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Die neue Welt · 1929-03-08 · Heft 77 (8.3.1929) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 77 (8.3.1929)
Date
1929-03-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 77 Om NEUE WELt Seite S « VERBAND DEMOKRATISCHER MONISTEN Mittwoch, am 13. März im Lichtspieltheater Seitz, Wien, XX., Gaußplatz 13, um 10 Uhr vorm. frei zugängliche Versammlung schiuR. Der als Eigentumsverhältnis empfundene Zusammenhang zwischen Land und Majorität; die Majorität Verleiht dem Land ihren Stempel und die Minorität ist nicht nur äußerlich von ihr abhängig, sondern gerät auch in all ihren L e b e n s ä u ß e r u n g e n«u n t e r den Einfluß der Majoritätsgruppe. Ein Blick auf alle Minoritätsverhältnisse kann uns das bestätigen. Das Gesagte gilt sogar für herrschende Minoritäten, die wir ja allenthalben in Kolouiallätulcrn antreffen. Diese Minoritäten werden selbst da, wo sie sich auf eine gewaltige Uebermacht des Mutterlandes stützen (und vergessen wir doch nicht, daß ein derartiges Minoritätsverhältnis in Palästina für uns mangels eines Mutterlandes gar nicht in Frage kommt) und von einer überlegenen technischen und vielleicht sogar geistigen Kultur getragen werden, trotz alledem der Majorität l?.ngsarä assimiliert und von innen ausgehöhlt; sobald sie vom Mutterland nicht mehr gehalten werden, brechen sie zusammen, wofern sie wenigstens nicht, durch Majoritätsbildung im Wege der Kolonisation, Halt im Lande bekommen, sich verwurzeln, ihm ihren eigenen Stempel ausdrücken und darin ihr eigenes Leben leben. Das Uebergewicht der Majoritätsgruppe wirkt natürlich in erster Linie als Machtfaktor und die Tragödie der Minorität ist immer im tiefsten Sinne die Tragödie de r M a c h 11 o s i g k e i t, selbst beim Scheine äußerer Uebermacht. Aber auch jenseits aller Gebiete, innerhalb deren die ethische Illusion Ausschaltung des Machtfaktors wenn nicht für denkbar hält» so doch erträumt, also im Geistigen und Kulturellen, \v^rkt sich das Uebergewicht der Majorität auf nicht weniger entscheidende Weise aus. Selbst ängstlicher Abschluß kann das nicht verhindern. . Eine jüdische Minorität in Palästina, und selbst eine ansehnliche, die beinahe an die arabische Bevölkerungsziffer heranreicht, und selbst bei zeitweisem technischen und intellektuellen Uebergewicht (das letztere ist übrigens sehr fraglich), könnte keinen tieferen Halt im Lande gewinnen, wäre einer zunehmenden Assimilation •an die im Lande verwachsene Majorität ttiisgesetzt und sähe den Fremden Geist der fremden Majorität in das Individualleben, das Gemeinschaftsleben, in alle Institutionen und Verhältnisse eindringen, in denen sich gerade der eigene Geist manifestieren und ausleben soll. Das wird sich um so stärker geltend machen, da ja hinter der jüdischen Gruppe keinerlei Kraftquelle und Machtfaktor stehen (wir werden noch darüber reden) gerade in, Palästina sollen die Kraftquelle und der Machtfaktor entstehen; da also das normale kolonisatorische Verhältnis, bei uns gerade nicht zutrifft. Wir werden entweder vom britischen Schutz oder von der arabischen Majorität abhängig sein und unsere Minorität £ Palästina wird, wie überall (warum denn gerade dort nicht?) der Feindschaft der. Majorität ausgesetzt -sein; wir werden uns, sobald der fremde Schutz aus irgend einem Grunde versagt, ebenso wie überall in der Welt, von der Majorität dulden lassen müssen (vielleicht werden uns die Araber dulden, sie sind gar nicht so), . aber selbstverständlich, wie überall, zu den Bedingungen der Majorität, oder wir werden hinweggefegt werden. Traktate schützen nicht dagegen. '"" " . JfS ' „ . Bleibt der jüdische Jischuw in Palästina eine Minorität, dann ist damit nichts anderes erreicht als die Schaffung eines neuen Stückes Gallith. Das Qaluthrnerkmal liegt dabei durchaus njeht etwa in der B^eriifsschichtung und Palästina ist dadurch Galuth, daß die - Juden da etwa dieselbe Art Handel treiben wie in Marschau.. Sogar die hebräische Sprache ist n i e h t e n is c h e i d e n d; es gibt gepug jüdische Galuth« gruppen, die nicht die Landessprache sprechen, und sie Verden nicht weniger in der Galuth sein, auch wenn sie ^bräisch sprechen. Natürlich halten wir wirtschaftliches; Ljiftrnenschcntum in Palästina für besonders'unerwünscht, weil es der Schaffung einer widerstandsfähigen Volksgemeinschaft im Wege steht und das Hebräische ist gewiß zur nationalen Zusammenfassung notwendig. Aber natürtöpfre Berufsschlichtung an sich und Hebräisch an sich könne uns auch in Palästina nicht helfen, wenn wir cfa Minorität bleiben. Das jüdische, Problem würde nur eine, neue. Stätte seiner Manifestation gefunden habend weil alle Bedingungen, von denen es beherrscht wird, ohne Einschränkung auch für Palästina gelten. Es. ist eine. Illusion, zu glauben, daß mau etwa in .Palästina',' innerhalb des Landes, in einem Reservatgi'e b i e ti 'ein jüdisches Heim wie einen Park mit sei« tehen und draußen dem Untergang geweihten Tieren zur Konservierung der Rasse anlegen kann. In einem Haus kann man ein oder zwei Zimmer mieten;; viel ist danut nicht anzufangen, aber man kann sie sich immerhin \nach seinem Geschmack einrichten, ohne viel nach dem Hausherren oder den anderen Mietern zu fragen;, efyi Volk in einem Lande kann das nicht, weil gerade das Land als Ganzes dem Volk das Leben möglich machen muß. Keine hundert Geonim, keine hundert hebräischen Dichter und. keine hundert Professoren (selbst wenn sie in tadellosem Hebräisch dozieren) können von Palästina aus das Judenproblem lösen. Das kann nur eine ausgesprochene jüdische Majorität, weil sich zwischen ihr und dem Lande jenes beanspruchte Eigentumsverhältnis v e rwirklichen kann, welches allein ein Land zur Heimstätte eines Volkes macht. Diese Einsicht ist übrigens wieder durchaus nicht neu oder modern; sie ist uralt und sehr hinreichend jüdisch legitimiert. Auch unseren Almen wurde nicht die Gelegenheit versprochen, sich im gelobten Land ein Plätzchen aussuchen zu dürfen, ähnlich wae sie es in dem fremden Lande Mitzrajim gehabt hatten, wo das Fleckchen sie denn aiich nicht vor den grausamsten Verfolgungen der ägyptischen Majorität geschützt hat, sondern der Herr gab ihnen das Land als Erbe, als Besitz, l'n a c h a 1 a h. England lehnt eine zionistische Anleihe derzeit ab. Aus London meldet die J. T. A.: Colone! Wedgwoocl richicie im Unterhaiis an den Kolonienminister die Frage, ob die Regierung die Garantie einer Anleihe zu Zwecken der Entwicklung und Besiedlung von Palästina erwäge. Minister A m e r y erwiderte: Nein, Sir. Im Juni 1.928 befaßte sich die Regierung mit einem ihr von der Zionistischen Organisation tinterbreitefcn Vorschlag, sich mit anderen R e gi e r u.n g e n in Verbindung zu setzen, um gemeinsam mit ihnen die Garantie für eine Anleihe zu übernehmen, die die jüdisphe Ausiedhmg in Palästina fördern-solle. Die Zionistische-Organisation wurde dahin in* formiert, daß die Regierung — ohne freilich den Vorschlag ai.s solchen zurückzuweisen — derzeit dem Plane keine Förderung angedeihen lassen könne. Seit damals hat sich die: Lage nicht in der Weise geändert, daß eine ueuerlich'c Erwägung des Plaues durch die Regierung gerechtfertigt sein würde. > und jeder Kranke [ wird es Ihnen bestätigen, daß die denkbar beste] Wirkung durch DIANA- Franzbranntwein mit Menthol erzielt wird. Nehmen Sie nur DIANA! Wertlose Nachahmungen weisen Sie zurück! Ueberau erhäWich l Pirquet jüdischer Abstammung Aus Anlaß des aufsehenerregenden Selbstmordes des berühmten Wiener Universitätsprofessors Klemens Pirquet, welcher auf dem Gebiete der Kinderheilkunde bahnbrechend wirkte, schreibt Dr. Paul Diamant, der unseren Lesern wohlbekannt ist, im „Neuen Wiener Journal": „Professor Pirquets Mutter hieß Flora Freiin v. Pereira-Arnstein und entstammt einer vornehmen portugiesisch-jüdischen Familie in Holland. Ihr Urgroßvater Da^vid Pereira und dessen Gattin: Ghana >Machadogehörten zujenen Familien, die, um den Verfolgungen der Inquisition zu entgehen, aus Portugal nach Holland geflohen warsn, wo-sie ein sicheres Asyl gefunden hatten. David Machado besaß ein großes, selbst in dem reichen Holland als bedeutend geltendes Vermögen sowie mehrere Landgüter. Seih Sohn Aaron Pereira, später Heinrich v. Pcreira-Arnstein, ist in Maarsen (Holland) 1774 geboren und übersiedelte später nach Wien. Viel länger aber schon mit Wien verwurzelt war die Familie seines Schwiegervaters Arnstein. Nach der Vertreibung <ler Juden aus Wien im Jahre 1670 waren es vorerst nur die Familien von Samuel Oppenheimer und Siinson Wertheimer, die in Wiien dauernd weilen durften, Isaak Arnsteiner, ein Verwandter Simson. Wcrtheimers, nahm, wie der jüdische Historiker Gnrnwald nachweist, bis 1709 ajs sein Angestellter an dessen Schutzp/ivileg teil. Durch einen Beitrag zu den Kriegsdarleheu 1717 erwarb er das Recht, mit Weib und Kindern Iii Wien zu bleiben. Er belieferte etwa vierzehn Jahre lang den Hofstall der Kaiserin. 1727 erwarb er als Kompagnon Wölf Wertihcimcrs durch ein Darlehen von 80.000 Gulden ein Privileg auf zehn Jahre. 1736 wurde es ihm für einen .Vorschuß von 100.000 Gulden auf. fünfzehn Jahre verlängert.-Als Armeelieferant beschaffte er Geld, Munition, Pferde und Proviant. Er starb 1744, An seinen späten Enkel Kiemeng ■v:-"Pirquet erinnert sein stetes Interesse für Kinderfürsorge; den Schulkindern ließ er Jähr für Jahr seine Wohltaten afigedeihen; auch nach seinem Tode sollte die freigebige Hänjd nicht vermißt werden.. '•• j? ftr.-V- Sein Sohn Adam 'Amsteincr: war, wie Regierungsrat IIIIMIIIIilllllllllllllllllllllllllllllllllllM £ dt iiiiiiiiiiiiiiiitKiiiiiittiiiiiiiiiiiiiniMilinnii Der bestbekannte elektrische •i i riiiiiiii ii uti itn t m i iiiiuniiiiii s hne JA nodenbalterle fone BA K kum« latorew h«© «F*©ntertne Direkt an den elektrischen Steckkontakt anzuschließen. Mit eingebautem erstklassigen, klangreinen j£ £S£ Lautspreche J&SIeinverkauf nur: FRITZ HALPERT, IX. Währingerstraße 22 Telephon A-11-105 Kostenlose Vorführung In Ihrer Wohnung. Auf Wunsch bequeme Teilzahlung 5 Waohstein m «einem kulturhistorisch überaus interessanten Werke: „Die Inschriften des Roßauer Judenfriedhofs", dem wir nun folgen werden, nachweist, in seiner Art ein Vorkämpfer der Judenemanzipation. Er verlangte und erhielt besondere Privilegien, was Leibmaut, Zoll und andere Abgaben betraf; 1768, also lange vor Toleranzedikt und französischer Revolution, fand er sogar den Mut. um die Aufhebung der Wohnbeschränkung zu bitten. Es waren nur wenige Häuser, allerdings in der Nähe der Hofburg; in denen die Juden wohnen durften. Aus dieser Beschränkung strebte er hinaus und wollte nach eigener Wahl Wohnung nehmen. An die Gewährung dieser Bitte knüpfte der. unentbehrliche Finanzmann sein Verbleiben in Wien. Er drohte mit seiner Ucbcrsiedlung ins Ausland. In seinem Sohne Nathan erreichte die Familie Arnstein den Gipfelpunkt ihres Aufstieges. Im Jahre 1795 .erlangte er den österreichischen Adel, drei Jahre später den Freiherrnstand. Die Arnsteingasse im 14. Bezirk erinnert an ihn. Sein Sommerpalast und großer Park waren der Treffpunkt der Wiener Gesellschaft. Er wurde schwedischer Konsul und Ritter des Wasaordens. Seine Gattin holte er aus Berlin, Fanni, die Tochter des dortigen Großhändlers David Itzig. (Aus dieser Familie stammt auch der berühmte Kriminalist Hitzig, den Heinrich Heine so witzig verulkt.) Baronin Fanni Arnstein war. obwohl sie stets preußisch gesinnt blieb, eine der interessantesten und berühmtesten Wienerinnen der Kongreßzeit. In ihrem Salon verkehrten Mitglieder des höchsten Adels, Diplomaten, Schriftsteller und Künstler. Auch an Anbetern fehlte es der schönen und liebenswürdigen Frau nicht. In ihrem Salon trafen sich zum Beispiel der Herzog von Wellington, Fürst von Hardenberg, Prinz von Hessen-Homburg und andere mehr, zu den Freunden des Hauses gehörte auch 'Franz;. Grillparzer. ..' Ihre Tochter Henriette, deren Schönheit uns ein Pör^' trat von Grasssl kündet, heiratete den erwähnten ('Hein-;", rieh) v. Pereira. Sein Schwiegervater Nathan Freiherr v. Arnstein wollte für ihn die volle bürgerliche Gleiche berechtigung erlangen, und bat deshalb 1808 den Kaiser, 'er möchte auch seinem Schwiegersohn die Fähigkeit, 'liegende, , Güter zu besitzen, verleihen. Dieser Kampf um jüdische, Gleichberechtigung wurde bald überflüssig, denn zwei"4 Jahre nachher ließen sich:Heinrich".und HenriStj*;Y.'-Pet,eiY$-'. Arnstein in der Stephanskirche taufen. Der Taufpate .derschönen Henriette war niemand Geringerer alsder auch keineswegs altchristliche Josef Freiherr v, Sonnenfels. Der. Sohn des Ehepaares, Auguist v. Pereira-Arnstein, 'der Großvater von Klemens Pirquet, heiratete 1835 Seraphine Gräiin Amade von Varkony. Diese Verbindung mit einer Frau aus altmagyarischer Familie bewirkt es. besonders, daß Klemens Pirquet nebst wallonischen, deutschen und jüdischen Vorfahren auch zahlreiche Magyaren zu seinen Ahnen zählt." . ' ' , Erste Palästinareise 5689. . .;' 13. März bis 9. April 1929. Am 13. März um 7.35 Uhr vormittags fähns die Gesellschaft der vom Verbände demokratischer Zio nisten gemeinsam mit dem Palestine Toufing Club Wien veranstalteten ersten Palästinareise von Wien-Ostbahnhof programmäßig ab. Die Gesellschaft besteht aus über 5 0 Teilnehmern aus Oesterreich, Po- 1 e n, der T s c.h cclioslowakei und. S. H. S. Der Obmann des Reiseausschusses, Herr Dr. D a y i d T ä u-j b e s, ist am 5. d. M. bereits abgereist, um die Durchführung der für die Reise getroffenen Vereinbarungen zu überprüfen und zu überwachen. Dienstag den 1 2. d. M., u m 5 Ufa r n a c'hmittags treffen sich alle Rciseteilnehnier i m Cafe Produktenbörse, Wien, II., Taborstraße 10. Die Zusammenkunft hat den Zweck, die einzelnen Relseteilnehr^er miteinander bekanntzumachen, die Uebernahme.. der Eisen-, bahn- und Schifiskarten, der Abzeichen und die Erteilung aller noch nötigen Informationen. Im Anschluß daran geselliges Beisammensein. Die Abfahrt erfolgt Mittwoch den 13. d. M., 7.35 Uhr, vom Ostbahnhof aus. Die Reiseteilnehmer versammeln sich um 7 Uhr früh in der Bahnhofhalle. Der Reisegesellschaft werden auf den Eisenbahnen in Oesterreich, Italien. Aegypten, Palästina separate Waggons zur Verfügung gestellt. Predigten. Am 8. d. bei dem um 5 Uhr 45 Minuten beginnenden' Abendgottesdienste: II., Tempelsasse 5 (Rabbiner Dr. M. Grundwald): XVIII., ScliopenliauerstraUe .39 (Rabbiner Dr. D. Fcuchtwang): im, Gemeindetempel. XXI., Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Dr. M. Rosciimdrw). . am 9. März beim Morgensottesdienste (Beginn S Uhr 30 Minuten) ö)feK9tischer Vortrag. — Am 9. d., 3 Uhr nachmittags, Jugfmdgattesdien.s^ in den Gemeinde- und Bezirkssynagogen. ' .

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