Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 76 (1.3.1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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BEZUGSBEDINGUNGEN. Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—. vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei monatlich Kc. 6.-, vierteljährig Kc. 15-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.—, vierteljährig Lewa 60.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schwerer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon; A25*2-82 — Erseheint jeden Freitag Jahrgang 3 Freitag, den 7. März 1929 Nr. 76 ,//. Die jüdische Autonomie in Estland. Seite 6. Alle im redaktionellen Teil befindlichen entgeltlichen Notizen sind durch ein beigefügtes E bezeichnet. mmmammmmmmmummmmmummmmm Aus dem Inhalt: Dr. Fritz Löwenstein: Brief ans Palästina. Otto Abel es: In Großwardein. N. R„ Warschau: Brief aus Polen. Der Jud'ist schuld! Die Zarin Maria Fedorowna und die Juden. Bei den schwarzen Juden von Harlem. Aus Palästina. Aus der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Amtliche Verlautbarungen der Wiener israelitischen Kultusgemeinde. Schalom Asch: Die Mütter. Schalom Alechem: Komödianten. Der staatliche Antisemitismus T-;"-'"'iii'"Polen«1 "" Ein Angriff des Ministers Skladowsky auf Grünbaum. — Zurückweisung durch Senator Körner« Aus W a r s c h a u meldet die J. T. A.: In der Budgetkomraission des Senats kritisierte der Sprecher des jüdischen Klubs Senator K ö r n e r die Politik des Innenministeriums gegenüber den Juden. Innenminister S Je 1 a dkowsky gaib zu, daß ein großer Teil der Ausführungen des jüdischen Vertreters zutreffend und ein Teil der von ihm ausgesprochenen Forderungen gerecht seien. „Mit einem Mann wie Senator Körner", fuhr der Minister fort, „könnte die Regierung zusammenarbeiten, aber mit dem Abgeordneten Grünbaum ist eine Zusammenarbeit umnög'Üch, schon deshalb, weil er Einzelfälle verallgemeinert und z. B. mich als einen Minister darstellt, dessen Streben es sei, die Juden zu vernichten. Ich sehe in Doktor Grünbaum einen Schädling." .; .Senator K ö r n e r fiel dem Minister sofort ins Wort und sagte: „Ich solidarisiere mich vollkommen mit der Politik des Abgeordneten Grünbaum und biWige seine Anschauungen wie seine Taktik;" —. Nachdem der Minister seine. Rede beendet hatte, nahm Senator Körner das Wort zu. einer formellen.Erklärung - und stellte .fest, daß die Worte des Innenministers mit Bezug auf die Juden von ke i n e r 1 ei P osi t i v e n T a t e n zugunsten der jüdischen Bevölkerung .bekräftigt werden. „Ich protestiere", schloß Senator Körner, „dagegen, daß der Minis'er meinen Kollegen Grünbaum einen Schädling genannt hat. Abgeordneter Grünbaum ist Präsident des jüdischen Klubs, und die ..Mehrheit, der jüdischen Deputierten, ebenso die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung, ist mi t sei ner aufrichtigen und geradlinigen Politik solid a r? s c'b." i Das neue amerikanische Fremdengesetz. Verschärfung der Einwanderungsbestimmungen. ..,t> Au,s (N, e ,w. Y o r k . wird uns geschrieben: Das vom amerikanischen Kongreß soebr angenommene, von Jo,hnson unterbreitete. Gesetz wegen Ausweisung von •Fremden ist das strengste seiner Art. Nach dem Gesetze werden alle auf illegalem Wege In den letzten'fünf Jahren in dje Vereinigten Staaten eingewanderten Ausländer nachsichtslos ausgewiesen werden, wann und wo immer man sie fassen wird. Außerdem sind für illegal Eingewanderte s c h we r e . G e f än g ni s s t r af e n vorgesehen. Fremde, die sich des Mädchemhandels, Schmuggels usw. schuldig machen, werden ausgewiesen, auch wenn sie legal eingewandert sind. Der Judenmord-Bolschewismus. Eine Kommission zur Untersuchung der antisemitischen Strömung in Rußland. Aus Moskau, 21. Februar, meldet die J. T. A.: Der immer mehr emporkommende Antisemitismus unter den Angestellten und Beamten der Moskauer Bemifsgenossenschaften und der staatlichen Magazine hat die zentrale Organisation der Angestellten veranlaßt, eine eingehende Untersuchung unter allen kommunistischen Zellen, Arbeiterklubs und technischen Schulen Moskaus über die Ursachen des Antisemitismus .durchzufüHren. Eine aus1 150 Mitgliedern bestehendem Kommission'wurde zu diesem Zweck eingesetzt Das zentrale Organ der Söwjetregierung, j^rawdaVY führt darüber Klage, daß der Antisemit* Arbeitskreisen mit eine^Urs^he^lsi, daß die zionistische und sonstige, nationalistische Bewegung unter den jüdischen Massen sich immer mehr verstärkt. Auf diese Weise, schließt die Zeitung, ist der Antisemitismus ein Hindernis für die Befestigung des kommunistischen Einflusses unter den Massen des Volkes. Ein jüdischer Arbeiter erschlagen. Die Sowjet-Nachrichtenagentur „Rost a" verbreitet einen aufsehenerregenden Bericht über die Tötung des jüdischen Jungkommunisten B o 1 s c h e m i n i k <> w durch den Jungkommunisten Trofimow. Der Mörder und der Ermordete waren beide in der Metallfabrik zu Pskow in Weißrußland, in der Nähe der lettländischen Grenze, beschäftigt und gehörten der gleichen jungkommunistischen Liga an. Als Trofi moow verhaftet und in ein Verhör gezogen wurde, erklärte er: „Ich tötete ihn, weil ich Russe bin und er Jude war." Als der das Verhör führende Polizeibeamte Trofimow darauf aufmerksam machte, daß die von ihm gegebene Begründung des Mordes unsinnig sei, erwiderte Trofimow: „Ich sagte ja nur etwas' Selbstverständlich.es — was ist denn so Ungewöhnliches.dabei?" Es stellt sich heraus, daß fünf Mitglieder der jungkommunistischen Liga bei der Ermordung Bolscheminikows durch Trofimow * zugegen waren und keinerlei Anstalten trafen, Bolschemtnikow beizustehen. Nach dem vollzogenen Mord besuchte Trofimow eine Versammlung im Arbeiterklub, in der über die ungesunden Symptome innerhalb der Arbeiterorganisationen diskutiert worden war. Die Ermordung Bolscheminikows war der Schlußakt einer langen Verfolgung, der er, der Jude, seitens) seiner nichtjüdischen Arbeitskollegen ausgesetzt gewesen war. Er hatte sich wegen der Verfolgung bei .dem kommunistischen Fabrikskollektiv beschwert, das Kollektiv weigerte sich aber, irgend eine Maßnahme zu seinem Schutz zu ergreifen. Außer Trofimow wurden zwei weitere junge Kommunisten, Kunitzin und Gurtn, wegen Beteiligung an der Verfolgung Bolscheminikows verhaftet. Die: jüdischen Arbeiter von Pakow hielten eine Protestversammlung ab und nahmen eine Resolution an, in der gesagt wird, daß ' durch die systematische Verfolgung und Einordnung jüdischer Arbeiter In den Arbeitsstätten ein jüdischer Chauvinismus, - großgezogen wird, wie er im Verlauf der Versammlung selbst in Erscheinung getreten war." Den Juden wird das Wahlrecht genommen. \ 1 yk?. Aus Moskau meldet-die J. T. A.: Im Zusammenhange mit den bevorstehenden Wahlen zu den Sowjets sind sehr viele Juden aus den Listen der Wähler gestrichen worden. In einigen Städten sind 50 Prozent der jüdischen . Bevölkerung des Wahlrechtes verlustig gegangen. Für die des Wahlrechtes Beraubten hat sich die Lage insoferne traurig gestaltet, als der Verlust des Wahlrechtes in der Sowjetunion mit dem Verlust vieler anderer Rechte verbunden ist. . Es wird allgemein darüber geklagt, daß die mit der Wahlregistrierung betrauten Sowjetbeamten sehr rücksichtslos vorgehen. Juden, die seit drei Jahren proletarische Arbeiter sind, wurden, w e i 1 s ie einst Händ- •1 e r waren, aus den Wählerlisten gestrichen. Das Zentralkomitee der nationalen Minderheiten befaßt sich jetzt mit dieser Angelegenheit. * >hv Das Jubiläum der Träumer. —y. Am 27. Februar 1927 beschloß der Zehnerausschuß der alliierten Rächte in Paris, in bezug auf Palästina die B alfour-E rklärung zur Richtlinie für die künftige Neuordnung zu nehmen. Der Beschluß war gefaßt worden, nachdem der Ausschuß, dem der eben von schwerer Krankheit genesene Cl eiue rjreeau präsidierte, die Vertreter der Zionistischen Organisation W e i zm a n n, Sokolow und Ussischkin angehört hatte. Es handelte sich um das Bestreben Englands, das im Növeniber 1917 in der Zeit des Krieges den Zionisten gegebene Versprechen durch die Friedenskonferenz sanktionieren zu lassen und selbst den Auftrag zur Realisierung zu ' erhalten. Aus wohl erwogenen politischen Gründen selbstverständlich und auch aus einer starken Sympathie für das Volk, das die Bibel geschaffen hatte. Diese Sympathie war mit ein politisches Aktivum, das der britischen Nation die .dankbare Freundschaft des jüdischen Volkes sicherte. Nebenher schloß das Mandat für die Zeit seiner Dauer auch eine Hegemoniestellung im vorderen Orient in sich. Gerade dieser Umstand mußte aber auch Widerstände auslösen, die sich vielleicht nicht so sehr gegen die jüdischen Forderungen, als gegen England als Träger des Mandates richteten, und sie machten sich in Frankreich geltend, für das der Orient ein wichtiger Punkt des politischen Prestiges war. Frankreich setzte es durch, daß auch ein französischer Jude zur Kommission beschieden wurde, Silvain Levi, Professor am College de France, Pichon, der ihn vorgeschlagen hatte, zeigte eine tiefe Kenntnis-der Assimilanten-. Psychologie. Er wußte, daß sie ihre herzinnige Feindschaft gegen den jüdischen Volksgedanken gerne mit patriotischer Verbrämung zeigt und ansonsten sich der humanitären philanthropischen Terminologie bedient. Silvain Levi wurde also berufen und es kam zu einer peinlichen Szene. Der französische Kammerknecht erklärte sich als Franzose; er negierte alles: die Existenz einer jüdischen nationalen Individualität, die jüdische Sehnsucht nach einem eigenen Land und nach freier Entwicklung, die Ansprüche auf Selbstbestimmung. Ja er zeigte, wie das Bulletin der amtlichen Agence Havas auszusagen wußte, die politischen Unzukönimlich-» keiten, zu denen der Gedanke der jüdischen nationalen Heimstätte führt, und war im übrigen so gnädig, das Bedürfnis nach einer Art Asyl für die ^verfolgten Juden des Ostens anzuerkennen. Die Zionisten, die Vorgeladen waren, vermieden es mit gutem Grund, auf diese Argumentation einzugehen. Sie waren auf der Höhe; der BILLIGER ALS SIE DENKEN SIND ECHT HERRENANZUGSTOFFE, NUR ENGLISCHE FABRIKATE von S 31.- aufwärt» DAMENMANTELSTOFFE, NUR ENGLISCHE FABRIKATE von S 34,- aufwart» ENGLISCHE STOFFE =WEINHOLD & Co. ==s fÄM^N^i ^WirtMM^^^wrt^^ ħ Pm&*^*y*0