Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 79 (22.3.1929)
- Date
- 1929-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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■ aeits s die mm mir Nr. 79 FALTEN? RUNZELN? Ein Zeichen des Alters Zur leichteren Behandlung dieser neue MEM- Qes chtsroller GRATIS bei Ankauf einer ZWMLLINO - PACKUNG MAVAMI . CRIMfi 1 Tube „Schon tf ocken'-Creme und /Q Q on\ 1 Tube „Mayamtaachf-Coldcream W Ueberau erhftltUch I Alleinverkauf für den 1. Bezirkt I. Gräben 17 (ft'E'ltlAYER Lobkowltzplatz 1 Prominente. Von Dr. Fritz Loewensteln, Jerusalem. In der vorigen Woche hatten wir in Jerusalem Gelegenheit, einen alten Freund Palästina und," was seltene* "ist, einen wirklichen warmherzigen Freund d£s Zionismus begrüßen zu können: Sir Gilbert Clayton, der als einer der ganz wenigen hohen englischen Beamten in der ganzen Zeit seiner Wirksamkeit in Palästina und nachher bewiesen hat," daß er unsere Sache von Grund auf verstellt und aufs ehrlichste gewillt ist, sie zu fördern. Jetzt ist Clayton zum High Commissioner des Irak ernannt worden, nachdem er bereits vorher durch die Verhandlungen mit Ibn Saud in Mekka wieder mit den Problemen des Vorderen Orients "in unmittelbaren Kontakt gekommen wtur. Qayto'n, der die Unbilden dieses europäischen Winters in reichstem Maße genqssen hat, indem er einige Tage in dem verschneiten' Orientexpreß an der türkischen Grenze zubringen mußte, bereitet sich auf sein neues Amt gründlich vor, indem er, bevor er nach Bagdad geht, in; Konstantinppel, Damaskus, Amman und Jerusalem persönlich Fühlung nimmt und sich orientiert. Es ist für Palästina gewiß erfreulich, in Bagdad einen so guten Freund an entscheidender Stelle . zu wissen. Daß Glayton-ein : großer Diplomat ist, bewies er in einem Journalistenempfang, wo er auf alle Fragen, die das Verhältnis ibn Sauds zum Irak, die Pipe-Line nach Haifas die Eisenbahn Haifa-^Bagdad etc., betrafen, mit unverwüstlicher Laune dieselben fröhlichen und nichtssagenden Antworten gab, ohne daß die Journalisten am Schlüsse verstimmt waren. Auch das ist eine Leistung. Milliardäre und ihre Söhne werden in unserer demokratischen Welt ja wohl, auch zu den Prominenten gerechnet,t und so soll hier John Rqckef eller jun.'s Besuch nicht unerwähnt bleiben. '.Rockefeiler .hat mit Palästina eine Verbindung, .die auch die 'Veranlassung zvt, seiiiem Besuche geworden ist: er hat vor einigen Jähren der jfegier.ung den .hübschen Betrag von zwei- .^UiÖnen Pöllar, geschenkt,,/"./.damit . sie. . . daygn ein archäologisches Museum bauen kann und Rockefeiler-„ Iches G.eld' hatzu'emem"'!gr^Ben"Teil die ahierikäni- Schen 'Ausgräbungeri jn Palästina ermöglicht, so ins- .be5öh4er.e in Megiddb im westlichen' Emek. Rockefellers blevo'rsfehender Besuch versetzte die Regierung in keine kleine Aufregung: Wie sollte Rockefeller nach Megiddo kommen, in eine Gegend, wo es keine Chausseen gibt und wo jedes Auto rettungslos in dem der Regenzeit entsprechenden Dreck stecken bleiben würdef Die Behauptung böswilliger Gegner, daß die Palästina-Regierung nur aus strategischen Gründen Straßen baut, wurde glänzend widerlegt: auch anläßlich des Besuches amerikanischer Milliardäre baut die Regierung Straßen, und so haben wir denn dem Besuche Rockefellers den Bau der Straße Haifa—Megiddo zu verdanken. Der Bau der Straße wurde mit solcher Beschleunigung durchgeführt, daß die Regierung sogar die Verwendung jüdischer Arbeiter nicht vermeiden konnte. Der von uns seit Jahren vergeblich geäußerte Wunsch nach Bau der Chaussee Haifa—Äfuleh—Beisan durch das jüdische Kolonisationsgebiet des Emek ist damit, Rockefeller sei Dank, zu einem Drittel erfüllt. Es wäre in Erwägung zu ziehen, ob man nicht eine andere Finanzgröße, etwa Morgan, veranlassen könnte, etwa die neuen Ausgrabungen in Beth Alpha zu besuchen, damit die Regierung die Straße weiterbaut. Freilich müßte auch Morgan dann eine anstähdige Spende machen. Um eine andere Berühmtheit zu nennen: Gustav Noske War hier. Nöske ist*ein alter Freund des Zio- III.MARXERGASSE 30-32 Telephon . ,0'OHSxö 7 u fv d '95-9- 38 •*' u -Fi \.\ a l e - VI.MAftlAHlLFERST&.*i9 ' Telppnon . 11 21 Verl.inqtn Sie Pros pek t &i 'iiiiiimuiuiiwiiiiiiuiiTO Wer gut unij billig speisen will, dar macht einen Versuch im RESTAURANT ROTH II., PratorstraBe 94 Menü: Suppe, Flusch, OemCse, Mehlspeise S1.95 Vorspeise, Sappe, Braten nach Wahl, Gemüse, Mehlspeise S 1.75 miamwma^^ nismus, er gehörte 'dem..;'Während des Krieges in Deutschland gegründeten ..Pro-Palästina-Komitee als Vertreter der söziardemökratischen Partei an und hatte damals gute Beziehungen mjt: den Kreisen, die im Zusammenhang mit den - „Sozialistischen Monatsheften' zionistische Probleme in sympathischer Weise behan-' delten. Er kam jetzt nach Palästina auf einer Mittelmeerkreuzfahrt "und zeigte sein altes Interesse, luflem er. si.ch der ausdrücklich als. „zionistisch" bezeichneten Gruppe des P^ales'tine . Lloyd anschlpß u^d so 'in kürzester, Zeit wenigstens einiges vom jüdischen Palästina: sah. Er Idslete^-;äübh''''e^et'-lEinladung --zu' "einem vom Zionistischen Inforniatiöhsbüro. 'yerähstälteten Empfang Folge und machte gern vön der Gelegenheit Gebrauch,; sich bei ' defr;besteh Kennern? ^unseres ^Kolonisätioris- ■ Werkes genauer .~aüv informieren. Nicht-itm.er.wähnt soll. bleiben,: daß der -revisionistische„Doar; Hajom.^fNoske einen begeisterten Begrüßungsartikel widmete,: da. der Redaktion Noske als ei»: Mann der r starken: Faust er-■ scliien. "Wir «weifein freilich,'- ob diese. Einschätzung: Noske so ganz;gerecht..-wird».. ., .' . Eine ganz ..andere Erscheinung :• als Woske; ist Mr, Baker/ „The inan of the; trees'• . - („der :Mann der Bäume"); Noske* ist ein breitschultriger Hüne.mit energischen Gesichtszügen; Mr. JJaker .-anacht< deft Eindruck eines .wohlgepflegten; englischej» Gentlemans; *Däbei ist er ein Mann, der von einer Idee besessen ist und für sie hingebungsvoll zu arbeiten versteht. Er war lange KOSTENLOS erhalten sie D&s Qlektrisctie Rad owunder auf 2 i age zur Probe AKKUMULATOR ANODENBATTERIE ANTENNE MIT EINGEBAUTEM, KLANGRCINEM LAUTSPRECHER Sie brauchen nns nur Ihre Stromart und Voltzahl . . . (UO oder 220) bekanntgeben. Beleuclitungshaus J. Jellinek & Söhne Wien, VI., Mar ah lferstr. Iß, Taleohon B-24-204 . ^^^■^^■nOBBHIMBnSHBSHHHHBBHBQtHHHIBBHHHHHHHaVIHIHW Jahre in der britischen Kenya-Kolonie und hat dort eine Organisation ,„the men of the trees" geschaffen. Das sind Leute, die sich verpflichten, die heimische Baumwelt zu lieben und zu pflegen und neue Bau m e zu pflanzen. Das Stimmrecht ist abhängig vom Nachweis,, daß man wenigstens einen Baum gepflanzt hat. Für unseren, mitteleuropäischen Geschmack muten ,die Statuten ein wenig komisch an: neben;den üblichen trockenen Bestimmungen über die Wahl des Vorstands und die Üöhe des Mitgliedsbeitrags gibt es dort einen Tendenzparagraphen, der die Baumliebe zu den heiligsten Gefühlen der Menschheit rechnet und d e n W e 11 f r i e d c. n von der Verbreitung dieses Gedankens abhängig sein läßt. Die Mitglieder. dieser Vereinigung tragen ein grünweißes Abzeichen, grün, wie Mr. Baker erklärte, weil es die Farbe der Bäume .ist, weiß, weil nur Menschen reinen Herzens Bäume wirklich lieben können. Man sieht, die Sache hat einen Anstrich etwa wie ein Schülerverein oder ein Backfischkränzchen. . Trotzdem ist das eine interessante und ernste Bewegung, die in: Kenya schon viel Gutes getan hat. In Palästina fand auf Initiative von Herrn Baker und unter Patronage der höchsten Beamtenschaft die Gründung einer Zweigvereinigung statt, der Araber und Juden Angehören; von jüdischer Seite Vertreter unserer mit Kolonisation und Aufforstung beschäftigten nationalen Institutionen., Hoffentlich wird es möglich sein, hier einmal Mittel von nichtjüdischer Seite aufzubringen, die es der Regierung ermöglichen werden, die so unumgänglich notwendige Aufgabe der Aufforstung iii einem schnelleren Tempo in Angriff zu;nehmen.vWas die gierung bisher getan hat, ist versieh w i n d e n d w.e^n ifg und was der Kerfen Kajemeth tün kann, ist es aüchi Mr. Baker wird viel für Palä- WIEN VII.,' KAISERSTRASSEE 123 IX.. A L S E! R STRASSE 6 •' FERNSPRECHER B-38-0-34 ■ Eine so prächtigeProzession in .hätöouaMtidlsühern Charakter' konnte wohl in Körfu gehalten werden, alber niemals in Rom. Eine , jüdische Prozession 'hätten außerdem die i^misohen Gassenjungen wahrscheinlich gesteinigt. Auch /tiüteteh1 sieh 'die Juden, Gold' und Silber sehen zu lassen,' umi erschienen sie im Aufzu'g vor den Päpsten, so trugen sie z«r Schau Armut und Bend, Anigst und Zittern und jammervolle Knecfotegöbärden. * ' War jtphren zu den SchlüksaJen der Jwden unter den Nktehfoiiger-n jenes Pa.uii II. zurück, weicher die Heibräsr o^ii Karneval zwerst rennen Heß; B^ld bedrückt .und bald erleiphte'rt, wie namentlich von Paul HI. Farnese, einem R^er,.verec^<mmerte;sich ihr Schicksal 'durch die GcigenreVorinat'Ioh,. b&sonders unter, der Regierung Pauils' IV, Dieser fanatische Neapolitaner aus dem Hause Caraffa, der Begründer der Marterkaimmern u«d der Zen^sur in Rom, ein zeflotischer'Inquisitor, war kaum auf den päpstlichen StuihV'getantgt, ä4s er im jähre 1555 die Bulle Cum nimlj absurdum erließ, welche die Ste-Huiig der römischen Judensohalt reg'el'te. Er widerrief aüle .Ihre früheren Privilegien; eiuntersagte Ihren Äerzten, Christen ~w beiha.ndeiln^ verbpt Wirten Gewe'jibe' und^ Handwerk, den Ankauif urtbeweglich«r Güter; er vermehrte ihre Tribute und Albgaben. Sel&st 4trj' Tite4 Dein,' welchen 'einzelne J«den' nach spanischer urid portuslesd^cher Sitte »ich beilegten, untersagte er.. Sie von den Christen «arte m spheiden, gebot er ihn«^ .sich nicht anders sehen iu lassen als Im gelben Hut und.mit geflifaem Schleier. „Denn",, so sagt die BuUe, „es; ist g^r w a4j"geschmaokt und uniifetrVliqh, daß die Juden, welche eigene Schuld in ewige .KnechtschaJft gestürzt hat, unt«r.' dem Vorwand, daß die ohrlstliche Barrrmerzigkelt sie audgeitonwien ha1>e, sich^ Frechheiten a-nniaßen, a4« mit Christen yermteoht w wohnen, kein Abweichen zu tragen, christliche Diener zu haben, ja sogar Häuser zu kaufen." . Endticb errichtet Paul IV. 4m J^ideru winger. Bis'auf.sein'e fe\t hatten die Hebräer. die wenn auch rnett anofe^roebeno *m Freiiieit^ üborall in Rom w I-wohhen; na-türilich wohnten sie selten Sh der Mitte "der: Stadt, noch unter '• Christen zerstreut, sondern sie hielten >;sich 'beieinainder in Trastevere nd an dem Fiußutfer bis^zur1 Brücke'Haidrians.-Nun wies ihnen der Papst haeh Art-der' Venetiäner edn strentgäfegesRerrtes Quartier ah; welches;wenlige enge u»nd-ungesunde..-St-raßen ummlttelbar'am Tiber 'umfaßte und 'von der Brücdce4 Quatt'ro' Capi ib'is zur Regola; rölchte.; Mauern oder• Tore;!sp|r'rte!n dies Jtfde'n^iertel. Man :nannte es zuerst Vicus Judai^ormri, dann kam der Name Ghetto daifijr auf, der wahrscheinlich aus ddm> talmudischen-;Wort Gliet gebildet ist, wekhes Albsonderutng heißt. Es :waram 26, Juli 1556, ails die H'ebröer Roms in diesen Ghetto 'zogen, weinend und seufzend wie ihre Vorfahren, da 'man) sie in die Gefangenschaft führte. So war ^,Paul IV. der grausame Pharao,- ', welcher sie all 'den Ueböln aussetate, die aus'Mangel'an ' Raum; ttüd aus der niederen' Läse der Wohriumgeri am Fluß entspringen mußten, und ddese UöbeJ Waren ein ganzes; Heer ägyptischer Plagen.' Als - der finstere Caraffa Im Jahre 1559 starb und das römische •"Vd'k seine: Wut an1 dem Toten auszulassen aufstand, das Haus der 'Inquisition plünderte und die Minerva, ,'das Kloster der Dömlnl'kanbr,' stürmte, sah man auch Juder?;'furchtsame Menschen, dies' sich an den Revolutionen ^Ibst zur Zeit 'des' Cola^- dl' Rle-nzo nie beteWigt hatten,1 aus Ihrem Zwinget hervor^ u kx>mimen und Ihrem Haß gegen Paul IV. Luft machen.'Ein' Jude dürft« es sogar wa^en, der Statue des :Papstes'4uf dem Kapltol den gelten Schal^hut aufetiseteeii; das' Volk' lachte, zertrtttrwnerte die Bildsäule und schleWte ihren K<>r>fn^t der Papstkron« durch den,Kot. - * Welchem Schicksale die, armen Juden nach Einführung der heuen Keteertrfbunale entgegengingen, :;mag man sich leicht vorstdlem Vieleverbrannte man auf dem Platz der Minerva oder dem Campo dei Fiori, wo die Auto dft 'f'H '«ehalten wurden. Es war die Zeit, da man ^jich Ölordano Bruno verbrannte. .' " ' . 1 In den Ghetto; eimsetschlöss.en, ware,n' dtfe Juden .'in fremdef Ei««ntwra ei»yezo«ed, D^tui dj« Häuser 4e» Vierteil ( gehörten Römern; auch, angesehene. Familien wohnten da» se*bst, wiedie BoccapadwH.• ^Aiisaiehend, bliebendiese Eigentümer, jene Mieter.' WeiJ sie aber für immer in jene Straßen «Ingesperrt 'wurden,- mußte sich ein dauerndes Mietverhältnas festsieilleri; denn ohne dasselbe konnte" sich für die Juden zweierlei :Not ereignen: Obdac'hlasiglceit, wenn es dem Eigentümer "einfiel, dem hebräischen 'Mieter zu' kündigen; unerträgliche VerschuJdung oder: Zahlungsunfähdgikeit, wenn er dafäuif verfiel, den Zins zu steigern. So entstand das Gesetz, welches verordnete: die Römer bleiben im Eigentum der ah die Juden vermi'ete'teh Wohnungen, aiber jene haben du'e Häuser in Eribpacht; niemals darf dem jüdischen Einwohner die Miete gekündigt werden, soibaild er den Zins» richtig zahlt; niemals darf der Zfris^er* höht werden; <ler Jude kann nach seinem Wällen das Häiis verändern oder erwelterh'. 5 ' . Man nennt dieses nocii heute bestehende Recht das Jus Gazizagä. Kraft .desselben ist der Jude iun Enbbesitz am 26. Juli 1556, als die Hebräer Roms > in diesen Ghetto andere verkaufen. -Noch heut Tages gilt es als eine köstliche Habe, im Besitz des Jus Gazzagä zu seint und hochgeprlesen wird. dast Ju'denmädchen, welches ihrem Bräutigam als Mitgift' ein solches Dokument aufzuweisen Imstande ist. . So Wurde 'durch dieses wohltätige Gesete dem Jaiden ein Dach gegeben, welches er gewissermaßen das seine nennen durfte' " 1 .Die Bulle Pauls. jy. he'Stätigte Pius'V. im Jahre 1566; er erließ strenge Verordnungen gegen das Herumsohwedfen der. Juden, welchen befohlen wurde, mit der Nacht im Ghetto sich wieder einzuflndeh, Denn nach Ave Maria schlössen sich, uneribittllch' die Tore des Zwingers,, und Strafe 'traf den. draußen Ergriipfenen, wenn es ihm nicht gelang, durch Geld die Wächter M .bestechen.^ Im Jahre 156Q untersagte derselbe'Papst den Juden, In anderen Städten des' Kirchenstaates \zk wohnen, als' in Roin und Ancona, da sie vordem auch' i;n Benev'ent und Ayignon geduldet waren, .t , .. . .. , ' ' : w 1.1.' .(Fortsetzung folgt.).