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Die neue Welt · 1929-03-22 · Heft 79 (22.3.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 79 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. W DIE NEUE WELT Seite 7 I CAF£ I PRODUKTENBÖRSE Wien, II., Taborstraße 10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behag'ich durchwärmt 1 Rauch- und dunstfrei. Ausgezeichnet ventiliert Am Abend: Tieffpunkt der jüdischen Intelligenz und der Zionismen aller Richtungen sowie der jüdischakademischen Korporationen und Vereine flfhflinftl Zwei Prozent dar gesamten Abendlosung werden HUI1UII31 allmonatlich dem Keren-Kajemeth zugeführt. Von der Woche. Reinhardt, der Jud! Der Fall, daß sich gegen die Aufführung eines Theaterstückes ein Protest erhebt, gehört nicht zu den Seltenheiten; gar wenn es -darum geht, die Menschen vor einem Schaden sittlicher oder ethischreligiöser Natur zu bewahren. Immer wieder gibt es ,yKreise", die sich berufen fühlen, im Namen der Kultur zu sprechen oder gar, was; energischer aussieht, zu protestieren. „Ehen werden im Himmel geschlossen!" nennt Hasenclever, der deutsche revolutionäre Dichter von einst, eine Komödie, die in Deutschland ohne Aufwallen selbst der religiösesten Gemüter gespielt wurde, trotzdem darin Figuren auftreten, die der Sphäre der religiösen Welt (der liebe Gott, Petrus, Magdalena) angehören. Nichtsdestoweniger kann man begreifen, wenn gläubige Seelen hier bei uns in Oesterreich sich a priori sittlich und sichtlich empören und „Stellung nehmen". Selbstverständlich. Und noch selbstverständlicher, daß — wirf die Kate wie du willst — das in allen-Lagen menschlichen Lebens und Empörtseins so beliebte Wort Jud fällt. Wem gilt es diesmal? Vielleicht einem marxistischen Führer jüdischer Abstammung, der mit den Arbeiterbataillonen der Freidenker marschiert? Oder etwa einem nicht gerade arisch klingenden Namen, der Nacktkultur predigt? Oder gar einem, der an der Universität bei ehrlichem Studium betreten und daher hinausgeprüg&lt wird? Nein, diesmal geht es um einen Vertreter der europäischen, genau gesagt, deutschen Theaterkultur, •um den großen Regisseur Max Reinhardt. Was war Reinhardt bisher? Die „Reichspost", gewiss berufen, im Namen von hunderttausenden Katholiken Wiens zu sprechen, stellt mit großer Genugtuung, mit überschäumendem Lobesmund fest, Max Reinhardt habe die größte Achtung, ja Verehrung für die Gefühlswelt der katholischen Kirche an den Tag gelegt, indem sie an Salzburg erinnert, wo er, der Leiter der Festspiele, in „Jedermann", „Welttheater" und „Mirakel" bewunderungswürdige Beispiele seines' Einfühlungsvermögens gegeben habe. Der brave Reinhardt! Auf den Stufen des Salzburger Domes baute er Jahr um Jahr Denfkmäler für gläubige Seelen, weihrauchumgeben stand er da als Inszenierer einer Gefühlswelt, in der sich Gäste und Einheimische dankbar wohlfühlten. Und jetzt, was ist geschehen? Er fordert das gläubige Volk durch ein Machwerk heraus, er fordert damit auch den Kardinal Piffl heraus-, der erklärt, man könne „nicht ungestraft dieselben Gestalten in Mysterienspielen am Salztnirger Domplatz mit dem Stnhlenglanz des Göttlichen und dem Nimbus der Läuterung umgeben und sie hier als Spottfiguren in den Sumpf der Lächerlichkeit zerren". Und zum Schluß die Drohung: „Das wird sich auch an Reinhardt rächen." Aus dem braven Reinhardt ist ein böser Jwd geworden. Niemals wurde das Doppelspiel eines Allerweltsregisseurs krasser enthüllt als jetzt durch Kardinal Piffl. Dieser ernste und kluge Bischof ist aber zu seiner Erkenntnis zu spät gekommen, und sie trifft auch nicht den Juden Reinhardt, sondern den längst dem Judentum entfremdeten Nichtjuden Reinhardt, der eben aus seiner Assimilantenseele heraus — bei allen Hochzeiten dabei sein will. Der kluge Bischof hätte ebenso recht, seinen Bannstrahl gegen den entjudeten Juden Castiglioni zu senden, der sich durch sein Mäzenatentum in die katholischen Belange einmischt,' wenn er die Salzburger Festspiele und das Morzarteum („Juden ist der Eintritt verboten!" lautet jetzt dort die freundliche Einladung) und Denkmäler christlicher Kunst mit seiner vollen Brieftasche —• hier stinkt sein Geld nicht — rettet. STRENG Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwttrden des Rabbiners M. Mayersohn o^aieb-^"» Kinr r ■YrnD ooucdii iwjn w nw nnawn nnn •jni no mjn ts« ,wbv irwivwD tnd Täglich frische und eistklassige Spezial-Erzeugnisse feinster Wuistiu. Selchwaren. — Provinzversand WILHELM PETYAN, SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., Klosterneuburgerstraße 60 Telephon A-4-3-I-59 Die weltberühmten und be vorxugleilen Amerikanischen ANISCH Gries |iiiiiiiiiiiriiiiiiiiiii!tiimiiiiiii!iiiiimiiiiiii| 1 n^»Tsnu^;Nö 1 Fßi FW© I Miiiiiiiiiiiiiiitiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiii sind bereits eingetroffen und in allen besseren Lebensmittelgeschäften erhältlich Eine Spezialität sind die neu eingeführten Matso-Crackers, eine besondere Freude für die Kinder Manischewifz Matzos Vertrieb Wien, II.. Fugbachgasse 24 Tel. Nr. R 23 9 32 u. R-48-0-82 Filiale: Ig Frost, IL, Haidgasse 9, Tel. A-41-8-64 Einstein und die Wiener Presse, Der große Name Albert Einsteins zwang auch die abgebrühtesten Federn in seinen Bann. Die Zeitungswelt weit und breit, in allen Zonen und Zungen, ließ es sich nicht nehmen, an seinem 50. Geburtstag mit Würdigungen zur Stelle zu sein. Wien blieb nicht zurück. Im liberalen Blätterwald rauschte es von dem Manne, dessen Forschungen eine Umwälzung hervorgebracht haben, und auch Züge des Privatmannes wurden gezeichnet: sein Heim, seine Frau — und sehr viel wußten sie auch von seiner Fiedel zu erzählen. Und aus dem Wust der Stimmen klang eine, die mit Schmerz feststellte, daß Einsteins Geburtstag Geld aus dem Land führe, heimisches Geld für Palästina, wo ein Einstein-Wald errichtet werde, und eine andere — in der Wiener „Arbeiter-Zeitung" — wußte von Einstein, dem Menschen, zot erzählen, daß II. Taborstraße 8T@E. R-42-3- Täglich Uraufführung des großen Joe-May-Filmes der Erich-Pommer- Produktion der „Ufa" mit Gustav Fröhlich, Betty Amann, Hans Adalbert Schlettow und Alb. Steinrüek Beginn: An Werktagen um %6, '/48 und 9 Uhr An Sonn- und Feiertagen V45 3/«6, Va9. 9 Uhr erjinks orientiert sei. Also ein Gesinnungsgenosse der österreichischen Sozialdemokratie. Es ist kein seltener Fall, daß irgend eine Partei, ,irgend eine Weltanschauung einen: großen Mann für sich reklamiert, allerdings meistens durch die Methode, ihm eine bestimmte Gesinnung zu unterschieben. Wäre Einstein nichts anderes als ein europäischer Mann der Wissenschaft, könnte man den Sinn seines Werkes politisch irgendwie interpretieren. Aljer Einstein hat oft genug erklärt, daß sein Herz, sein Innerstes der Wiederaüfrichtung des jüdischen Volkes in Palästina gehöre, d. h. er ist Zionist, aktiv wirkender Zionist. Das* ist die Konfession, die er abgelegt hat. Das ist eine Konfession, die keinerlei Deutung bedarf. Wenn die „Arbeiter-Zeitung" mit dem Wort „linksorientiert" sagen wollte, daß Einstein sich für die Schwachen und Gedrückten einsetze, hat sie recht. Aber diese seelische Einstellung politisch deuten wollen im Sinne der Sozialdemokratie, heißt Einsteins Humanitätsideal auf das Niveau eines platten Parteistandpunktes herabdrüeaken, heißt Einstein dort klein machen, wo er am größten ist: als nationaler Jude. ■ or. Große Werbeaktion der Ziorilsten Im X. Bezirk, Die Zionistische BezirksseMon Favoriten, die im Vorjahre sich ein eigenes Helm errichtet hat, geht letzt daran, .eine große zionistische Werbewaohe in ihrem Bezirk durchzuführen. Diese Woche umfaßt eine S a m m 1 u n g f ii r d e n K e r e u Kajemeth in der Zeit vom 24. März bis 2. April. Am Sonntag, den 24. März veranstaltet die Sektion in Hoffmanns Rosensälen, X., Favoritenstraße 89, eine Kinder- P u r i m f e i e r- Arn Mittwoch, den 27. März, 10 Uhr abends, wird der neue Paläst-ina-Film im Gi:drim!klno aufgeführt. Ferner werden die Gesinnungsgenossen einen Mitgliederdrive veranstalten, um neue Mitglieder für die Sektion zu werben. Im Anschluß an diese Werbewoche wird dann 'im April die gesamte Arbeit auf die Keren Hajessocr- Aktion kon'zemtriert werden._ Ein günstiges Urteil Uber Fucabohnen. Wir entnehmen einem Artikel der „Medizinischen und pharmazeutischen Rundschau", W'icn, Nr. ö6, betitelt: „Entfettungskuren mit pflanzlichen Entfettungsmitteln", von Sanitätsrat Dr. Silberstein, Berlin, worin der Verfasser die bekannten Fucabohnen, welche nur pflanzliche Extraktivstoffe enthalten, als ein wirklich unschädliches und gut wirkendes Entfettungsrnlttel wertet. Sie sind, wie verläßliche Analysen ergeben haben, vollkommen frei von Schilddrüsen-Substanzen und kann deren Verordnung von ärztlicher Seite durchaus befürwortet werden. E Von jüdischen Geistesmensehen. Das Leben und die Lehre Spinozas ist der gerade Gegensatz alles Egoismus im weitesten Sinne. „Alle Vorurteile" erkannte er, „hängen von dem einen ab, daß die Menschen sich als Mittelpunkt des Weltganzen betrachten und alles nur mit Rücksicht auf sie gestellt wissen wollen'4.' (B. A u e r b a c h. In der Vorrede zu Spinozas Werken.) Die Grundlage des praktischen Pantheismus ist die Befestigung und Ausbildung des intellektuellen' Charakters, die Erhebung und Läuterung der endlichen Persönlichkeit als solcher zur unendlichen, die Regulierung des Einzelnen, Endlichen nach und nach zu dem Allgemeinen, Ewigen und Vernünftigen; die Grundbedingung des moralisch intellektuellen Charakters ist Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit, Befreiung von aller selbsttrügerischen Sophistik, die das Unhcilige, wie das bloß Subjektive, Endliche, gerne für das Heilige, Objektive und Unendliche ausgibt. Spinoza. Asphalt. Am Montau, den 18. d. fand die Premiere des diritten großen Joe May-Films der Erich, Pommer, Produktion der Ufa, „Asphalt", im Centrail-Kino, Wien, II., Talbors traue 8, statt. Fabelhafte Technik, gepaart mit meisterhafter Regie des genialen Regisseurs Joe May, d,ü30 Hauptdarsteller:;der forsche junge Schupo Gustav Frö'hlichs, die verführerisch schöne Diebin der Betty Amann und die übrige Besetzung mit Künstlern von Namen, wie Schiletow, Steinrück tt-a. m., erheben das Stück zu einem Meisterwerk der deutschen Filmkunst, dem auch Wien die gebührende Anerkennung nicht versagen wird. Dieser Film wird lange Zelt in den Urauififührung-Kinos,. „Central", IL, Taborstraße 8, und „Maria Theresien", VtL, MariahHiferstraße 70, am Programm bleiben. . S«, B. Was sind Manische witz Mntzos Crakers? Eine Ueberraschung nidit nur füv Kinder, sondern für jeden Feinschmecker in wunderschöner Packung zu 33 Stüde, sind diese kleinen Matzos von besonderem Feingeschmack. Aber nicht nur eine Delikatesse für klein., und groß, sind Manischewitz Matzos und Matzos Crakers wegen ihrer Bekömmlichkeit auch äußerst vorteilhaft für den Magen. E Creppella ist Trumpf! Billigst und in denneuesten Modefarben sotwie in reichster Auswahl kaufen Sie im „Tuchihaus zum Hirschen", II., Taborstraße 17 B._ Wochen-Kalender | März 3 1929 O -H« t3"öin Adar II. 5689 1 1 22 5 Freitag 10-" Sabbateingang 610 23 I Samstag 11-*r Sabbatausgang 6-49 lüT ntnö nwas n "idn na mason 24 Sonntag 12- 25 Montag 13-r -lnoN rrayn 26 Dienstag 14-t oniD 27 Mittwoch 15-itD ' onw |»w 28 Donnerstag 16~ftD /

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