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Die neue Welt · 1929-03-15 · Heft 78 (15.3.1929) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 78 (15.3.1929)
Date
1929-03-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 3P droschen t 'SS V. b. b, BEZUGSBEDINGUNGEN : Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljahrig Kc. 15 —; Jugoslawien'monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. R E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Uriiversitätssträße 6—8 Telephon: A25-2-82 — Erscheint jeden Freitag , . , . yg Jahrgang 3 Freitag, den 75. März 1929 Schalom Asch: Jerusalem Seite 7 Alle Im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. Aus dem Inhalt: ~y: Die Destruktiven. Robert Stricker: England und die zionistische . Anleihe. Ferdinand Gregorovius: Das Jndenghetto im päpstlichen Rom. Zu dem Vortrag Professor Spanns in München. (Eine Zuschrift seiner Gattin an die „Neue Welt.") N. R., Warschau: Sicherung der demokratischen Prinzipien in der Zionistischen Organisation Kongreßpolens. Das Blutmärchen von Korfu. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Schalom'Asch.: Die Mutter. Schalom A1 e c h e m: Komödianten. WeizmannsGesundheitsziistand, langsam fortschreitende Besserung. Das Zionistische Zentralbureau in London teilt uns' mit, daß Dr. Weizmann, in dessen Gesundheitszustand eine langsam fortschreitende Besserung zu verzeichnen ist, sich auf ärztliche Empfehlung zur Fortsetzung seiner . Kur nach dem Süden begeben hat. Die Mandatskoinmission. Der Bericht über Palästina vom Völkerbundrat gutgeheißen. — Die arabische Parlamentspetition zurückgewiesen. — Bestätigung der Klageniauerresolution. : : Aus Genf, 5. März, meldet die J. T. A.: Der1 Völkerbundrat hat sich am 4. März mit dem Bericht) der Ständigen Mandatskommission des Völkerbundes über dje britische Verwaltung in Palästina im Jahre 1928 befaßt und diesen Bericht billigend zur Kenntnis) genommen. J - Der Rat befaßte sich ferner mit der Petition deri arabischen Exekutive in Palästina, in welcher die Einführung einer gesetzgeben Körperschaft auf Grund allgemeiner Wahlen verlangt wird. Der Rat machte sich den Beschluß der Ständigen Mandatskommission zu eigen, der dahin lautet, es sei n i c h t i h r e Sache; der Mandatarmacht vorzuschreiben, welche Regierungsformeh sie zu wählen habe. Diese Frage hätte die Man** dätärinächt von sich aus zu lösen. 1 ' Der Völkerbundrat machte sich auch den Beschluß der Mandatskommission bezüglich der Klagem'auer zu eigen. In diesem Beschluß wird das Bedauern über die Vorfälle an der Klagemauer (gemeint ist besonders1 das brutale Vorgehen der Polizei gegen die betenden Juden am letzten Versöhnungstag) ausgesprochen und der Hoffnung Ausdruck gegeben, es werde der Regierung gelingen, Juden und Araber dazu zu bringen, daß sie sich! über die Angelegenheit der Klagemauer in friedlicher] Weise verständigen. ) Der Berichterstatter des Völkerbundrates, Procope, hob hervor, daß die Mandatskommission diesmal nur die Petition der Zionistischen Organisation, nicht aber andere jüdische Petitionen zur Grundlage einer Prüfung machte. In dem Bericht der Mandatskommission sind 44 jüdische Petenten aus verschiedenen Ländern aufgezählt. Krampfadernstrümpfe —1 Schlankformer, Marke -Paradruit" 4» aufwärts. Keine und ohne Gummi, pro Stück . . S *9m Bein-Schmerzen r, haltbar, waschbar, unsichtbar, auch Retagumml, Maßarbeit rompt, separate Damen bedienung. *» Ä B aufw. Nur beim easelformer. . . . . S«*»ä«# Speziallst iti KOL ACf U Wien, ll„ Taborstraße 22 , , IVWI.II3%|TI . Telephon R-47-1-85 Institut für Bandagen aller Art und Fußhellbehelfe. Seit 1896. Revision des Halsmann-Prozeßes! Vom Obersten Gerichtshof in öffentlicher Verhandlung beschlossen — Das Urteil aufgehoben. — Wieder nach Innsbruck. Der Oberste Gerichtshof in Wien hat am 13. d. nach zweitägiger öffentlicher Verhandlung seine Entscheidung in der Angelegenheit des wegen Vatermordes von den Innsbruckeri Geschworenen zu , zehn Jahren schweren Kerkers verurteilten Studenten Philipp Hals mann gefällt. Gemäß dem Antrage des Generalariwaltes Dr. P i e t s c h hat der Oberste Gerichtshof der Nichtigkeitsbeschwer- , de des Verteidigers Dr. Preßburger' bezüglich Schuld und Strafe stattgegeben, das Urteil, aufgehoben und die Angelegenheit an die erste Instanz zurückverwiesen. Mit der Durchführung [ der neuerlichen Verhandlung wurde das Innsbruck er Schwurgericht beauftragt. Das aufsehenerregende Urteil des Inusbrudcer Schwurgerichts, das auf Grund aufgebauschter. Indizien, jedoch., ohne sichere. 5^ gegen den Studenten Philipp Halsmjvri^ am .12: undf: f3." Sfara! vor dem Strafsenat des'Obersten Gerichtshofes unter Vorsitz des Senatspräsidenten Dt;. Junker einer Revision unterzogen. Wie erinnerlidi,wurde der 22jährige Philipp Hälsmann, ein Hörer der Tedirtisdien Hochsdiule in Dresden, am 16. Dezember mit neun von zwölf Stimmen des Vaterinordes schuldig erkannt und zu zehn Jahren schweren Kerkers verurteilt.. Der junge Mann» brach bei Verkündigung des Urteils in lautes Schluchzen'aus und rief den Geschworenen zu: „Ihr begeht an mir einen Justizmord! Ich bin unschuldig und ich'bleibe es bis zu meinem Tode!" Im Geriditssaal kam es zu Kundgebungen gegen das Urteil und der Saal mußte durch die Wache geräumt werden. Nicht der Verzweiflungsschrei eines Verurteilten, sondern das ganze Strafverfahren, das nur Indizien, aber keine klaren Beweise zutage förderte, ließen in der Oeffentlichkeit Bedenken über die Richtigkeit des Innsbrucker Sdiuldspruches aufsteigen. Sowohl die Untersuchung wie der Prozeß selbst hatten sich in einer Atmosphäre des schwülsten Antisemitismus abgespielt. Die Empörung über das offensiditliche Fehlurteil war so stark, daß sie audi auf die Kreise .der Innsbrucker Juristen übergriff. '■*' Der Sadiverhalt ist uoch in frischer Erinnerung: Der lligaer Zahnarzt Max Halsmann unternahm im September mit seinem Sohn Philipp eine Tour in die Zillertaler. Alpen. .In der Nähe der Dominikus-Hütte traf der junge Halsmann zwei Touristen, denen er ganz bestürzt sagte, sein Vater sei soeben abgestürzt, sie mögen helfen. Alle drei stiegen nun den Bergabhang hinunter und fanden den alten Halsmann, mit dem Gesichte in einem Tümpel liegend, tot vor. Der Kopf wies furchtbare Verletzungen auf, unter anderem eine sieben Zentimeter lange, eineinhalb Zentimeter tiefe Wunde. Die Erhebuhgsorgane, die die "Unfallstelle besiditigten, hegten Zweifel, ob diese schweren Verletzungen wirklich auf einen Absturz zurückzuführen wären. Auch ist die Absturzstelle gar nicht gefährlidi, so daß man geneigt war, anzunehmen, daß der Absturz nicht zufällig erfolgt gewesen sei. Philipp Halsmann, der bei dem Absturz seines Vaters zugegen war, wußte darüber •nichts anzugeben. Er sagte, sein Vater sei einige. Schritte hinter, ihm marschiert. Plötzlich habe er ein Geräusch gehört, sich sofort urngewendet, seinen Vater aber nicht mehr gesehen. Er müsse annehmen, daß ihm durch den furchtbaren Anblick des Absturzes das Erinnerungsvermögen geschwunden sei. Die Untersudiung war nicht imstande, einen Beweis für die Schuld des jungen Studenten, für den der beste Leumund vorlag, zu führen. Aber allerlei Getratsch des Hüttenwirtes E d e r, der sich als Sherlock Holmes aufspielte, und vieler anderer Zeugen, die immer mehr anzugeben wußten, wurde zusammengetragen und den Geschworenen vorgelegt. Für diese Richter aus dem Volke, Zillertaler Bauern, ist ein Jud' an und für sich ein Mensch, den sie mit abergläiibisdier Sdieu betrachten. Sie konnten dem Gang der Verhandlung kaum folgen und es auch nicht wahrnehmen, daß widitige Einzelheiten, wie die Herzkrankheit des Zahnarztes, der Absturz eines Pferdes an derselben Stelle und so weiter nicht beaditet wurden. Für sie war der jüdische Student aus dem Osten, dessen fremdartiges Deutsdi ihnen beschwerlich wurde, der Mörder, und sie sprachen ihn schuldig. Der Oberste Gerichtshof hat nun das Urteil aufgehoben. Den Antrag der Verteidigung, die Angelegen- , heit aus dem Innsbrucker Milieu zu entfernen^ hat der Oberste Gerichtshof in nichtöffentlicher Sitzung abgelehnt. Diese Entscheidung läßt das Werk der' höchsten Justizbehörde als ein Stückwerk erscheinen. Trotzdem aber liegt in der Aufhebung des ersten Erkenntnisses ein Urteil über das in Innsbruck durchgeführte Verfahren, über seine Mängel und die Außerachtlassung bedeutsamer Anträge des Verteidigers. Der Angeklagte war in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt worden. Hoffentlich wird die neue Verhandlung den Sieg des Rechtes und der Wahrheit erbringen. Es war nicht nur die jüdische Oeffentlichkeit und die Familie des Verurteilten, .die das. Verdikt, das d$ch nur aus der Art der Prozeßführung zu verstehen ist, als eine . Bedrohung alles Rechtsempfindens auffaßte. Auch die nicht jüdische Bevölkerung, die den Schwurgerichten ohnedies mit ablehnender Kritik gegenübersteht, nahm gegen das Urteil Stellung. Der Oberste Gerichtshof hat wieder die Straße freigemacht. Es wird sich zeigen, ob ihm dies zur Gänze gelungen ist. NEU! ,ii „Schätzet Eure Wohnung 99 DURCH ABSCHLUSS EINER OBDACH-VERSICHERUNG „Phönix und Wiener" bei Gemeinde Wien, Vereinigte Versicherungs-Aktien-Gesellschaft Städtische Versicherungsanstalt Wien, IX., Koling, 6 und Dominikanerbastei 19, 21 Wien. I., Tuchiaubea $ NEU!

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