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Die neue Welt · 1929-03-29 · Heft 80 (29.3.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 80 (29.3.1929)
Date
1929-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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r Seite? DIE NEUE WELT Nr. 80 m v Monateaufl^lnia ä SfAII 2 Monate auf Leder C** 10^ ■'•Ä^.«!; dteVuSpar J /tfa* S?** *Y\0** *; xi *Vt%out\\Aiu mantik der nationalen Renaissance ist, kaum erblüht, rasch verdörrt. Nur noch zwei Elemente unserer; Befreiungsbewegung bewahren die volle Reinheit des alten Idealismus: Ohahizim und Legion, zwei ruhmvolle Etappen der modernen Geschichte Israels. * Wenn auch Politiker und Geschichtschreiber Trum» peldors außergewöhnliche Bedeutung nooh nicht vollauf gewürdigt toben, so tat es das Volk instinktiv selbst. Man dichtet Legenden und singt Lieder vom Helden von GallipoH und Tel-Ohaj. Die jüdische Jugend gab ihren Vereinen seinen Namen und stolz klingt das „Brith Trumpeldor" an den entlegensten Stätten des Judentums. Die zionistischen Ideale schenkten der Jugend eine neue nationale Romantik. Trumpeldofs Name ist ein Symbol der jüdischen Renaissance geworden. Der Resident von Tunis und der Palästina-Aufbau. Wie aus Tunis gemeldet wird, empfing der Resident, Herr Lüden S a i n t, den, Delegierten des Keren Hajess.od für Afrika, Advokat M e s s e k a, und sprach ihm gegenüber seine Bewunderung für die zivilisatorische Rolle der Juden in neuen Länder« aus. Diese zivilisatorische Rolle, sagt er, spielen die Juden wie überall auch in Nprdäfrika, und gewiß werde ihnen das Werk der Renaissance Palästinas'' vollkommen gelingen.' Verband demokratischer Zionismen Mittwoch, den 3. April um halb 9 Uhr abends im s Klubsaal des Calö Produktenbörse! II., Tabor- 3 Straße Nr. 10 , . •. > Frau Margit Ornstein I „Erinnerungen an | Popper-LyiikeuV 3 Eintritt frei Gäste willkommen 1 g ill!lll)lll!/llllllll!l!!!lll!llllll!H ~ Für Doktor Sträuchen Dem SO Jahre alten Maua wird die Pension verweigert. Eine höchst merkwürdige und peinliche Angelegenheit behandelt das „Czernowitzer Morgenblatt" in seiner Ausgabe vom 20. d. M. Das Blatt teilt mit, daß die gegenwärtige Gerentschaft der Kultusgemeinde dem Dr. Straucher die in einer früheren Periode bewilligte Pension nicht auszahlt. Der Stadtrat Dr. Salomon Kassner, der bekannte Rechtsanwalt und juristische Schriftsteller, bestätigt in einem Artikel die Mitteilung, und seine Ausführungen sind um so gewichtiger, al$ sie von einem politischen Gegner Dr. Strauchers kommen. Es ist nun gewiß in den letzten Jahren innerhalb des Judentums in der Bukowina vieles vorgefallen, was dem Außenstehenden schlechthin unverständlich erscheint. Aber selbst wer es eben wegen seiner Unkenntnis der Verhältnisse vermeidet, sich in diese Vorgänge einzumengen, ' wird es nicht verstehen und nicht versteuern wollen, daß.dem Dr..Straucher die legal bewilligte Pension vorenthalten wird. Aber selbst wenn sie nicht legal bewilligt worden wäre, darf ein solches Mittel einem Mann gegenüber nicht angewendet werden, der sich sehr große Verdienste um die jüdische Sache erworben hat und den man im alten österreichischen Parlament als einen nacken- IIKMARXERGASSE'30"3i4 rcltplion : 9Ö-Ü 6/ und 9 5 - V - 3 8 VI.MARIAHI LFE R STR.49 Telephon ' ^121 t v e r1 lang e n S i>e - P> r o s p e. k t r steifen, etwas derben, aber stets aktionsbereiten und furchtlosen Verfechter des jüdischen Rechtes respektiert hat. Im Abgeordnetenhaus: und in den Delegationen hat man Strauchers Stimme gehört. Er hat mit Löwenmut für Hilsner gekämpft,-er hat 'bei den furchtbaren Judenaustreibungen aus Rußland und Rumänien, bei den , vielen Pogromen als ein aufrechter Jüdischer Mann sich bewährt. Es ist ein niederdrückendes Empfinden, daß man an diese Vergangenheit erinnern muß, um dagegen zu protestieren,' daß ein solcher Fall möglich Ist. Und die Sache wird noch dadurch .ärger, daß Dr. . S t r a u.c h ,e r, ei» bald a c b t z i g j ä 'h r I g'e r Mjj fyn,<..'s,j c h in Not befindet. Hoffentlich wird es, nicht, notwendig werden, .daß e i n ö f f e n 11 i c h e r A.u f r u f. an alle erlassen wird, die dem Dr. Straucher, für seine '■jjoliüsche,' Tätigkeit jn; .der, '. V-or- 1 ■kriegsperiöde, für' seifte/Redeflf-eile 'dafaals ' Tate'n * wären, für seine; hiutilge"Verkün^ der'Tribüne des Paritanieflites;'uM der Delegationen danken wollen. Es' Ist irrelevant,'daß' und 'welche'' Fehler ' Doktor Straucher seit dem Umsturz 'begännen hat. E r d a r f n i c h t hu.ngern! Man gebe ihm sein Recht! j.!.„ Lord Melchetfs Keren-Haiessod-Steuer. per englische Großindustrielle und Vorsitzende der englischen zionistischen Organisation Lord Melchett hat in. diesem Jahre eine Keren-Hajessod-Steuer von Pfund 5000 geleistet. KOSTENLOS ERKÄLTEN SIE Oas elektrische Rad owunder auf 2 i age zur Probe AKKUMULATOR ANODENBATTERIE ANTENNE MIT EINGEBAUTEM, KLANGREINEM LAUTSPRECHER Sio brauchen um nnr Ihre Stromart nnd Voltzahl (110 oder 330} bekanntgeben. Wien, VI., Mar ah'lferstr. 1 o. Teloohon 8^4-904 mmmmmmmmmmmmBmmmmmmmmKmmmmmmmmmtmmommm Der bolschewikische Krieg gegen die Synagoge. Umwandlung der Tempel in Klubs. Aus Moskau meldet die J. T. A.: Die jiddisch-kommmniistische Zeitung „E m c ß" veröffentlicht einen ■ Leitartikel gegen den „jüdischen Klerikalismus". Die Charkower jiddische Tageszeitung „Stern" fordert Intensivierung der A n t i -P e s s a c h - K a mp a g n e in den jüdischen' Städtchen. Man mpsse'den jüdischen Arbeitern klar machen, daß die Religion den Gegnern eine Waffe im Klassenkampf gibt. In Öbodowke, Kreis Tulschin, wurde bei Anwesenheit von 30 Delegierten eine Konferenz der jüdischen 'Atheistenvereine abgehalten, in der über Maßnahmen zur Verstärkung des antireligiösen Kampfes in den Kleinstädter! beraten wurde. Die jüdischeii Sektionen der kommunistischen Partei (Jewsekzia) halben in der letzten Zeit ihre antireligiöse Kampagne in den Städten und Städtchen verstärkt. Auf Grund der Bemühungen der Jewsekzia wurden neuerdings mehrere Synagogen in K 1 ubs umgewandelt; so wurden in Xawerow, Kreis ' Korosten, ein Betb Midracb, in Schmerinka, Kreis Winiza, zwei Bethe Midraschim; in Gherson die große Chorsynagoge, in Smilowitsch .die Schtieidersynagoge in Arbeiterklubs umgewandelt. In zahlreichen 'anderen Orten geht der Kampf um die Synagogen weiter. Ein erbitterter' Kampf wird um die C h a r k o wer Syh ag og e geführt- Laut „Stern" hätten bereits über iO.OÖO jüdische Arbeiter ein Dokument unterschrieben, in welchem die Umwandlung der Solianikower Synagoge in einen Arbeiterklüb gefördert wird. „Stern" wirft den religiösen Judeh daß sie, die ihrerseits Unterschriften für WIEN |VII„ KAISERSTRASSE 123 IX., ALSERSTR S AS E 6 FERNSPRECHER B-38.0-34 geführt, natürlich ein' bekehrter, Andreas mit Namen, welcher mit hündischer Konvertitenseele in den Papst Gregor drang, Jenes Edikt zu machen. Man sah aiso atn SaJbibat Häscher der Polizei in den Ghetto kommen und die Juden mit Peitschenhieben in die Kirche treiben, Männer', Weiber und Kinder über zwölf Jahre. Es mußten sich mindestens 100 Männer und 50 Weiber, später 300 an der Zahl, zur Predigt einfinden. Am Eingang der Kirche zä'hlte ein Wächter die Eintretenden; in der Kirche seihst überWaöhte sie Polizei; und schien ein Jude teilnahmslos oder schlaftrunken, so weckten ihn Peitschenhiebe. Ein Domlndk'arier hielt die Predigt, wobei das Allerheiligste vom A'ltär genommen war; er sprach über solche Texte des Alten Testaments, welche die Juden an demselben Tage in ihrer Synagoge hätten lesen hören, damit auf die jüdische Erklärung die katholische unmittelbar folge und der Hebräer imstande sei, die christliche Wahrheit zu erkennen. Diese Predigten wurden anfangs in San Benedetto ^aflla Regoia gehalten, später aber in Sant Angelo in Pescaria. Mit der Zeit fanden sie nur fünfmal im Jahre statt und der ganze Gebrauch wollte von selbst erlöschen, als der engherzige Leo XII. Genga (1823—1829) ihn erneuerte, Heute ist auch diese Barbarel geschwunden; sie ward abgeschafft Im ersten liberalen Regierungsjahr Plus' IX, . Den zum Christentum bekehrten Juden belohnte die Erlösung aus dem Gihetto, das Bürgerrecht und. alles Menschenrecht, welches dessen Folge ist. Bs ereignete sich nicht selten, daß Juden aus dem Ghetto getauft wurden; dann wurden sie, wie das im Charakter von Konvertiten liegt, bekehrungssüchtiger als Ihre Bekehrer, So liest man auf einer Kirche gegenüber dem Ghetto an der Brücke Ouattro Capi, awf deren Front die Kreu-zigung gemalt ist, i nhebräischer und lateinischer Schrift den zweiten Vers aus dem 65. Kapitel de« Jesaias: „Ich recke meine Hände aus den ganzen Tag zu einem ungehorsamen Volk, das seinen Gedanken aacbwandelt auf einem Wege, der nicht gut ist." Diese Mahnung hat dort ein bekehrter Jude aufschreiben lasseh. Nach der mittelalterMc'hen Sitte empfingen jüdische Täuflinge den Namen ihrer Taufpaten, und well sie diese unter den angesehensten Männern Roms suchten, gc- schah es, daß sich Juden- In die ältesten Adelsfamilien Roms einschmuggelten. Es gab, jüdische Colonna, jüdische Masslmi, jüdische. Orslnl; ja, man behauptet in Rom, daß manches stolze römische Fürstengeschlecht, nachdem es ausgestorben, durch Juden aus Trastevere fortgeführt worden sei. lV Heute, wo die alten Mißhandlungen aus dem Tageslicht geschwunden sind, hat .man gleichwohl den hergebrachten ÖffenÜichen Akt einer foierlichen Juden- und T'Urkentaufe als Form bejbe'ha'lten, Sie findet in Jedem Jahre am Ostersonnabend^fn-der Taufkapelle des Lateraa statt. Man sagt, daß dieses Schauspiel um jeden Preis aufgeführt werden müsse, selbst . wenn man, im Falle daß ein bekehrter Täufling mangelt, einen Juden oder Türken von auswärts holen sollte. Es-ist sogar vorgekommen, daß Juden oder Türken aus Spekulation sich mehrmals taufen ließen. Im Jahre 1853 wohnte ich der Taufe einer Jüdin bei. Sie stand, in weiße Schleier gehüllt, am Taufbecken, eine brennende Kerze, das Symbol der Erleuchtimg, in der Hand, und nach verzogener Salbung des Hauptes;-und Naokens und empfangener Wasserweihe in jenem Becken Konstantins, In welchem einst Cola dl Rienzo sich In Rosenwasser gebadet hatje, wurde sie in Prozession nach dem Lateran zurüc'kgefüb>t. Der; Kardinal, der sie . getauft Hatte, segnete sie vor deiji Altar:ei» ünd spracH dann vor' dem Volke seine Freotde fu«,1 daß ein sp göttliches Wunder sich voteogen habe, da ein eben noch von den Dämonen besessener und der Hülfe verfallener Mensch urplötzlich in die Unschuld des Kindes iind das reine Hlmmelsllcht sich gekleidet habe. •'?.*■■■.■■ ,:, ' ' ,; Ehemals drückte man sich kräftiger aus; denn der Jesuit Stephan Menochlo sagt in seinem Buch >,Stuore,, (Venedig 1662), die Juden stänken ann Leibe, verlören aibär diesen Gestank gleich nach der Taufe. Sehr naiv erzählt er, daß sich schon der Kaiser Marc Aurel über den Judengestank'beklagt habe. Dies sei eine ausgemachte Sache; und so ließen sich die Agarener taufen, um nicht übel zu riechen wie die Hunde. Leo XII. gab. den Juden das Recht, Häuser zu erwerben, wenn sie schon das Jus Gazzagä hatten.'Er erweiterte auch den Umfang des Ghettos, indem er ihm die Via Reginella und einen Teil der Pescaria hinzufügte,, so daß derselbe im ganzen acht Tore hatte, die überwacht und allnächtlich geschlossen wurden. Während der französischen Herrschaft in Rom war die Ghettosperrung aufgehoben und den Juden alle Freiheit, in der Stadt zu wohnen und Gewerbe zu treiben, gestattet worden. Aber Plus. VII. schloß im Jahre 1814' den .Ghetto vom neuem; er blieb in seiner. alten Verfassung bis auf den heute reglerenden Papst. Es gereicht Pius IX, zur Ehre, daß er die Ghetto» schranken niederriß; dies geschah, wie es mir Juden ausdrücklich . selbst bemerkten, nicht infolge der Revolution in Rom, sondern, ein Jahr zuvor, da die öffentliche .Meinung und auch die. Einsicht des .liberalen Papstes, dieses Zugeständnis an die Zeit vertaugten. Es fielen, alle Mauern, welche den Ghetto .sperrten,. Der Umschwung der Ansichten hatte auch die Folge, daß den,Juden, erlaubt wurde, überall in Rom zu wohnen, und nicht minder, Gewerbe und Handwerke zu treiben. Der Ghetto ist also als Zwinger aufgehoben, doch besteht er faktisch fort als das traurigste Quartier Roms. .Auch macht der Jude nicht leicht von seinem,Rechte Gebrauch,, in die Mitte, der Stadt zu sieben, weil, wie man mir sagte, dasjenige, was nun das Gesetz freistellt, dennoch durch das unausrottbare Vorurteil er« schwert, wenn nicht unmöglic'h gemacht wird. Als ich eines Tages (es war Sonnabend) am Brunnen der .Navona stand, kamen festlich gekleidete Judentfraueh herzu und betrachteten das Brunnenwerk. Ein römisches Weib beschaute sie mit Verachtung und sagte darauf zu mir: „Seht, seht, sie sind jetzt wie wir: Christen." .

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