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Die neue Welt · 1929-03-22 · Heft 79 (22.3.1929) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 79 (22.3.1929)
Date
1929-03-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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r Seite 2 DIE NEUE WELT Nr.?9 | I n ha b e r t I Richard Herzog f., Adlttrgass« 5 Tal. R-23-4-90 II., Kl. Pfarrp. 28 Tel. A-41-6-24 alle ... 1 | Jüdischen o. nebrfllschen Scholipintten I j S o e b e n eing et r offen die neuen § Columbia 1 S ch l ä ge fr I ' •■' ■ - ••- . '» cm . « i « . s 6.-. Ans „Friederike": » O Mädchen, jnein Mätlohen. Liebe seliger; Traum; * Er Jst nar. BiarspJele?. Radeizky-Fox; '• : < ' - ■ Kennst dfc. das kleine Haus am Mlcüfeahs'ee? ' Wenn de£.;VeiBe Flieder blüht. Trink,'trink, BrOderlcin trink. ' Mascha (Bubliczkl). Ans „Hochzeit t« Hollywood": Jtn Schönbrunnerpark. Sei lieb zu mir, sei-neit in mir. In Paris, bei der Uhr der Madelaine. Casanova, ich liebe dich. Mein Engel« (Angela Mia). Mascha (Bübüczki).;. : . . , . .'■ ,! . . ..- . -.:,•-..,,,,-.{/.:. ...w . - 'g Eine ncu^•.v•^tt<ß)|«n-Pfafte•': "fcbses" :«\Yesferday.' SP* °.ut Mt-under; the. JÄooni-. -Jeannirte,-1 .-dream of Lllac Time. Grleving,v-Uytör;.|iiia 'Johnstone." ' ••. Itt-j «he EveiiWi .Ghlqlilts. The Toy. To'wn Artitlery'. ' v' in old Vjetjna;r MissjS8jppi Meiody.- -Angela-,Mia. (Mein Eniel). Dolores. - Au»8ChllelBltcji elektrische- Aufrahmen, vollendet in der Wledergabel Sedanfeier oder Karneval?; Eine Purimbetrachtung von Dr. Paul J. Diamant. Einhellig zustimmend. und klar bejahend steht das jüdische Volk zu allen seinen" Festen; nur Purim, das Losfest, macht eine Ausnahme. Theolögen, Sprachforscher und Archäologen streiten sich, was früher da War, das' Buch Esther oder das Purimf est. Feiert man *?£s?es* weSen der Ereignisse, die im Buch geschildert sind, oder wurde das Buch geschrieben, um das Fest ztt vierkliiren?: Haben die Juden außerhalb .Palästinas; persischen . Brauch und f remde' Sage, übernommen, die später ^un^qj^ände^ neuer j£rkipüngnüi>'rX. Ausdeutung beclurfienf Fast 'sdieinf, es:. so'.1 E»ä's alte vorexilische Judentum kannte &$s\?tä'%iMi und"; die^Naineii Mardechai und Esther 'klingen fi-e'ind und nicht hebräisch, haben eine verdächtige Aehnlichkeit' mit Marduk und Ischtar, .Gestalten der babylonisch-peTsischen Astral* mythologie, 200 Jahre nach der Rückkehr aus Babylon dürfte das Buch Esther, entstanden sein, wenige Generationen später wurde, wie das Makkabäer-Buch bezeugt, der Mardechai-Tag. bereits allgemein gefeiert. J?sephus Flavius - berichtet. schon' genauer j „...und die. Juden der ganzen bewohnten Erde feiern diese Tage, indem sie sich gegenseitig Speisen zum Geschenke machen". v'.Tfptz .dieser, scheinbar, allgemeinen. Anerkennung gab es , schon im. antiken Judentum, Abneigung gegen das. Fest und Opposition gegen das Buch. Als unsere Weisen darangingen, die nationale Literatur zu sichten, das Wertvolle zu heiligen und zu kanonisieren, als sie das Buch Judith aus gutem Geschmack, die Novelle von der Susanna im Bade wohl aus Prüderie, die Makkabäer-Bücher aus politischer Tendenz verwarfen und für apokryph erklärten, da wurde die Frage lebhaft erörtert, ob das Buch Esther mancher anfechtbarer Stellen und Meinungen wegen bestehen könne, ob es nicht gewogen und zu leicht befunden werde. Wie.ehrt doch dieser Zweifel unsere Vorfahren! Gottes Name wird in dem Buche nicht ein einziges Mal erwähnt, die Rettung der Juden wird durch eine Konkubine im Harem des persischen Großsultans bewirkt. Er selbst, König Ähasverus, ein kläglicher Schwächling, der sein Weib mordete seiner Freunde wegen und den Freund töten ließ um eines Weibes willen. Verdient Esther ein Vorbild genannt zu werden in Jissrael, sie, „die nicht angezeigt hatte ihre Herkunft •und ihr-Volk"? Ist es mit der; Ethik der Propheten zu vereinen, die spät, aber gründlich genossene Rache an den Araalekitern, die Siegesfeier und der Jubel im Angesicht, von 76.000 erschlagenen. Menschen? Konnte dag Volk der Zehn Gebote, das Menschenleben so hoch •achtete,, ein solches Buch vorbildlich,, ein solches Fest feiernswert halten? . y Daeh wie immer dem. sei, (las Buch wurde > kanonisiert, das Fest, so wie es fiel» .gefeiert, sicherlich deshalb, weil man das. Buch Esther bloß als.Roman nahm und vielleicht doch auch "in Erinnerung an den astral-mythologischen Ursprung des .Festes, das ja eigentlich nichts zu tun hatte mit den Juden und den „Völkern", sondern mit. der allmcnschlidien, oft erzählten und vielfach ' variierten Darstellung des Kampfes zwischen Winter und Frühling, de'm 'Feste der Jahreswende, an dem durch Lose, durch Purim, das Schicksal der Menschen fürs kommende Jahr bestimmt wurde. Die Lebende des IVlidrasch selbst, die sich üppig um das Buch Esther rankt, gibt einen Beweis dafür, da sie Haman, der das zu Ende gehende Jähr darstellt, 365 Ratgeber beigibt, die den Tagen des Sonnen Jahres entsprechen. : Das .Buch Esther, /das nichts tvom, Erdgeruch Palästinas an sich hat, das" die Juden in der Zerstreuung schildert, wurde von den Juden als ein Teil ihrer Heiligen Sclirift in die Diaspora mitgenommen. Wurde dieses ' Buch,. das von drohender Verfolgung und. von süßer Rache spricht, das*"so trefflich zum Abreagieren bögreiflicher1 Vergeltungsgelüste hätte dienen können, eigentlich ernst genommen? NeinI Manches läßt darauf schließen, daß das Volk es allzu leicht nahm; ausdrücklich mußte erst verordnet werden, daß zum Schreiben der Esther-Rolle dieselbe; minutiöse Sorgfalt wie zum *-■'■'-..-• .-. ■"- v#v*. Schreiben der Thorarolle verwendet werden müsse.' Die Rabbinen mußten im Mittelalter zulassen, daß man die Geschichte der „Königin,"•• Esther in der . spanischen und griechischen Landessprachein den Synagogen vorlös.yeine. degradierende Lässigkeit, die man sich keinem anderen Buche der Bibel gegenüber gestattete. Wurde in der Leidenszeit, in. der nian so oft Üeberwindung der Feinde herbeigewünscht/h^ben mag, das Purimfest.ein Tag, der der Sedans-Feier gleich einen Triumph über yergtihg'erie Feinde." vei'evftgen .wollte? Neinf Wie; hoqh. standen unsere Vorfähfcfen .selbst in den schwersten; Zjeijteh';;ffe# Erhiedriguhg':l.der* Verfdlgu^g. Sie h a b e n" *d .a s! Pur ijntfs t z u m C a r n e v a 1 d egr a d ie r f find', sieh, S'e 1 b st dad ur c Ir erhöht! ' ' Statt Siegesfanfareii:; und Triumphgeheul gab es an diesen Tagen „Fröhlichkeit, Gasterei und Festlichkeit". Man hielt sich an den großen Gelehrten Raba* und an seinen weinseligen Ausspruch: „Am Purimf est muß-man soviel trinken, bis man zwischen der Ver- HBIIT -SALB! ,____2ÄPFCHES douuy^ani^ HAIM ALAN fluch ung Hamans und der Lobpreisung: Mafflechais niclit unterscheidenkärih,,v :^ch%2^-SiättrW'-Ir6nie••• imit :• tiefer Bedeutung fanden in 'deil-PÄrimtägeri' ein / geöffnetes Ventil. Die jüdische Völkshiuse schuf das P/urimspi'el in jüdisch-deutschem Idiome,' das derb, oft sehr derb, aber stets gesund volkstümlich war und Gelegenheit zu frohem Treiben in den sonst nüchternen und stillen Jüdengassen bot. Man wählte einen Purim-Raw, sprach einen Purim-Kiddusch und las, Ernstes travestierend, aus einer Purim-Hagädah. Während das Purimspiel von Esther und Mardechai selbst, einen Titanen wie Goethe begeisterte und zu dem gerechtabwägendem -„Jahrmarkt f e s t v'ö n P1 u n d e r s w e i 1 e n" anregte, 'hat selbst das gemilderte lind: abgeschwächte Purimf est noch immer böses Mißverständnis genug erregt. '; Paul de Lagarde, der geistige Stammvater aller akademischen. Judenfeinde, bezeichnet die Esther- Rolle als „für die Unterhaltung f reß- und sauf lustiger ^jlii riiiiiiiuiiiiiiiif iiitMini im ini iii iiiniiiif iiiiiiifuini iiiiiiiiifiMii iiiJiniiiujiJiiiiii ii ul^. Die Wlen sr weltbekannten . 1 Um pro Stunde anfliiirtem Pflaster ^ro^i;; i^vJ-x"?»- .^^TvS:nX5J«t Ii iSvüSSt&ät;?! I vo. t.« i ra^af I ^t*^ my#y \ . .Cvi^t^itXtoxI i^ ^-Tfö^i F«^n i tKfa&Z^ Äf^e ^t^^^^ÄS^ ^Äfe * ^.Jf. J «•* V «>» y\ * * : s./.vvot^ : : 1 # ,8°. * I ^'«STr^l i ..: vi^hOn* i i »^"itixfs i .!■ f ■ÖVVn^* s 1 ."■ >s. v.■>.. sS Vt\!v.%,\ v >; •«^-.M Talare u. 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Wenn uns nationalen Juden von heute das Purimfest nicht ebenso Gelegenheit zu moderner Wiederbelebung gibt wie das zur Makkabäer-Feier umgedeutete Chanukäfest, so " wollen doch auch wir dieses Fest tolerieren; vornehmlich deshalb, weil das Buch Esther, das nach einer Frau genannt ist, uns von einem Manne kündet, der eiii jnannhafter Jude geblieben war, trotz der verderblichen Einflüsse der Residenzstadt Susa, Und sein Volk zur Rettung führte in einer Zeit der schwersten Not. In diesem Sinne wollen wir es mitfeiern — man verstehe uns also wohl — nicht aus Haß gegen Ha man, sondern aus Liebe zu Mardechai. Wozu Räthenaus Tod gut waiv Die A, E. G, schmeißt die jüdischen Beamten hinaus. Die Berfin^^Wd-tWitoe" .scWfe$bt;.. Die;. Mgemedne Elektriz-itäfsgesellsdhaft (AVE. G.) ist von zw&. JMeii,; EnTüig.athen-a^ n^Felix Deutsch, gegründet ünä'zü> Wdt-b^totM-ng^-el^a^ht .werde«. 'Die Tradition der Gründer . wurde . naoh dem Tode Emil Rathenaius von seihem Sohn. W ai.it e„r.;- e n a iu ~;«rft Felix Deutsch itn4. Paul Iifermroin-iföritgei^t. ^rc^'-den? Tod von. W'alkx ^tiimm m$..;:FeJijE/:;I)©tf|sc^ w/Ä d'urch 4§s.. Auss'pbedden.'M^ a#;dejn;::P'i^il#i^-^t^i'-A» -E. -C.ihre geworden., . f ■ ,; , Was den neuen Herrscherin der A. E. G. an 'kaiüffmännisaher Gettialität. feihl-t, das versuclhen sie;dwöh forsche Beamten- 'tjind .'Fe.rsölbip'oJiti'k' äit ersebzen. Ztunäohst ist, m'an daraingegah®en, " . die noch in leitenden Positionen befindlichen Beamten jüdischer Konfession oder Rasse kaltzustellen. Vor einem Jahre.setzte siclh die Direktion, aus. folgenden Herren zusammen: :Beäx Deutstih, Paul Mamroth, Phip^) Pforr^ •'Hdnridi\P'ei'erfe;.:v;Ja«nes .Birnhote,.: August Elfes, August Pfeife^ $>r, -Koos, Heinrich Hirschberg; -Anton Weber und Wald'emarr Petersen. Nach dem Tode von Deutseih . utid dem :Ausscihei<leti Mamrotäis. ibefahdein siöh noch neun Personen im Vorstand, davon waren drei Juden, nämlich Peietls. Sirnihqlz undvHiirscihil>erg. Auf Veranltassung » des Aufsichtsrates, in dem eine Reihe antisemitischer und nationalistischer Persönlichkeiten vertreten sind, wurde mit der Nacthfolige des verstorbenen Generaldirektors Deutsch ein Direktorium aus vier Köpfen gebildet, dem Bücher, der von der1. G. Farbeinindustriie in die A. E. G. Übersie^lte, 'ferÄ"'Elfes,' Pfeifer und Petersen angehören. Jetzt begann ein Aufräumen in der A. E. G. DeT bisherige Öhef der Verwaittogs^oerlei-tong, Hirsöhberg, ■' wurde in seinen Kompetenzen derartig bsechränkt, daß er: innerhalb des Konzerns nuir "tiodh äl's »,Früstüoksdire(totorf' .bezeichnet wird. Nummer zwei: Direktor Btonhote, bisher Ghef. der Vertriebsabtei'Iuinigeh-, -istzum ' „Sekretär" des Ganeraildi'rektoriums ernannt-worden, der Geschäfte vorbereiten kann; steht man vor dem Abschluß, so muß er die offizielle Beendigung der Sa«he meinem „vojgesetzten" Direktorium überlassen. Mit dem Juden Nummer drei, Pelerls. der-äihji- Hche Funktionen ausgeübt ihat, wurde gleicbaTtig vejrfaihren. Der Leiter der yeherseeiabteilung,;Direktor AdleT, und der Sohn, ,des verstorbenen Generaldirektors Felix Deiu'tsch, Georg Deutsch, sind.,auf.solche Posten gestellt, daß man sie bei einer .sich.jbietenden Gelegennheit ausschiffen kann. Daß diese sämtflchen Werren nicht" schon an die Luft gesetzt sdwd," liegt. ,idaran^;.4a;0' noch langfristige Anstellungsverträge laufen. .. .. . ' In dieser Kaltsteilimig. der ilidisohen leitenden Beamten liegt MefhodeJ Am Kopf wird angefangen, «im von hier aus den ganzen Betrieb nach konfessionellen Gesichtspunkten üm'ziukr'eirnpell'n. Hört und staunt iillllllllülUIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII Wie schön und Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei Sommerfreunt), Wm, VIII., JosefsSädterstraße 35 / Telephon A-22-1-87 in Perser- und chinesischen Teppichen geboten ist. Lasset die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen / Nach Tunlichkeit Zahlungserleicnterungenl

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