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Die neue Welt · 1929-03-15 · Heft 78 (15.3.1929) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 78 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Dffi NEUE WELT Nr. 78 WIEN VII., KAISERSTRASSEE 123 IX., ALSERSTRASSE 6 FERNSPRECHER B-38-0-34 geimpft werden kann, aber sich davon nicht abbringen lassen, daß man für ihre Sache auch auf dem Tanzparkett werben darf." Auch bezüglich dieses Einwandes bin ich nach solch einer Erklärung verstummt! Das Wiener Konzerthaus ist — das wissen gewiß auch die Repräsentanten des Zionismus in Oestetreich — die Statte, die ein edler Gedanke betrat. Im Jahre 1925 beherbergte es den Zionistenkongreß, eine Tagung von historischer Geltung für die zionistische Bewegung, für das jüdische Volk. Unwillkürlidi schwebte Theodor Herzls Geist, wenn nudi im Augenblick verwässert, aber immerhin zu einer Entscheidung aufrufend, durch die Räume. Der in Wien geschaffene Herzl-Zionismus, bei der jüdischen Bourgeoisie verfemt, von der liberalen Presse totgesdiwiegen, vom» Assimilaritentum belächelt, von den „Israeliten" als Messiasaberglaube verhöhnt, setzte sich soweit dtlrch, daß die zionistisdie Partei Oesterreichs es sich heute vor aller Welt leisten kann, ihre Erfolge durdi einen Eliteball offiziell zu bekunden. Alle zionistischen Kräfte Wiens wurden mobilisiert, um das zionistisdie Ideal zu repräsentieren. Männer der Politik, der Diplomatie, der Wissensdiaft, der Kunst, der Musik und Literatur, haben am 2. März im Konzerthaus Schulter an Schulter, auf Gedeih und Verderb, die Nacht zum Tag gemacht und bei den nationalen Klängen einer stimmungsvollen Jazzband — auf dem. Podium „prangte" neben der rot-weiß-roten die blau-weiße Fahne — (so bemerkt das offizielle Organ mit heizerweichender Gertihrtheit in der Stimme) die Faline des Judenstaates hochgehalten und das siebente Dominion hodileben lassen. „Einen imposanten Anblick bot der Einzug des Ehrenkomitees"..;, an dessen Spitze schritten die zionistischen Vertreter des •Landeskomitees und der israelitischen Kultusgemeinde, flankiert, massiert, unter, den Anwesenden bemerkte man die Abwesenden, es hatten sich eingefunden und sind erschienen und waren vertreten... Getreu den Geboten eines Repräsentationsballes wurde das Protektorat in die Hände prominenter Würdenträger gelegt. Der Zionismus wurde von „führenden Persönlichkeiten" protegiert^." ' ' '! ... * An der Tete marschierte die- Presse, Herr Dr. ■ Ernst Benedikt, Herausgeber/der „Neuen Freien Presse". Ein glücklicher Gedanke! Denn die „N. Fr. Pr." war es ja, von der der Weltruhm Herzls — untersdilagen wurde. Trudeis Tränen ließ sie gelten, aber der Tränenstrom ihres Mitarbeiters um der Entwürdigung des jüdischen Volkes willen brach ihr derart das Herz, daß sie ihn unter den Tisch fallen ließ... Dem braven a.-o. Minister Eduard Ludwig ist es nidit an der, Wiege gesungen worden, daß er dereinst berufen sein, werde, den Repräsentationsball des Wiener offiziellen Zionismus unter seine Fittidie zu nehmen. Vielleicht sollten diesem wirklieh gutgläubigen Manne in der Konzerthausnacht durch die persönliche Berührung mit den Führern unseres Zionistentums etwaige Rassenvorurteile ausgetrieben werden: eine gefährliche Methode, , derlei Gefahren beseitigen zu wollen... Und damit beim Tanz, dort wo der Geist des Zionismus die Paare beseelte, der Geist des Rechtes nicht fehle, hat sidi Dr. Richard P r e ß b u r g e r ins Komitee eintragen lassen. Früh zum Bewußtsein erwacht: wo es schwächere Juden gibt, immer auf seiten der stärkeren Täuflinge, entwickelte er sich zur christlichen Konfession, um schließlich, dem Zuge der letzten Zeit folgend, auch diese abzulegen. Jetzt ist er gewillt, als Ehrenprotektor des Zionistenballes für die nationalen Rechte der jüdischen Vorkämpfer einzutreten. Daß das im' Herzen links orientierte zionistische Komitee den Anschluß an den Liberalismus gefunden hat, bezeugt die Verwirklichung des Idealgedankens von. den drei Nathan-Ringen, die im Jahre der Lessing- Huldigung so populär geworden sind.. Vor grauen Jahren lebt' ein Mann im Osten, und heute leben in demselben Osten junge Männer, di^ das Bibelwort vom Essen des Brotes im Schweiße des Angesichtes täglich neu verwirklichen. Die Arrangeure vdes Repräsentantenballes haben ihnen kürzlich in ihrem Organ pathetisch HINDENBURG- KINO XIV., Schweglerstraße 32 Tel. 36-0.65 Ab Freitag,den IS. bis Montag,den 18. März AI Jolson in Der Jazzsänger (Da« Med der Vjiter) : u. a. Cberkantor Josef Rosenblatt Beginn: 6, 7*8 und 9 Uhr zugerufen, sie mögen nicht;,nuf das Geraunze der Defaitisten" hören. Jch beuge midi diesem erhebenden Ruf, diesem cndlen Wort, dieser prophetischen Eingebung: nicht auf die Defaitistcn hören, sondern arbeiten und hungern und die Genugtuung üil Herzen tragen, daß ja das Werk des Aufbaues ifadi außen hin durdi prominente Vertreter und Protektoren repräsentiert werde, die zwar der Stilreinheit wegen in der Stadt des Walzers keine Hora tanzen, aber mit dem Magen David im Knopfloch den asiatischen Gesang „Was madit der Mayer am Himalaya" oder das rituelle Lied „Siddy Kohn, Siddy Kohn" oder gar in einer nidit zu unterdrückenden Zionssehnsucht den-Foxtrotthymnus „Halle- Iii jahf" anstimmen, wovon zwar nidits für das jüdische Aufbauwerk abfällt, woran aJber die Schneiderinnen, Chauffeure, Garderobe- und Toilettefrauen und der lachende Kompagnon im .Rathaus ihre Freude haben! Es war ein Repräsentationsbail, nehmt alles nur in allem. Idi Griesgrämiger und Spielverderber mußte angesidits der animierten Stimmung verstummen. Von ihr weiß das offizielle Örgan der Wiener Zionisten ein Liedzu singen: ~. r Bald sah man da und dort in ein zierliches Damehhandtasdidien ein Visitkärtchen verschwinden." (Darauf stand: es ist deine Pflidit, für den Nationalfonds zu sammeint) IJa und dort hörte man eine Telephonnummer nennen und „ganz bestimmt" sagen. (Es War die Nummer des Zionistischen Bureaus in der Kärntnerstraße und das „ganz bestimmt" galt der Zusage, an der nädisten Aktion mit einem durch den Repräsentationsball geschwellten Eifer teilzunehmen.) „Der Anschluß war-leicht gefunden." (Nicht der Telephohanscliluß, sondern der Anschluß an die zionistische Bewegung.) „Es war ein glücklidier. Gedanke", so intoniert der offizielle Beridit,-„den ersten Repräsentationsball der Zionisten .Oesterreich, zu veranstalten," Es war sehr schön, es hat mich selir gefreut. Ich. schlage vor, zur ewigen Erinnerung an ■ diese'...Tat ein. neues Goldenes Buch anzulegen oder — da der , Reinertrag dieses Balles es ja erlaubt, — einen Repräsentationswald in Erez Israel zu pflanzen. Wien, im Jahre des ersten Repräsentationsballes der Zionisten Oesterreichs. '! ■»•»' (neben Schwedenbrücke' Erstklassige Küche' Mäßige Preise '^ßife'Jüd^i^ Ein Versprechen des Ministerpräsidenten. Der rumänische Ministerpräsident Mär, i ü, hat einer Abordnung des Klubs jüdischer Deputierter, bestehend aus Senator Theodor F i s c h e r, den Deputierten J. Fischer und Landau, das Versprechen gegeben,, daß er. bei allen gesetzlichen. Akten,. d i e die jüdische Be v ö 1 k e r u n g b e r ü h r;.e.n, den Rat des. Klubs jüdischer Deputierter einholen! werde. Die Abordnung forderte die Erledigung der „aktuellen jüdischen Fragen noch im Verlauf der gegenwärtigen Parlamentssession. Es handelt sich vornehmlich um die V e r 1 e i h un.g. der Bürg e r s c h a it an Tausende,zu, Unrecht staatenlos gemachte jüdische Familien, die Regelung des Status der jüdischen Schulen, die Begründung eines jüdischen Lehrerseminars' und die Befreiung der jüdischen Schulkinder vom Besuch der Staatsschulen an Sabbat: und jüdischen Festtagen. Der Ministerpräsident ersuchte die Delegation,, die Frage der Subven'tionierung ,der 'jüdischen Studentenheime aus Budgetgründen bis Mai: ruhen'zu. lassen. > Die Einwanderung nach Amerika. Die Trennung der Familien. | .' Der Senat der, Vereinigten. Staaten hat eine "vom Senator Stephens eingebrachte; Bill angenommen', die die Ausgabe von Familienvis'en für Einwanderer vorsieht, demgemäß jeder Einwanderer seihe Frau und seine Unverheirateten Kinder unter'21 Jahren mit ins Land bringen kann. Die Bill soll auch auf bereits Einge-> wanderte Anwendung finden, wodurch eine Trennung von Familien verhindert und .ßnc. Wiedervereinigung; getrennter Familienmitglieder erleichtert wird. Die Bill ging dem Repräsentantenhaus zu; wo sie erst in der kommenden Session zur Behandlung gelangen wird."; ' Die Hilfstätigkeit des Joint wird fortgesetzt Das ErjEebin.il des Referendums. Wie bereits mitgeteilt, lutt jfas Präsidium ..cjes American Joint Distribution " Cöminittee im Hinblick auf' die Ende . 1929 zum Abschluß . kommende dreijährige Kampagne zur Beschaffung von 25* Millionen Dollar für Hilfslind Aufbautätigkeit in Europa eine Umfrage unter lOÖ'.OOo' regelmäßigen Spendern des United Jevvish Carapaign' veranstaltet, ob die Kampagne und dip Aufbauarbeit auch nach 1929 fortgeführt werden soll. Von deh* ßelragten äußerten' sich 96 Prozent dahin, .daß..,d'$,. Arbeit, fortgeführt :werctea mßm -•■■•<* '}^)SUu-<\* - Löwen-Kino tm lü.) Löwemgass« 33 // TeS. tM5*3«lSt gsa Ab Freitag, 15. März, Erst- und Alleinauffühmng im 3. Bezirk Der Jazzsänger (Das Lied der Väter) mit AI Jolson Toneinlagen: u. a. Oberkantor Josef Rosenblatt Bei allen Vorstellungen Konzertsänger I. Grünberg und ein Opern-Quartett! Beginn: An Wochentagen um '7,6, 7 u. 3/49 Uhr An Sonntagen ab 4 Uhr nachmittags "■ mmmmmmmmmmmmmamtF9mfmm^mi^>»^^» r........... SB Petitionsrecht jüdischer Minderheiten an den Völkerbund. Der Führer der kanadischen1 Delegation beim Völkerbund Dandurand, dessen Vorschläge zur Verbesserung der Prozedur bei der Behandlung der Minderheitenfragen durch den Völkerbund in der ganzen Welt soviel Aufsehen erregt haben, empfing den Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur, der ihn darüber befragte, ob' aus seinen Vorschlägen die Schlußfolgerung zu ziehet* sei, daß zum Beispiel jüdische Körperschaften das Recht haben sollen, für unterdrückte jüdische Minderheiten in verschiedenen Ländern beim Völkerbund zu intervenieren. Herr Dandurand antwortete, daß er nur an Petitionen gedacht hat, die von den Angehörigen der Minderheiten selbst ausgehen, daß sie aber keineswegs das Recht ausländischer Organisationen tangieren, a u c h; i h r e r s e i ts P e t i ti o n e n im Interesse von Minderheiten irgend eines Staates zu überreichen. Ei' werde vor Beginn der Diskussion über sein Memorandum eine spezielle Zusatzklausel über das Recht ausländischer Organisationen zu petitionieren beantragen; Dandurand hat seinen' Vorschlag tatsächlich in diesem Sinne ergänzt. Der Antrag liegt dem vom Rat des Völkerbundes eingesetzten Drei erausschuß (Japan, England, Spanien) vor. - Für die Einigkeit in der österreichischen Zionistischen Organisation. Die Leitung, der zionistisch^akademischen Verbindungen und Vereine teilt uns mit: Auf- Grand eines Beschlusses1 der letzten Plenaryersammlung der zionistischrakademischen Verbindungen und Vereine Oesterreichs wurden vom Präsidium dieses.. Verbandes. die führenden Persönlichkeiten der einzelnen. .Gr^ppeuL .zu einer gemeinsarheri:. Aussprache über die Möglichkeit einer. Einigung anläßlich des., bevorstehenden Del.egiertentages eingeladen. Bei dieser Besprechung waren fast alle Gruppen vertreten. Der Präsident des Verbandes Dr. Tislow.itz, der den Vorsitz führte, erklärte im Namen der dem Verbände angehörenden Studentenschaft, daß sich diese verpflichtet gefühlt hat, nicht, nur immer über unhaltbare Zustände zu klagen, sondern. Schritte, zu unternehmen, um eine Grundlage für eine Einigung hinsichtlich des Delegiertentages! zu schaffen. Es ergeht der Appell an alle Gruppen, sich diesem Bestreben anzuschließen. Die Studentenschaft werde geschlossen dafür eintreten und auf diejenigen, welche sich dem Einigungsbestrebeh fernhalten, werden die Folgen zurückfallen. Es sprachen hiezu unter anderen Oberbaurat Stricker, Dr. Goldhammer, .Dr. Tartakower und Dr. Norbert Hoffmann, wobei sich die Debatte über die von den Minderheitsgruppen geforderte Aenderung des bestehenden Wahlsystems entspann. Der Schritt, der Studentenschaft wurde von fast allen Herren begrüßt und alle erklärten bereit zu sein, sich dem Vorhaben der Studentenschaft anzuschließen. Da infolge der vorgerückten Zeit über konkrete Vorschläge nicht mehr gesprochen werden konnte, wurde eine zweite Sitzung für .die allernächste. Zeit vereinbart Landes-Schekelkommission. Die Mitglieder der Landes-Schekelkommission werden darauf aufmerksam gemacht, daß in den Monaten März und April jeden Dienstag um 7 Uhr abends im Lokale des Zionistischen Landeskomitees, I., Kärntnerstraße 28, Sitzungen abgehalten werden. Die Kommissionsmitglieder werden ersucht, zu diesen Sitzungen präzise zu erscheinen. leBistein-Kino Wien, XX., Wallenstelnstr. 55, Tel. A-43-0-14 Ab Freitag den 15. März AlleinauffUhrung für den 20. Boxirk <Qas Lied der Väter) Toneinlagen: u. a. Oberkantor Josef Roteitblatt Beginn: an Wochentagen V26, V*8, 8,49 Uhr, an Sonntagen ab V«4 Uhr, i

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