Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 80 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 80 DIE NEUE WELT Seite t äniiiiiiiiiiiiMiiiMiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiij | Direkt aus Palästina j S Orangen, Mazzoth und Wein, sowie samtliche 5 s Spezereiwaren riDD 'N? "NPD liefert ins Haus 1 Samuel Halpern 5 Wien, II. Bezirk, Förstergaste Nr. 6 S Teleph. Anruf genügt. Telephon R.40-4-I2 1 rTuiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiui ruf erlassen. Für dieses Entgegenkommen wird der Jischuw wahrscheinlich teuer zahlen müssen. Die hiesige Regierung verlangt Wucherzinsen für jedes Entgegenkommen, für jeden Dienst, den sie dem Jischuw erweist. Für die paar Wege, die sie bauen ließ, um unseren Arbeitslosen zu helfen, haben wir mit der Sitierung der Einwanderung bezahlt; für die Hilfe für Tel-Awiw mit dem Verlust der Autonomie der ersten jüdischen Stadt. Aber mit der Ausstellung selbst hat das nichts zu tun. Die Kooperation zwischen Regierung und Jischuw ist eine solche Seltenheit, daß man sich sie ansehen muß. IV. Das schönste und beste der Ausstellung wird sein: Tel-Awiw. Tel-Awiw ist ein kleines Städtchen, aber selbst für ein solches noch nicht ganz ausgebaut. Doch kenne ich keine Stadt, die so gemütlich, so sympathisch, so intim wäre. Tel-Awiw rührt das Herz. Ich bin sicher, daß selbst ein Mensch, der sehr wenig von ihrer Geschichte weiß, die Liebe, die Hoffnung, die unzahligen Stücke von Leben und Seele darinnen an jedem Straßeneck erfühlen wird. Selbst Fremde spüren es. Ich erinnere mich an das Wort eines sehr skeptischen Italieners: „Das einzige, das mir bei euch imponiert, ist Tel-Awiw. Für Amerika mag das nichts besonderes sein, ein Städtchen mit 40.000 Einwohnern, das in 20 Jahren geschaffen wurde, eingerechnet die sechs Jahre des Kriegswirrwarrs. Aber für uns Europäer ist dies eine unerhörte Leistung." Dieses Gefühl wird ein Jude in noch stärkerem Maße haben. Auf dem Heimweg ins Hotel, in einer Mondnacht, durch die reinen geraden Gassen — einige von ihnen still, andere rauschend von jungem Leben, ist es doch das Paradies der Jugend und der Kinder — wird er plötzlich halt machen und wie ein Erwachender fragen: wo bin ich?, und eine sonderbare Minute durchleben, als wäre es ein Traum, eine erzählte Sache, keine Wirklichkeit! Wer nur kann, komme nach Tel-Awiw, die Ausstellung sehen 1 Purim im Ernst und Seherz. Das Puiriimifeat, das trotiz aniängiiidher starker Opposition ein sehr volkstümliches Fest geworden war, vereinigte zwei wichtige Funktionen in sich: Es war eine Gelegenheit zu feierlicner Danksagiung für Errettung .aus Not und Feindesland» andererseits aber war es auch die erwünschte Gelegenheit nach lärmender Freude und Geselligkeit. Die erste Funktion trat sehr häufig in Erscheinung; so oft ein Teil dies jüdischen Vodlkes, eine Gemeinde oder auch nuff eine FanÄe, aus drohender Lebensgefahr gerettet waird, wurden 'lokale oder auch nur fa-mläne Purimtage eingesetzt, diie mach Ainiaiogiie der aWgiemeinen Puriimtage ans einem Fasttag und einem Fremdentag ziu bestehen (halben. Eines der ältesten dieser loikalen Purtafes'fce dürfte Öear P ur i m von Sanaigossa sein. Ein gjetaufber Jude hatte dem König verraten, daß die Rabbinern, die bei einem Festzug zu seinen Ehren mit der helMgen Biundeslade erscheinen, nur das deere Gehäuse mit sieh herumtragen, die Thorarolen aJber, dem König zur Schmach, m Hause lassen. •Der König erzürnte heftig darüber und woMte am nächsten , Tag,e die Sache genau untersuchen. Diese Untersuchung hätte, da man die Thorarollen tatsächlich aus Gewissensbedemken nicht im Besibzug herumzutragen pflegte, für die Juden Saragossas Tod und Verfolgung bedeuten können. Der Sage nach erschien nun in dier Nacht der Prophet Bliahiu den Vorstehern der Gemeinde, wannte sie und legte ihnen nahe, diesmal die Thorarollen mitzunehmen, wenn sie im Fes/taug vor dem König erschienen. Der König ließ die Bundeslade öffnen, fand die Thor-aroUen, die Juden waren gerechtfertigt und gerettet, der Angeber aber wurde bestraft. Der 17, und 18. Schewath wurde nicht nur In Saragossa, sondern später auch in -allen Ländern des Orients, wohin die spanischen Juden geflüchtet waren, gefeiert. Insbesondere eine kleine Gemeinde von Saragossa Exulanten, feierte noch liange den Purim am 17. und 18. Schewath. In Frankfurtern Main wird ein sogenannter Winzerpur im gefeiert. Dieser hat aber nichts mit dem Stande der Weinbergsbesitzer zu tun, sondern, heißt nach dem Vornamen Jenes Vinzenz F e 11 m i 1 c h, der in Frankfurt am Main Im Namen des Volkes die aristokratischen Zünfte stürzen wollte, sich zum Diktator aufwarf und die illllllllllllllllllllllllü 1 Kaufet 7™^&"T^ Kaufet 1 ES die In Qualität und Geschmack unübertroffenen, weltberühmten ss Palästina /V azzoth Die Hertteatuna erfolgt - wovon sich Sr. Ehrw. Rabbiner Schenk (Raw der „Talmud Thora») persönlich Überzeugt hat - unter streng ritueller Aufsicht Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Josef Chalm SonnenSeld, Jerusalem, und des „Chiel-Rabbi" von Eres Israel, Sr. Ehrw. Herrn A. I. Kook, Jerusalem General repräsentans irr gans Oesterreich: Nathan Brodefzki, Wien, n. w^r^oo In Ans Haus leties beraten Juden getören zu Pessnfti Mirmnm qys Erezlsraeil FILIALEN: M. Spiegel, III. Radetzkystraße 4 Sabine Bindert IX. Hahngasse 33 Max Silberberg, IX. RotenlÖwengasse 8 ==■ Leib Mandl, IX. GrUnenfiorgassa 41 s=s Ignaz Finkelsteln. XX. Klosterneuburgerstr. 9 Bernhard Luwisch, XX. Hannovergasse 19 Jakob Wassermann, XX. WailenstelnstraQe 58 liiiiiiliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw der Doge von Venedig schürte diie Paduaner Juden«, und so entgingen sie dem drohenden Verhängnis. In Padiua aber wird der 10. Ehil als Purim von Buda (Ofen) gefeierit. Ein Prager Jude namens Schuihof, der sich zufällig in Ofen aufhielt und die Belagerung und Erstürmung Ofens mitmachte, geriet in Gefangenschaft der Krdegsknechte und konnte erst nach unerträglichen Gefahren und Leiden seine Heimatstadt Prag erreichen. Er schrieb eine „Megillah Ofen" und setzte für seine Familie einen Purine tag ein. Selbst in Pörsten, dem Lande, wo 'das Purimlest seinen Ausgang genommen hatte, wind von den Juden von Schi ras, der berühmten Rosenstadt, ein lokaler Purim gefeiert. In dieser Stadit lebte ein Fleischhauer, der ange-» kiagt wurde, seinen Kunden an ihren Feiertagen verbotenes Fleisch ver-kauft zu hahen.'Er flüchtete sich vor der Wut seiner Volksgenossen, nahm den Islam an und beschuldigte die Juden von Schiras schwerer Verbrechen. Die Behörden der Stadt drohten hierauf den Juden mit dem Tode, wenn sie nicht insgesamt Mohammedaner werden -wollten. Sie. mußten dies notgedrungen tun. Als aber bald darauf der Fleischhauer starb, fanden sich in seinem Nachlaß Schriften, welche die Unwahrheit seiner Beschuldigungen dartaten. Daraufhin durften die Juden wieder z,u ihrem alten Glauben zurückkehren, sie taten dies mit giroßer Freude und setoten den 2. Cheschwian als neuen Purimt'ag ein. M. Wildmann, l. BäckersfraRe 1G Jakob Weift; II, Untere Augarten3fraSie 25 S. Schneider, II. Miesbachgasse 3 II. Novaragasse 12 David Raab, II. Schiffamtsgasse 7 Gerson Sehlesinger, II. Hoilandstraße 11 Juden aus Frankfurt vertreiben wollte. Vorher aber zogen seine Gesellen und Anhänger plündernd und mordend in die Judenstadt. In dem Kampfe fiel einer von ihnen sowie zwei Juden. Die Juden mußten der Uebcrmacht welchen und zogen sich auf den Friedhof zurück. Fettiniich, dor sich selbst gerne „d e r neue Ha man" nennen ließ, trieb sie nun aus der Stadt. Das Ghetto wurde geplündert und in Brand gelegt. Jetzt aber schritt der Kaiser mit Truppenmaoht ein, Fettmilch wurde vom kaiserlichen Kommissär gefangengenommen, am 10. März 1616 gehängt und gevierfceilt. Ein Gedicht in Jüdischdeutsch „Megillath Wiinz", von Rabbi Elch an an verfaßt, schilderte die Ereignisse. Der 20. Adar wurde als Wlnzerpurim eingesetzt. In der weitverzweigten Prager Familie Altschul wird der 22. Tebeth als Fürhangpurim ge- RW) II. Taborstraße ÄTeB. R-42-3-41 Täglich Uraufführung des großen Joe-May-Filmes der Erich-Pommer-Produktion der „Ufa" (WO mit Gustav Fröhlich, Betty Amann, Hans Adalbert Schlettau/ und Alb. Steinrilck Beginn: An Werktagen um %6, '/48 und 9 Uhr An Sonn- und Feiertagen V45 8/,6, Va8. 9 Uhr feiert. Dem Statthalter Prinzen Liechtenstein wurden im Jahre 1623 kostbar« broikatene Vorhänge entwendet. Der Statthalter veranlaßte die Prager Gemeinde, in ihren Synagogen verkünden zu lassen, daß der Käufer der Vorhänge sie diem Schames seiner Synagoge abliefern möge. Josieph Thein, der diese Vorhänge, ohne von ihrer diebischen Herkunft zu wissen, von zwei Soldaten gekauft hatte, übergab sie dem Schames Altschul, dieser lieferte die Vorhänge sofort ab, weigerte sich aber begreiflicherweise, der Behörde den Namen dessen mitzuteilen, der ihm Im Vertrauen die Vorhänge übergeben hatte. Altschul wurde in den Kerker geworfen und sah dem sicheren Tod entgegen. Nach langem Bitten wurde Altschul endlich gegen, ein großes Lösegeld freigelassen. Er schrieb eine „Megillah der Vorhänge" und seine Nachkommen feierten noch lange den „Fürhangpurim" mit Fasten und Freudenmahl. In der Nähe von Prag, in Junglbunzlau, wird der etwas komische ..PowidJpiiriim" gefeiert. Im Geschäft des1 David Brand eis wurde urotiet .anderem auch Powidl — dies ist, der landesübliche Name für Pflaumenmus — verkauft. Einer der Käufer, ein christlicher Buchbinder, erkranke mit seiner Familie .nach dem Genuß dieses Maises, Gegen David Brandete wurde die Anklage wegen versuchten Giftmordes erhoben, doch nach genauer Untersuchung stellte sich seine Unschuld heraus, und er wurde auf freien Fuß gese:zt. Aus Dank hiefür schrieb er eine „Megilkh schir hanwaloth le David'', und setzte den 10, Adar als Purim für die Familie Brandeis ein. Als im Jahre 1686 die kaiserlichen Heere Ofen eroberten, in dem bis dahin der türkische Statthalter von Ungarn -residiert haite, sollen sich die Omer Juden, denen die Türken milde und, gnädige ' Schutzberren gewesen waren, mit großer Tapferkeit den Eroberern entgegengestellt haben. In Italien, wo man den Kampf der kaiserlichen Heere gegen die Türken als einen neuen Kreuzzug begrüßte, herrschte darob große Erbitterung gegen die Juden und in Padua kam es zu heftigen Ausschreitungen gegen die dortigen Juden. Der Kapuzinermönch Marco d'A v 1 a n 0, der selbst im Gefolge der Eroberer gewesen war, billigte a/beir die Haltung der Ofener Juden, da sie nur ihrer Pflicht •als Untertanen des Sultans nachgekommen waren. Auch Purim spielt aber auch eine wichtige Rolle in der Kulturgeschichte des jüdischen VoHkes, da es der Anlaß war zu dramatfecher Betätigung nach Analogie mittelalterlicher Fastnachtsspiele. Ende des 17. Jahrhunderts wurde in Deutschland ein Achaschweroschspiel verfaßt, das in den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts in Frankfurt aufgeführt wurde. Dieses Purimspiel fand seiner Derbheit und anzüglichen Witze wegen Widerstand in den Kreisen der gelehrten und gebildeten ObeTsehichte. Trotodiem war es im Volke sehr beliebt. Magister S c h u d t überliefert uns den Text, dessen Anfang folgendermaßen lautet: Achaschwerosch-Schpil. Bim sehin nai Achaschiwerosch Scfopil mit all die kmnschtin in es worin tnacht. Es wert wo! sein lebtog nit Wochen-Kalender fl März , | 1929 '2 "HK tt"Q-in Adar II. 5689 1 29 Freitag 17 -r Sabbateingang 6 20 30 Samstag 18 -rr Sabbatausgang 7'— mo n«no,\s imi V?a n i2i vro m&Dn 31 Sonntag 19-^ 1 Montag 20-5 2 Dienstag M-te , 3 1 Mittwoch 22-33 4 1 Donnerstag 23-» Wissen Sie, was Ihnen fehlt! Ein ordentliches Bett. Auch aus Ihrem schlechten mache ich Ihnen ein gutes. Lassen Sie sich von mir beraten, kf Wien, VIII., Lerchenfelderstraße Nr, 30. Telephon A-26-2-75 Eigene Werflcstatfte. Individuelle Bedienung, Keine Filiale,