Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 78 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ö DIE NEUE WELT Nr. 78 iiiiiiiiiniiiiiniM 1 Verband demokratischer Zionismen 1 H Mittwoch, den 20. März 1929 um Vä9 Uhr 5 abends im I Cafe Produktenbörse (Klubsaa)) I H IL, Taborstraße 10 | Gedenkrede ( 1 für Josef Trumpeldor 1 ssg S Referent: Dr. TV. Samonskg || Eintritt frei Gäste willkommen Ü liehen Rabbiner, am besten aus Deutschland, berufe, der vor aliem zu repräsentieren habe; die zweite — und hier machte auch Wiborg sein Wort geltend — erklärte, dal man kein Aushängschiid benötige, sondern eine geistige Potenz, die vom Wunsche beseelt sei, das finnländische Judentum zu festigen und zu organisieren, daher eineil Mann, der aus einem jüdischen Zentrum komme, der jüdisch fühle und jüdisch spreche und das finnländische Judentum vor seinem geistigen Untergang bewahre. Es siegte die zweite Gruppe. Aber überraschend für beide kam geradezu die Berufung des Dr. Schalom Troestfnann, der vor einem Jahr eingeladen worden war, das hohe Amt eines Oberrabbiners zu übernehmen. In Dr. Troestmann hat das finnländische Judentum eine imponierende Persönlichkeit gewonnen, „für Gott und für die Menschen": einen Taimudgelehrten, der auf dem Oebiete jüdischer Erziehung in Polen gewirkt hat, der ein prächtiges Jiddisch spricht und schreibt, jüdische Lieder gedichtet hat, dazu einen Mann universeller Bildung, einen Absolventen der Würzburger Universität. Alls glänzender Redner, als Kenner einer Reihe fremder Sprachen, als repräsentable Gestalt, ist er geeignet, einen würdigen Vertreter des finnländischen Judentums auch gegenüber der Außenwelt darzustellen. Dr. Troestmann ist auch gesellschaftlich eine äußerst anziehende Erscheinung, ein geistreicher und witziger Debattierer, mit musikalischer Begabung, dlie er in seinem Hause als Geiger und Pianist dokumentiert, ein jüdischer Gelehrter und gebildeter Europäer ... Dr. Troestmann hat kürzlich die Schaffung eines* Zentralverbandes der drei größten Judengemeinden Finnlands angeregt und wirkt auch dahin, daß das finnländische Judentum frisches Blut erhalte durch Zuwanderung von Juden aus Polen, allerdings, wegen der wirtschaftlichen Situation nur in begrenztem Maße. Heute schon gibt es ein warm pulsierendes jüdisches Leben in Helsingfors. Zahlreiche jüdische Vereine und Institutionen wurden in der letzten Zeit gegründet. Außer der allgemeinen zionistischen Organisation, von der alle Anregungen für jüdische Arbeit ausgehen, bestehen hier noch ein Jugendverband, eine Brith-Loge, ein „Bikur Cholim"-Verband u. a., ferner . eine moderne jüdische Mittelschule, in der neben Schwedisch auch Hebräisch unterrichtet wird. Von der Tätigkeit des jüdischnationalen Oberrabbiners erwartet man ein weiteres Aufblühen des jüdischen Helsingfors. Sicherung der demokratischen Prinzipien in der zionistischen Organisation Kongreßpolens. Von unserem Warschauer N. ^-Berichterstatter. Ueber den Kampf der Opposition — Radikale und Revisionisten — gegen die derzeitige Führung im Zentral- Komitee der Zionisten Kongreßpolens und der Randgebiete hat die „Neue Welt" bereits eingehend berichtet. Im wesentlichen war es nicht nur ein Widerstand der Opposition gegen die Anhänger der Weizmannschen Richtung,, sondern vor allem ein Kampf für die Geltung der dem o k r a t d s c h e n Grundlagen; und P r i nza pä en,.au f den en d 1 e Zdo nis t i s ch e O r ganisation von He r zl au f ge ba u t wu rde. Die derzeitigen Leiter des Zentralkomitees der Zionistischen Organisation Kongreßpolens glaubten, daß es genüge, über Briefpapier, Stampiglien und Auslegung der Statuten zu verfügen. Sie vergaßen an die zionistische OeffientMchikeiit. Die Parteisrteuer betrug 6 Zloty in einem Lande, in dem das Geld nicht dicht wächst. Kaum 4000 Zdonisten von ungefähr zwei Millionen Juden hatten diese Parteisteuer entrichtet, die Listen wurden geschlossen und dann. sollten die Wahlen zum Parteitag durchgeführt werden. Die Opposition verlangte die Festeeteung der Parteisteuer mit 50 Groschen, somit die Zulassung der breiten zionistischen LUNA-KINO Wien, XVII., Hernalser HauptetraBe 117 Tel. A-25-9-99 Ab Freitag, den 15. bis Montag, den 18. März Alleinaufführung für den XVII. Bezirk AI Jolson in Der Jazzsänger (Das Lied der Väter) Tonelnliflen: u, j. Oberkantor Josef Rosenblatt u. AI Jolson Beginn: 7,6, 7 und 7,9 Uhr. vom Guten sind die in Geschmack und Qualität unübertroffenen, erstklassig-altrenommierten welche unter streng orthodoxer Aufsicht des Rabbinates der isr. Kultusgemeinde Wien hergestellt werden Die Mazzoth werden aus dem feinsten ungarischen Mehl erzeugt Seit vielen Jahren genießen die ,Schmidl-Mazzoth' das beste Renommee und werden vor allen anderen bevorzugt Tel. R«4G-1°90 A-40-2-63 Zentrole: N. Brodetzki, n. Leopoidsg.43 M. Wildmann, l. Bäckerstrafle 16 Jakob WeiB, II. Untere AugartenstraRe 29 S. Schneider, II. Miesbachgasse 12 II* Novaragasse 12 David Raab, II. Schiffamtsgasse 7 FILIALEN iakob Wassermann, XX. Waflensfeinstrafle 58 M. Spiegel, III. Radetzkystraße 4 Sabine Binder, IX. Hahngasse 33 Max Silberberg, IX. Rotenlöwengasse 8 Ignaz Finkelstein, XX. Klosterneuburgerstr. 9 M. Luwisch, XX. Hannovergasse 90 Massen zur Bestimmung der Geschicke des Zionismus im Lande. Sie forderte .korrekte Auflegung der Parteimifgliederlis'ten und reine Wahlen, für die sie die Gewähr in der Einsetzung eines besonderen Wablikomitees unter Leitung des Obmannes des Parteigerichtes, Rechtsanwalt Borys fS t a w s k i, sah. Der Partei™* und das Zentralkomitee lehnten dieses Verlangen ab. Dies rüttelte jedoch die zionistische Oeffentlichkeit auf. Es kam unter Führung von bewährten zionistischen Kämpfern, wie des Herausgebers des „Hajnt", F i n- •kelstein, des Chefredakteurs dieses Blattes, Goldberg, des. Leiters der Organisation in Wiilna, Pi n e s, ein Komitee der „Unabhängigen" zustande, welche bis dabin am Kampfe nicht beteiligt waren. Die „Unabhängigen" setzten sich für diese Forderungen der Opposition ein und fanden Widerhall im ganzen Lande. Eine ganze Reihe von Ortschaften hat sich dieser Bewegung angeschlossen. Unter denn Druok dieser Tatsachen kam am 3. März' d. J. zwischen der im Zentral-Komitee vertretenen Gruppe Nur die einzige echte Schwedenklinge mit breiter haarscharfer Schneide — rasiert schnell den stärksten Bart! Ejt liwnot und der Onposiiton, bestehend aus dem AI Hamischimar und den Revisionisten, ein Abkommen zustande, über welches folgendes offizielles Cantmuraique' veröffentlicht wurde: „Die unterzeicbneiten Vorstände der Gruppe des Zentralkomitees und der Gruppe AI Haanisichmar und der Revisionisten halten es für notwendig, alle Kräfte auf die positive Arbeit zu konzentrieren wind schließen im Namen ihrer Gruppen folgende Verständigung: 1. Die Konferenz des ehemaligem Kongreßpolens und der Randgebiete wird auif die Zeit nach dem XVI. Zioniisiter^- kongreß vertagt. 2. Das Zentralkomitee wird durch Vertreter der Opposition (All Hamischimar und Revisionisten) in der gleichen Zahl wie die Zahl der bisherigen Mitglieder des Zentralkomitees und außerdem durch eine Person ergänzt, die gemäß der Zustimmung beider Parteien für den zukünftigen Vorsitzenden des Zentralkomitees aalsersehen ist. Die Ergänzung hat in einer besonderen Sitzung des Parteirates zu geschehen, der nach Bestätigung der bisherigen Zusammensetzung des Zentralkomitees die Wahl der angeführten Personen vornehmen wird. 3. Das neue Zentralikomitee wird auf dem Boden der Kontinuität der Arbeiten und der Verpflichtungen des bisherigen Zentralkomitees stehen. 4. Auf derselben Grundlage wird es Pifliöht des neuen Zentralikomitees sein, alle Schritte zu machen, um die endgültigen technischen Bedingungen festzustellen, die für die Einberufung des Uniftzierungskongresses zum bestimmten Termin notwendig sind. 5. Zur Leitung der laufenden Angelegenheiten wird der Parteirat aus dem neuen Zentralkomitee eiin engeres Präsidium einsetzen, dem die als Vorsitzender des Zentralkomitees bestimmte Persern und je drei Vertreter beider Parteien angehören werden. Beide Parteien bestätigen, daß es. sichaus dem Geisrt der vorstehenden Vereinbarung ergibt, daß alle grundsätzlichen Angelegenheiten im Wege einer gegenseitigen Verständigung entschieden werden." * Das Abkommen ist unterfertigt vom Abg. Doktor Rosenhlatt und M. Hindes namens der Gruppe des bisherigen Zentrallkomitees, vom Abg. Grünbaum namens der Opposition. Der Parteira-t wurde für den 10. März 1. J. einberufen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß er die Vereinbarung ratifizieren wird. Zum Vorsitzenden wurde der bisherige Obmann des Parteigerichtsrates, Rechtsanwalt Borys Stawski bestimmt, in das Präsidium wird seitens der Opposition unter anderem Abg. Grün bäum entsendet werden. Zweifelflos' ist, daß durch diese Vereinbarung die demokratischen Prinzipien der zionistischen Organisation wiederum zur Geltung kommen werden, wie es überhaupt im wesentlichen die 'Aikzeptieirug der Forde*. jungen der Opposition beinhaltet In programmatische Bindungen oder Kompromisse ist keine der Gruppen eingegangen. Die in den Zeitungen verbreitete Nachricht, daß Abg. Grünbaum einer Einstellung des Kampfes gegen die Erweiterung der Jewish Agency bis zum nächsten Kongreß zugestimmt hätte, was übrigens unverständlich und sinnlos wäre, entspricht nicht den Tatsachen. * So findet der sechsjährige Kamipf in der Zionistischen Organisation Kongreßpolens, der ihr tiefe Wunden geschlagen hat, das Ringen um die Demokratie im Zionismus, um die Souveränität des Volikswillens, in gewissem Sinne einen einstweiligen Abschluß. Für die Sicherung der demokratischen Prinzipien scheinen die Bedingungen geschaffen zu sein. Das Weitere wird im Wege einer inneren Auseinandersetzung vor sich gehen, die immer Leben im Zionismus bedeutet. Ungeklärt ist nach wSe vor dasVerhäJtnisder ostgalizischen zionistischen Politiker. SoM da der Schaden, der schon fast unerträglich ist, nicht fortdauern, müßte .ehestens .in dieser Frage, die einzig in ihrer Art dasteht, eine Lösung gefunden werden. Es wird dies vielleicht eher jetzt gelingen, dia die „HofiSnuingen" auf die Zerwürfnisse innerhalb der Zionistischen Organisation Kongreßpolens zu Ende sind. Die Amtssprache im Prager jüdischen Rathaus. Aus Prag meldet die J.' T. A.: In den letztem Tagen wandte sich die politische Landesverwaltung für Böhmen an die Repräsentanz der Prager jüdischen Gemeinde mit einer befristeten Forderung in bezug auf die Sprachenpraxis in dieser autonomen Körperschaft. Die Landesverwaltung fordert die Geschäftsführung in tschechischer Sprache. Dieser Eingriff iß die Autonomie der Präger Kultusgemeinde ist eine Folge der von tschech-jüdischer Seite geleiteten Kampagne zu» Tschechisierung des jüdischen Rathauses. Die jüdische Völkspartei in Berlin verzichtet au! die Keren Hajessod-Forderung. Wie man uns aus Berlin schreibt, hat die jüdische Volkspartei (Zionisten) im Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde mit den Liberalen ein Kompromiß abgeschlossen, wonach für die Amtsdauer des gegenwärtigen Vorstandes! keine Forderung auf eine Subventionierung des Palästina- Auf baufonds gestellt wird. Dieser Beschluß wurde von der gesamten zionistischen Anhängerschaft mit Befremden aufgenommen. Der Vorstand der zionistischen Vereinigung für Deutschland beschloß eine Gegenerklärung. Ebenso haben die Frankfurter Zionisten in einer Vorstandssitzung mit fünf Stimmen (Revisionisten, Radikale und Hechaluz) gegen vier Stimmen beschlossen, den Verzicht zu verurteilen, da er mit zionistischen Prinzipien nicht zu identifizieren ist. Der deutsche Misrachi. Berlin, 10. März. (J. T. A.) Am Dienstag den 5. März fand die konstituierende Sitzung der auf dem Leipziger außerordentlichen Delegiertentag des Misrachi neugewählten Misrachi-Landeszentrale statt. Das Präsidium des deutschen Misrachi besteht aus den Herren Alexander A d 1 e r und Dr. Oskar W o 1 f s b e r g. Die auszehn Personen bestehende Landeszentrale bildete sechs Spezialressorts, deren Verwaltung Ausschüssen übertragen wurde, in die auch nicht der Laudeszentrale angehörende Misrachisten berufen werden sollen. Cafe Reklame Cafetier: Jakob Goldfllefc Wien, II., Pratersirafce Nr. 34 anschließend die „Jüdischen Klinstierspiele" / Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft