Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 75 (22.2.1929)
- Date
- 1929-02-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 DIE NEUE WELT Nf.75 Schnee in Jerusalem. Der unerwartete große Schneefall, von dem Jerusalem letzthin überrascht worden ist) hat, wie die palästinensischen Blätter berichten, in den verschiedenen Bevölkerungskreisen verschiedene Gefühle und Erinnerungen erweckt. Zunächst schien es, als wollte der an Licht und Sonne gewöhnte heilige Boden von Jerusalem den seltsamen weißen Gast aus dem kalten Norden nicht recht aufnehmen. Der Schnee zerfloß bald und zeitigte ein ungewohntes Quatschwetter. Die Menschen froren und fluchten unzufrieden. Aber als dann die Nacht hereinbrach, die Straßen menschenleer wurden, da nahm der nordigfrostige Gast doch Besitz von den Straßen. Als die Be- Maxa Nordau heiratet. Mäxa Nordau, die bekannte Bildhauerin, Tochter Max Nordaus, hat sich mit dein palästinensischen Grundbesitzer Grünblatt verheiratet und wird mit ihrem Gatten ständig in Palästina wohnen. Besserung der Wirtschaftslage. Herr E. N. Mohl, Direktor der Loan Bank, Ltd., in Palästina, hat einen Bericht an das Joint Distribution! Committee über die Verwaltung des vom Joint zur Verfügung gestellten Notstandsfonds von 50.000 Dollar, der in den Krisen jähren eine heilsame Aufgabe zu erfüllen hatte, erstattet. Besonders in Tel-Awiw, heißt es in dem Bericht, brachte der Fonds tausenden durch die wirtschaftlichen Verhältnisse in schweren Druck Gekommenen Hilfe. Bei der Gewährung der Anleihen wurden Witwen und Witwer, die für die Erhaltung von Familien zu sorgen:, hatten, bevorzugt; ausgeschlossen waren Darlehensbewerber, denen die Möglichkeit offen stand, von der Loan- Bank oder den Kreditgenossenschaften Darlehen zu erhalten. An Zinsen wurden 6 Prozent erhoben. Am 30. September trat der Fonds in Liquidation, ohne daß — ein Zeichen für die wirkliche Besserung der. Verhältnisse — für irgend jemand ■ dadurch Unannehmlichkeiten entstanden. Die Zahl der wirklich Bedürftigen ist gegenwärtig gering; es kann für sie anderweitig gesorgt werden. Ein großer Teil der früher aus! Ldem Notstandsfonds Unterstützten vermag jetzt auf eigenen Füßen zu stehen. 100.000 Dollar für Erziehungsarbeit. Ein ungenannt sein wollender Spender hat eine Summe von 100.000 Dollar als Nissim-Behar-Fonds zur Erhaltung einer Knaben--und Mädchenschule in Palästina gestiftet und die erste Rate in Höhe von 10.000 Dollar bereits zu Händen von Nissim Behar, dem zu Ehren der Fonds gestiftet wurde, erlegt. Nissini Behar ist in Palästina geboren und hat sich bis Ende des vorigen Jahrhunderts sehr viel im Erziehungs¬ und sozialen Hilfswerk Palästinas hervorgetan. 1901 kam er nach New York und nimmt seitdem großen Anteil am öffentlichen jüdischen Leben der Vereinigten Staaten. Die Kommunisten. "Von den kürzlich wegen Abhaltung einer illegalen Versammlung in Tel-Awiw verhafteten 17 Kommunisten, unter ihnen acht Mädchen, wurden vom Gericht 14 zu je 15 Tagen Gefängnis, abzulösen durch eine Geldbuße von je 5 Pfund, einer zu 30 Tagen Gefängnis oder 6 Pfund Geldbuße verurteilt; zwei der angeklagten Mädchen wurden freigesprochen. , Die Heuschreckenplage. Uin scharfer Südwestwind hat die aus Transjordanien eingefallenen Heuschreckensch wärme, soweit STRENG ->E?3 SELCHWAREN-FABRIK Wien, XX., KlosterneuburgersfraRe 60 unter besonderer Aufsicht des Oberhauptes der polnischen Gemeinde Wiens, Sr. Ehrwürden des Rabbiners M. Mayersohn D^aKD-rjmn.is^yT *mo oDTöon pwn »\n nw nrwn nnn nb '»w nun va« .twto irwnwö y«d Tägltcn frische und erstklassige bpezial-Erzeugnisse feinster Wuistu. Selchwaren. — Provin2versand WILHELM PETYAN« SELCHWAREN-FABRIK Wien. XX., Klojtemeuburgerstraöe 60 Telephon A-43-1-59 völkerung am anderen Morgen erwachte, bot sich ihneni das nicht alitägliche Schauspiel dar, wie der Skopusberg und der Oelberg von fernher, in weine Decken gehüllt!, strahlend die Landschaft beherrscht. Die Moscheen und Burgen schienen in der Nacht weiße Schlafmützen aufgestülpt zu haben, aber noch schöner wirkte der Kontrast zwischen den eingeschneiten Höhen, den weißen Dächern und den grünen Streifen in den Tälern und den schwarzen, ernsten Mauern der uralten' Steinhäuser in Jerusalem. Nur die Schuljugend begrüßte den Fremdling mit wahrer Lust und Freude. In der Nähe des Gymnasiums entwickelten sich regelrechte Schneeballenschlachten, denen aber die Jerusalemer Sonne bald ein Ende machte. sie nicht durch Flammenwerfer . vernichtet worden waren, gegen Osten in die Wüste getrieben, so daß jetzt ganz Palästina von der Heuschreckenplage befreit ist. Die Ernte hat keinerlei Schaden gelitten. Auszeichnung Johann Kremenetzkys. Ingenieur Johann Kremenetzky, der bekannte Freund und Mitarbeiter Theodor Herzls und Begründer des Jüdischen Nationalfonds, wurde mit dem Diplom der Stadt Wien für öffentliche Verdienste auf dem Gebiete der Lichttechnik ausgezeichnet. Die Auszeichnung geschah aus Anlaß des 50jährigen Wirkens Kremenetzkys in Wien, Kremenetzky ist der führende Lichttechniker Oesterreichs. Für die hungernden Juden in Bessarabien. Die Aktion des deutschen Hilfsvereines. Die Bessarabien-Aktion des Hilfsvereines der deutschen Juden ist im vollen Gange. Es sind von Institutionen und Einzelpersonen zum Teil ansehnliche Beiträge eingegangen. Angesichts der großen Notlage hat der Hilfsverein einen Betrag - von 15.000 Mark an das Hilfskomitee in Kischinew telegraphisch überwiesen. Wie die J. T. A. erfährt, hat das American Joint Distribution Committee beschlossen, für die hungernden Juden in Bessarabien für die Dauer der Hungerperiode (etwa bis zur Einbringung der neuen Ernte im Sommer 1929) eine Summe von 20.000 Dollar zur Verfügung zu stellen. Die Jewish Colonisation Association iu Paris hat 27.000 Dollar zur Anschaffung von Lebensmitteln bewilligt. Die Alliance Israelite Universelle bewilligte aus eigenen Mitteln 40.000 Francs als schnelle Hilfe für die Hungernden. Der Verband der jüdischen Hilfsorganisationen in London hat 600 Pfund an das Kischinewer Hilfskomitee gesandt. Jüdisch-akademischer Philosophenverein. Das lOsemestrige Stiftungsfest. Anläßlich des 40semestrigen Stiftungsfestes des Jtid.- akad. Philosophenverines fand am 13. d. im kleinen Festsaal der Universität eine Feier statt. Den Ehrenvorsitz führte der Förderer dieser Vereinigung Herr Hof rat Prof. Dr. S. F r a n k f u r t e r. Nach Begrüßung der erschienenen Gäste, insbesondere des Rektors I n n i t z e r, des Präsidenten der Isr. Kultusgemc'inde, Dr. Pick, des Präsidenten der zion. Landesorganisation Dr. Goldhammer, sowie der zahlreich erschienenen Universitätsprofessoren, legte der Obmann cand, phil. und ing. Philipp P i c k h o 1 z die Gründungsgeschichte, Tätigkeit und Ziele des Vereines dar, Hierauf ergriff Hofrat Prof. Dr. Frankfurter das Wort zu einer Ansprache, die in einem Appell an die jüdische Studentenschaft gipfelte, stets den Zusammenhang mit der Universität und dem Lehrkörper zu wahren. Sodann würdigte, der Rektor die wissenschaftliche Begeisterung der jüdischen Studentenschaft, die ihr und ihrer Nation zur Ehre gereicht. Er betonte, daß die jüdische Studentenschaft den akademischen Behörden als ein Element der Ruhe und Ordnung bekannt ist. Im Namen der jüdischen Studentenschaft Oester- SIEGM. KORNHEHL GROSSFLEISCHHAUEREI Zentrale IX.. Bcrgga»«* 19, Telephon {7-3-99 n. 16-9-34 Lieferant tü r Heilanstalten Abteilungen für «^»Fleisch unter Aufsicht des Ehrwürdigen Rabbinats der Isr. Kul* tusgemeinde Wien Autosusteilung Kostenlos IX. Berggasse 15 ✓ XVIII., Währingerutr. 97 tnmmiiimHftmitmniiniinimtnntimmiiniirmimnfminTfritifmtimimttiimiiii ^rmm^iuaimviiOTnfliiiJBiiHimitmwfflrmm Nach Schluß des Blattes. Weizmanns Gesundheitszustand« Eine Mitteilung der Zionistischen Organisation. Aus London, 17. Februar, meldet die J. T. A.: Das Zentralbüro der Zionistischen Organisation teilt mit, daß Präsident Dr. Weizmann an einer Sepsis in der Kehle leidet und im allgemeinen sehr abgespannt sei, so daß er sich auf Anordnung der Aerzte einer Heil- und Erholungskur unterziehen muß. In Anbetracht so vieler Jahre angestrengter und unermüdlicher Arbeit, heißt es in der Mitteilung weiter, ist eine völlige Wiedergenesung nur allmählich zu erwarten. Der Gesundheitszustand von Dr. Weizmann bessert sich zusehends, zu einer Besorgnis ist kein Grund vorhanden. Bekanntlich hat Dr. Weizmann die Berliner A. C.-Sitzung Ende Dezember vorigen Jahres aus Gesundheitsrücksichten nooh vor deren Beendigung verlassen müssen. relchs gratulierte der Präses D. Bukspann. Den würdigen Abschluß fand die Feier in den geistvollen Ausführungen des Dozenten Dr. Oswald Schwarz in seiner Festrede über das Thema „Die Philosophie des Geistes als Philosophie der Natur". Am 16. d. fand der Repräsentationsabend im Palais Ratibor statt. Erste Palästinareise 5689. 13. März bis 9. April 1929. Am Morgen des 13. März 10 29 fährt die Gesellschaft der vom Verbände demokratischer Zionisten und der Vereinigung demokratischer Zionistinnen veranstalteten Palästinareise von Wien weg. Das im Prospekt veröffentlichte Programm hat nur insoferne eine Aenderung erfahren, als der Aufenthalt in Jerusalem um den Samstag den 23.- März-verlängert wurde. Dieser Tag steht — wie übrigens auch die anderen Samstage — den Reiseteilnehmern zur freien Verfügung und finden an diesen Tagen keine Ausflüge undl Veranstaltungen statt. Die Reiseleitung hat ein Merkbuch für die Reiseteilnehmer herausgegeben, welches in den nächsten Tagen zur Versendung geTangen wird. Dieses Büchlein enthält alles für die Reiseteilnehmer Wissenswerte und bringt überdies außer einer Landkarte das richtiggestellte Reiseprogramm. Der Reiseleitung ist es gelungen, noch eine Anzahl guter Kabinen auf dem Luxusdampfer „Ausonia" zu reservieren und werden daher noch weitere Anmeldungen bis Ende Februar entgegengenommen. Die Zuweisung der Kabinen erfolgt in der Reihenfolge der Anmeldungen. Die von den Veranstaltern errechneten Pauschalpreise sind ohne jeden Gewinn kalkuliert und demgemäß billig, so daß die Teilnahme an dieser Reise mit nicht allzu großen Geldopfern verbunden ist. Der Preis für die ganze Reise von Wien bis Wien beträgt bei Benützung der zweiten Schiffsklasse engl. Pfd. 58 (S 2000), bei Benützung der dritten Schiffsklasse, spezial, engl. Pfd. 41 (S 1400), bei Benützung der dritten Schiffsklasse, einfach, engl. Pfd. 35 (S 1200). Prospekte werden vom Sekretariat der Reiseleitung (Frau Berta Taubes, Wien, IL, Böcklinstraße 92) über Verlangen gratis zugesendet. Die Einzahlungen erfolgen auf das Postsparkassenkonto der „Neuen Welt" und erhalten die Reflektanten die nötige Anzahl Posterlagscheine. Auskünfte werden auch auf telephonischem Wege durch Frau Paula Stricker, Telephon R-45-6-89, und Frau Berta Taubes, Telephon R-43-9-19, erteilt. Bei der kalten Witterung muß die Hausfrau darauf achten, dem Körper wärmezuführende Speiisen auf den tisch zu bringen. Zur Bereitung solcher Gerichte eignen sich in hervorragender Weise die Hülsenfrüchte, unter ihnen an erster Stelle die Erbsen, dank des lhn$n eigenen hohen Kaloriengehaltes. Neue Rezepte und Verwendungsarten lernen die Hausfrauen in der Ausstellung «Der neue Haus* halt", VI„ Madahilferstraße 2. (Eintritt frei.) Wir geben hiemit aufs tiefste erschüttert Nachricht vom Ableben unserer Gattin, Mutter und Großmutter, Frau > Ghana Taubes dje im Alter von 66 Jahren nach kurzem Leiden sanft entschlafen ist. - Das Leichenbegängnis fand Dienstag den 19. d. M. statt, Löbl Taubes als Gatte Dr. David Taubes, Dr. Israel Taubes, Jakob Samuel Taubes als Söhne Esther Judith Taubes als, Tochter Berta und Salome Taubes als ichwlegertöditer Enkel und Enkelinnen