Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 76 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr.?$ M$Mmm I I 11 ha b e r : 1 Richard Herzog I«, A4l<$rgassa 5 T«t. R-23-4»0O II., Kl Pf arrg. 38 I | Tel. A-41-6-24 | f Sprechapparate I IP jeder Art,'ferner § jQdlscfie und hEbrflischß Schnl'nlatten 3 § sowie alle modernsten Tanz-und Gesangsschlager 1 & in reichster Auswahl auf Lager' s Auch Teilzahlungen! Provinzversand! 1 Situation, bewußt der Größe des Augenblickes. Sie sprachen, als Z i o n i s t e nr als Vertretereines um sein Recht ringenden. Volkes.. Für die Selbstbestimmung der kleinen Nationen war die Entente in den Krieg gegangen und in dieser Zeit, in der man zum Frieden, zur Neuordnung der Wjelt schritt,, forderte auch die jüdische Nation Freiheit und Land kraft ihres Willens, ihres natürlichen Rechtes und ihrer Mündigkeit, die sie selbst erklärte, Sie hatte die Blutopfer des Krieges getragen, es war der Zeitpunkt gekommen, wo sie an , sich seihst denken mußte. Kein Friedensvertrag kann wahr sein, solange noch dieses jüdische Volk im Zustand der Rechtlosigkeit ] ejb.'t. Aehnliches hatte Max Nordau elf Jahre vorher im Haag dem Friedenskongreß gesagt. In Paris, nach den fünf Jahren der atemlosen SelbstzerfIeischung der Völker, gewann diese Feststellung an lebendigem Inhalt. Der Zehnerausschuß hörte erschüttert diese Reden an und er, beschloß, einstimmig, die B a 1four-Deklaration anzunehmen und als Willenskundgebung a<l ler anwesenden Mochte auszusprechen. Erschöpft, aber gehobenen Sinnes verließen Weizmann, SokolQWjUnd Ussischkin, geleitet von Lloyd George, die Itönferenz. Sie übersahen Silvain Levis ausgestreckte Hand ..und würdigten piiiwiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiw I Sonntag den 3 März 1929, 8 Uhr" . | abends,„ im Festsaale* dös . tiatel üi | ContinentaV.il, Taborstrasse.,; 4 «.. /.; .;.; '! 1 Ei riz ig 0 s j ü d, Kp H z e rt | der berühmten Neues Programm! Karten im Voiven-aui in der Bücherstube M. Rath, Taborstrasse 20a und an der Abendkasse des' jü'äV Li'edes j iiMMUimuiifniiMMiH^^ ihn keines Blickes ... Es dauerte; dann noch ein Jahr, ehe der Oberste Rat in San Rernö am 24. April 1920 das Mandat an England übertrug. ■ * ' Zioniste'n hatten den großen Erfolg errungen. Der Geist des Baseler Programms hatte gesiegt, der. politische Zionismus, cjie einzige politische Organisation' des jüdischen Volkes, hatte sich bewährt und es erreicht,. daß die Lebenslinie des Judentums in das Feld der internationalen Politik mündete. Was die Nichfzibnisten wollten, das hatte Silvairi Levi gesagt. Seit dem ersten Baseler Kongreß von 1897, also durch 22 Jahre, war der politische Zionismus allein am Werk gewesen, hatte er unverrückbar daran festgehalten, daß dem Judentum als einer'n at i o n a 1 e n Ei nheit sein Land gebühre, daß" alle Probleme des Judentums in dieser Kernforderung sich kristallisieren. Unablässige Erziehungsarbeit hatte der Zionismus geleistet, den politischen Willen geweckt, der aus allen jüdischen Zentren wie eine unsichtbare Influenz nunmehr nach Paris strömte und die Sieger in seinen Bann zog. Von diesem Geist getragen, stand Weizmann vor der Konferenz, ignorierte er" den armseligen Silvain Levi: Damals war der Zionismus groß, sogroß, ,wie nur eine Idee sein kann, die rein ist und im Bewußtsein ihres Rechtes und ihrer Makellosigkeit vor die bJu(starrende Welt hintritt. Weizmann wußte, daß in diesen Tagen auf den Schlachtfeldern im Westen und im Osten das Judentum ..zum Zionismus herangereift war. Es war zonistisdi, und weil Weizmann dies wüßte, fand er vor der Konferenz die eisenharten Worte des Forderns. Der Zionismus war groß und er ist klein geworden. So klein, daß die Mändntsinacht ein Stück nach dem andern aus dem Mandat wegbricht; so klein, daß jüdische Andächtige durch Polizei von der Klagemauer weggejagt werden; so klein, daß Juden aus der palästinensischen Schuiztruppe durch eine Art Arierparagraphen ausgeschlossen sind; so klein, daß die Regierung der jüdischen Stadt T e 1- Awiw die Autonomie nehmen will; so klein, daß in den Galttfhländern der nationale Wille sich vom Opportunismus hat überwältigen lassen und vorder rot e 11 n n d W e i ß e n Assimilation kriecht; so klein, daß er die Inkarnation des großen zionistischen. Erfolges, die Jewish Atrency, freiwillig, ohne Not preisgibt; so klein, daß We.izfiiann die Genossen des -Herrn Silvain Levi als gleichwertig anerkennt und sie sogar ruft . . . Die Träumer, ,die Phantasten, die Unpraktischen, die eine ganze Welt herausforderten, die den Kongreß, die Bank, den Nationalfonds schufen, die ihr credo, guia absurdum in die verdurstete Seele der Nation schleuderten —- diese Utopisten haben der Entente ihren Respekt abgezwungen. Sie sind als Träumer zurückgedrängt und : es kommen die Praktischen. Die Silvain Levis, die Geldgeber der Jewsckzia. trenni iv.vbv ky« nr.w h "SALBE* mrL^,yMSsOiJ! z^PFCf -'^i fAl^^«ffHEKE^lEfi-i->mrao^ö-tö Die Not der* litauischen Juden. Hunger und Steuerdruck. in Kownö traieri am 20. Februar mehr als 100 Vertreter von Handel und Industrie -u\- Nordlitauen, wo katastrophale Hungersnot herrscht, zueiner Konferenz zusammen, um über' Maßnahmen;zttr Besseruns:- der kritischen Lapre der Kaufmannschaft 'irr dem Hunpfergebiete zu heraten.: Eswürde mitgeteilt, ■ daß 95 Prozent der j ü d-i s c h e'-n ' L a d en b e'g i t ze r ' in"' : ' Nördlitauen z a h 1 u n ff-s u n f ä!h rggeworden' äirid: der Gesehäftstimsatz hat.-ein n.icht mehr zu unterbietendes Minimum erreicht.' Dabei .'drücken.die^Stie.«e-rhaaten unvermindert auf den geschwächten . Wirfschaftskörner. Die Mehrzahl der iltdiichen. .Kaufleute und Handwerker hungert -in einem :)Vic^t, g^ririg^ren IVIaßgi;tals( ,^die, ß.äu,e rnscha;ft^.un-d.' ist .nicht in/ der.. Lage, in" diesen!.-;str;ejrß'en. Winterdie Stuben zu Jieizen/ Die Kpn|er,en^.tfes$Top,-;-. gn.;dRegle,r ujiß.jun'd,.;Ceseikchaft einen Appell ,z#r Durchführung einer Rettungsr äktion zu richten. . ... < .. .... Das Herzlunil das Wolfsohn-IVfuseum. . . Die Einrichtung desv Arbeitszimmers Theodor H e.r zls ist in Palästina ■ eingetroffen. Darunter befindet sich: der von Herzl hergestellte Entwurf für die Fahne des zukünftigen Judenstaates. Auch die Hauseinrichtung des zweiten; Präsidenten - der Zionistischen Organisation, David Wolfsohn,' ist in Palästina eingetroffen. Man .wird demnächst . an die Einrichtung.v eines Her'zl- und , eines Wolfsohn-Museums schreiten. ^J^ff lltlllllllli llllllflllltlllllllllf Hill 'tlllllllMf ftllflttlftf llttllllllllf Vf Illlilffllllllllf Itlltf f b " Biß Wl&n.&r we^Sselz^nnfen H Tajare tu Barette | indsn mann gfaUiisten Formen erhalten I - . Sie fertig und nadi MaS , 8n bester Ckualität zu den billigsten Iii . '. nar in dei allbekanntem - j| tfnfformierungs' u.MaSsdipsTderei 1 Wien, ILTäliorstraOß Iii.fti I (Achtung auf Hausnummer 1) Tel. 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Freilich ist nicht alles veröffentlicht: Die Beilagen fehlen, und gerade sie hätten viele Einzelfragen aufgeklärt, die jetzt tinverständlich bleiben.'Aber immerhin ist es ein erfreulicher Fortschritt, daß der palästinensische Steuerzahler, der heute aus eigenen rträften, ohne Unterstützung von London, die Ausgaben seiner Regierung bezahlt, etwas darüber erfährt, was man mit dem Gelde tut, das er bezahlt, und wie man die finanzielle Lage des Landes beurteilt. Der Kolonialminister Amery erkennt in seinem Antwortschreiben rückhaltlos an, daß es eine außerordentliche Leist u n g ist, wenn heute der palästinensische St an t s- 1) a ti s Ii a 11 z u s c h u 11 f r c i z u w i r t s c h a f t e n v e rm a g. Man kann im Grunde genommen sogar noch weiter gehen und sagen, daß Palästina überdies in einem gewissen Umfang auch an den Ausgaben Transjordaniens beteiligt ist. vor allem an den Ausgaben für das G r e n z s c h u t z k o r p s. Es ist hiebei vielleicht nicht überflüssig, daran zu erinnern, daß Juden in dieses Grenzschutzkorps mit der Begründung nicht aufgenommen werden, daß das Grenzschutzkorps keinerlei palästinensische Aufgaben zu erfüllen hat, daß aber andererseits palästinensische Steuern für diesen nicht palästinen- . sischen Zweck verwendet werden. Der Bericht des Ziyilsekretürs Luke ist auf den Ton eines s.e.lir. zurückhaltenden Optimismus eingestellt: die Antwort Amerys ist noch um eine Nuance zurückhaltender, obwohl auch er den Regierungsfinanzen, für 1920 eine gute Prognose stellt. Luke erklärt, cluß das Jahr .1928 ein besonders schlechtes war, wozu die allgemeine wirtschaftliche Läge, die Dürre, die Heuschrecken, die Rinderpest beigetragen hätten. Das neue Jahr gebe bessere Aussichten: aber erst das Jahr 19J3p., werde das eigentlich entscheidende .kritische Jahr. für die. Palästinafinanzen werden.. Diese von Amery geteilten Ansichten..zeigen also, bereits deutlich, , ,; •v dafi mit einer. Aenderung der Politik der, Palästinaregicrung im Sinne aktiverer Unterstützung des ■,. jüdischen Aufbauwerkes nicht gerechnet werden kann,. oder, um - es vorsientiger auszudrücken, daß eine solche veränderte Haltung« im Augenblick nicht im Sinne der maßgebenden Personen -liegt. Und in der Tat braucht man nur die Einzelheiten des Berichtes durchzulesen, um zu erkennen, daß bei dieser Art von Verwendung der Mittel in der Tai keine ^Aussicht darauf besteht, etwas für den Aufbau des Nationalheims zu tun oder z. B. jüdische Arbeiter zu beschäftigen und damit ein paar tausend Pfund mehr auszugeben. Im vergangenen Jahr, das, wie wir-eben auseinandergesetzt haben, von Luke als ein besonders kritisches geschildert wurde, hat Palästina nicht weniger als 650.000 Pfund für den ottomanischen Schuldendienst gezahlt. Wenn Palästina aber zu dieser Zahlung durch internationale Verträge verpflichtet war, so gilt diese Entschuldigung jedenfalls nicht für die zirka 200.000 Pfund, die zur Begleichung d/es Defizits der Militär a dm i n i s t r at iori während der Okkupationszeit bezahlt wurden. Man kann sehr im Zweifel seih, ob Palästina überhaupt für diese Schulden aufzukommen hat. Es war ja schließlich nicht um Palästinas, sondern um Englands willen, daß Allenby an der Palästinafront angriff und das Land besetzte. Palästina ist ja schließlich kein besiegter Staat, de» dem Sieger die Kriegsausgaben zu bezahlen hat. Wenn man aber selbst unterstellt, daß Palästina zu dieser Zahlung verpflichtet war, so entsteht jedenfalls die Frage, ob gerade ein so schlechtes Jahr, wie es nach Dr. Lukes Darstellung 1928 war, geeignet war, diese Zahlungen nach Lohdon zu leisten. Mit 200.000 Pfund hätte die Regierung i;n Palästina sehr viel Wesentliches leisten können, das sie heute wegen Geldmangel nicht ausführen zu können glaubt. Nicht ganz überflüssig ist es auch, auf den Posten von zirka 85.000 Pfund hinzuweisen, den die Regierung zur Anjage der W'asserversörgung von Jqru« ■■" '•■ , _ «3<B>31 Hört und staunt illllllllllHIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIH Wie schön und billig Ueberzeugt euch von der besonders günstigen, Gelegenheit die jetzt bei Sommerfreiini), Sien, Vlll., Josefstädterstraße 35 / Telephon A-22-1-87 fn Perser* und chinesischen Teppichen geboten ist Lasset die Gelegenheit nicht ohne Besichtigung vorbeigehen / Nach Tunlichkeit Zahlungserlelchterungen!