Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 76 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.?6 DIE NEUE WELT Estland hielt Wort. Das jüdische Parlament! So nennen die Juden Revals den jüdischen Kulturrat und er stellt in der Tat die legitime /ödische Vertretung dan Das jüdi* seht Parlament besteht aus 21 von der ganzen Jüdischen Bevölkerung gewählten Mitgliedern. Alle drei Jahre finden, genau so wie ta da§ estlandische Parlament, Neuwahlen statt. Das Land ist in sieben Wahlkreise geteilt, jeder, der sich als Jude bekennt, hat Wahlrecht. Das Exe* kutivorgan des Kulturrates Ist die Kulturverwaltung, die aus sieben Personen besteht, einem ßrüldenten, einem Sekretär und fünf Mitgliedern des Präsidiums. Jedes Präsldialmit* glied ist gleichzeitig auch Leiter eines besonderen Amtes. Jedes Amt stellt eine Art jüdischen Ministefressorts dar, insgesamt vier an der Zahl, und zwar ein juridisches, ein kulturelles, ein Kataster* und ein Finanzamt. In die Kompetenz des Kulttirrats fällt die Erhaltung jüdisther Schu'en und Bibliotheken, sonstiger Kulturanstalten und des jüdischen ßildungswesens außerhalb der Schule. Diesen Etat trägt der Staat, zum Teil auch die allgemeinen Ortsgemeinden. Der Kulturrat hat auch nötigenfalls das Recht, den Mitgliedern der jüdischen Autonomie Steuern vorzuschreiben. Die Steuern sind proportional-progressiv Und werden genau So wie die staatlichen Steuern eingetrieben. Heute gibt es bereits in Estland eine Reihe von Schulen mit hebräischer und mit jiddischer Unterrichtssprache. Beide Sprachen sind zwar gleichberechtigt, nichtsdestoweniger ist der Sprachenpünkt noch immer ein Kampfmoment innerhalb der jüdischen Autonomie. Die jüdische Kulturverwaltung führt folgende Schulen: ein hebräisches Gymnasium in Reval, ein synthetisches Gymnasium (jiddisch - hebräisch) in Dorpat, eine Elementarschule (hebräisch) in Walk. In jenen Orten, wo es keine genügende Anzahl jüdischer Kinder gibt, erhält die Kulturverwaltung in den allgemeinen Schu'en (zumeist in den deutschen) jüdische Lehrer. Eine Zentralbibliothek für Hebräisch, Jiddisch und Judaica ist im Werden begriffen, die Schaffung jüdischer Wanderbibliotheken steht auf dem Programm. Da die Verfassung eine Mindestzahl von 3000 Seelen für das Recht der Autonomie vorschreibt und es gegenwärtig in Estland im Ganzen bloß 3345 jüdische Staatsbürger gibt, hängt die jüdische Autonomie an einem Haar. Dazu kommt noch, daß auch das estländische Judentum von Parteizersplitterungen nicht frei ist. Besonders ist es die Sprachenfrage, die es spaltet. Es fehlt auch nicht an Assimilanten aus jener Zeit, da Estland noch ein abgelegener Winkel des großen Rußland War. Die Assimitanten betrachten die Jüdische Autonomie als eine unangenehme Forderung an sich, ja fast als Uebel, weil sie das Aufgeben des jüdischen Wesens erschwert, hauptsächlich durch den Unterricht in der Schule, der heute nicht mehr in deutscher oder russischer, sondern ausschließlich in jiddischer öder hebräischer Sprache erfolgt. Die Jiddischesten sind im allgemeinen mit der kulturel'en Autonomie zufrieden» bis auf die hebräischen Tendenzen im Schulwesen. Zum Zeichen des Protestes gegen die Hebräisierung sind einige Jiddischesten im Vorjahr aus dem Kulturrat ausgeschieden. Unter diesen Verhältnissen stößt die Autonomie auf mancherlei Schwierigkeiten und ihre Entwicklung geht daher langsam vor alch. Nichtsdestoweniger ist die Autonomie der wichtigste Faktor im jüdischen Leben Estlands, besonders wertn man in Betracht zieht, daß die Zahl der jüdischen Einwohner viel größer ist als die Zahl der estnischen Staatsbürger jüdischer Nationalität, ja fast die Ziffer von 9J0D erreicht und selbstverständlich die Früchte der jüdischen Kulturautonomie mitgenießt. Es ist ein jüdisches Leben en miniature, aber ein jüdisches. Und was den äußeren Rahmen betrifft, ein wertvolles jüdisches Leben. Estland kann der großen Welt als Vorbild, als Muster dienen, wie ein wirklich demokratisches Land seiner nationalen Minderheit gegenüber, den Juden gegenüber, handelt. Erste Palästinareise 5689. 13. März bis 9. April 1929. Am 13. März um 7.35 Uhr vormittags fährt aie Gesellschaft der vom Verbände demokratischer Zionisten und der Vereinigung demokratischer Zionisten gemeinsam mit dem Palest'ne Touring Club Wien veranstalteten ersten Palästinareise von Wien-Ostbahnhof ab. Vor einigen Tagen wurde an alle Reiseteilnehmer ein Merkbuch versendet, welches das endgültige Reiseprogramm, eine Landkarte von Erez Israel; die Brief- und Telegrammadressen für die Dauer der Rehe und sonstige für die Reiseteilnehmer wissenwerte Winke enthüllt. Der Reiseleitung ist es gelungen, noch eine Anzahl gut gelegener Kabinen auf dem für die Hin- und Rückfahrt benutzten Luxusdampfer „A u s o n i a" zu reservieren, Infolgedessen können noch weitere Anmeldungen für diese Reise entgegengenommen werden. Es liegt aber im Interesse der Reflektanten, sich ehestens mit der ReiseleiiU'U zwecks definitiver Bestellung der Plätze in Verbindung zu setzen, da nur eine beschränkte Zahl von Kabinen zur Verfügung steht. Auskünfte erteilen: Frau Paula Stricker, II.. Hollandstraße 10, Telephon Nr. R 45-6-89, und Frau Berta Tauber, Wien,. II., Böcklinstraß'e 92, Telephon Nr. R 43-9-19, Die jüdische Religionsgemeinschaft in Ungarn« 13 Vfrllisten gemäß dem Verwaltutigsreformgesetz. Aus Budapest wird der „Neuen Welt" geschrieben! Der VerwaltungSäusschuß des ungarischen Abgeordnetenhauses hat vor einigen Tagen mit der Beratung des Regleriingsentwüffes über die Verwaltungsreform begonnen, Laut dem Gesetzentwurf sind die Vertreter der Ih Ungarn anerkannten Konfessionen von Geset2os wegen als Vlrllisten Mitglieder der städtischen und der Kofflitatsmiinlzip-ien, Dem Gesetzentwurf ist bereits eine genaue Liste der Vlrllsltze der einzelnen Konfes* sionen angeschlossen, aus welchen hervorgeht, daß der jüdischen Konfession In zehn Komitatsmtinizlületi und drei Stadtverwaltungen je ein Virilsitz gesichert wird. Es sind das jene Komitate Und Städte, in welchen die Zahl der Juden im Verhältnis zur übrigen Bevölkerung die im Gesetz vorgesehene Minderzahl für einen Virilsitz erreicht. Mit Ausnahme von Budapest sind es die Städte Debreczin, Miskolcz und Raab, In welchen auf diese Weise die Juden zu je einem gesetzlich gewährleisteten Sitz im Stadtrminiziplum'gelangen. Die zehn Komitate sind lauter Zentren jüdischen Gemeindeleben« in Ungarn, welche nach dem Zusammenbruch an jüdischer Seelenzahl zugenommen haben, Als Virilvertreter der einzelnen Konfessionen sind die Geistlichen, beziehungsweise Rabbiner In Aussicht genommen Der Vorgang hierbei Ist der, daß In den Komitaten der leitende Rabbiner jener Gemeinde, In welcher die Zahl der Juden verhältnismäßig am größten ist, Virilist wird, während in den Städten der Oberrabbiner der betreffenden Judettgemeindc die Vertretung erhält. Da es kaum anzunehmen ist, daß der von der Regierung unterbreitete Gesetzentwurf bezüglich der jüdischen Vertretung In den Parlamentsberatungen eine Abänderung erfahren wird, kann damit gerechnet werden, daß nach Annahme des Gesetzes die jüdische Rellgionsgesellschaft in den verschiedenen ungarischen Uunlzipalverwaltungen insgesamt 13 Vertreter von Gesetzes wegen haben wird. FHC) m II. Taborstrafle 8Tai. ft»42* J*41 Prolongiert! 3. Woc' e des großen ßrlolges wegen Em Film den jedei :>ehen muß Ur- und Allelnaufftttorung Greta Garbo 1 Regie Free? N5'<i|>, der Regisseur von Ben Hur Beginn - An Werktagen um '/»6, '/48 und 9 Uhr An bonfi" und Feieiiaf<e/i ab %5 Uh» jj^ Brief aus Polen. (Von unserem Warschauer N. R.-Berlchterstfltter,) Die Krise in der Zionistischen Organisation. Auch in der Zionistischen Organisation Pölerts dauert die' Krise fort. Die Leitung, die Gruppe L e w i t e, tritt - für die Erweiterung der Jewlsh Agency und auch sonst für die Politik Welzmanns ein. Sie hatte in der letzten Konferenz der Zionisten Kongreß-poIens und der Randgebiete eine Mehrheit von einigen Stimmen über die von .Grünbaum geführten radikalen Zionisten. Das jetzige zionistische Zentralkomitee in Polen ist seiner Aufgabe nicht gewachsen. Der Zionismus hat $ön seiner Stoßkraft, von seinem Expansionswillen, vieles eingebüßt. Auch die Eingänge des Keren-Kajemeth und Keren-Hajessod sind gering, die Zahl der Schekelzahier geht fortwährend zurück. In einem Gebiete, das fast zwei Millionen Juden zählt, gibt es etwa 4000 Zionisten, die die Parteisteuer entrichtet haben. In der letzten Parteiratsit^ung verlangte die Opposition die Einsetzung eines neutralen Komitees für die Durchführung reiner Wahlen zur nächsten Parteikonferenz, die Einhebung einer minimalen Parteisteuer und auf Grund dieser die Anlegung korrekter Mitgliederlisten. Diese Primitiven Forderungen wurden mit einer Mehrheit von 13 gegen 10 Stimmen verworfen. Die radikalen Zionisten verließen hierauf, die Sitzung des Parteirates. Sie begannen in der Oeffentlichkelt, auf Volks- und Vereinsversammlungen den Kampf um die Sanierung der Zionistischen Organisation Polens, die wieder volkstümlich gemacht werden soll. Die offiziellen Zionisten, die die Maschine und die Auslegung der Statuten in der Hand haben, beharren an dem Schein ihrer Macht, berufen sich auf Statuten, Wahlregulativs, Legalität und dergleichen mehr. Noch zwei Fragen sind In dieser Auseinandersetzung von Bedeutung. Die eine, die Art, wie die zwölf nichtzionistischen Vertreter der Juden Polens in die zu erweiternde Jewish Agency gelangen sollen. Grünbaum ver* _Seite 7 1 äjiiiiiiitiiitiiiiiiiiiiiif iitiitiiiiiiit itiiiiiitiitiiiititf ti aiiiitimiti m Z 5 Die kalte Witterung | verlangt kräftige i Ernährung : S 5 PßR^P JDIX JJ<i9JE* 5 1 Kilogramm geschälte s ist so nahrhaft wie 1 Kilogramm Fleisch 5 Achte« Sie äüf die Löwenmarke — sie bürgt s 5 für ein schmackhaftes inländisches Erzeugnis 2 s s ^Ittfttf lllllttllltlf lf tlttf Uff llllllf tlf IltllfltllllllllllUltllllf Ittlllf? langt, daß dies im Wege einer demokratisch gewählten Pro-Paläs&inakonferenz geschieht; Lewite möchte Notabeln ernennen oder Nullen m Notabein aufrücken lassen. Die zweite Frage betrifft die Unifizierung der Zionistischen Organisations Polens. Noch immer gibt es einige territoria selbständige, zionistische Organisationen in Polen, so in Westgalizien, Ostgaüzien, in Kongreßpolen mit den Randgebieten, Vom einstweiligen Oberrat der Zionistischen Organisation Polens, der aus Delegierten der einzelnen territorialen, Parteileitungen besteht, wurde die Einberufung der gesamt-polnischen zionistischen Unifizier ungskonferen 2 für Ende "März beschlossen. Die radikalen Zionisten verlangen zuerst eine San'erung der Zionistischen Organisation Kongreßpolens und der Randgebiete durch eine Konferenz, die gemäß den erwähnten Grundlagen nach dem Zionistischen. Kongreß zusammentreten soll. Die Offiziellen haben es eilig, das gemeinsame Dach — wenn es auch nicht wetterfest — zu zimmern, bevor ihnen bei richtigen Wahlen die Leitung aus den schwachen Händen entgleitet. In den letzten Tagen hat sich unter Führung des Chefredakteurs des „Majnt" A. Goldberg ein unabhängiges Komitee gebildet, das die Gegensätze zwischen der Leitung und der Opposition — Radikale und Revisionisten — austragen will. Auch dieses Komitee verlangt die Durchführung der Wahlen auf Grund einer 50-Groschen- Parteisteuer durch den Obmann des Parteigerichtes. Das Komitee hat sich für die von Grünbautn vertretene Richtung in der Landespolitik* ausgesprochen. Es hat der zionistischen Exekutive in London seine Loyalität bekundet und will, falls die von ihm eingeleiteten Friedensverhandlungen zwischen der et-liwnot (Zeit zu bauen)- und der al hamischmar (auf der Wächt)- Grüppe zu keinem günstigen Ergebnis führen sollten, die Geschicke des polnischen Zionismus in seine Hände nehmen. Auf. eine,, Anfrage der unabhängigen Gruippe erklärte Abg. Grünbaum, daß die radikalen Zionisten jederzeit zu einem Friedensschluß innerhalb der Zionistischen Organisation Polens bereit sind, da sie einen Kampf während der Zeit bis zum Kongreß vermieden sehen möchten. Sie verlangen die Bildung eines provisorischen Zentralkomitees, welches paritätisch beschickt werden soll, die Einhebung einer )5 - Groschen-Parte U t euer —- sie beträgt zurzeit in Polen 6 Zloty —, die Zurückstellung der für März anberaumte «"Parteikonferenz Kongreßpolens und der gesamtpolnischen Unifizierungskonferenz auf eine Zeit nach dem Kongresse, einen Wiederaufbau der Z i o n i s t i- Wochen-Kalender März 1929 'N UN t3"ö"in Adar 1. 5689 1 Freitag 19 -er Sabbateingang 5 35 2 Samstag 20 -s Sabbatausgang 6-18 3«n« ttwtn n-ptson .«wn I. Könige 18, 20-30 3 Sonntag 21-KD 4 Montag 22-35 s Dienstag 23-25 6 Mittwoch 24-ns 7 Donnerstag 25-H3 UficCA9% Cj* wma^m IknAII 9AhlfT Ein ordentliches Bett. Auch aus Ihrem scniechten mache IWIwd^pll dPItSf WäÄ IfliltSri YlBlll'lI ich Ihnen em gutes Lassen Sie sich von mir beraten. BettWarenhaUS BERTHOLD SAMEKV Wien, Vlll, Lerchenfelderstraßt Nr. 30. Telephon A.26-2-75. Eisend Werkstatt«, individuelle Bedienung. Keine Filiale.