Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 80 (29.3.1929)
- Date
- 1929-03-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711683-2711697--1061-2714246- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 80 Die NEUE WELT Seite 3 sind das edelste Produkt jüdischer Arbeit in Palästina Großkellereien der Baron Rotschildschen Kellereien RISCHON-LE-ZION Vertrieb für Oesterreich: GUSTAV WILDER, WIEN, IV., Blechturmgasse 12 Telophon U-43-8-19 Verlangen Sie Gratiszusendung des neuen Preisblattes Trumpeldor, der Romantiker. Von David Schechei. Die Mehrheit der jüdischen Jugend ist nicht im nationalen Lager zu finden. Die Assimilation der Liberalen und besonders jene der klassenkämpfe-riscben Parteien ziehen sie an sich. Die Jugend ist romantisch, sentimental, und das Judentum besitzt keine Romantik mehr. Die uralte biblische Volksart ist ver-loren gegangen und die neue ist noch nicht geboren. Für flach und leer gewordenen offiziellen Zionismus bringt unsere Jugend keinen Enthusiasmus mehr auf. Jede Nation hat ihren patriotischen Kultus. Die Franzosen treiben mit Jeanne d'Arc und Napoleon eine Art nationalen Fetischismus, Italien besitzt seinen Cavour und Garibaldi, die Polen verehren Kosciuszko, in Amerika ist ,i<le.r Name Washington zum Heiligtum geworden. Den Juden fehlt diese nationale Heroik, welche unsere junge Generation dauernd im Bann der Begeisterung zu halten vermöchte. Eine solche Art von nationalem Kultus ist die Volksromantifc. Sfe führt , ztim".Herzen und «prichi zur Sede der Jugend, Das Volksepos der Juden ist sehr alt. Streben, Hoffnungen und Ziele des Volkes spiegeln sich deshalb nicht mehr in ihm ab. Die Hefcen der Bibel J:j;'a Makkabi wurden schon seit Jahrhunderten kanonisiert. Die nationale Symbolik dieser Persönlichkeiten ist in der Fülle der rituellen Vorstellungen, mit denen ihre Namen verbunden sind, schon seit langem untergegangen. An Simsen den starken, au Deborah die Ricliterin erinnert nichts mehr. Außerhalb des Glaubens blieb.der jüdischen Jugend keine Romantik mehr. Beim Verlassen des Ghettos und Aufgeben des starren Glaubens lösten sich auch die äußeren Verbindungen der Jugend zum Judentum. Hier sind auch die Gründe für die Verbreitung der Assimillationsbewegung in der yorzionistischen Epoche zu suchen. Denn die rituelle Seite des Judentums vermochte die junge Generalion nicht zu befriedigen. Der Drang nach schöpferischer Betätigung, die Sehnsucht nach neuen Idealen charakterisieren .am besten die Stimmung der Jugend jener Zeit. Daraus Wird wohl auch der besondere Hang unserer Volksgenossen zu allen revolutionären und sozialen Ueberschwengüchkciten erklärlich. Liberalismus, Sozialismus, später auch die kommunistische Bewegung wurden für sie zu Auspuff-ventilen, durch ' die sich der Ueberschuß des jüdischen Geistes an Energie, der in der jüdischen Gasse kein Betätigungsfeld fand, freie Balm schaffen konnte. ' * ' Der Zionismus wurde in den kritischesten Tagen unserer Geschichte geboren. Er schenkte uns den Gedanken der nationalen'Wiedergeiburt, proklamierte die Wiederherstellung des Jüdischen Staates in Palästina. Herzl gab damit der jüdischen Jugend'-eine unerschöpfliche Quelle liatio.naler Romanti k, welche nicht' nur die Kraft unserer Ideale von heute1 erhöhen, sondern auch die Begeisterung kommender Generationen immer wieder stärken Nur diese Schwedenklinge macht Rasieren zum Vergnügen und befruchten wird. Die Legende wurde geschaffen. Es hieß nur,'ihr Leben einzuhauchen, um die Helden hervorzubringen, in denen sich der'national Enthusiasmus, der ganze Ideenhunger der jüdischen Jugend konzentrieren konnte. Truwpeldor,. der einarmige Held, verwandelte die Sage in Wirklichkeit.' Et; vereinigte;in sich alle Elemente des jüdischen Heldenepos: ■ Mut, Geis*, Bescheidenheit und Selbstlosigkeit. Weit, im Norden .Palästinas liegt .sein Grab. Kehl Denkmal an. seiner letzten..•Ru||.stätig Jn:.Tel«-ChaJ.. Nur ein Haufen Steine.'vVielleioh-tdpj|un^tieTt;'^cA,auch darin;die Symbolik seines' Lebens, .Sch'affehs und TodC-s. truropefdor ist nicht '/allein.-; Am anderen Ende des-Land es, auf den Bergen von Ephraim.; blinken". weiße Grabsteine; — die Denkmäler j ü'd i s ch;e.r L'e g i o.n ä r e. .Sie kämpften für ihre Heimat und zahlten mit ihrem Leben. Achtzehn Jahrhunderte naoh' Bar^Koohiba haben die Juden das Recht bekommen, 'für ihr Vaterland, zu st.erbep! Lange, sehr lange mußten sie darauf warten.' ^pOO'^üdisphe - Legionäre, unter blau-weißen Fahnen, mit dem "Zeichen. der Menorah geschmückt, eroberten sich', . unter\ hebräischem /Kommaiüdo, das Recht auf das jüdische ■ Palästi|ia. ' . . '. Den Legionen " folgte." .dfie";:;';Äf!mee,'-d'er- Chaluzini.' Sie SFimniTOTUitTniiii BiHiwimmw mm Das Lastauto auf 3 Rädern jModell V für 300 kg Nutzlast 20 Raten & S 225.« ohne Anzahlung | Warenumsatzstieuer, Zinsen und Versicherung I inbegriffen Komplett ausgerüstet, elektrisches Licht „KRAUSECO" - „MONO* | Wien I, Parkring 20 - Telephon R-24-1-46 <i i erbauten Städte, trockneten Sümpfe aus, legten neue'Wege an und bebauten den Böden. Der grausamen Romantik'des Krieges folgte der friedliche Idealismus der Arbeit.- Und diese beiden neuen Triebkräfte in der Geschichte Israels sind eng mit dem Namen Tnimpeldor verbunden. ,;W*r müssen eine Generation schaffen ohne eigene. Interessen, ohne Gewohnheiten; alles für Palästina. Ein Stück schmiedbares 3\scn, ein Metall, ans dem man verschiedene Teile der nationalen Maschine herausarbeiten kann. Fehlt ein Rad? loh bin ein Radi Ich bin ein Nagel, ehi Riegel, alles — nehmt midi! Braucht man Arbeiter? Ich bin Arbeiter. Muß man sefoießen? Ich bin Soldat. Polizei, Arzt, Wasserträger — ich bin zu allem bereit. Ich habe kein Gesicht, keine Psychologie, keine Gefühle. Nicht einmal einen Namen habe ich., loh bin die reine Idee des .nationalen Dienstes, - bin bereit zu jedem Opfer. Ich kenne nur einen kategorisahen Imperativ; Bau en .'"*) So groß, so ideal stand vor Trum>peJd<or der Gedanke des „Heohaluz". Er glaubte an die Kraft des Volkes, war fest überzeugt, daß die Jugend seinem Ruj folgen werde. So schuf er in Rußland die ersten Zellen:der Chakz-'Bewegung. Der Bolschewismus zwang-ihn . zurück nach Palästiua.-Dort wirkte er Ayieder als eihfaoher Arbeiter; Die Nordkoloniehsind von den Arabern bedrdht. Trumpeldor eilt, Hilfe zu leisten. Hier fipdet er seinen Tod. Eine tückische Kugel -bereitet diesemreineu, aufopferungs- 'vollen, nur dem Wohle «ei«es Volkes gewidmeten Leben ein jähes Ende. Wie absurd, pathetisch fremd tönen seine Worte in •unserem merkantilis'tisoh-.krit"ischen Jatortondept! In <dkv Zeit des alles nivellierenden Materialisnu^'.i^t es lächerlich, bestenfalls naiv, - über solche kmdiiohe Romantik m sprechen. Aber die Romantik von gestern ist der Alltag von heute/ Politische Ideale der Vergangenheit verwirklichen sich und werden.- AHiag-sgescbicbte. :SeW?st der Zionismus,' vor zwei Dezennien noch die Vision weniger Enthusiasten, ist jetzt zur - Prosa des/- Alltags heru#er^edrücikt. Die Ro- *) Jabotinsky, Das Epos vom Regiment; S. 89. Das Judenghetto im päpstlichen Rom. Von Ferdinand Gregorovius*) (1853). (Fortsetzung.) Alber ka,um war sein Edikt erlassen, als Sixtus V. es wieder umstieß uud in den Ghetto einen Schimmer von Menschlichkeit fallen ließ. Dieser große Papst, der Erneuerer Roms, dessen Andenken fast jede Straße ins Gedächtnis ruft, fühlte Erbarmen mit dem Volk Israel; er erließ im Jahre 1586 die Bulle Christlana pietas infelicem Hebraeorum statum commiseraus, worin er die früheren Privilegien der Juden erneuerte. Er gestattete ihnen, frei im römischen Staat zu wohnen, das heißt in den gemauerten Orten, den Städten und Kastellen. Er erlaubte ihnen, jedes Gewerbe zu treiben, außer dem Weinschank, dem Gctreide- und dem Fleischhandel. Er gestattete ihnen den freien Verkehr mit den Christen, so daß sie selbst christlicher Dienste sich bedienen durften, ohne jedoch christliche Dienstboten zu halten.. Er sorgte für größere Bequemlichkeit ihrer Wohnungen; er bewilligte ihnen soviel Schulen und Synagogen, als sie deren bedurften; er erlaubte die Anlegung von hebräischen Bibliotheken. Er untersagte es, die Juden an ihren Festtagen vor Gericht zu laden; er schaffte das Judaszeichen ab; er verbot, Judenkinder mit Gewalt zu taufen oder reisende Juden mit außerordentlichen Wege- .lasten zu plagen. Er setzte deu Tribut auf ein geringes Kopfgeld herab, außer den Gebühren, die er ihnen für die karnevalischen Palli-i zu zahlen auferlegte. So gab Sixtus der Welt das Beispiel eines christlichen Papstes und segnete sein Anden'ken für alle Zukunft, so daß, was er für die Juden aus eigener Großmut tat, ein bleibender Ruhm seines Namens ist» Bier also, hatten die Hebräer einmal einen glücklichen Griff in die Tombola getan; aber weil der Papst- *) Siehe „Neue Welt", Nr, 77, 78 und 79. Wechsel ein .Lotteriespiel war,konnte das. Blatt - plötzlich umschlagen. Und' so/geschah.! es'aüchj denn wenige Jahre nach dem Tode Sixtus'!V.. habi Klemens' VIII. Aldobraudini alle jene liberalen! Verordnuuge'n . auf; er. erneuerte das Edikt Garaffas und stieß die Juden iii Trostlosigkeit zurück. In diesem Elend blieben sie nicht allein das 17. Jahrhundert hindurch, sondern es steiigerte sich noch im 18. durch die Edikte Klemens XL und Innozenz4 XIII. Dieser verbot den Juden jedes -Geschäft;aüßer dem' Handel .mit alten Tüchern, Lappen und. altem Eisen, was man Stracci ferracci nannte, und erst; Benedikt XIV. .gestattete Ihnen im Jahre 1740 auch den Handel ' mit : neuen Tuchwaren, welchen die Juden denn, auch beute eifrig -betreiben. Man sah sie also bis auf diese'Zeit mit alten Sachen hausieren gehen, und in den Straßen hörte, man sie Hep! rufen, womit sie .sich ankündigten und. zum Kauf Ihres Bettels einluden. Noch heute hört man oft;in. allen Straßen Roms den melancholischen. Ruf des armen. Juden,' welcher mit einem Sack auf der Schulter daherkommt und sein Robbe ve! (röbba vecchia) ruft. , Das 17. Jahrhundert, wo. die Medici den Juden in Toskana so große Freibeiten gaben,. war vielleicht die drückendste Zeit, welche die'.Ghettobevö'l'keriing in Rom erlebt hat. Ich finde, in einer römischen: Schrift vom Jahre 1677 („Stato vero degli Ebrei jn Roma,. stamperia del Varese") die Angabe, daß die Judenzahl damals sich auf 4500 Menschen belief; darunter befanden sich 200 wohlhabende Fauiilien. Der. Verfasser sagt, daß der Ghetto im 16. Jahrhundert 4861 Scudl an Tribiit, aufzU'brtngen hatte, im 17. Jahrhundert aber nur 3207. Obgleich jene Schrift im höchsten Sinne judenfeiiidlich Ist,, wage ich doch nicht, sie durchweg der Lüge zu zeihen. Der Verfasser bemerkt, daß trotz der ewig wiederholten. Beschwerden der Juden der Ghetto reich sei, daß er nach E^zailung aller Lasten alle fünf Jahre 19.470 Scudi; zurücklege/; daß er überhaupt ein Vermögen von einer .Mj*Uo.h„besitze.5O^nc;Zwe4feI..gfb. es damals reiche Juden in Rom; unter den Hehlern und Nökromanten des'Ghetto saßen die Wucherer und schar-ten Zins zu Zins. Kein Papst vermochte diese Bankgeschäfte 'zu unterdrücken; dipverschuldeten Notojli / schützten dj;e Juden, und während der Ghetto mit Scliinipf und Schmach 'bedeckt war, empfing: der römische Grpße, der Kardtua.l, ja der Papst selbst, dfn gelbbehuteten Wucherer mit,verbindlichen Schmeicheleien in. seinem Palast. Der Verfasser jener Schrift saig-t: 23S.0QP Scudi hätten sich die Juden von den Christen erwuchertj und es vergehe kein Abend, wo sie nicht mindestens 800 Scudi aus Ghristentaschen'durch die Tore des Ghetto in ihre Häuser schleppten. Das ■.unterdrückte Volk wußte mit allen Künsten Geld zu erschwijndeln' und dieser Wucher mußte dem Haß der Christen?immer 'neue Nahrung geben.'.- Johann von Capistrano hatte einst Eugen IV, eine Flotte angeboten', "die Juden samt und sonders aus/ Roin hinweffzuführen. '„Nun er tot ist." so sagt der Verfasser jener Schrift, „wäre es zu wünschen, daß er dem "Pappt Klemens IX. eine Flotte vom Himmel schickte, um alle diese Diebe aus Rom zu schaffen." Die jüdischen. Rb't'h- Schilde nahmen dama'ls in der Regel 18 Prozent. So ist bis auf den heutigen Tag jüdisches Geld eine rächende Macht geblieben; auch der heutige Ghetto leiht auf .Zinsen. Um Geld und Erwerb dreht sich hier alles, und wie sollte es'auch anders sein? Als ich eines Tages durch die Straße des Ghetto ging, rief mir ein elendes Judenweib, welches an Lumpen näbt&'^ach: „Herr, was befehlen Sie?" Die Geistesgegenwart diVses Weibes zu prüfen, drehte ich mich augenblicklich zu ihr um und rief: ,,Füiif Millionen!" hierauf sagte das Weib augenblicklich: „Gut, Herr, vier für.mich und eine ist für Euch l" Mit Strenge hielt man im 18. Jahrhundert darauf, daß die Juden an bestimmten Tagen, christlichen Be.- keihrungspredigten beiwohnten. Schon Gregor XIII. (1572) ■hatte die Verordnung erlassen, sie sollten jede Woche eine •Predigt anhören. Elp Jude selbst hatte diesen Brauch ein-