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Die neue Welt · 1929-03-08 · Heft 77 (8.3.1929) · page 8

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 77 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Orc NEUE WELT Nr. 77 Wissenschaft und Kunst bei den Juden Sowjetrußlands. Gelehrte und Forschungsreisende. — Von Schalom Afejchem bis J. Babel. — Maler und Regisseure. — Das jüdische Theater. — Die großen Schauspieler. Niemand wird leugnen, daß es in Rußland wie überall einen Antisemitismus gibt. Aber wie überall, so stört dies auch die Juden in Rußland nicht, an Kunst. "Literatur, Wissenschaft und Theater mitzuarbeiten. Die letzten Jahre verhältnismäßiger Ordnung und Ruhe in Rußland haben außergewöhnlich fruchtbare Arbeit ,in allen Zweigen wissenschaftlicher . Betätigung mit sich gebracht. So zählt, .das Land -gegenwärtig 1032 Forschungsinstitute mit 23.168 Gelehrten, Wir besitzen keine Statistik über die Zahl der Juden in dieser Armee der Wissenschaft und können deshalb nur eine unvollständige Uebersiclit über ihre Anteilnahme am allgemeinen wissensebaitMcben Werk geben, das fern von der Politik liegt. Vor kurzer Zeit wurde der Gelehrte A. Jott'o eingeladen, in Deutschland eine Serie vom Vorträgen über die Fortschritte in der Physik zu haben. Gleichzeitig erging ein ähnlicher Ruf an die Professoren Bernatzky und Fe rstnann, Ein bedeutender Fortschritt in der P h y s i k wurde von Prof. Weinberg erzielt, der den Apparat zur Ausnutzung der Energie der Sonnenstrahlen erfunde hart.-In der E t n o g r a p h i e muß mau vor allem auf die Leistungen des Prof. L. Sternborg hinweisen, ,der im Jahre 1927 von der Akademie der Wissenschaften zum Führer der ostasiatisch cn F q r s c h u n-g.s c x p e d i. tion ernannt wurde. Dieser. Gelehrte wurde auch'- nach Japan geschickt, wo er omographische Studien betrieb und denen Resultate er in einer Reihe von Vorträgen au der. Akademie, der Wissenschaften, in Leningrad niederlegte. Seit der Nordlaudsreise des -Eisbrechers Krassln,- der bekanntlich .zur Rettung der .• zurückgebliebenen Mobile- Leute ausgeschickt worden war. wurde der. 'Name des Prof. Samoilo w i t s ch, des Führers dieser Rettaugsexpedition, -populär. Dieser jüdische Gelehrte widmet sich hauptsächlich der Erforschung der. Pclargegeitd , und ' Ist Direktor des: Instituts für die Wissenschaft des Nordens. Sein Bruder, ebenfalls-Professor .und-.bekannter' Philologe, wurde von. der Akademie der..Wissenschaften im, Jahre 1927 nach'Sibirien,, ins Land der Baschkiren,. und nach .Isbekistan ents-ajidi, wo er .Studien über die Dialekte verschiedener Völkerschaften .betrieb..' Seine Arbeiten .haben den Zweck, die Einführung des. lateinischen Alphabets ,in diesen Provinzen' und .bei allen' Stämmen .türkischer 'Abstammung in Russisch-Asien einzuführen'. Iii letzten Stimmer ist eine transkaukasische Expedition ausgerüstet worden, deren Führung dem bekannten'Geologen Le win sori- L e ss i ri g -anvertraut wurde. ' / '. ' In der O r i e h t aj i s t i k „zeichnet sich eine garize Reibe jüdischer Gelehrter aus.; In '^CT Liste der Dozenten stößt man häufig auf jüdische Närnetr wie Kogan, Minor; Joffe, Fers'niami, Deutsch und viele andere. Sehr'bekannt Mnd die Arbeiten von P. R o s e n'b'e r g und M. ' Z a l-n rrt-ann im Asiatischen Miiseum j'iber. Hindu-Dialekte. Hier inuß auch ' die j 8 d i s c Ii e- AbieHunar;"der Akademie vermerkt werden, die eine 'wichtige Quelle für die -Geschichte - des Judentunis därsteHt. ' ' '"';'- •'• N D^eselbV Aktivität '■ zeigt -sich auch . Im jüdischen Schrifttum. "Seit der Revolution-sind neue jüdische. Kräfte ■'•• -?■').■"'■'>••.',- .;, „. ••. r , aiii^ekoij)mieu,\"begörfstlg.t -.oureb ..<l-je äußerst geringe Zähl der Nfcljtg^iide.ten (6; Prozent: bei Juden gegenüber 39 Pfvzenb±b'ef Russen). Im Vergleich zur russischen Presse (|837 BijH&r mit! einetn Absatz von-1.6,087.297 Exemplaren in^' der gärrzenWelt) ist die > jüdische .'Fresse nicht sehr. uhifafiig/eijcn ".ida die tut I o na 1] ü d 1 $ p h e und , h e b r ä.tsqh'e P^^e''\b?k-anntMch'# \tn<;'e;.r'<Trü"ck t wird und die kqiiimuitis^Qb.c,' Presse keinen A^Wang, bei den jüdischen Massen findet./'A:ber unter den. ^itsoftriften der nationalen M^der-he|tfW^7- Blätter' in 49. .Sprachen) nehmendie 28 i^Bphejfi^-'Jöjirnltlto eJneti der ersten Plätze ei», -:; Di<?;jüdischen Schriftsteller, sind, in einem \T«rbk^d organisiert;:,4er '.einen Teil des Syndikats der russischen Sphniitste^ler/bjidet. Vor ähiem .Jahr'hat.'der. Verband; seitje erste j&pnfer'ßnz ,in Chat k o w, abgehalten. Viele seiner ^tgjiede|< schreiben jiddisoh, eft^elne russisch. Von den legten tnuß. man' insbesondere auf den Erzähler J. B a fe 11 b^wei^rt, dessen groteske "Dar^tfeBiing. jüdischer Gestalten (jÖdessaor .Geschichten" utttt ,,Bu4Jqi»v*s ReiterarmeeV)'ih;rn einen großen. Namen in der internationalen Literäturwelt geschaffen bat. "Audi die ,^^i«n', werden nicht vernachlässigt. "' I.' L. ,P erez, Scha I/o m A1 e je h e m, : Seh. A|.sq h fiö&tyVji'.: tausen-de Leser./' Auf 'der 'Jeteten Kulrura^sstcll'vjjg. Wjar: die jüdische Literatur mit mehr als 1QO fielen -veHrcten.''- '■'•'■ ■ ■: ' [ |;; Aujcft ih der Kunst nehmen die Juden einen' nicht u^b^eutt^nd^-iÄtz ein. Der/Akademiker Kog'an ticht^e \denj::r«Sai5c|)eii Pavillon auf der Pariser Ausstellung für dekoRativ^ Kunst im Jahre 1925 ein. Der Maler S t e r nbe-j-^'-^jeltpr der KumstsekWon im Bildtiiig^kommisisarlat, hätte in ^breren Ausstellungen ^roße.n Erfolg (1922 ri^it M;J Cha^->öfld'-N.- Altrhann, 1927 Im Museum für. Ö,es^chife^^>itölerel)» Zu erwähneii sind noch Sch'Iech> mirai, D^v4&Wi|(sch, Katzrrianp,. Perchrnann, N. Pausner uiijd $e TheaUrdekorationsmaler' ^a^insky, Brodsky upd Rabinowitsch. j; Vif» Ifeyolurion in der Th ea t e r k >u n s t hat den Juilett; vUft^'va 'verdanken. - Sehr -ti&m3rkettsw&rt waren die Inszemeruj||jeh N. A.ltm'anns und B. Rfirmanns anden Jü» dischen" ßjlhnln, -d|ie' OeWattpuen;; RabinoiWitschs' - und -die Arbeiten der Brüder Steinberg, die den reinen Konstruktivismus im Theater einführten, und hauptsächlich die Tätigkeit der auch in Europa bekannten Regisseure Granowsky und Meyerhold, sowie Tairoff (der ebenfalls jüdischer Herkunft sein soll), denen das russische und jüdische Theater Weltruf verdankt. Auch im F i I m finden wir grandiose Begabungen, wie M. Eisenstein, der zahlreiche jüdische Romane für den Film verwendet h^t, darunter auch Schalom Ale je he jus Werke ..Sintflut" und „Komödianten" (der Roman, der in deutscher Uebersetzung in der „Neuen Welt" erscheint). Unter den jüdischen Schauspielern ragen M i c h o c I s. der große Charakterdarsteller des Jüdischen Akademischen Theaters, und A. Rabinowitsch hervor. Auch das dauernd nach Erez Israel übersiedelte hebräische Theater Habima hat von Rußland (Moskau) seinen Weg genommen. I>;esc Uebersiclit gibt nur einen Querschnitt durch den Anteil der Juden an der Kulturarbeit in Rußland, genügt aber zur Illustration der Tatsache, daß die kulturellen Energiten des Judentums auch in Sowjetrußland sich Bahn brechen. Aus der Zeit der schwarzen Pest. Ein Zeugnis lies Martyriums deutscher Juden am Ausgang des Mittelalters. Der Berliner •„Vorwärts" gibt als charakteristisch für .die Denkweise in Deutschland am Ausgang des Mittelalters LMid zu. Beginn der Neuzeit einen Brief wieder, den während der. Pest von 1493 Landgraf F r i e d r i c h d e r Streu sc von Tlifiringen, Markgraf von M ei s s.e n. an den Rät der Stadt Nord hausen schickte. Ins Hochdeutsche übertragen lautet der Brief so: - ,:Thr Ratsmieis.ter und Rat der , Stadt zu Nördhauseii! Wisset, daß w i r a -11 e' u nserc Jude n h a b c n* v e r- H r'e n h e n I a s s e h, "soweit" unser Land reicht, der" großen Schuld' wegen, die sie der Christenheit getan hoben,.indem ste-mit Gift .töten wollten, ' das sie in alle Brui.tuen geworfen haben. Darum raten wir,euch, daß ihr eure Judön töten laßt; Gott zu Lob und Hhrc und zur Seligkeit jder C[iristenheit, damit' sie die Christen nicht .. sChwachen können. Wollteeiner desbalb gegen' euch: klagen, sd wollen wir euch vor. uiiser.eni;Herrn," .dem König, und vbr allen Herren beistehen. Auch., wisset, daß. wir Herrn Heinrich Siicwe, unseren Vogt von Salza, zu euch senden: der soll eu re, ju den d.er vorgenannten Sxjiujd a n k 1 a g e n, die sie an der Christenheit getan Haben. Djtrum/bitten .wir euch fleißig, daß ihr ihm dazu helft. Öas wollen wir zu eu.rem B'esten. Gegeben 7Ai. Eisenach am Soönäbend nacli: Walpurg-is, unter uris-erem :' Siegel. Friedrichl" '•' '. ' ' ' 1 '■-'.'■;'■ Ein jüdisdfcter fremämlegioiiär. ': . - v ö ■; ' ' . 1 . •;,'•,-'. .' Mach;\ siebeniindzwar?zi^jähriger abeuteü'p.r.licher! Wai^eru'iig '; keW*'tc'', . der jüdische P-Übtograph :";.'ßtiijen S;Cb w;a:r zin seihe Heimatstadt Budapest, . die .er als s.j^b2felwi;jähriger-%irsche; mit' eiiiem photpgräpH'tschen ^tpiiarät'.. .a'usgcs^ättet'.«ml einigen Kupfermünzen in der: Tars'cb^V rlm".;jahTB;-'J'.§p2 verlassen hatte, j. zurück. -Er: r\\;ar stetsi_ Von .Abenteurerlust erfüllt und träumte .vorn-Größen Glück"-:jh' der.' we!itön Vveit, die; er -zu durchs"t^eichen; ents^i[ioi5^n"'..w^r;. :Öie.- ersen fünf Jahre, d|e er auf dcr .Wfe. ü$r#i p«utsc;h'ran^ '• Belgien, Holland und Frankrefch"ä'.vcfrbr^öKte^^Bföneff -nildhfs - von dem erträumten .toftok" aiteu- ^:|^4A^^'..''^^*rz-'^acnte «icn '—-wie. er jetzt .ölbem j^c^vJ^tnäl-iistenerzählt — daß ja auch - seine. ..Jffdl- ^en^f-eifeenosseh;das. Wandern gewöhnt wären 'und-auch ripjjb .seien -/'und/Wanderte lustig weiter. Schwarz' schaltet hi'^* .iji^seln«''- -EHälilimk eine feine ^ychölogisdlb -'Bebb* 4tÜtun^'••^5;.y$s>-er .seine Heimat Verließt beherrschte "er Woß-' jäje.' mjt^yarrsebe Sprache. So lange er keirie'ändere S^fjaii^ k^ibie,;.>vurde'e!r auf seiner Wtvnddrsciiäit' wie eln e^b5iscf(erv ^r.erride'r mit Mitleid und E^rmherzi^kfelt;';.be- Ji'a|rd^;v-mj{;Spenden '[bedacht «bd könnte da und dort au'ch Arteeit'be^ war er jedoch in der La^e. sich, wßbn\auch,nur• iiiühse3ig, in deutscher oderfranzösischer SjjtrÄqffiifisu^'wrstlrtdteen, wJcb allerorten die Barniber^i^-: k¥lt|- 'öhefall. :wur^e ihm die Türe gewiesen und- Schwarz baj$-$^gri .Zeiten durchwunaolien. So kam, er .yerr bwi^'jtj*-'. '$§k'v-' i-rntner noch nicht seelisch -?.tfsarn'nten- ^'1?^^/??^'' Hiarseilie. :-;;' '-'liieVjjeß er sich als Heizbursche auf: ein. zur ^triabrt be|eitjejs:.Schiff anwerben. Nach wenigen Tagen faiidete er r m \pfin utid!'bler; trat der abentenerlustige Junge - jn; die F^T^,^'e«ion..-'ebi.- Fünfzehn -Jahre lang diente Bugen Sbbwät?- als' Fremdeillegionär in den französischen -KiplonlptviiQ.^Mfikß, machte schwere Kämpfe mit den.-Öeilujh.enstitnbien d'ßV ' Wüste mit, durchquerte wiederholt . die Sahajfi|r.bis;^f im - Jahre» 1922seinen Abschied erblcl.t.bncl •n»j[t.''ipi Ä^'chiejl' auch dre Zusicherung einet: lebeiis'iäjiglisfanipßWlm von der französischen RepubHk, die hc;.i;t"i e^^'^J.aft'-im Mopat. beträgt. [;'.,*.V.-v '■•>■' .ä*rf3Fre-rndenle«ion-,~- erzählt Schwarz trat ich eine ffroße^iabi jüdischer Kombattanten. Daß es, Juden sci^n;:'f|rteA'n'tjW 'ich erst an den hohen Feiertagen, denn -in der[Le^jpn Wvird' eigentlich ^nicht einmal'nach dem' wahren %%«^^r'i<c«ipnärfe ■ g«na« geforscht, man-weiß es ganz (genau/idäß vie»lQ, die aus nicht ganz lauteren Motiven ihren Eliern, und .Verwandten durchgegangen sind, in der .Legion unt^r/falkliem Namen dienen. H-bsnsoweivig wiid nach der Koiiiessjpii-des Legionärs, gsiragt und ich muß.bekeboen, «ilbKitfrtmimwtntmttimnifftniiitnHiwKiwimm |-^iniiiir''fiMM1it»(im'tiu.M'itii.(tit;-Hmiiiitimii»fi^frtiit;iinrri:imnHHiTitiiitriM ISIEGM. KORNMEHL g l: QROSSFS.EIS€KHIIUeAE( |f fj Zentrale »X., Berggaase 19. Tc!ephoi> 37-3-99 o. lb-9-34 1| mmmtmmmmmmmmmt i| . mmmmmmmom^^mmimiu mimtmmmmmmm^m^mmmm || p L i e f e r a ii! für Heilanstalten 1| ll iiifiun^iinSiwSSBiwS^ P ||. unlcr Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul-. || |f tu9gemeinde Wien 1| || Autoxustollung kostenlos ' sp lj IX. Berggasse IS / XVIII., Währfngerstr. 97 j| JljuMMto*ixuiM\*>tm%ammtmT>uuM;uuuM^^^ *mmnnmii%*tmmnmmwt\inmnntmmmnwmmnmi&% Bi»tmuiii!nuinn.tuiuiirimminnii(iirii;ni;iiiimiiiiijiiiiiir!iim(ii;tiiii:iif:muriiHniiiiiiim iiimtitmntiiinnintiiutuJiiriiHiTiuinniuinininninnniittflnmtTu * daß. obgleich damals die Wogen des Dreyfuß-Prozesses sich in Frankreich noch nicht ganz geglättet hatten, in der Legion aus den erwähnten Gründen vom Antisemitismus kaum etwas zu spüren war. Das Kommando legte jedoch VVcrt darauf, daß die Legoinäre an den Feiertagen ihrer Religion' Gottesdienste veranstalten, und so war es auch an den hohen jüdischen Feiertagen den jüdischen Legionären, die für diese Tage dienstfrei waren, gestattet, einen Gottesdienst zu veranstalten. Ueber das Leben der afrikanischen Juden erzählt Eugen Schwarz: In Nordafrika fand ich ansehnliche jüdische Niederlassungen und sogar einzelne Städte, in denen die Juden die Mehrheit der Einwohner bilden. So fand ich zum Beispiel in der in der Nähe der Wüste gelegenen Stadt Sidi bei Abbes fünf jüdische Gotteshäuser, mehr als mohammedanische und christliche. Die afrikanischen Juden verkünden stolz, daß sie die direkten Abkömmlinge der •israelitischen Stämme seien und weisen mit uralten Dokumenten und überlieferten Daten nach, daß ihre Vorfahren im Altertum ans dem Heiligen Lande hierher abgewandert seien. Sicher ist, daß ihre Lebensweise der des biblischen Judentums viel nähersteht als unsere Lebensweise, was ich ■hauptsächlich dem Umstände 'zuschreiben möchte, daß Kilima und die Naturverhältnisse in vieler Beziehung an Palästina erinnern. So fand ich, daß diese Juden a-m Sukköi'hfest die Sukkah, die Laubhütte, zwischen mächtige Stämme lebender Palmen spannen und 'während des. ganzen achttägigen Su-kkothfestes in der Laubhütte aiclit •nur ihre Mahlzeit einnehmen, sondern in wörtlicher Befolgung des biblischen Gebotes in der Sukkah wohnen. Allerdings kostet es in der afrikanischen Tropenhitze nicht v'ieL Ueberwitidung. in der Laubhütte zu schlafen. Die afrikanischen Juden wurden bis in die neueste Zeit von der geistigen Entwicklung des europäischen Judentums völlig abgeschlossen. Sic hatten kaum Kenntnis von unserer Existenz und so fehlten in ihren, religiösen 'Gebräuchen und Riten manche Einrichtungen und Vorschriften, die sich in der nachbiblischen und nachtalmudi« sehen Zeit im Leben der ' europäischen Juden heraus* gebildet hatten.;:'; Die' afrikanischen Juden führen ein stvong religiöses Leben, halten den Sabbat, die jüdischen Festtage und die' Speisegesetze auf das genaueste ein. Äußerlich akkoniod-fören sie sich der islamitischen Umwelt, sie kleiden siph' wie die Araber und selbst ihre Synagogen sind von den Moscheen, kaum zu unterscheiden. Bloß das allweltlicbe Symbol, des jüdischen Hauses, die Mesusah an der Tür-. Pforte; zeigt-uns, daß wir vor einem.-jüdischen Haus stehen. Und ich will es nicht leugnen, daß ich, obgleich ich als Fremdeniiegionär in wilden Kämpfen-sicherlich körperlich-und seelisch abgehärtet war, beim Anblick der ersten Mesusah a-m Rande der Wüste der Sahara Tränen, echt jüdische .Tränen des Heimwehs, nicht; zu unterdrücken vermochte. Jeder afrikanische Jude beherrscht die arabische Sprache und in den letzten Jahren,. mit dem Fortschreiten der Eroberungen der Legionen, beginnt auch die französische Sprache unter ihnen Verbreitung zu finden. Im. Verkehr miteinander bedienen sich; die atrjikanischen Juden fast ausschließlich der hcbräis'clieh , Sprache. Den jüdischen Fremdenlegionären gegenüber erwiesen sich die Juden als traditionell jüdische Gastfreunde,, bei denen wir stets bevorzugte Aufnahme fanden. Als besonders interessante Beobachtung, stellt Schwarz die Tatsache fest, daß die aus der pyrenäiscbeu Halbinsel im fünfzehnten Jahrhundert nach' Afrika geflüchteten spaniolischen Juden eine eigene jüdische Kulturinsel bilden, die sich auch bis heute noch mit der viel älteren jüdischen Insel der angeblich aus Palästina eingewanderten Juden weder äußerlich noch innerlich oder kulturell zu vereinigen vermochten. Die spaniolischen Juden bewahren auch hier mit unbeugsamem Stolz ihre Eigenart. Die erbgesessenen afrikanischen. .Juden.....sind zum größten Teil Landwirte, die ihren Boden selb;st bearbeiten und wie die Araber auch heute noch das Feld mit dem Holzpfiug bearbeiten. In den Städten be/tassensich;d(e Juden schon mehr mit dem Handel und spielen im Warenverkehr -der Sahara eine bedeutende Roll'e. Oft sieht man eigene große jüdische Karawanen durch die Wüste ziehen und ihre.Ware, Spczereien des Orients «ud Damast sowie andere 'erwünschte Waren in die entferntesten Oasen führen. Diese Karawanen reisen zumeist unter Militär^ begleituug oder sie schließen sich den vom Gouvernement aufrechterhaltenen systematischen MHitärpatrouillenabteilungeu an. Diese Vorsichtsmaßnahmen waren um so eher geboten, als die waghalsigen Beduinenstämme ,4er Wüste sehr oft selbst die bewaffneten Formationen der Legion angriffen. „Ich selbst nahm wiederholt an der Schu-tzbeglcirurig jüdischer Karawanen durch., die Sahara teil. Mir •war es in solchen Tagen, als wäre vor mir, wie durch ejn .Wunder, die Zeit stillgestanden und das. Bfld der. 1Wande-<,

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