Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 79 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nr. 79 Spanns Stellung zum Judentum. Von Dr. Leo Rappoport. Mit Bezug auf den in der „Neuen Welt" vom 15. März 1929 abgedruckten Brief der Frau Prof. Spann möchte ich als Zionist folgendes bemerken: Vor allem sei nochmals festgestellt, daß — was die wissenschaftlichen Anschauungen Spanns betrifft — sich in seinen Werken und Lehrbüchern nirgends eine antisemitische Stellungnahme findet. Das einzige Mal, daß er zum Beispiel in seiner „Gesell seh af t sie h r e" die Juden erwähnt, ist ein Satz in seiner Abhandlung über das Wesen des Volkstums (S. 471), wo er den Aufbau Pal ä s ti n a s durch die Zionisten als Beginn des Entstehens neuen, echten jüdischen Volkstums bezeichnet. Auch die Grundthesen der Rassentheorie lehnt er (S. 18) ausdrücklich ab. In seinem heute überall verbreiteten Lehrbuch der „H a ü p t th c orien der Volkswirtschaftslehre" folgt auf eine Kritik Marxens eine überaus lobende und anerkennende Würdigung der Persönlichkeit Lassalles. Daß Spann in wirtschaftlicher und soziologischer Hinsicht gegen Liberalismus und Marxismus, in der Philosophie gegen den Neu-Kantianismus auftritt, hat mit Antisemitismus nichts zu tun. Tis blieb leider erst den jüdischen Anti-Spanu-Polemiken vorbehalten, die sonst schärfstens abgelehnte Identifikation von Liberalismus oder Sozialismus mit Judentum zu statuieren — eine Identifikation, die Spann selbst nicht vorgenommen hat. Gerade wir Zionisten können doch kein Interesse daran haben, das Judentum auf irgend eine der heute bestehenden Richtungen der Soziologie oder Philosophie endgültig festzulegen, nur aus dem Grunde, weil sie etwa von Juden begründet oder führend vertreten werden. , Ich gestehe, daß ich mich voll und ganz zu Spanns wirtsebarts- und gesellschaftstheoretischen Lehren bekenne, die heute das einzige geschlossene System sind, das dem Marxismus gegenübergestellt werden kann. Und gerade als Zionist, der schon durch viele Jahre in verschiedenen zionistischen Jugendbündeii mitgearbeitet hat und ihre Entwicklung, verfolgen konnte, kann ich nur aufrichtig und dringend wünschen, daß gegenüber der die gesamtejüdische Jugend allmählich verschlingenden Hydra des Sozialismus •die Werke und Gedanken Spanns gerade in zionistischen Kreisen mehr . p o si t i v e B ea c htung und größere -Verbreitung finden möchten. Die Anzweifelung der wissenschaftlichen Bedeutung Spanns —.die auf mich immer den Eiudruch macht, als habe: der Betreffende nie je auch nur eines seiner grundlegenden Werke auf dem Gebiete der Soziologie, Nationalökonomie oder Philosophie in der Hand gehabt — ist ein Kämpf gegen Windmühlen, da man objektive Leistungen nicht verkleinern kann und darf, selbst wenn einem die private politische Einstellung nicht passen sollte. Ein derartiges Kriterium für die Beurteilung künstlerischer' oder wissenschaftlicher Leistungen können wir ruhig, wie bisher, den Hakenkreuzlern überlassen. ■ Daß sich unter seinen Anhängern zum großen Teil auch Hakenkreuzler finden, die ihr Deutschtum nur in rüdestem Radäuantisemitismuis betätigen zu können glauben, ist nicht auf seine Lehre zurückzuführen. Während der ganzen Dauer meines Studiums (1924 bis 1928) habe ich in den Vorlesungen Prof. Spanns niemals eine Bemerkung über Juden Und Judentum überhaupt, geschweige denn eine anfasehutische vernommen. '•-.V'K - jMasik ist das geeignetste Mittel, um' den ■Anforderungen, die der Kampf um den Leibensuntephalt an die angegriffeneu Nerven stellt, auszugleichen. Ein geeignetes' Mittel ist die Anschaffung einer SprecbmascWne, die es mit Hilfe der neuesten elektrisch aufgenommenen .Schallplatten ermöglicht, zu Hause jederzeit gesellschaftliche ■'Unterhaltungen zu finden. Sie sind nie mehr, allein, alle bekannten Musikgrößen und anerkannten Künstler sind bei Ihnen ständiger Gast, Sie haben Gelegenheit, dieselben zu jeder, Tages- und Nachtzeit zu hören oder sich bei Tanz und leichterer Unterhaltungsikunst zu amüsieren und neue Kräfte iür den Alltag zu sammeln. Aber; auch .als Erziehungs- und Unterrichtsmittel wird <fiese '-'wunderbare Erfindung oftmals Verwendung finden Rönnen- Geldmangel kann nicht der Grund sein, da das rhoderne Afozahiungssystem es jedermann leicht macht, sich eine. Sprech,thasobine zu beschaffen. Das Musik haus „Exzelsiorl Wien,!., Adlergasse 5. Tel. R23-4-90, IL, Kleine pfarrgasse 28. Tel. A 41-6-24, und Taborstraße-48, hat in seinen Schaufenstern und im Lokal, I„ Miergasse 9, eine für jedermann ohne Kaufzwang frei zugänglich,^- Schaustellung von nur erstklassigen Apparaten (jedes ,$tück. mit dem Kassapreis gezeichnet) arrangiert.?ählunfserleicbterungen von 12 bis 18 Monatsraten selbstverständlich.. Dasselbe hat an unsere Leser eine freundliche Einladung zürn Besuch ergehen lassen und ist bereit, die Vbrzüge und; Annehmlichkeiten der modernen Sprechrhasch|nen unverbindlichst vorzuführen. Wir sind fest überzeugt,- daß die Freude, die jeder Familie durch dieses Wunder menschlicher Erfindung bereitet werben kann, den geringen Betrag voll aufwiegt.' E Demnächst erscheint : F. BERNSTEIN: Vom Verfasser: „Der Antisemitismus als Gruppenerschejhung" Unerläßliche Lektüre für jeden Zionisten, der über alle'Strömungen innerhalb des Zionismus unterrichtet sein will Preis der Broschüre M. 1.30 (S 2.60; Bestellungen sind zu richten: Verlag „Die Neue Welt", Wien, IX., Universitätssiraße Nr. 6-3 AUS PALÄSTINA. Erleichterung der Einwanderung. Nach Verhandlungen der Zionistischen Exekutive in Palästina mit der Palästina-Regierung hat die Regierung soeben eine Entscheidung getroffen, die für die Palästiiiaelnwanderung von wesentlicher Bedeutung ist. Dieser Entscheidung gemäß dürfen Handwerker nach Palästina einwandern, wenn sie sich über einen Besitz von 250 Pfund ausweisen können. Andere Angehörige bestimmter Bcrufsklassen dürfen einwandern, wenn , sie sich über einen-Besitz von 500 Pfund ausweisen. Alle anderen Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in Palästina zu nehmen wünschen, erhalten die Einwanderungserlaubnis, Wenn sie sich über ein Vermögen von 1000 Pfund1 ausweisen können. Es wird eine Verfügungder Regierung über weitere Erleichterungen der Einwanderung in Palästina erwartet. Diese Regierungsverfügungeu stehen außerhalb des Rahmens der Chaluz-Einwanderung, deren. Kontingent im Einvernehmen zwischen Regierung und Zionistischer Exekutive festgesetzt wird, wobei ein Ausweis über irgend einen Besitz nicht in Frage köhtmi. Die Juden im heutigen Italien. Von Elteser Bea David, Der Faschismus istnicht, wfe manche glauben, eine katholische Bewegung, und seine!..Eutw5cklia?igbat, nichts Katholisches an sich, denn er isähe sonst' dem \Neo-Welfismus. des vergangenen Jahrhunderts: ähnlich uikl." hätte den Charakter einer neuen, selbkiebendcn und reVÖlutibttiiren Bewegung verloren. Man könnte, ihn.philpkatliolisch nennen — Und das ist er. befv:Pa^h'Jshitö,x eine* .spezifisch italienische Idee,, muß sich de*•'•'^athoM^'sniäis./'Mdlenen, um den neuen .Geist der italienischen Nation -zu gestalten. Er braucht Rom, jenes R6m.'für.'das „Christus.ein Römer" ist. und er braucht die gro.Be. 'uikl- .Kundlertjähr'iige" ÖFgätiisation äer Kirche, um sein 2lelr;zu errelchetl und seine Idee jffllMllM BUälMSCHEINS nfcj Unerreicht in Qualität und Preist Erzeugt unter streng nHuellerÄufsifcbt.Seiher EhrWürden des'Herrn Oberräbbiii'ers S.- F ft. r s t '' der! ta keinem jUdJschert Haushfiit «©hten ,: ' ncs ^7-Ws. .•;v'". 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Vereinigung der imperialistischen und welfiscb?n Aütfassung zu tun, die in der Gesc^iobte vollkonimeh neu ist,'denn, sie' wurde geschaffen ,nicht zum Wohle,'y<m Institutionen -oder1 Individuen, sondern einzig und allein im Interesse der gesamten Nation;. ' . :- .' |)je italienischen Juden (mehr als 40.000).' ■■ tteu an allen Traditionen festhaltend, > haben in allen Kämpfen 'im die;, Befreiung Italiens, den. letzten Krieg mit Inbegriffep, eifj'e wichtige Rolle gespielt. Sie haben die Geburt und Ent- Wicklung des Faschismus mit Interesse, und 'Sympathie^ vcriqlgt, frei von jeder Sorge über die Möglichkeit des Ausbruch«'« , einer antisemitischen Strömung. Die - einzige etwas . an^seihitische Partei Italiens war die nationaHstische Partei, die sich bis zurn Augenblick; des Anmarsches gegen Rom dem Faschismus nicht anschloß. '■ . Als", aber die, Faschisten pur Regierung kernen und ihre Bereitwilligkeit, mit dem Vatikan zusanmieuzuarpeiteh, erklärten, schien das Judentum die" Sympathien der Reglerunsiskreuie verloren zu haben. Der Aussclilüß der lätfe/v aus dem Kabinett und / aüs der Regierungsmehrheit - bestätigte'dies genügend. ■ , '•'.-, Die. taschisUsch-radikale Reform des Unterrichisnjvinisters G-e.n t i 1 i bezog sich auf die freien, jahrhunderte alten Schulen, die plötzlich In Ronfessionelle Anstalten mit katholischer Tendenz umgewandelt wurden, und ließ an eljien sieh entwickelnden Antisemitismus glauben. Aber b£ld .zeigte es sich, daß es nur um eine augenblickliche Reaktion gehe. Die. in gewisser Hinsicht gute Folge ■ dieser Sifömung war das wachsende Interesse der Juden für das Sfoftwir»-dei'Hebräischen. Ais» Minister Genfcili der jüdisohSn Delisatl.ofli ^le über das in einer Koiiiessianalisierung der ^«ffftfrtwmififtmriiiiimitinnniitiimmmffitnmrtnitifmiimmrfTr^ *mimimmit. ftnmt i MWiumrf t mtnftmftnrmmrtrmitmTirm^ SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUERE1 Zentrale IX., Berggasse 19, Telephon 17-3-99 u. 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten Abteilungen für "^«Fleisch wmmammmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr.. Kultusgemeinde Wien Autozustellung kostenlos IX. Berggasse 15 / XVIII., Währlngentr. 97 |5n»mnmiutH?iinnnntinim«fimmmrtm(<fm«ffnnnitii>mmmnt»ittmBnm»mmimnH««ntini^ , nniiitmmmmimmnimrmnnHmHimiinmtitimnitmnnnntmttnmmnimmimmimnnmnim^ Schule liegende Präjudiz Beschwerde führte, antwortete: „Macht eure eigenen Schulen!" wies er den Weg, der gehen und am besten geeignet war, unser geistiges Erbe fortzuentwickeln. Anfänglich überraschte dies das italienische Judentum sehr, das seinem Vaterlande stets in großer Anhänglichkeit zugetan gewesen war. Besonders beschämend war es dann, vom politischen Leben der Nation ausgeschlossen zu sein. Man erklärte ihnen, sie ge* ihörten nicht der italienischen Rasse an. Das Ausland nahm an, Italien, das klassische Land der jüdischen Freiheit, sei. 'bereit, die Maßnahmen anderer weniger zivilisierter Staaten nachzuahmen und dem Antisemitismus das Tor m öffnen» der seit der Römerzeit unbekannt gewesen war. * Es muß gesagt werden, daß viele Anhäiiiger der katholischen Partei oder der ^nationalistischen Partei, die sioh dem Faschismus nunmehr anschloß, sich über die Symptome dieser Entwicklung freuten. Sie bemühten sich, das kleine Feuer des Antisemitismus in Brand zu halten. Typisch, wenn auch nicht neu, war die Propaganda, die geführt wurde, um das Volk glauben zu machen, das Fallen der Lira sei einem Manöver der jüdischen Finanz zu -danken. Und da sich auch unter den Führern der Opposition einige Juden befanden, wurden nicht nur die italienischen, sondern einfach alle Juden der Welt beschuldigt, antifaschistisch zu sein. Zeitungen und Broschüren, die van Zeit zu Zeit erschienen, verbreiteten verschiedene Geschichten und meist auch Steilen -aus den bekannten „Protbkollen der Weisen von Zion" und man schrieb viel vom Zusammenbruch des Zionis- •mu s. Wie schon oft, so wurden auch diesmal unter dem Deckmäntel des wissenschaftlichen Antisemitismus atye Haßbestände aufgefrischt, die, ehemais wngesetzilich.» jetjjt vom Gesetz begünstigt schienen. In der allgemeinen Tendenz, einen einheitlichen Block der italienischen Nation zu bilden, dachten auch viele an die Ausschließung der Juden vom öffentlichen Leben, d|ie die Ausfälle der Presse verurteilen. Fast alle vergaßeft, daß eine große Zahl von Juden ein größeres Anrecht'daraul hatte, .in Italien zu wohnen, als viele Italiener. Die Juden bewohnen die Halbinsel seit 'undenklichen Zeiten,-'"Während Italiener, oft aus den verschiedensten Völkern stammend, erst in neuerer Zeit nach Italien gekommen sind. Sie vergaßen den großen Anteil des Judentums au der Entwicklung des nationalen Lebens. Sie dachten nicht au den mate-. rielien und moralischen Schaden, den ein- Italien erleiden würde, das sich gegen die Juden eines Systems aus barbarischen. Zeiten bediente. . Die, Mißstimmung unter den Juden wurde in den Regie'rongskreisen bemerkt. Mussolini, der ein Staatsmann ist, ließ die Zeitungen sprechen, die erklärten, daß der. Faschismus keine antisemitische Politik vertrete. Aber;e'r unternahm, Schritte, um den antisemitischen. Manifestationen Grenzen zu setzen. Man begann. Juden mit der" Führung wichtiger und schwieriger Staatsangelegenheiten zu betrauen. Zwei jüdische Mitglieder befanden sich unter den achtzehn Splones, die beauftragt waren, die konstitutionelle „Charta" des Königreiches wiederherzustellen. O H vet ti, der Begründer der italienischen SchreibmaschinemndHstrie, ein Jude, wurde Vizepräsident des allgemeinen Indijstriellenvcrbandes, Prof. Giorgio del Vecchio Rektor der Universität Rom, Jung Mitglied der Genfer Kqmmissiojri, De Nola Generaldirektor der nationalen W'ktsohaftsba^. Die italienische Universität wurde fremden Studenten geöffnet, obwohl mau wußte, daß sich unter ihnen hauptsächlich Juden befinden würden, die auf der Flucht vor der Politik des Numerus clausus sind. Sie wuden in jeder Hinsicht begünstigt. Und mehrere .Imudert Juden (Rumänen, Ungarn, Polen;-, Palästinenser) :eicireuten sich wirklicher Gastfreundschaft in den italienischen Universitätsstädten, typisch ist ein Ereignis des Jahres 192*7« ITMAR « Nach ÄGYPTEN und PALÄSTINA a mit den Luxusdampfern ii und „II M V V II 1 II u Rundfahrten Im MHt«lmeer Genua — Neapel — Sizilien — Aegypten — Palästma -- Syrien — Zypern — Konstantinopel Athen — Neapel — Marseille — Genua zu besonders ermäßigten Preisen Auskünfte: .Sitmar", I. Kärntnerrlng 18 (Ecke Schwaizenbergpjatz) Telephon U-45009 U£: im