Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 77 (8.3.1929)
- Date
- 1929-03-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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öffi NEUE wvr Nr. 77 llnhaber: Richard Herzog I. , Adlergasse S Tel. R-23-4-90 II. , Kl, Pfarrg. 28 I Tel. A-41-6-24 Sprechapparate jeder Art, ferner Jüdische und hebräische Sthoilplotten H sowie alle modernsten Tanz-und Gesangsschlager l| §= in reichster Auswahl auf Lagerl §jl i Auch Teilzahlungen! Provinzversand! l| Berlin in ehrlicher Sorge um die Zukunft des jüdischen Volkes zusammengefunden haben, gebührt Lob. Daß eine solche Tagung gerade in Deutschland einberufen wurde, zeigt uns, daß in der deutsch-jüdischen Gesellschaft ernstes Wollen vorhanden ist, das anderswo nicht zu finden ist. Anderswo herrscht in dieser Hinsicht Gedankenlosigkeit. Aber man kann beim besten Willen nicht Äugeben, daß die Konferenz das Problem nach allen wichtigen Richtungen hin behandelt hat. Die willkürliche Unterdrückung der. Kinderzeugung auf rein materielle Motive zurückführen, den Kampf gegen das Kind lediglich als Kampf gegen wirtschaftliche Not und den Ausdruck der Besorgnis um die Zukunft des Kindes hinstellen, heißt, die Sache zu bequem nehmen und ist Selbsttäuschung. Das jüdische Kinderproblem, besonders in West- und Mitteleuropa, ist ein Mittelstandsproblem. Da handelt es sich oft gar nicht um die Furcht vor nackter Not. 13a ist der Kampf gegen das'Kind nicht Kampf gegen Hunger, sondern Kampf gegen die Preisgabe von Bequemlichkeit und Luxus und Scheu vor Verantwortung. Keine Angelegenheit von 25 Mark inehr oder weniger. Beim Kinderkriegen spielt Geld gewiß eine Rollet aber wenn ein Kind entstehen soll, müssen doch vor allem Mutter und Vater da sein. Nun ist aGber der Typus Mutter und Vater im jüdischen Mittelstände ein jmmeT seltener werdender. Dem jüdischen Mittelstandsmädchen wird vor allem beigebracht, was es nicht werden soll: nicht Köchin, nicht Kindermädchen, nicht Hauswirtin. Es soll nicht Haustier, sondern Kamerad des Mannes, freier Mensch werden. Freies Menschentum ist Recht auf Sport, Tanz alle Tage, Kartenspielen, Redouten, Sommeraufenthalt, Winterreise. Das häusliche Heim ist Umkleideraum und Schlaf räum, letzteres nicht immer. Es ist selbstverständlich, daß dieses vom Kino hergeholte Ideal nicht immer erreicht wird, daß es oft in graues Alltagselend und dürftiges Vegetieren zerrinnt. Aber gestrebt wird danach, und dieses Streben und das Streben nach Mutterschaft sind gegeneinander gerichtet, schließen einander aus. Der neue jüdische Männertypus ist dem weiblichen angepaßt, so haargenau, daß man schwer entscheiden kann, ob er Ursache oder Folge des Weibertypus ist. Der jüdische Mann konzentriert seine Wünsche und Kräfte in dem Bestreben, Geld für seine Bedürfnisse und die Bedürfnisse seines nicht gerade billigen „Kameraden" zu beschaffen. Am Ende seiner Wünsche steht auch das Automobil, das Wintersporthotel, die Bar, sei es für sich,1 sei es für den „Kameraden". Am Ende seiner Wünsche steht nicht das Kind. Woher sollen also Kinder kommen? Man kann diesen neuen Gesellschaftszustand als natürlich oder widernatürlich, als abänderlich oder unabänderlich ansehen, aber über ihn hinweggehen kann man nicht, wenn man jüdische Bevölkeiungspolitik treiben will. Nun hat aber die Berliner Konferenz diesen Gegenstand nicht in den Kreis ihrer Betrachtungen gezogen. Sie hat ihn, absichtlich oder unabsichtlich, unerwähnt gelassen. Sie ist dadurch in die tragikomische Situation geraten, für Kinder zu sorgen, welche nicht da sind und nicht da sein werden. Ein Volk, auch das jüdische, kann nur dann bestehen, wenn der Wille zum Kinde, der Wille zu Vaterschaft und Mutterschaft in ihm vorhanden ist. Diesen Willen zu erhalten, ihn, wenn er im Schwinden ist, zn stärken, ist Sache der nationalen Er z i e h u n g. (Und n u r eine Erziehung, welche auch dieses Ziel anstrebt, verdient den Namen nationale Erziehung.) Wohltätigkeit und Fürsorge spielen da eine nicht unwichtige, aber doch nur sekundäre Rolle. Die gutgemeinten 25 Mark der Berliner Judengemeinde sind ja eine ganz schöne Sache, aber der Anfang jüdischer Bevölkerungs Politik sind sie nicht. r. st. fitniMtiinmiuMii/iiii»ii(hniuuwnmMnnmwfwi}ii«iiitiiiiiuuiiui»iuiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiitwi Albert Einstein. Zum 5>0. Geburtstag. Als eine amerikanische Zeitung jüngst an ihre Leser die Frage richtete, wen sie für die bedeutendsten Persönlichkeiten der Gegenwart hielten, wurden auch drei jüdische Namen genannt: Charly Chaplin, Siegmund Freud und Albert Einstein. Daß das kindliche, humorempfindliche Gemüt des Amerikaners, dem die Filmsensation Lebensbedürfnis ist, in Charly Chaplin, dem genialen Verkörperer der menschlichen Clownerien, einen Heros sieht, ist nicht unverständlich. Auch die Popularität Siegmund Freuds, der nach der Ansicht von Millionen denkender und Millionen snobistisch veranlagter Menschen die Rätsel der Seele enthüllt hat. läßt sich vom Punkt einer Modekrankheit aus erklären. Aber der Weltruhm Albert Einsteins, des Mathematikers und Physikers, des Naturforschers, der auf ein paar hundert Seiten ein Gebäude errichtet hat, dessen Kammern nur einem engen Kreis von Gelehrten zugänglich sind, wie ist er zu begreifen? Zehn Jahre Ideenausstrahlung haben genügt, um ihn dorthin zu stellen, wo Newton und Galilei thronen, und sein Gedankensystem, war stark genug, jeder mit den exquisitesten Mitteln wissenschaftlicher Methodik durchgeführten Prüfung standzuhalten. Mit fünfzig Jahren hat Albert HBicr -SA1M1 -ZÄPFCHEf* w^(mm&wim-rsxm(m-io HAI M ALAN Einstein jene legendenhafte, mystisch anmutende Berühmtheit erlangt, die sonst nur Geistern Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach ihrem Tode beschieden ist. < •'. •< - , 1 Uns, die wir in den Dienst der Renaissance unseres Volkes gestellt sind, versagt sich das Vermögen, die -Grenzen - seiner wissenschaftlichen Existenz abzustecken. Aber wenn wir uns schon in transponiertem Sinne seiner Terminologie bedienen wollen, können wir innerhalb der von ihm geschaffenen und ausgebauten Relativität, die sich auf die Kräfte des Weltalls, Zeit, Raum und Schwere, bezieht, ein Positives seiner Gedanken- und Gefühlswelt erkennen: seine Idee — Judentum! sein Ideal — Zionismus. Das größte Erlebnis, das sich uns in ihm offenbart, bleibt sein Weg zum jüdischen Volk, zu dein er als Mann des Geistes, als Mann der Tat, als Mensch in tiefster, von keiner Relativität be- ^-LllI Ilf IJlIIIf U IIIll Jflllll f 1IIMII IJlIf II IUI IIIIII flllUIillllllf lllllf fllf ff II llinillllllfllf Illllllf Die Wiensr weltbekannten 1 Talare u. Barette! Sie fertig und nath MaB In bester Qualität zu den billigsten Preisen! | nur in der altbekannten Uniformierungs-u.MaßscfinBiderel | HU Hill Wien,II.Taliorstrallellr.y | (Athtuna auf Hausnummern W Tel. R 45-6-29 Oegr. 1866 | Zahlreiche belobende §§ Anerkennungsschreiben E Versand nach allen Weilteilen M Reloh illutilerte Kataloge gratis s | Feinste Herrengarderoban nach Mass I »Reichhaltiges StofUager. Zivile Preise. 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Und da er nun einmal unser, empfand man es für selbstverständlich, daß Albert Einstein sich in den Dienst zionistischer Arbeit stellte und mit seiner ganzen Persönlichkeit in Europa und in Amerika für die Gewinnung neuer menschlicher und finanzieller Kräfte zum Aufbau Palästinas warb; für selbstverständlich, daß man die Hoffnung auf die Kristallisation der jüdischen Wissenschaft an der Universität Jerusalem mit seinem leuchtenden Namen verband. Zu seinem 50. Geburtstag am 14. März werden in allen Kulturländern Huldigungsadressen, Würdigungsschriften. Ehrungen aller Art vorbereitet. Albert Einstein hat beschlossen, diesen Tag, den 14. März des heurigen Jahres, fern von gesellschaftlichem Glanz, fern allen Feiern und Kundgebungen, mit einer Bescheidenheit, die dem großen Gelehrten und großen Juden ziemt, zu verbringen. Sein öffentliches Auftreten in der letzten Zeit (als Musiker) galt allein der „Jüdischen Altershilfe", die unendlich viel seiner Arbeit zu verdanken hat. Die Juden Deutschlands haben eine Ehrung Einsteins in Angriff genommen, die im innigsten Zusammenhang mit dem Aufbau Palästinas steht: die Errichtung eines Einstein-Waldes, der „als ein lebendiges Denkmal für ewige Zeiten seinen Ruhm und die Verehrung für ihn künden, aber auch Zeugnis jüdischer Schöpferkraft, Arbeit und Kultur sein soll". Diese Schaffung wird aber auch der markanteste Reflex der Haltung sein, die Albert Einstein, ein Zionist ohne Kompromisse und diplomatische Verschleierungen, sowohl dem amerikanischen Humanitätsjudentum als auch dem Centraiverein deutscher Juden gegenüber in seiner rigorosen Auffassung vom Zionismus, und in seiner schroffen Ablehnung jeder Assimilationstaktik eingenommen hat. / '. o. r» Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde. Geheimrat Julias Stern Vorsitzender, Dr. Alfred Klee . Vizevorsitzender. Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdk sehen Gemeinde nahm in ihrer Sitzung am 18. Februar die Wahl des Präsidiums für die diesjährige Sitzung«^ Periode vor. Nachdem zehn Stimmen für den bisherigen Vorsitzenden Gehelmrat Julius Stern (Religiöse Mittelpartei) und zehn Stimmen für den vormaligen Vorsitzenden Rechtsanwalt Heinrich Stern (liberal) abgegeben wurden und ein Repräsentant sich der Stimme enthielt, entschied das Los für Geheim-rat Dr. Julius Stenn. Rechtsanwalt Dr. Klee (Zionist) wurde zum ersten isitellvertretenden Vorsitzenden gewählt Auf eine Anfrage der jüdischen Volkspartei wegen der 'Anlage eines Sportplatzes wurde vom Vorstandstisoh durch Herrn Caspary die Auskunft erteilt, daß nach den zutn Abschluß gebrachten Verhandlungen mit dem Berliner Magistrat demnächst ein großes. Sportgelände in der Nähe des Funkturms den Jüdischen Sportverbänden als Sportplatz der Berliner jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellt werden würde. Der Zeppelinflug. ' Im englischen Unterhaus fragte Oberst Kenworthy an, ob für das deutsche Luftschiff „Graf Zeppelin" uro die Erlaubnis nachgesucht wurde, über Aegypten, Palästina oder andere unter britischer Kontrolle stehende Territorien .zu fliegen. Ünterstaatssekretär Locker-Lamp-* son erwiderte, nach Beratung mit dem Luftfahrtminister Sir Samuel Hoare und dem Oberkommissar für Palästina Sir John Chancellor habe der Außenminister am! 16. Februar den britischen Botschafter in Berlin Sir Ho-i race Rumbold ersucht, der deutschen Regierung mitziH teilen, daß die britische Regierung gegen den geplanten! Flug wäre. Zwischen der ägyptischen Regierung und uns! ist es ausgemachte Sache, daß ein Luftverkehr über Aegyp-i ten nicht stattfinden soll, außer wenn beide Parteien einverstanden sind. j 1_ Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die Jetzt bei Hört und StauntI SommerfreunD, SBiea, VIII., iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiw^ m r Wie schön und billig l JosefstädierstraRe 35 / Telephon A-22-1-87 in Perser- und chinesischen Teppichen geboten ist Lasset die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen / Nach Tunlichkeit Zahlungserleichterungen!