Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 81 (5.4.1929)
- Date
- 1929-04-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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* Nr. 81 DU NEUE WELT Seite J'l mit jüdischen Kreisen geraten sind, was von einer mißgünstigen Auslandspresse zu antisemitischen Ausschreitungen aufgebauscht wurde, so war es die bulgarische Oeffentlichkeit, welche derartige Vorfälle schärfstens mißbilligte, sowie die bulgarische Regierung, von der alle Maßnahmen getroffen wurden, um die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen zwischen Bulgaren und Juden zu gewährleisten. Die Ausführungen der oben bezeichneten kompetenten Persönlichkeiten, unter denen sich auch hervorragende Vertreter des bulgarischen Judentums befinden, bieten eine getreue Darstellung der tatsächlichen Loge des bulgarischen Judentums, dem für eine gedeihliche kulturelle und materielle Entwicklung in Bulgarien jede Möglichkeit geboten ist. umuitiiimiiiiiiitimiiiiiiiitiimmminnm^ Diese Darstellung der hiesigen kgl. bulgarischen Gesandtschaft berührt in keiner Weise die in unserer Nr. 79 geschilderten Mißstände. Es lag uns fern, die Bemühungen der bulgarischen Regierung betreffs der Beseitigung des studentischen Hakenkrcuzlcrtums in ihrem Lande zu bestreiten, wie aus unserem Artikel klar hervorgeht, wir empfinden es aber als unsere Pflicht, auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die die Einführung von den in Wien und Graz gelernten Unsitten einzelner bulgarischer Studenten in ihrer Heimat mit sich bringen könnte. Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen Die russischen Kommunisten. Der Antisemitismus in der Armee. Aus M os k a u, 27. März, meldet die J. T. A.: 20Solldaten der Roten Armee fielen während einer Eisenbahnfahrt über zwei jüdische Soldaten her, mißhandelten sie und warfen sie schließlich aus dem fahrendere Zuge hinaus. Auf den Stationen unterwegs plünderten die Soldaten Läden von Juden. Drei Antisemiten, die am 9. November 1028 in Kanawina einen Pogrom inszenieren wollten, indem sie durch die Stadt zogen, jüdische Passanten mißhandelten und „Hoch die kommunistische Internationale! Tötet die Juden!" riefen, standen vor dem Gericht in Nischni- Nowgorpd. Der Rädelsführer Arkalow, ein früherer Offizier der D e n i k i n - A r m ec, wurde zu sechs Jahren Gefängnis, Krasnow zu zwei Jahren Gefängnis und Z a w i n zu neun Monaten Zwangsarbeit verurteilt. 59 Synagogen enteignet. Die Zeitung „Krasriaja Gazetta" veröffentlicht eine Zusammenstellung der im Verlauf des Jahres 1928 in verschiedenen Teilen Rußlands behördlich enteigneten Synagogen. Aus dem Bericht geht hervor, daß im Jahre 1923 59 Synagogen in Arbeiterklubs umgewandelt worden sind. aus Rischon -le-Zion f MmimnKiHBiMm^^HMM^^POT ist derjenige Wein auf dessen Güte und JNaturreinheit der Weltruf der 5 Palästina-Weine beruht § Ctoßkelleteien Rischon'le-Zion (Propr.: Baron Edmonde de Rothschild) «5 .' ':■"*. Vertrieb für Oesterreich: 5 Gustav Wilder, Wien, IV., Blechturmgasse 12, Telephon U-43-8- 79 § illlliltllllllllllllHHIBIllllIllllllllllllllllllllIllllllUlllllllSIIISIHlIlllHllllllllllil lUllllllllllllllUllllllUtlllUlllllUllüllllllillimH soll. Diese Bewegung wurde durch die Tatsache ausgelöst), daß bei dem Begräbnis? des;«P/äsidentender: israelitischen Religionsgemeinde Aladar Kassab nach dem Rabbiner ein getaufter Jude eine Gedenkrede 'hielt. Durch die Propaganda der Strenggläubigen ist der Vorstand der Gemeinde in Verlegenheit geraten, da Zweifel Gegen die Getauften. Die strenggläubigen jüdischen Kreise Budapests führen eine energische Propaganda dafür, daß getauften Juden der Besuch jüdischer Friedhöfe untersagt werden darüber bestehen, ob irgendwelche Machtmittel vorhanden seien, um getaufte Juden vom Besuch der Elterngräber auf dem jüdischen; Friedhof fernzuhalten. Jedenfalls wird das Rabbinat ein Ersuchen an den Kultusvorstand richten, getauften Juden durch geeignete Maßnahmen die Befreiung; des jüdischen Friedhofs zu erschweren, y Von der Jerusalemer Universität. Professor Frankel von der Universität Kiel wurde zum Direktor des mathematischen Instituts an. der hebräischen Üniversität zu Jerusalem ernannt Professor Frankel wird sein neues Amt im Herbst antreten. Max Liebermann. Zu seiner Kollektivausstellung im Wiener Künsterhaus. Von Oskar Rosenfeld. Pas Werk eines fast 60 Jahre Schaffenden fordert zur Zeit, da ein großer Teil dieses Werkes im Wiener Künstlerhaus zu sehen ist, wieder einmal zur Betrachtung und Besinnung auf. Ein solches Innehalten pflegt zu einer Revision der Anschauung zu führen, zu einer Eingliederung und Einschachtehmg, ans dem kunstgeschichtlich begründeten Wunsch, die Persönlichkeit des Künstlers wenigstens nach der sachlich-fachlichen Seite hin abzugrenzen. Bei Max Liebermann, dessen Schaffen schon im Jahre 1879 (Christus im Tempel) einen Gipfel malerischer Konzentriertheit erreichte, versagt eine solche Methode. Will man seine Tendenz in eine Formel pressen, die Wesen und Werk restlos begrenzt, wird man weder mit der Genrebezeichnung noch mit einer philosophischweltanschaulichen Gharakterisierung, noch gar mit der Nennung einer Stilepoche auskommen. Die bequemste Klassifizierung seiner ersten Jahre wäre Realismus auf Grund des Studienrezeptes seines Lehrers Steffeck „Malt was ihr seht". Aber wir wissen heute mehr denn je, weiche Wandlung die exakte Wiedergabe der Natur in den letzten Jahrzehnten durchgemacht, welche Veränderung der Begriff „Naturgestaltung" in der bildenden Kunst erlebt hat. Wäre es da nicht möglich gewesen, daß ein einzelner inmitten einer Stilepoche stecken bleibt und mit fanatischer Beharrlichkeit deren Malweise, deren Kunstideal als das allein seligmachende preist, proklamiert, betätigt und verteidigt? Max Liebermann entging dieser Gefahr durch die Einsicht, daß jeder echte Künstler ein Fortsetzer und Weiterbildner der ihm vorausgegangenen Entwicklungstendenz ist, begünstigt durch seine menschliche Persönlichkeit, die seine künstlerische stets ergänzt hat. Diese erfühlte Einsicht gibt sich in jedem Werk kund und bedingt dessen unmittelbare Gegenwärtigkeit, das immer Heutige seines Schaffens in. Bild, Wort, Schrift und Tat, das ihn bei aller Vielfältigkeit, der die Kunstrichtungen der letzten Jahrhunderthälfte Opfer brachten, zum Repräsentanten moderner Kunst prädestiniert. : . Klarheit, Sachlichkeit, Bewußtheit sind charakteristisch für Liebermann als Menschen und Künstler. In diesen Eigenschaften liegt der Wesenskern von Liebermanns Schaffen beschlossen; Und sie sind es auch, die — bei aller raschen Durchsetzung — zu falschen Auffassungen seiner schöpferischen Tätigkeit geführt haben. Einsichtslose, von rassentheoretischem Wahn umnebelte Köpfe faselten von der Nüchternheit seiner Bilder, die sie auf den angeblich rein spekulativen Sinn des Juden zurückführen wollten,-die' Lieblichkeit des Sujets, die Anmut der Bewegung, das Trauliche der- Anekdote vermissend. Sie ahnten nicht, welche Größe gerade im Verzicht auf jeden dekorativen Schnörkelrauf das Verführerische der Pose, auf das dem Spießergemüt Gefällige steckt. Sie ahnten nicht, daß das Morgenlicht einer neuen Schönheit heraufzog, eines neuen sachlicheren und desto tieferen Verständnisses für die Natur. Zum ersten Male erscheint bei einem in Deutschland lebenden Maler absolute Malerei unabhängig vom Dargestellten. Es war das Resultat von Erkenntnissen, die dem jungen Liebermann zuerst in Paris, dann in Holland intuitiv zuteil geworden waren. Liebermann hat diesen Weg der Sachlichkeit, dieses neue und immer wieder von neuem zu festigende Verhältnis zur Natur,' zum Objekt, nte mehr verlassen. Welcher Art immer die Aspirationen seiner Epoche waren, er ließ sich nicht von Schlagwörternverwirrender folgte nur seinen) Instinkt, seiner vom Aug gebändigten Intuition. Diese intuitive Kraft ist es, die in allen seinen Werken lebendig ist und kein Erstarren, kein Steckenbleiben duldet. „Der Künstler ist Zeit seines Lebens", so spricht der Achtzigjährige, „ein Werdender, Was er als Künstler schafft, schafft er als solcher, nicht etwa in ■.technischer'Hinsicht, sondern in rein künstlerischer, geistiger Beziehung, kurz in seinem Verhältnis zur Natur." In weiterem Bekenntnis: „Das Neue in der Kunst ist er, der Künstler, das Subjekt — nicht es, das Objekt, und der sogenannte glückliche Griff des Künstlers ist in sein Inneres, wo er das Neue, das Einmalige, das sein Werk erst zum Kunstwerk stempelt, findet!" Und schließlich: „Nicht auf die Form kommt es an, sondern auf das Leben, das der Künstler der Form einzuhauchen imstande ist." Faßt man die Liebermannschen Erkenntnisse zusammen, so begreift man zunächst die Urmatrv.e seiner Entwicklung und das Weiterbilden der Tradition auch in ästhetischer Hinsicht; man versteht, daß der wahre Betrachter der Natur, der als „Realist" begann, zu philosophisch-pänfcheistischeii Anschauungen kommen konnte. Und man begreift schließlich, daß einem solchen Temperament die Entdeckung einer neuen malerischen — wagen wir däs Wort — Poesie beschieden sein konnte. Diese neue, unsentimentale, unerotische, antifeminine Poesie .ist der Ausdruck eines vornehmen, männlichen, weisen Genies (das Resultat von Energie und Intellekt), die europäischer ist als sie auf den ersten Blick.sich gibt, und sie rückt Liebermann in die Reihe jener Künstler, deren Alltagszugeneigtheit sich in.' Monumentalität wandelt.; . Dermin Berlin geborene und auferzogene Kaufmannssohn hat die charakterologischen Merkmale des Genies: Zucht, Strenge, Antikonservatismus; vejn Berlin mitbekommen, und darum konnte die Me> nung, Liebermann hätte seiner allgemein „tüchtigen" Natur nach auch etwa ein großer Diplomat,, ein großer Financier, ein großer Wissenschaftler werden können, dem oberflächlichen Betrachter angeflogen kommen. Denn dieser scheint das Element der jüdischen Rasse nicht gewertet zu haben, das d«n i