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Die neue Welt · 1929-03-29 · Heft 80 (29.3.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 80 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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f Seife 8 DIE NEUE WEIT Nr. 80 asoi gut werd« igjmaoht. Mit hibscbi schini kloglidrn glmacht den raim nach gischteilt. Dos farhcfien mir wer es koifn wert asoi wert in nischt fardriessnsain Gelt- Wail haschetrijistoorechu hot uns an purim gdbn lusstig zu sain. Asoi hob ich droiü gimacht dos achaschweroisch Schpiel hi'bsch un fain dru.m oich ihr baleibalim un bactourim und jungen kumt bihent zu loifn. Un tut mir dos schini achaschweroscb Schpil opkodf n. Dos gelt wert aich ndt fardriessn. Wen Mir wert drin 1 e s n. Wert ihr ai-er Gelt wider genissn. Noch Jahrzehnte später wurde es in Frankfurt aufgeführt, und zu den begeisterten Zuhörern gehörte auch der junge Goethe, der auali in einem seiner Werke, dem „Jahtmarktfest von Piundersweilen", Stellen daraus verwendete. Dieses Purim&piel gelangte, wie manches andere, nach dem Osten, wurde vielfach variiert und umgearbeitet und so die Grundlage einer volkstümlichen Sings-pieltraddtion, die bis zu den Tagen Goldfadens und der Brodyer Kom öd i a n t»en reicht, die die Väter des modernen jüdischem Theaters geworden sind. Polizei und Juden. Ein Vortrag des Berliner Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß« In der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin hielt dieser Tage Poiizeivizepräsidertt Dr. Weiß einen Vortrag über „Polizei und Juden in Vergangenheit und Gegenwart". Obgleich die Ausführungen des Redners sich mit reichsdeutschen Verhältnissen befassen, sind sie doch für einen weiteren jüdischen Leserkreis von Interesse. Dr. Weiß führte u. a. aus: Mehrfach wirkt sich die antisemitische Hetze auf die ■Polizeibeamten aus: Zunächst werden sie von ihr als Privatleute, als Staatsbürger', erfaßt- Der Beamte hat sich trotz weitestgehender Gesinnungsfreiheit auch außerdienstlich eines „achtungswürdigen Verhaltens" nach dem Disziplinargesetz zu befleißigen. Damit verträgt sich zwar antisemitische Gesinnung, unter anderem auch ihre Bekundung, nicht, aber ihre provokatorische Betätigung. Vor der Staatsumwälzung schadete selbst eine solche Betätigung einem Polizeibeamten nichts. Aber auch das Dienstleben der Beamten sucht die antisemitische Hetze zu beeinflussen. Früher gehörte der Antisemitismus förmlich zum „guten Ton" bei den Verwaltungsbehörden. So war die Einbürgerung eines ausländischen Juden schlechterdings unmöglich. Im Berliner Polizeipräsidium setzte zum Beispiel de>r den schon tormularmäßigen Alblehnungsbescheid vorbereitende Subaltsrnbeämte rot unterstrichen an den Rand „J u d e\ Andererseits tolerierte die Polizei offene antisemitische Exzesse in der Stöcker-Zeit, wenn sie sie auch nicht geradezu begünstigte oder gar inszenierte, w'e die russische Polizei in ihrem Machtbereich. Die Kriminalpolizei — Instrument zur Aufklärung von Straftaten — verhielt sich früher nicht anders. So konnten angesehene Juden in dem berühmten Neu« stettiner Fall (in den Achtzigerjahren) wegen Synagogenbrands tütung verurteilt werden infolge Lässigkeit der Kriminalpolizei, während durch die reichsgerichtliche Kassierung des Urteils und Neuverhandlüng der Sache sich erst die Schuld des Hauptantisemiten am Orte einwandfrei ergab. Heute dagegen kann zum Beispiel eine Ritualmordlüge sich gar nicht erst auswirken, da die Kriminalpolizei durch intensive, vor allem objektive Arbeit sofort die Aufklärung bewirkt oder doch wenigstens von der Trugspur sich nicht* beirren läßt, was Dr. Weiß an einem bisher unbekannten Berliner Fall' aus dem Jahre 1927 und am Fall - Haas-Magd .e-bürg illustrierte. . Zuletzt behandelte. Dr. Weiß den Juden als Subjekt der Polizei: Nach § 2, 3 des Judengesetzes von 1847 konnte bis zum-Umsturz kein Jude höherer Verwaltungsbeamter werden. Dr. Weiß ist selbst der erste. Berufen wurde er — wie er erzählte — im Frühjahr 1918 vom damaligen Innenminister, jetzigen Oberverwaltungsgerichtspräsidenten D r e w s, der darob noch lange heftig befehdet wurde. Dr. Weiß1 Position war die denkbar schwierigste. Als der bestgehaßte Beamte wurde er von der antisemitischen Hetze in der Presse, in Versammlungen und gemeinsten Sclmäh- und Dröhbriefenn verfemt und verleumdet. Jetzt sind die Drahtzieher allerdings vorsichtig geworden, da ihre Parteikasse die empfindlichen Geldstrafen, zu denen Dr. Weiß der Staatskasse durch seine Strafanträge verhilft, nicht mehr tragen kann. Die Anträge stellte er nicht etwa aus der viel gescholtenen „jüdischen Empfindsamkeit" heraus, sondern im Interesse der Staa tsatttorltät. _ Für die Einigung In der Österreichischen Zionistischen Organisation* In der in Nr. 79 veröffentlichten Mitteilung war versehentlich die einleitende Bemerkung weggelassen worden, daß die Nachricht von den Veranstaltern der Besprechungen der Redaktion übermittelt worden ist. IMtlllHIIIilinilHIIHMlIIW^ Musik ist das geeignetste Mittel, um den Anforderungen, die der Kampf um den Lebensunterhalt an die angegriffenen Nerven stellt, zu entsprechen. Ein geeignetes Mittel ist die Anschaffung einer Sprechmaschine, die es mit Hilfe der neuesten elektrisch aufgenommenen Schallplatten ermöglicht, zu Hause jederzeit gesellscbaitliiche Unterhaltungen zu finden. Das Musikhaus „E x z e 1 s i o r", Wien, I., Adlergasse 5, Telephon R-23-4-90, II., Kleine Pfarrgasse 28, Tel. A-41-6-24, und Tafoorstraße 48, hat inseinen Schaufenstern" und im Lokal, I., Adlergasse 5, eine für jedermann ohne Kaufzwang frei zugängliche-Schaustellung von nur erstklassigen Apparaten (jedes Stück mit dem Kassapreis gezeichnet) arrangiert. Zahlung§erleichterungen von 12 bis 18 Monatsraten selbstverständlich. Wir sind fest überzeugt, daß die Freude, die jeder Familie durch diese« Wunder -menschlicher Erfindung bereitet werden kann, den geringen Betrag voll aufwiegt. E iiiiiiiiiininmiHiiimiiiniiinH iiniMimnniNHNrinnimiiiiiinimi'titUH Die welfberahmton »nd bevortugtetten Amerikanischen RiiiiitnitiiiiiiniiitiiititiiiiiiiiiniiiiiitiiiitiiiB 1 nratrrtOT^ja» 1 FüFVßi sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingeführten Matao-Crackers, eine besondere Freude für die Kinder anischewifz Matzos Vertrieb Wien, II., Fugbachgasse 24 Tel. Nr. R-25-9-32 u. R-48-0-82 Filiale: Ig. Frosf, IL, Haidgasse 9, Tel. A-41-8-64 An die jüdischen Angestellten! Wir erhalten die folgende Zuschrift: Immer offener und schärfer, immer gefährlicher und verderblicher wird das Wüten des Antisemitismus. Die jüdischen Angestellten sind es, die am meisten darunter leiden. Nicht ihre judische, ihre Menschenehre, ihr Stück Brot müssen sie dem Antisemitismus gegenüber verteidigen. Dem jüdischen Angestellten weist der nichtjüdische und oft leider auch der jüdische Unternehmer die Tür, dem jüdischen Angestellten verweigert man den offenen Posten. Der Jude wird boykottiert. Nun, Ihr jüdischen Angestellten, wenn Ihr als Juden zurückgesetzt, wenn Ihr als Juden getroffen werdet, verteidigt Euch auch als Juden! Heraus aus Eurer Lethargie! Als jüdische Angestellte schließet Euch zusammen zur Abwehr der wirtschaftlichen und antisemitischen Gefahr! Es nützt nichls, über die schlechten Zeiten zu klagen und müßig dreinzuschauen. Ebensowenig genügt es, wenn Ihr gewerkschaftlich organisiert seid. Diejenigen jüdischen Angestellten, die sich im schweren Kampfe als wirtschaftlich Schwächere und als Juden Ii „„^^ Ii GKOSSFLEOSCHHAglEßEB I |f Zentral«! IX., Bergga«sc 19. Telephon 17-3-99 q. 16-9-34 j L i e f e r an i ' t ü r Heilanstalten § Ü flfoteSSungen ffür nty5»Weisch II unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der lsr. Kul- 1 II tusgemeinde Wien i s| Autozusteilsing kostenlos i || IX. Barggasse 15 / XVIBI., Währlnger*3r. 97 I frmmrnMirwtniminMHtiiiiitMiiiitiiiiitimiiumimuimmm^^ I Hniiitimiiiimniiiintuuninii^tmiiutnifiiHnutiitHiiiiiiitiiitiniiiitHiiimtimiiiiinittnimim mnitniiimnimiimwilUiutittitnititmimniniitnninntniHitilirTH ihr Selbstbewußtsein, ihre Ehre erhalten möchten und brüderliche Unterstützung und Kräftigung suchen, müssen und werden sich unserem Verbände anschließen. Der zionistische Angestelltenverband „Emunah" steht auf nationalem Boden, ist jedoch kein chauvinistjscher Verein, auch keine Gewerkschaft, sondern will eine kulturell-soziale Vereinigung aller jüdischen Angestellten bilden. Hauptzweck des Verbandes ist: Unentgeltliche Stellenvermittlung, Stellenlosenuntcrstützung, Bildungskurse, Vorträge, Bibliothek usw. Zuschriften sind zu richten au das Proponentenkomiteee zu Händen des Koll. Moses Marmer, Wien/ IX.y Rossauerlände 23a. Auszeichnung. Dem Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Klagenfurt, Herrn Max S t ö ß 1, wurde das goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Oesterreich verliehen. Herr Stößl ist seit mehr als 30 Jahren unermüdlich für das Blühen und Gedeihen der Klagenfurter Judenschaft tätig. Ihm ist es zu danken, daß in dieser Stadt eine eigene Kultusgemeinde gegründet wurde. Die Verhältnisse' sind, dort ganz besonders schwierig, da doch in Kärnten die 2ahl der . Juden sehr gering ist und die Juden sich nur sehr schwer durchsetzen können. Intelligenzberufe. haben dje Juden gar keine inne. In ganz Kärnten gibt es keinen jüdischen Arzt und nur einen jüdischen Advokaten. Herr Stößl ist der Begründer der Chewra Kadischa, die. im Vorjahre ihr 40jähriges Jubiläum gefeiert hat. Jeder durchreisende Jude findet bei ihm eine offene Hand. Sehr bemüht ist Herr Stößl um das Zusammenhalten der hiesigen Judehschaft, So wurde von ihm ein jüdischer K lub gegründet, der die Geselligkeit pflegt und die Mitglieder der Gemeinde ein- bis zweimal wöchentlich zusamrpenführti' Sein Herzenswunsch ist der Neubau eines entsprechenden Bethauses. Die Gemeinde ist leider zu arm. um aus eigenen Mitteln ein solches Bollwerk des hart bedrängten^ Judentums im äußersten Süden der Republik zu .schaffen« Hier müßte die gesamte österreichische Judenschaft mithelfen. DA M E absolut vertrauenswürdig mit gutgehendem Bürobetrieb und gesichertem Einkommen bietet kaufm. gebildetem Herrn nur tmttätTge Beteiligung 50Q0 Schilling Einlage. Offerte unter Sofortiger Verdienst ohne Risiko" an die Administration dieses Blattes ,|i(iiimnhntm)Oui niniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii) Jüdisches Museum in Wien. Vortrag Prof. Dr. Josei Frank. Am 18. März fand die Generalversammlung der „Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst* und historischen Denkmälern des Judentums" statt, die das Wiener jüdische Museum seit 1895 unterhält. Zu dieser mit einem interessanten Vortrag des bekannten Wiener Archltekten Prof. Dr. Frank verbundenen Veranstaltung haften sich außer den Vertretern jüdischer Korporationen führende Persönlichkeiten der Architektur und der Kunst, unter ihnen Prof. Dr. Oskar S t r n a d, eingefunden. Der T ä t i g k e i t s-, b e r i c Ii t für das Jahr 1928 wurde vom Präsidenten der „Gesellschaft", Hof rat Prof. Dr. S. Frankfurter, erstattet. Er gab nach einer kurzen Gedenkfeier für die im Berichis}aihre dahingeschiedenen Mitglieder der Gesellschaft einen Ueberblick über die Leistungen des Museums, das nicht nur das älteste Institut dieser Art ist, sondern auch trotz der in den letzten Jahren in vielen anderen Städten begründeten jüdischen Museen das ansehnlichste und größte ist. Allerdings müßte das zur Folge haben, daß das Interesse der jüdischen Oeffentlichkeit für das Museum auch in materieller Hinsicht größer als bisher werde, um so mehr als das Bundesministerium für Uni e.rricht das Museum zum Zeichen seiner Anerkennung subventioniere und als auch zu erwarten sei, daß' die G emeinde Wien in Würdigung der geleisteten vaterstädtisohen Kulturarbeit eine Unterstützung gewähren werde. Dies habe vor allem moralische Bedeutung, wobei auch die dankenswerte materielle Förderung durch die Israelitische K u 11 <u s g e m e i d e (S 1000) und durch die W r. B. B. - V e r e 1 n i g u n g e n, insbesondere die „Loge Wah rhei t", hervorgehoben sei. Die Museumssammlungen konnten sowohl durch Spenden, wie teilweise durch Ankauf erweitert werden. Die Hauptsorge bleibt auch für die Zukunft die L o k a 1 f r a g e, die immer dringender ist und schon jetzt die Leitung hindert, aus Platzmangel bedeutsame Objekte auszustellen. So konnte die dem Museum zugewachsene geschlossene Sammlung nach dem bekannten Neagothiker und'Temipelerbauer Bau:' rat Max Fleischer (1S41 bis 1905) nicht ^übernommen werden und es war unmöglich, das von den Erben nach weil. Oberrabbiner Chajes dem Museum übergebene Arb e i t s z i m m e r bisher zur Aufstellung' zu bringen. Das sind sehr bedeutende Hemmungen auf dem Wege gedeihlicher Entwicklung. Nach diesem Referat, dem der Kassaibericht, der Bericht der Revisoren und die. Wahlen folgten, die nach einer kunzen Aussprache die Wiederwahl der satzungsgemäßen ausgeschiedenen Kuratoriumsmitgliieder ergab, hielt Prof. Frank seinen Vortrag: ,.Aus dem werdenden Palästina, Eindrücke eines Architekten". Der Vortragende, der im Sommer 1928 als JuTor für das in Jerusalem zu errichtende Zentralämter.geibäude der zlo-. nistäschen Verwaltung .tungierte, gab: ein plastisches Bild des neuen Palästina, das in jeder Einzelheit den Typus des Werdenden und Wachsenden aufweist. So gibt: es natürlich noch keinen ausgesprochenen Baustil], welcher ■ der jüdischen Denkweise und den seejischeh •Empfindungen adäquat entspräche. Das „Suchen" aber ist eine sehr urh. sichere Sachet, weil ja das Anknüpfen an Traditionen un»; möglich sei "und jegliche Beweise für ein« in' der Antike; vorhanden gewesene eigennatäonale Kunst fehlen. Den' schaffenden Künstlern Palästinas ist Vorsicht zu empfehlen und die „Jüdische Kunst" erst von der Zukunft zu erwartein.' Es läßt sich aber nicht voraussagen, welche Merkmale die?e<; neujüdlsclie Kunst aufweisen wird. Wiener Bank-Vereku Die 59. ordentlich© GeneralversamwI'uiig des: Wiener Bank-Verein findet am 16. April 192° um 11 Uhr vormittags im Anstaltsgebäude . statt. Gegenstände der Tagesordnung: Jahresbericht des A-dmini* strationsrates, Bericht der Zensoren, Beschlußfassung; über die Verwendung des Reinerträgnisses des Jahres 1928, statutenmäßige Wahlen. Je 5 Aktien ä Nominal« S 20 geben das Recht auf eine Stimme. Die Deponierung der Aktien hat bis spätestens 10. April 1929 zu erfolgen, E

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