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Die neue Welt · 1929-02-22 · Heft 75 (22.2.1929) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 75 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nf. 75 DIE NEUE WELT Seite 1 im X Bez. an |üd. Herrn zu vermieten X., RotenhofRasse 10/1 Der pardotmierteHakenkreuzler Vor dem Schwurgerichte in Nürnberg hatte sich dieser Tage der wegen Aufhetzung und übler Nachrede angeklagte Karl Holz, Redakteur des nationalsozialistischen Blattes „Der Stürmer", zu verantworten. In einem Artikel „Gotteslästerung in der Schule. — Der Jude Köhler verhöhnt Jesus Christus" hatte er den jüdischen Professor Köhler des Realgymnasiums in Sonneberg schwer beleidigt und bei diesem Anlasse wieder einmal den Judenpogrom als Heilmittel empfohlen. Professor Köhler wurde in dem Artikel beschuldigt, seinen Schülern folgenden ,,Witz" erzählt zu haben: Frage: „Wer ist der beste Fußballspieler?" Antwort: „Jesus!" In der Verhandiun-g ergab stfch, daß Professor Köhler seinen Schülern überhaupt nichts erzählt hatte. Irgendein Student hatte seinen Kollegen außerhalb des Unterrichtes diesen Witz zum Besten gegeben. Der Staatsanwalt beantragte, den Angeklagten, welcher erst vor kurzem sechs Wochen wegen Verleumdung absitzen mußte, mit zwei Monaten Gefängnis zu bestrafen. Der als Nebenkläger anwesende Professor Köhler, ein älterer Herr, aber bat das Gericht, von einer Freiheitsstrafe abzusehen, denn er wolle nicht,- daß seinethalben ein Mensch ins Gefängnis gesetzt werde. Der Verteidiger des Hakenkreuzlers Meß sich herbei, dieses Verhalten des Juden als „christliches Verhalten" zu beloben. Holz bat um Verzeihung und kam mit einer Geldbuße davon. Die Friedhofschändungen in Deutschland« Der preußische Justizminister über die „Eigenart der Vorgänge". In der Justizdebatte im preußischen Landtagsausschuß erklärte Justizminister Dr. Schmidt u. a.: Die in den letzten Jahren leider recht häufig aufgetretenen Friedhofsschändungen seien auch für die Justizverwaltung ein Gegenstand ernster Sorge. Leider werden in solchen Fällen selten die Täter ermittelt, was mit der Eigenart der Vorgänge, Abgelegenheit des Tatorts, späte Entdeckung usw. zusammenhänge. Gelinge es aber, den Täter zu ermitteln, so sei auch der Minister der Meinung, daß derartige schmähliche Vergehen nachdrücklich zu ahnden seien. Der Propagandist des Ritualmordes. Rohling 90 Jahre alt. Am 15. d. beging in Salzburg der ehemalige Professor des Bibelstudiums an der theologischen Fakultät der Prager deutschen Universität, Dr. August Rohling, seinen 90. Geburtstag. Rohling, der Kanonikus des Kollegiatkapitels zu Allerheiligen ob dem Prager Schlisse war, machte sich seinerzeit durch seine führende Rolle in den Ritualmordbeschuldigungskämpfen, bekannt. Er kam 1876 als ordentlicher Professor nach Prag. Alsbald lenkte er durch judenfeindliche Tendenzschriften die Aufmerksamkeit auf sich. Vor allem war es der 1881 erschienene „Tva 1 m u d j u d e", der viel Staub aufwirbelte. Diese Schrift sowie Aufsätze über den Ritualmordprozeß in Tisza-Eszlar gaben dem damaligen österreichischen Rei.chsraisabgeordneten, Rabbiner Doktc-r Bloch, den Anlaß zu öffentlichen Erklärungen, worin er Rohling in so scharfen Worten des Versuches der Verleitung zum Meineid beschuldigte, daß Rohling» die Ehrenbeleidigungsklage gegen Dr. Bloch einbrachte; er zog sie aber noch vor der Verhandlung wieder zurück. Auch in den Ritualmprdprozeß in X a n t h e h in Deutschland griff er durch Veröffentlichungen ein. Schließlich erregte er durch sein Auftreten auch in den römischen Kreisen Anstoß, so daß seine Schrift „Der Zukunftsstaat*' von der Indexkongregation auf den Index gesetzt wurde. Daraufhin wurde Rohling vom österreichischen Unterrichtsminisler 1S98 zunächst beurlaubt und am 1. April 1899 pensioniert. Die Ritualmordltige in Bulgarien. Aus Sofia meldet die J. T. A.; Der sozialistische Deputierte Heykow richtete im Parlament eine Interpellation an das Ministerium des Innern betreffend den Zwischenfall in Haskowo, wo aus einer nichtigen Ursache eine die jüdische Bevölkerung bedrohende Ritualmordhetze eingeleitet worden war. Der Deputierte verurteilte das Vorgehen der Polizei in Haskowo und forderte eine strenge gerichtliche Unteisuchung gegen die Hintermänner der Hetze sowie 'deren Bestrafung. Die Anfrage schloß: „Wer, Herr Minister, hat den Auftrag zu einer Haussuchung beim Rabbiner von Haskowo erteilt und zu welchem Zweck wurde diese Haussuchung vorgenommen? Was geJenkt die Regierung zu tun, um die jüdische Bevölkerung gegen ähnl;che Anschläge zu schützen?" Eine Antwort der Regierung ist bisher nicht erfolgt. Schreckliche Wohnungsnot der Saloniker Juden. Venlzelos will nichts tun. Aus Saloniki meldet die J. T. A.: Eine Abordnung der jüdischen Gemeinde von Saloniki begab sich dieser Ta<re nach Athen, um dem Ministerpräsidenten V.nizelos de traurige Wohnungslage der JuJenschaft von Saloniki aarzulegen. Die Mitglieder der Abordnung erzählten Venizelos, daß viele hunderte armer jüdischer Familien in Höhlen, Kellern, Hausruinen und Baracken zusammengepfercht wohnen. Nunmehr gehen die Behörden daran, im sanitären und Sicherheitsinteresse alle diese Unterkünfte wegzuräumen. Die Abordnung forderte von Venizelos, daß die Regierung für die Unterbringung der wohnungslos gewordenen Familien sorgen möge, da die jüdische Gemeindeverwaltung finanziell völlig erschöpft sei und in dieser Beziehung nichts mähr leisten kann. Mn'sterpr? s'd«nt Venizelos erklärte der Abordnung, die Regierung habe genug dam t zu tun, um die Flüchtlinge aus der Türkei unterzubringen und S3i darum materiell nicht 'n der Lage, zur Lösung des Problems der Unterstandslos gewordenen jüdischen Familien v»i« Saloniki irgend etwas beizutragen. Die Antwort des Regierungschefs hat auf die Juden Salonikis einen niederdrückenden Eindruck gemacht. Die Führer der jüdischen Gemeinde stehen dem Wohnungsproblem ratlos gegenüber. Infolge täglich vorkommender Demolierungen baufälliger Häuser werden immer weitere jüdische Familien auf die Straße geworfen, ohne daß irgend eine Aussicht CENTRAL-KINO 6<C) I" " II. Tabor Straße 8:: Tel.R-42-3-41 Prolongiert! Ur- und AllelnauffUhrung Greta Garbo <?c© in i Die von Loge Hl 13 Regie Fred Niblo, der Regisseur von Ben Hur Beginn An We ktaen um '/f6, 748 und 9 Uhr An Sonn- und Feiertagen ab l/25 Uhr für deren Unterbringung besteht. Mit Hilfe der vom Joint Distribution Committee vor drei. Jahren zur Verfügung gestellten Summe von .20.000 Dollar (wovon 10.000 Dollar als Darlehensvorschuß gedacht waren) sowie in Saloniki selbst aufgebrachter Hilfsgelder war es damals möglich, ein Terra|n von 170.000 Quadratmeter zu erwerben und darauf zweckentsprechende Wohnungen für 200 arme jüdische Familien zu errichten. Seither ist auf diesem Gebiete nichts mehr getan worden. Konferenz der Zionisten Griechenlands, In Saloniki wurde dieser Tage die sechste Konferenz der zionistischen Vereinigung Griechenlands abge-. halten. Es fanden sich 46 Delegierte ein, von denen 22 die zionistischen Vereine Salonikis, 18 die zionistischen Ortsgruppen der jüdischen Hauptgemeinden Alt und Neu-Griechenlands und 6 die verschiedenen zionistischen Institutionen vertraten. Die Konferenz widmete sich der Beratung" der Angelegenheiten der Jewish Agency, Organisation, Propaganda usw. Es wurden 35 Resolutionen angenommen, die in der Hauptsache die innere A r b e i t betreffen., sowie ferner eine Resolution betreffend Ein- 1 ad ung aller jüdischen Gemeinden in Griechenland zur Teilnahme an einer Beratung, die die Teilnahme, der Judenheit Griechenlands an der erweiterten Jewish Agency sicherstellen soll. Andere Resolutionen betreffen einen Protest gegen die Verfolgung des Zionismus in Rußland, die Gründung einer Kolonie griechischer Juden in Palästina u. a. m. In das neue leitende Komitee wurden gewählt: Acher Maliah, David Florentin, David Matalon, Mentech Bessantchi. Isac Amariglio, Albert Fraricös, Salomon Garghir, Isaac Angel, Salomon Biti, Elie Francas, Moise B4nuz.:<glio und Salomon Anmir. Eine Zeitung, die sich vom Antisemitismus lossagt. Aus Zürich wird gemeldet: Der Redakteur des in Bülach erscheinenden „Lägern-Boten", der in der letzten Zeit antisemitischen Charakter trug und u. a. die „Protokolle der Weisen von Zion" veröffentlichte, erklärt, daß er die bisherige antisemitische Haltung der Zeitung bedauert und ihr nun eine andere Richtung geben wird. Cafe Reklame Cafetier; Jakob Goldfliefc Wien, IC, Praier*tra(j<8 Nr. 34 anschließend die „Jüdischen Künstlerspiele* t Vorzügliche Getränke und kalte Speisen zu billigen Preisen / Rummy- Spieltische Treffpunkt der jüdischen Gesellschaft «jitiiiMiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiimiii | Die kalte Witterung | verlangt kräftige Ernährung ERBSE 1 Kilogramm geschälte ist so nahrhaft wie 1 Kilogramm Fleisch 5 Achten Sie auf die Löwenmarke — sie bürgt a» mm s für ein schmackhaftes inländisches Erzeugnis s mm mm ntiiHiitiitiiiiiiifftiiiiiiiiiiiiittiititiiittiiiiiiiiiiiiittiiiitiiiiiin AUS PALÄSTINA. Das Budget der Palästina- Regierung. Die Einwnnderungsgebühren sollen erhöht werden. Die Palästina-Regierung veröffentlicht den Briefwechsel zwischen dem Oberkommissär und dem Kolontalamt in London über das Budget für das Jahr 1929. In dem einleitenden Bericht des Oberkommissärs wird festgestellt, daß das Jahr 1928 infolge der Trockenheit, der Heuschreckenplage und der allgemeinen wirtschaftlichen Depression als ein abnormales Jahr anzusehen sei, daß aber das Jahr 1929 ein gutes zu werden verspricht. Der Rechnungsabschluß Ende 1928 ergab einen Ueberschuß von 360/206 Pfund gegenüber einem Ueberschuß von 1,387.206 Pfund zu Ende 1927. Die Verminderung erklärt sich u. a. daraus, daß 206.550 Pfund zur Deckung des Defizits der militärischen Administration! 650.000 Pfund zur Deckung der ottomanisdien Schuld und 84.357 Pfund für die Jerusalemer Wasserversorgung usw. verwendet wurden. Im weiteren Verlauf der Korrespondenz . wird eine Prognose für das Jahr 1929 gegeben. Die Einkünfte für dieses Jahr werden mit 2,540.312 Pfund, die Ausgaben mit 2,577.336 Pfund veranschlagt. Der Bau "des Haifaer Hafens und die Entwicklung der Orangenzucht, heißt es weiter, werden Handel und Industrie anregen und zur Erhöhung der Einkünfte beitragen. Aus dem Kadoorie-Foncls wurde eine landwirtschaftliche. Schule für Araber errichtet, die ihre Wirksamkeit in der zweiten Hälfte 1929 beginnen wird. Die Ausgaben für Polizeiwesen können wegen der in Palästina bestehenden Umstände und weil sich in den benachbarten Orientländern unvorhergesehene Zwischenfälle ereignen können, nicht eingeschränkt werden. In der Antwort weist Kolonienminister Amery auf die Notwendigkeit der Kürzung der Ausgaben um 100.000 Pfund gemäß den Vorschlägen der vom früheren Oberkommissär Lord Plumer eingesetzten Sparkommission hin. Er billigt die Verminderung öffentlicher Arbeiten und begründet dies damit, daß letztens außerordentliche Arbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit unternommen wurden. Amery schlägt eine Erhöhung der Gebühren für Einwand er u n g zum Zwecke der Selbsterhaltung des Immigrationsdepartements vor und weist mit Genugtuung auf das Eisenbahnbudget hin, das infolge wirtschaftlicher Vorkehrungen einen Ueberschuß aufweist. WocHen-Kalender Februar 1929 'K -Htf tt"snn . Atiar 1. 5689 22 Freitag Sabbateingang 519 23 Samstag 13 -r Sabbatausgang 6*05 D*i*rp nrti 'cn ,rrsn (Ezechiel 43, 10-27) 24 Sonntag 14 —T ttsp owip 21 Montag 15—ito »öp omo |«w 26 Dienstag 16~ TW 27 Mittwoch n-v 28 Donnerstag 18 -m /

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