Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 77 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 77 DIE NEUE WELT Seife 7 AUS PALÄSTINA. Die Autonomie Td-Awlws. J e r ii s a 1 e m, 1, Mär«, <f, T. A.) Die Regierung ernannte Di zeug off zum Bürgermeister und Rokach zum Vizebürgermeister von Tel-Awiw, obwohl beide bereits im Dezember durch den Stadtrat von Tel-Awiw für diese Aemter gewählt worden waren und um eine Ernennung nicht nachgesucht wurde. Der Kampf um die Autonomie der Stadtverwaltung von Tel-Awiw geht weiter: der Stadtrat stellt unverrückbar auf dem Standpunkt, daß die Bürgermeister nicht durch die Regierung zu ernennen, son dem durch den ans Urwahlen hervorgehenden Stadtrat zu wählen sind. » Wie man daraus ersieht, beharrt die Palästina-Re gierung bei ihrem Plane, die jüdische Stadt einer Autonomie zu berauben, welche kleine arabische Gemeinden ■besitzen. Die jüdische Volksgemeinschaft. Die Mitgliederzahl der Kncsseth Israel, der offiziell anerkannten Organisation der jüdischen Gemeinden in Palästina, 'hat sich seit Ende Jänner, wo die Mitglieder listen im ganzen Lande aufgelegt wurden, von 80.000 auf 90.000 erwachsene Männer und Frauen erhöht. Die Ein tragung in die Listen schloß am 25. Februar. Die Gemein schaff der Agudas Jisroel, die außerhalb des Rahmens der Knesseth Israel bleiben will, iliat bisher insgesamt rund 7000 Unterschriften von Personen erhalten, die auf Grund einer Bestimmung der Gemeindeordnung aus der Knesseth Israel austreten, um eigene Gemeinden zu bilden. Die Eintragung in die Listen der Knesseth Israel wurde sehr gefördert durch die Oberrabbiner Kuk und Jakob Meir, die bekanntlich einen dringenden Appell an die Juden Palästinas richteten, in der Knesseth Israel zu verbleiben. Auch die Misrachi-Führ er entfalteten eine starke Werbeaktion für den Verbleib der gesetzestreuen Elemente in der Elniheitsgemeinde. Die Einwanderung. Nach der soeben veröffentlichten Statistik betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer in Palästina im Jahre 1928 2178, die der Auswanderer in dem gleichen Jahre ebenfalls 2178. In den drei Krisen jähren, 1926, 1927, 1928, wanderten in Palästina 17.971 Juden ein, 14.614 Juden wanderten aus; der Ueberschuß der Einüber die Auawanderer betrug in dieser Periode 3357. Der Hafen von Haifa. Offiziell wird mitgeteilt, daß die Arbeiten für den Hafenbau in Haifa nicht an Unternehmer vergeben werden würden, sondern daß die Regierung die Arbeiten durch ihre eigenen Departements durchführen lassen wird. In dieser Erklärung wird n i c <h <t s über den Zeitpunkt des Beginnes der Hafenbauarbeiten gesagt, was im Lande einen sehr schlechten Eindruck hervorgerufen 'hat. Die Elektrifizierung. Die palästinensische Eisenbahnverwaltung gieht nun daran, die Eisenbahnen des Landes zu elektrifizieren. Mehrere für elektrische Züge bestimmte "Wagen sind bereits im Verkehr. Die Polizei. Der Direktor der palästinensischen Polizei, Mavrag o r d a t o, erklärte dem jüdischen Arbeiterführer Ben Zwi, 'die Polizeiiverwaltung würde mehr Juden als bisher als Beamte anstellen, wenn mehr geeignete jüdische Kandidaten sich melden würden. Die Kenntnis des Arabischen ist sehr notwendig, da die meisten Verbrecher unter den Arabern zu suchen sind. Dies ist mit ein Grund dafür, daß das Arabertum auch in der Polizei vorherrschend ist. Telegramme in hebräischer Schrift werden nicht angenommen. Vor dem Jerusalemer Obersten Gerichte wurde über die Klage eines Einwohners von Tel-Awiw gegen den Generalpostrneister von Palästina verhandelt, Wochen-Kalender März 1929 *™ \ Adar 1. 5689 | 8 Freitag x 26-tt \ Sabbateingang 5-45 j 9 Samstag 27 -tt Sabbatausgang 6*28 pnaD ,oVw ntsno pn^i mW jn«rp miiDDn f«nnn 10 Sonntag 28-HD Neumond ll*28l/48 Uhr abends n Montag 29-tW llDp D1^ 12 Dienstag 30-^ '« dp a Ti« tenn vtn 13 Mittwoch 1-K a av mn tf*n 14 Donnerstag 2~ü der entschieden hat, daß Telegramme in hebräischen Lettern innerhalb Paliistinas an den Postschaltern nicht entgegengenommen werden sollen. Das Gericht beschloß, den Geiferalpastmeister aufzufordern, seine Haltung in dieser Frage zu begründen. Die ersten Diplome des Haifaer Technikums. Am Haifaer Technikum wurden in diesem Jahre zum ersten Male Diplome an Ingenieure und Architekten, die ihre Ausbildung an diesem Institut erhielten, verteilt. Aus diesem Anlaß fand im Gebäude des Instituts ein Festakt statt, bei dem der Leiter des Jüdischen Nationalfonds M, M. Ussischkin den Vorsitz führte und dasi Mitglied der Zionistischen Exekutive Miß Henrietta Szold, der Bürgermeister von Haifa, der Distriktskommissar von Haifa, sowie Vertreter der Regierungsdepartements für Unterricht und für öffentliche Arbeiten Ansprachen hielten. Diplome wurden ausgefolgt an 17 Graduierte des Haifaer Technikums, darunter eine Frau. Drei der ersten Graduierten haben bereits Stellungen im Regierungsdienst inne. In diesem Jahre studieren 125 Studenten am Institut. Kurse für Betriebsinspektoren werden eröffnet. Die palästinensische medizinische Gesellschaft. Die jüdische medizinische Gesellschaft in Palästinn, die 359 Mitglieder zählt, ist der Internationalen medizinischen Gesellschaft als Mitglied beigetreten. Hamnschbir Mitglied der internationalen Konsumgenossenschaften. Das Exekutivkomitee der internationalen Konsumgenossenschaften hat beschlossen, die palästinensische Arbeitergenossenschaft Hamaschbir als Mitglied aufzunehmen. KINO q II.Tabors«raße8::TeI.ß-42-3-41 m 4. Woche des großen Erfolges wegen prolongiert! Ein Film, den jeder sehen muß! Ur- und Alieinauffftlhrung Greta Garbo in Die Dame von Loge Nr. 13 Regie: Fred Niblo» der Regisseur von Ben Hur Beginn: An Werktagen um V»6, y48 und 9 Uhr An Sonn- und Feiertagen ab 1jiS Uhr 70 Semester jüdische Lese- und Redehalle. Die Lese- und RedebaJle jüdischer Hochschüler veranstaltet am 9. und 10. d. M. ihr 70semestriges Stiftungsfest. Die Halle wurde im Jahre 1893 gegründet, um einen Diskussionsort für die jüdische Hochschuijugend Wiens zu schaffen. Bis Ende des vorigen Jahrhunderts trug sie allge* mein jüdischen Charakter, dann nahm sie das zionistische Programm an. Aus ihrer Mitte ist eine Reihe von Persönlichkeiten hervorgegangen, welche im jüdischen Leben eine hervorragende Rolle spielen. Ehrenpräses des Vereines war bis zu seinem Tode Oberrabbiner Prof. Dr. L. P. Chajes, der an der Entwicklung des Vereines großen Anteil nahm. Die Vereinigung besitzt einen allgemein zugänglichen Lesesaal, der in seiner Art in Wien einzig ist und zu dessen Besuchern besonders viele jüdische Journalisten zählen. Im Lesesaal liegen Zeitungen sowohl jüdischen als auch allgemeinen Charakters auf. Der Festkonvent findet am 9. d. M.. um 8 Uhr abends im Vereinslokale, IX., Türkonstraße 9, statt. A. H. Rabbiner Dr. D. Feuchtwang wird die Festrede halten. Besondere Einladungen ergehen noch. Die Juden von Tunis. Der bekannte französische Deputierte Oharies Lambert, ein Nichtjude, veröffentlicht einen offenen Brief an den Außenminister Briand, in welchem er ihn dringend ersucht, den 80.000 Juden von Tunis Erleichterungen bei der Naturalisation zu gewähren. Die Juden sind ein fleißiges und intelligentes Element und würden als französische Bürger ein Gewinn für die Nation sein. Ein Gedenkbuch für Simchonl. Im Verlag „Eschkol" In Berlin ist ein 'hebräisches G e d enden u ch für den jung verstorbenen Gelehrten Dr. J. N. Simchoni, Redaktionsmitglied der „Encycloipaedia Judaica", erschienen. Das Gedenikbuoh enthält u. a. Beiträge von S. Assaf, Dr. Bernfeld, Bjaliik, Bar Tobia, Prof. Brody, Prof. Cassuto. Prof. Davidsahn, Dr. Ehrenpreis» Prof. Elbogen. Prof. Epstein, M. E. Jernenski, Dr. Goldmann. Dr. Horodezky, Dr. Klatzkin, Prof. Kraaiß, Prof. Marken. Tschernichowski. Neben Editionen von Manuskripten, besonders aus dem Gebiete der mittelalterlichen hebräischen Poesie und Liturgie, sind in diesem Sammelwerke eine Reihe wissenschaftlicher Abhandlungen. Gedichte und Essays veröffentlicht. Dem Werk ist eine Biographie und Bild Simchomis. sowie eine Bibliographie seiner Werke beigegeben. Der Misrachi In Gallien für die KKL.-Versichenmßs- Aktion. Der Landesverband der Organisation „Misrachi" für Westgalizien und Schlesien Irl Krakau hat kürzlich an seine Anhänger und Freunde einen Aufruf erlassen, in welchem ihnen dringend empfohlen wird, die für den Aufbau Erez Israels so wichtige Versicherungsaktion des KKL. mit allen Mitteln zu fördern. MIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIH^ 5 Die kalte Witterung 5 verlangt kräftige ERBSE Vermißt. Frau Hlnda Frankel, be! Herrn Herscfi Nathansohn, Faltlconl (Rumänien). Str. Buduari Nr. 145/7, sucht ihren seit dem Kriese vermißteu Gatten, Herrn Moses Franke 1. Derselbe ist im Jahre 1883 in Lubacow (Kleinpolen) geboren, war der XI. Kompagnie des Inianterierecimsntes Nr. 90 zugeteilt und befand sich bis zum 5. Juli 1915 an der Front bei Zalescziki. Angaben über den Vermißten werden an obige Adresse erbeten. 1 Kilogramm geschälte ist so nahrhaft wie 1 Kilogramm Fleisch S Achten Sie auf die Löwenmarke — sie bürgt 3 S für ein schmackhaftes inländisches Erzeugnis s nniifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Die Mutter Henri Bergsons gestorben. In London starb im Alter von 99 Jahren Frau Käthe Bergson, die Mutter des berühmten französischen Philosophen und Nobelpreisträgers Henri Bergson und Gattin des verstorbenen aus Polen eingewanderten jüdischen Musikers Michael Bergson. Das Ehepaar Bergson übersiedelte später von London nach Paris und ließ sich dort naturalisieren. Der „Skiernicwicer Rebbe" gestorben. Am Mittwoch abends verstarb in Warschau im Alter von 53 Jahren der in der chassidischen Welt populäre „Skierniewicer Rebbe", Rabbi Mordechni Mendel Kaiisch, ein Sohn des einst berühmten Rabbi Simon Kalisch. Der Rabbi war schon seit fünf Monaten an das Krankenlager gefesselt. Vor seinem Tode verabschiedete er sich von seinen Anhängern, unter ihnen zahlreiche Rabbiner, legte Tallith und Tephilin an und verschied während des Gebetes. Die Bestattung fand unter Teilnahme vieler Tausender Chassidim statt. Amtliche Verlautbarung der israelit. Kultusgemeinde Wien, Lieferungsvergebung. Seitens der Israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangt im Laufe der nächsten Zeit die Auswechslung der gemauerten Kanäle des Tempels, IL, Tempelgasse 5, und der beiden Amtshäuser, IL, Tempelgasse 5 und IL, Ferdinandsstraße 2 3, durch solche aus Tonrohren zur Vergebung. Jene Firmen, welche zur Offeitstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens 15. März 1929 dem Technischen Amte der Israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 2, IV., Stock, bei welchem während der gewöhnlichen Amtsstunden (Samstage ausgenommen) auch alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen zwecks Heranziehung zur Offertstellung für die einzelnen Arbeiten behält der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde seinem alleinigen Ermessen vor. AI Jolson, der weltberühmte Jazzsänger, dessen Lebensibeschichte, von ihm selbst dargestellt, derzeit in den Wiener Kinos als Film1 zu sehen irst und vom jüdischen Publikum mit begeistertem Interesse verfolgt wird, ist auf erstklassigen* nebengeräusohfreien Sprechplatten zu hören. Auch das Gesangsrepertoire des Oberkantors Josef Rosenblatt, insbesondere das Lied „Jahrzeit", findet allgemeinen Beifall Alle diese Schallpdatten sind im Musikhaus „Excelsior", Inh. Richard Herzog, IL, Kleine Pfarr&asse 28, und I., AdJergasse 5 (Tel. R-23-4-90), erhältlich. Daselbst Propagandaverkauf erstklassiger jüdischer und heibräisoher Schallplatten sowie der neuesten englischen Schlager zu besonders ermäßigten Preisen. E GUDRUN-KINO X., Gudrunstraße 151 // Tel. U-47-2-32 Vom Dienstag, 12, bis Donnerstag, 14 März 1929 Erst- und AlleinauffUhrung im 10. Bezirk! AI Jolson in DerJazzsänger (Das Lied der Väter) mit May Mc. Avoy, Warner OlancS Toneinlagen; u. a. Oberkantor Josef Rosenblatt Beginn: y46, 7 und %9 Uhr Karten Im Vorverkauf sichern! ARKADEN- KINO VIII., AlserstraDe 23 / Tel. A-29-3-63 6*9 Ab Freitag, den 8. bis Montag, den 11. März Allehiaufführung für den 8. Bezirk AI Jolson in Der Jazzsänger (Das Lied der Väter) Tontinlagen: u. a. Ooerkantor Josef Rosenblatt u. AI Jolson Beginn» An Werktagen um VA alfi, V48 und 6S9 8/49Uhr. An Sonntagen um 7aV/*5,6, l/a8u.9Uhr @$g