir hinzufügen, daß von ihnen etwa 10 Prozent Juden sind. Für ein kleines Land wie Palästina mit 700.000 bis 800.000 Einwohnern ist das. schon heute eine beträchtliche Ziffer, die für das Land eine nicht unwesentliche Einnahmequelle bedeute« müßte. Nun kommt es freilich nicht nur darauf an, w ie v iel Reisende das Land jährlich besuchen, sondern auch, wie lange sie im Lande verbleiben, in Aegypten zum Beispie! konzentriert sich die große Propaganda der Regierung und der großen Reisegesellschaften vor allem darauf, dem Reisenden klarzumachen, daß er nicht nur zwei bis drei Tage in Kairo, bleiben darf, sondern daß er eine Nilreise machen, Luxor und Assuan besuchen soll, möglichst bis zum Sudan herauffahren sojl. In Palästina weilt die weitaus größte Zahl der Touristen nur zwei bis drei Tage. Man muß nämlich in Palästina zwischen drei Typen von Touristen unterscheiden. Der erste Typus, dem schätzungsweise die Hälfte oder mehr als die Hälfte aller Reisenden angehört, sind die Teilnehmer der sogenannten Cruises oder Kreuzfahrten, großenteils Amerikaner, zum kleineren Teil Europäer. Hier handelt es sich überhaupt nicht um Palästinatouristik im engeren Sinne des Wortes, d. h. die Teilnehmer an diesen Reisen unternehmen die Reise nicht, um Palästina kennen zu lernen. Vielmehr sind sie gewillt, eine Seereise zu machen, bei der sie sich gut erholen können, und bei der sie die sogenannten Landausflüge als eine .anr genehme Abwechslung mitnehmen. Ein solches Schiff legt etwa in Lissabon, Algier, Neapel, Athen, Haifa und Alexandrien an, bleibt in jedem dieser Häfen ein bis drei Tage liegen und ermöglicht den Reisenden, in dieser Zeit einen Blick in das betreffende Land zu tun. Es ist klar, daß solche Reisenden für das Land keine besonders wesentliche Eirnahmsquelle bedeuten. In Palästina verlaufen alle La» dausflügt mit ermüdender Gleichmäßigkeit ,etwa so: Früh K -gei Ausbootung in Haifa, Fahrt in speziellem Eisei.bahnzu; oder in speziellen Autos nach Jerusalem, wobei in letzterem Falle nur Nazareth besichtigt wird; Auf» entlalt in Jerusalem zwecks Besichtigung der historischen christlichen und mohammedanischen Stätten, sowie Ausflüge ans Tote Meer und nach Bethlehem und Weiter fahrt nach Aegypten oder Rückfahrt nach Haifa- Benutzt weiden rast ausschließlich arabische Automobile und Führer, jüdische Hotels nur da, wo sie unentbehrlich sind, von *dcr jüdischen Aufbauarbeit im Lande wird nichts gesehen und nichts gezeigt. An diesen Fahrten nehmen jährlich schätzungsweise 1500 bis 2000 Juden teil, und es bedarf keiner großen Phantasie«