Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 78 (15.3.1929)
- Date
- 1929-03-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Seite 2 ~ DIC NEUE WELT Nr. 78 1 I n h a b e r : Richard Herzog I. , Adlergasse 5 Tel. R-23-4-90 _ II. , Kl. Pfarrg. 28 I Tel. A-41-6-24 ~ I Sprechapparate I h= Jeder Art, ferner l Jüdische und hebräische Sciiollplatten 1 m sowie alle modernstenTanz-und Gesangsschläger I H in reichster Auswahl auf Lagerl If Auch Teilzahlungen! Provinzversand 1 f Die Destruktiven. —y. Am 24. Februar marsdhierten die Wiener Beimwehrler in der sohimiioken Tracht der (biederen Aelpler durch die Straßen des zwölften Wiener Bezirkes. Vorne die Bundesfütang: Der Innsbruoker Dr. Steidle, der Leaberrer Dr. Pfrimer und der Kapp- Versohwörer Major Pabst. Die 3000 Marschierenden demonstrierten, wie man in dem treu de titschen Idiom des Bergländerbundes sagt, gegen den Terror, für das Recht, für die Demokratie, für die Freiheit. Sie demonstrierten stundenlang. Und zwar so: Pfui Jud! Juden raus! Nieder mit den Juden! Das ist natürlich kein Geheimnis geblieben und fiel den Israeliten deutscher Nation stark auf das Gemüt. Was tun zwischen der schwerhörigen Sozialdemokratie, die keine Judenschutztruppe sein will, und dieser handfesten Pogromtruppe? Das „Neue Wiener Journal", in •dem Hermann Bahr seine Hitler^Gstarizeln schreibt — er hat sich jetzt in die Pro-Palästina-„Neu« Freie Presse" verzogen — half aus der Bedrängnis und fragte bei dem schwarzibärtigen Steidle an. Der verstand den Wink und schrieb einen Artikel: Nein, nein, die Heimwehr ist nicht antisemitisch, will keinen Pogrom. Nur die jüdischen fjübrer der Soziademokratie, die destruktiven .Juden aus dem Osten, die verabscheut sie wie einen angebrannten Sterz. Pogrom? Gott soll hüten! Die Israeliten deutscher Nation freuen, sich. Ich küsse Ihre Hand, Madame! Wie war das aber doch am 24. Februar? . ' Die oberste Leitung: .der'Heim/wehren'; ist in Wien und ist sehr klug.< Sie kennt die Gedanken und das Gefühlsleben..jener jüdischen Kreise, die sie für ihre politischen Zwecke braucht, das heißt insoferne als deren Brieftasche, - internationaler Einfluß und Wähler/zahl in Betracht kommt. Könnte man das alles .von der Praxis trennen -und diese Juden mitsamt den anderen,,die eingesessenen mitsamt den zu-gereisten, die westlichen mit den östlichen, die reichen mitsamt •den armen Schluckern der Gefolgschaft des Herrn Dr. Steidle oder, noch lieber, des Majors Pabst überantworten, so war' ja das auch nicht so ohne. Aber diese Trennung läßt sich 'nicht so vollziehen und darum bedient man, sich lieber der. in israelitischen Kreisen so beliebten Terminologie: von den subversiven, destruktiven Zuag'rasten. Damit würde es allerdings bei genauer Anwendung der Ahnenprobe auch hapern. Untersucht man die Israeliten und in weiterer Konsequenz die Arier iu Wien, was bliebe da an Bodenständigkeit bestehen? Leinen aus Irland. Aber die Ahnenprobe lassen sie lieber bleiben und bestätigen einander die Alteingesessenheit in der stillen Hoffnung, daß die Heimwehr jenseits von Jud' und Böse alles in brüderlicher völkischer Einheit umschlingt. Nur ist da diese Jugend, die so redet und schreit, wie sie es in den Drillstunden lernt, Juden raus! Die oberste Leitung der Heimwehren, die in Wien ist, ist aber doch nicht klug genug, um zu wissen, daß es auch noch andere Juden gibt, die nicht mit dem Pogromiheer gehent und auch nicht in der Sozialdemokratie stehen. Es gibt Juden, die jüdisch sind und die in dem Bekenntnis ihres Judentums, in der Aufstellung ihrer jüdischen Forderungen die einzige Möglichkeit erkennen,' das Judentum den roten und weißen Heerscharen' zu entziehen und diese zu zwingen, ihre politischen Geschäfte miteinander direkt und nicht auf dem Rücken der Juden auszutragen. Das von den Steuer spitzeln aller Riten geplagte Judentum weiß genau, in welcher Absicht es geschieht, wenn, man ihm Freundlichkeiten sagt, und wie sehr die Theorie von der Praxis geschieden ist. Die Sozialdemokraten betrachten die Juden als ihren willenlosen „Sklaven", die „Antimarxisten" gehen auf den Wählerfang aus. Sie beide weisen der jüdischen Bevölkerung die würdelose Stellung des Sklaven zu, dem man das einemal mit Zuckerbrot, das anderemal mit der Peitsche droht. Wir sind in der Minorität und wissen das. Das hindert; uns aber nicht, genau m ermessen, was wir davon zu halten haben, wenn die Jungen „Nieder mit den Juden!" schreien und die Aelteren uns versichern, es sind nur die aus dem Osten gemeint. Ritualmordhetze in Wien. Der Fall Richard Singer. In einem Haus im ersten Wiener Bezirk hat ein' Mann namens Richard Singe r ein junges Mädchen durch Stiche und Schnitte sehr schwer verletzt. Der Mann ist offenbar pervers und hat sich auch " schon f umf nt a 1 im Irrenhaus befunden. Der Fall hat viel Sensation! erregt, nicht so sehr wegen seiner Abscheulichkeit, da sich' solche Mordtaten in Wien und in den Alpenländern sehr oft ereignen, als wegen des Uinstartdes, daß der Täter angeblich ein Jude ist. Da ist es kein Wunder,, daß das Wiener Ritüalmordprgan der antimarxistischen Antrterroristen die unverschämteste Hetze betreibt, von Schächten, und Schächtschn itt . schreibt und durchaus einen Pogrom arrangieren will. Wir sind der Meinung, daß der Fall zu klar liegt, als daß die freche Absicht gelingen könnte. .Nichtsdestoweniger wollen wir die Pressestaatsanwaltschaft" an ihre Pflicht erinnern, dem sauberen Blatt, das heute nur mehr aus den Insertionsaufträgen der Wiener Großbanken lebt, auf die unsauberen] Finger zu sehen. HBirj ___ 2ÄPFCHE« m^(mEKE:WSm'ZSimom-iO HAI M ALAN Minister Stefanek über den Zionismus, Eine Rede bei einer Mandatsfeier. Aus Anlaß des Amtsantrittes des neuen Unterrichtsministers Dr. Anton Stefanek erinnert die „Jüdische Volkszeitung" in Bratislava, an eine Rede, die Dr. Stefanek bei der am 17. Mai 1920 durch den Volksverband der Juden in der Tschechoslowakei veranstalteten Feier im Zusammenhang mit den Beschlüssen von San Remo gehalten hat. Er überbrächte die Orus.se/der Re-( g i e r u n g und führte dann aus:; „Obwohl ich kein Jude bin, hatte, icli Gelegenheit, an der Wiener Universität mit dem besten jüdischen Mann, Dr. Theodor Herzl, bekannt zu werden; was er mir. da- ^^HlIIllflllJlIJIllIISllHIf IIII11I1J JJIllfllJllIlll|llffIl!Ii;i»SS!IIf fllllllf t flJlfJIIHJillllllSflllfll^ ü Die Wl< h :r u/eBSbe&arcnten 1 Talare ü. Barette! - in d-an mannlgfaltlqsten Formen erhalten Sie fällig und nach Maß In bester Qualität zu dB« Miistn Prsison! nur iii der altbekannten Unifofmieruiigs-uJaSsdineiderei Wisn.II.TabQfstraDe Ilr.i (fichtung auf Hausnuiiimerl) _ Tel. R 45-6-29 Gegr. 1866 | Zahlreiche belobende 5 Anerkennungsschreiben S Versand nach allen Weltteilen Ü Ej Reich illusiierte Kataloge gratis E H Feinste Herrengarderoban nach Mass 1 »Reichhaltiges Stofllager. Zivile Preise. Zahlungserleichterungens "^lliiiiiitiiiiiiitiiiiiiiiiiifiiiiiifliiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiitiriiiifiiiiiiiitiiiiitiiifiiifiiiif mals von der ethisch hochentwickelten jüdischen Nation' erzählte, werde ich bis zu meinem Tode im Herzen) bewahren. Ich weiß,, daß das so vielen Anfeindungen, ausgesetzte jüdische Volk große Männer hat und Großesj geleistet hat. Wir Slowaken sind keine Antisemiten, und wenn Reibungen vorkommen, so sind nur Mißverständnisse daran schuld. Der Zionismus genießt bei uns große1 Sympathien. m . . . / fliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiitiiifflimniiiniw Wer gut und billig speisen will, der macht einen Versuch im RESTAURANT ROTH II., PraferttraBe 34 Menü: Suppe, Fleisch, Oemüse, Mehlspeise S1.35 I Vorspeise, Suppe, Braten nach Wahl, Gemflse, Mehlspeise S 1.75 j iiiiiiitnniHUiiiiimitnitiiiMiiiMimnittniitiffliiH Wenn Palästina ein Judenland sein wird, so wird dies auch auf die Judeitschafr hier wohltuend wirken. Meiner Ansicht nach werden die Juden dann wirklich gleichberechtigt werden; es wird eine seelische Gleichberechtigung sein. In dieser Oleichberechtigung sehe ich die Zukunft des jüdischen Volkes." England und die zionistische Anleihe. Wie i;n der .^Netten Welt" bereits gemeldet wurde, hat der Kalouialminiister Amery eine Anfrage des Abgeordneten We dg wo od kn englischen Unterhause dahin beantwortet, daß dlie englische Regierung bereits im Jünll908 der zionistischen Exekutive erklärt habe, daß sie es a b- 1 c h n e, die volle oder teilweise Garantie für eine zionistische Anleihe zu übernehmen, und daß sie auch jetizt nicht geneigt sei, dies zu tun. Die Art, wie die Zionistische Organisation von dieser Angelegenheit Kenntnis erhält, ist bezeichnend. Noch auf der letzten Sitzung des Aktionskomitees wurde seitens der Exekutive die Erklärung abgegeben, daß die Sache der Anleihe gut stelle. Wer sagt das Richtige? Amery oder die zionistische -Exekutive? Der vorläufig sehr traairigie Stand der Anleihe aktiou für den Aufbau Palästinas liefert die Illustration, wie dturch schlechte Politik, durch undemokratisches Politisieren einer Sache, die als Volkssache behandelt werden müßte, der beste PJian zum Scheitern gebracht werden kann. Ich ha'be vor drei Jahren gefordert, das Streben nach einer Völker ibundani.ei h <e ziu einer Hauptaufgabe der zionistischen Politik zu machen, diese Anleihe vom Völkerbund im d.er Art zu fordern, wie seinerzeit das jüdische Volk von der Friedenskonferenz das Mandat gefordert hat, afe berechtigten Anspruch des jüdischen Volkes /zu vertreten. Mau hat diesen Plan unterdrück^ hochmütig bagatellisiert, und die zionistische Politik ganz auf die Spekulation eingestelit, wie man reichen amerikanischen Juden demütigst Geld abbfiit'ten könnte. Nach Jahren hat dann die zionistische Exekutive es für gut befunden, in Sache der Anleihe „hochgeiheime diplomatische Schritte" zu unternehmen, die mit hochwichtiger Miene angekündigt wurden wind zu-dem jetzt vom Koloiviahminister Amery frank und frei.verkündigten traurigen Resultat' geführt haben. Bin politischer Versager zieht eriahrwnigisgemäß einen werteren nach sich. Bs ist zu befürchten, daß die zionistische Exekutive..nicht' zugeben wird, daß sie-gefehlt -hat,.sondern daß sie .sich (dadurchzu entlasten trachten, wird, daß sie die Erlangung einer Völ'kerbiundanleiihe -für Palästina als ein D i n g d e r. U n im ö g 1 i c h k e i t hinstellt. Eine kritiklose Presse wird ihr "dabei bereitwillig helfen. Statt die schwache und falsche Poiitik der derzeitigen Leitung der Zionistischen Organisation preiszugeben, wird man die gute Sache, das zielbewußte Streben nach der Völkerbuudanleiihf, preisgeben. Es ist leider sehr fraglich, o'b die Zionistische Organisation in ihrer derzeitigen Verfassung .auf den hoebbedeutsamen Vorfall m englischen Unterhaus entsprechend reagieren und dlie richtigen Schlüsse ziehen wird. :- •' Robert Sfr i c k e r. Straßenschmutz9Arbeiterzeituiig und Juden. In den Straßen Wiens liegt seit geraumer Zeit fußhoher Schlamm. Daß die bürgerliche Opposition diesen wenig erfreulichen Zustand' benützt, um gegen die sozialdemokratische Stadtverwaltung loszuziehen, ist begreiflich. Sie wühlt so vergnüglich in dem Kot, wie die Sozialdemokraten darin gewühlt hätten, wenn ihn die Bürgerlichen hätten liegen lassen. Darüber ist die „Arbeiter-Zeitung'4, wütend und schlägt, los — gegen die Juden. In ihrer* Sonntagsnummer schreibt sie über ihre Widersacher: „Es fällt doch. niemandem in Berlin ein, die Stadtverwaltung verantwortlich zu machen. Das tun nur die Wiener Kretinblätter und eine christlichsoziale Gemeinderatsopposition, die das, was sie in einem Judenblatt liest, sofort in Dringlichkeitsanträge umsetzt!" Man beachte die Steigerung: Kretin! Jud! Fehlt noch, daß die „Arbeiter- Zeitung" an die Steile des „Ritualmordmärchens" ein „Kotmärchen" setzt. Etwa: Die Juden haben den Wiener Dreck in ihren Synagogen heimlich, bei. rituellem Gesang, hergestellt und auf die Straße gelegt. Die Frechheit der „Arbeiter-Zeitung" ist herzerfrischend. Sie redet von „Judenblättern", sie, in deren Redaktion neunzig Prozent Juden sitzen, allerdings mehr oder weniger gut ge< taufte, von Austerlitz und Bauer bis zum David Bach- Hört und st /liiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiü Wie schön und Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei Sommerfteiuifc, SBien, Vlll., Josefsiädterstraße 35 / Telephon a-22-1-87 in Perser- und chinesischen Teppichen geboten ist Lasset die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen / Nach Tunlichkeit Zahlungserleichterungen! i