Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 76 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE NEUE WELT Nf. n Der Z. A. V. „Bar-Kochba" gratuliert herzlichst seinem A. H. Diplomkaufmann Rafael Gerstenfeld zu der am Freitag den U März 7,12 Uhr stattfindenden Promotion zum Doktor der Staatswissenschaften sehen Organisation während d i e s e r Z c i t. Der Präsident des Zentralkomitees, Lewitc, lehnte die Vorschläge der Radikalen und Revisionisten ab. Auch Stegen die Unabhängigen, die das Verlangen der Opposition teilen, hat Lewite Stellung genommen und bezeichnet sie nicht als neutral. Es verlautet, daß die Unabhängigen und die Opposition in den nächsten Tagen einen außerordentlichen neunten zionistischen Parteitag einberufen werden. Man erhofft sich noch eine gewisse Hilfe vom Eingreifen der Exekutive in London. Die Subvention des Wilnaer Magistrates für jüdische Knlturzwecke. Die Kulturkommission des Magistrates in W i 1 n a hat beschlossen, dem jüdisch-wissenschaftlichen Institut eine Subvention von 2000 Zloty zu bewilligen. Es wurde auch ein Preis für das beste literarische Werk ausgeschrieben,-welches „in einer der Sprachen der Nationalitäten, die seit langen Jahren auf dem Gebiete von Wilna wohnen" verfaßt ist. AUS PALÄSTINA. Der Anibaufonds. Aus Jerusalem meldet die J. T. A.; Irn Verlauf des Jänner 1929 sind beim Hauptbüro des Kcren Hajessod an Spenden 30.990 Pfund eingegangen. Im Dczcrriber waren 31100 Pfund eingegangen. Im November betrugen die Eingänge 27.682, im Oktober 21.661, im September 31.239, im August 16.372 Pfund. In den vorangegangenen Monaten des Jahres 1928 betrug der Monatsdurchschnitt der Eingänge rund 40.000 Pfund. Das Budget der Regierung für 1929. * Die Palästina-Regierung veröffentlicht soeben ihr Budget iür das Jahr 1929. Der Gesamtvoranschlag enthält die folgenden Posten: 103.000 Pfund für das Gesundheitswesen, 144.000 Pfund für öffentlichen Unterricht, 69.000 Pfund für Förderung der Landwirtschaft, 36S.000 Pfund für Polizei- und Gefängniswesen, 145.000 Pfund zur Erhaltung der transjordanischcii Grenztruppe, 3].000 Pfund zur Erhaltung anderer VerteWigungsformationen, 182.000 Pfund zur Durchführung der ordentlichen öffentlichen Arbeiten, 328.000 Pfund zur Durchführung, der außerordentlichen öffentlichen Arbeiten, i00.000.Pfund, zur Zahlung der .öffentlichen Schuld. Patterson rn Tel-Awiw. In Tel-Awiw traf Oberst P a 11 e r s o n ein, ein Christ, der irn Weltkriege <iie jüdische Legion, die Hl GalHpoli a'iw der Seite der Engländer - kämpfte, befehligt hat. Patterson hat sich in den Nach'kriegsjahren auch an der - Propaganda des Keren Hajessod beteiligt. Kr steht besonders Wladimir Jabotinsky und der revisionistischen Bewegung nahe.. Zu Ehren des Gastes veraniita.Uetc der Stadtrat von Tel-Awiw einen Empfang -irn Stadthause. Patterson erwiderte auf die Begrüßungen .mit einer Ansprache, in der er erklärte, die Christen, die 2000 Jahre lang die Juden verfolgt haben, hätten Jetzt die Pflicht, den Juden, die das verödetete'Palästina in ein Paradies umzuwandeln im Begriffe sind, zu Hilfe zu kommen. Das Aufbauwerk wird sicher .geliihgen. ChanceHörs Patronat über die Jerusaleraer medizinische Akademie. Jerusalem, 22. Februar. (J: T. A.) Oberkommissär Sir John Robert Choncellor hat eine Abordnung der „Internationalen Medizinischen Akademie" in "Jerusalem, bestehend aus den Aerzten Kaliban, Ticha und Katzenelfenbogen empfangen und sich bereit erklärt, das Protektorat üb'er die' Akademie zu übernehmen. Arbeitslose in Tel-Awiw. Eirre* Gruppe Arbeitsloser drang in das Stadthaus von Tel-Awiw ein und forderte. sofortige Hilfsmaßnahmen für .die Arbeitslosen. Als während der Ansammlung der Bürgertnejster> D i z e n g o f f sein Amtszimmer verlassen wollte, wurde " er von den "Arbeitslosen daran gehindert.« Polizei zerstreute die demonstrierenden Arbeitslosen und nahm fünf Verhaftungen vor. Die jüdische National- und Universitätsbibliothek. ,, Ai4|5 J e r-tt salem wird uns geschrieben: Die j üdis che. National- und Universitätsbibliothek erhielt' soeben eine große Sendung von Büchern;, welche dfe Erbschaft des im vorigen Jahre verstorbenen Rabbjners L ö,ujs Groß mann in Long Begeh darstellt.- Die Sammlung >st eine einzigartige, zirka 5000 Bände umfassende' Bibliothek aus dem Gebiete der Pädagogik und der Grenzwissenschaften (Soziologie, Psychologie, Kulturgeschichte, Psychoanalyse, Vererbungslehre) und enthält wohl die gesamte pädagogische Produktion in deutscher Sprache der letzten 30 Jahre. Aber auch die Zahl der englischen Bücher ist sehr groß. Wichtig sind insbesondere -die Enzyklopädien (Manroe, Oxford English Dictionary usw.) sowie vollständige oder fast vollständige Serien von Zeitschriften, wie z. B. American Journal of Sociology, American Journal of Psychology, Psycholgical Bulletin, Psychologicaf Review, die Veröffentlichungen der American Sociological Society, International Journal of Ethics, School and Society, Zeitschrift für angewandte Psychologie; Zeitschrift für pädagogische Psychologie, Der Deutsche. Schulmann, Pädagogische Warte, Der Hauslehrer, Zeitschrift für Völkerpsychologie und Sprachwissenschaft, Zeitschrift für Kinderforschung, Pädagogische Studien} Pädagogische Blätter, Neue Bahnen, Die Tat. Durch diese Erbschaft ist die pädagogische Abteilung der Bibliothek in Jerusalem zu einer der bes"t aus gestatteten Abteilungen geworden. Eine Madehenkwuzali liefert Baiiinptlanzen. Die Palästiuaregierung wendet seit einiger Zeit ihr besonderes Interesse der Aufforstung des Landes zu. Es wurde bereits an mehreren Stellen, so zum Beispiel in den bisher kahl gebliebenen judäischeu Bergen in der Gegend von Bab-ol-Wad, ferner in der Gegend von Asah im Süden und der Gegend von Akko im Norden mit den Aufforstungsarbeiten begonnen. Der Hauptlieferant er hiezu erforderlichen Baumpflanzcn an die Regierung ist die Mädcheiikwuzah „Chawurath Hapoaloth" (Arbeiterinnengesellschaft) in Tel-Awiw. Als vor einigen Jahren die große Wirtschaftskrise in Palästina begann, überließ der Stadtrat von Tel-Awiw einer Gruppe junger Mädchen die der Stadt gehörenden und brach und unbenutzt gestandenen Bodenflächen hinter der Stadt. Die Mädchen schritten mit viel Eifer und Fleiß rasch an die Arbeit und entwickelten dort in der verhältnismäßig kurzen Zeit eine Musterwirtschaft. Vor kurzem lieferte diese Siedlung dem Forstdepartcmciit Baumpflanzen, welche zur Aufforstung der angeführten Geigenden verwendet werden. Es handelt sich unreine Art Nadelbäume, die in Palästina unter dem Namen „Oren-Jerusöhalmi" bekannt ist, und um eine besonders feine und stark gesuchte Art von Zypressen. Insgesamt hat diese erfolgreiche Mädchenkwuzaw an die Regierung 100.000 Stück Baumpflanzen geliefert, und dafür. 560 Pfund im.baren bezahlt erhalten. , Die Heuschrecken. 1 Palästina ist wieder von einer Heuschreckeninvasion bedroht. Aus Transjordanien, sind einige Schwarme über Beerseba in den äußersten Süden Palästinas eingedrungen. Anhaltender Regen, der die Wege überflutet, gestaltet die Abwehrarbeit schwierig. Es wird berichtet, daß siel? die Schwärme aus Beerseba in der, Richtung nach Hebron und Jerusalem bewegen. Ein Einstein-Wald in Palästina. Der Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt Blumenfeld, veröffentlicht einen Aufruf zur Anlegung eines Einstein-Waldes ii* Palästina aus Anlaß des 50. Geburtstages des großen Gelehrten am 14. März d. J. Der Aufruf besagt: „Einstein hat durch den Zionismus den Weg zun* jüdischen Volk gefunden. Den größten Teil seines tebens hat er ohne Kenntnis der Judenfrage verbracht; er stand aqfterhajb unserer Probleme und Sorgen. Sein menschliches' Empf^äen führte ihn zu seinein Volke, als. Vertreter dös Zfonislrrftis im Namen des nationalen Judentums auf seine Mitarbeit Ansprüche erhoben. Wenn wir Ziocnisten anläßlich seines 50. Geburtstages ihm danken und unserer Dank" barkeit , einen sichtbaren Ausdruck verleihen, so fühlen wir'>un& gleichzeitig gestärkt in unserem Vertrauen zur Idee, der heute und immer die Kraft innewohnt, die besten S^hne ,^es jüdischen Volkes in ihren Bann zu schlagen, '' .Professor Einstein hat persönliche Geschenkt $u seinen^ Geburtstag abgelehnt. Aber es hat ihn gefreut, daß wjr beschlossen haben, ihm als Ehrengabe etnef* EInsfe'i«-Wald in 'Palästina zu pflanzen. Wir hoffen; daß alle Zionisten freudig die Gelegenheit. eis? greifen . werden, Bäume für den Einstein-Wald zu stiften und 9p den Namen Einsteins für alle Zeiten mit einem Danksagung; Anläßlich des Ablebens unserer teueren Gattin, Muttermund Großmutter OH ANA TAUBES sind uns aus zahlreichen Kreisen so viele Beweise aufrichtiger Teilnahme entgegengebracht worden, daß wir außerstande sind, jedem einzelnen zu %hkenii 'Wir bitten, auf diesem Wege unseren tief. empfundenen Dank entgegenzunehmen. Löbl Taubes und Familie SIEGM. KORNMEHL GROSSFLEISCHHAUBREI f Zentrale IX., B<rgga»sc 19, Telephon 17-3-99 o. 16-9-34 I Lieferant für Heilanstalten! A^gyj!29S!^£'2£2dSS!S£L I I unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Ist. Kai* j tusgemeinae Wien i Autosusteilung kostenlos 1 IX., Barggasse 13 ✓ XVIII., Währlng«rstr. 97 ~! jmmtimnmummnmitinmtmmm ES der Kultur wiedergewonnenen Stück Boden tri Erez Israel verbinden." Das Wiener numismatische Museum für das Beza« lelmnseum in Jerusalem. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Im Be- /alelmuseura besteht eine von S. R a f a e 1 i gestiftete Sammlung „Geschichte der Juden in Münzen und Medaillen", welche bemüht, mit den Museen und Samm« Jungen gleicher Art in der ganzen Welt in Verkehr steht, so auch mit dem numismatischen Museum in Wien. Jn den letzten Tagen erhielt der Bezalel vom Wiener Museum eine wertvolle Serie von Gipsabdrücken wichtiger Münzen zum Geschenk. Darunter befindet sich auch eine sehr seltene Medaille von Friedrich Barbarossa mit dem Signum des jüdischen Kupferstechers Samuel. In den letzten Wochen hat übrigens die Münzen- und Medaillensammlung des Bezalel durch Spenden auch aus anderen Ländern eine weitere Bereicherung erfahren. Der Jud ist schuld . ». In der Diskussion um die russische Revolution ist das J'udenmotiv das ewig wiederkehrende« Die Feinde der russischen Revolution machen den Juden für ihre.Erfolge verantwortlich, die Träger der Revolution lasten dem Juden die Verantwortung für die Mißerfolge an. Im Kampfe gegen den gestürzten Führer Trotzki wird beständig an seine jüdische Herkunft erinnert. Trotzki wird von den Moskauer Machthabern ~ versteckt und offen -~. geradezu als der Typus des jüdischen Ausbeuters ünd Mißbrauchers der russischen Revolution gekennzeichnet. Die Juden haben die Revolution gefördert, um zu Freiheit, Macht und Profit zu kommen. Das Schicksal des russischen ^Volkes und das Schicksal der Menschheit interessiert sie wenig. Nun, da die russische Revolution diesen: jüdischen .Zweck erfüllt hat, soll sie beseitigt werden. Trotzki — er wird, auch häufig bei seinem alten Namen Braunstein angerufen — besorgt jetzt dieses Geschäft. Unter dem Vorsteckschilde des Ucberradikalismus will Trotzki, dem die russische Seele, das russische Wesen im Grunde fremd ist, .die den Juden jetzt überflüssig und unbequem scheinende Revolution lähmen. So wird's gesagt und angedeutet und in dem Kampfe gegen Trotzki wächst der Antisemitismus in bolschowi'kiisphen Kreisen. Von der anderen Seite her arbeiten die russischen, Emigranten und ihre europäischen Förderer, Das Blutigste und Schmutzigste am Bolschewismus wird als Arbeit der Juden hingestellt. Man begnügt sich nicht mehr damit, vom jüdischen Geist und judischen Einfluß zw sprechen. Man greift die entsetzlichsten Eirozel'heiten heraus, die tief ins Herz und Gehirn des lesenden Menschen eindringen, und bringt sie mit Juden in urrmittölibare Verbindung., Früher sprach man vom bösen jüdischen Geist. Jetzt fügt man die Figur des jüdischen Henkers und Folterknechtes hinzu. Das wirkt plastischer, besonders auf einfache Menschen. Ein Beispiel für diese neue Methode findet sich jetzt in der Pariser Presse. In der „Revue de France", einem angesehenen und sonst nicht antisemitischein Blatte, werden jetzt Dokumente über die Ermordung der Zarenfamilie veröffentlicht. Der Mann, welcher sie liefert, ß. Jacoby, wird als gewissenhafter Historiker gepriesen. Bin kleiner Auszug läßt die Tendenz erkennen. Jakoby schreibt: „Eine Galerie abschreckender Spükgestaüten! Da ist vor allem der geistige Urheber des Mordes, der "Jude Jankel S we r d 1 o w, im Jahre 1917 Vorsitzender des zentralen Vollzugsausschusses des Sowjets, der die Vertilgung der Zarenfamilie mit kalter Berechnung beschloß und den Mordplan genauest vorbereitete. Jankel Swerdlow war sich der Unverläßlichkeit seiner' Genossen in der Komintern bewußt und erkannte klar, daß die Ermordung der Zarenfamilie, die er ganz im geheimen aus eigener Initiative ausführte, deren Verantwortung aber^ ungeteilt die ganze Komintern zu tragen h^ben mußte, end-< gültig jede Möglichkeit eines Kompromisses mit dem Westen abschneiden -und die Mitschuldigen für Immer aneinanderketten würde. „Alles geschah nach Ihrem Wunsch. Die Spuren habeu wir vertilgt" •— telegraphiert ihm sein Freund Golotschkin, die vollziehende Hand, nach Moskau. „Es wird heißen, daß die ZarenfamiHe Jn den Wirrnissen der Räumung von Koltschak umgekommen ist.** Man empfindet es als eine Art göttlicher Vergeltung, daß jener geistige Urheber des Massenmordes f an wehrlosen und Unschuldigen in 1919, gelegentlich derwilden Streik-' bewegung der Morosow-Werke zu Moskau, von den wv> zufriedenen Arbeitern erwürgt, sein J^eben beendet." m m im Konzerthaus wmammmmmm 2. März 1929 Saaleröffnung 20 Uhr Beginn 21 Uhr Karienvormorkunpen« Ballkomitee: 1. Bez., Kärntnerstrassis Nr. 28 Tel. R-27-4-85/8B abends; 2. Bez., Zirkusgasse Nr, 33 Tel. R-49-8-90 f ■' tmmsü-äiB ^jf^^^i