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Die neue Welt · 1929-02-22 · Heft 75 (22.2.1929) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 75 (22.2.1929)
Date
1929-02-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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r ri Seite 6 om mim welt Nr. 75 Die Dominiumfrage. Das Statut der Londoner Liga. Die vor kurzem in einer im Unterhaus stattgefundenen Versammlung begründete „Seventh Dominion Leagues", die die Umwandlung Palästinas in ein englisches (siebentes) Dominion erstrebt, veröffentlicht soeben ihre Satzungen, die lauten: 1. Die Liga fördert die Entwicklung Palä-» stinas als Nationalheim für das jüdische Volk und erstrebt die Sicherung der Mitarbeit des englischen Volkes und der englischen Administration bei der Verwirklichung dieses Zieles. 2. Diese Mitarbeit soll sich darin ausdrücken, daß in Palästina diejenigen Be* dingungen geschaffen werden, die den Einwohnern Palästinas die Möglichkeit geben, nach Beendigung der Mandatsperiode das System eines autonomen Dominions im Rahmen des britischen Weltreiches einzuführen. 3. Die Liga erstrebt eine Befestigung, der Freundschaft zwischen dem englischen und dem jüdischen Volke; diese Freundschaft soll auf Gerechtigkeit, gemeinsamen Interessen und gemeinsamen Idealen basieren. Die Liga wird ihre Ziele zu verwirklichen suchen durch Pressepropaganda, auf parlamentarischem Weg, durch Sicherung der gesetzlichen und administrativen Verhältnisse, wie a) Entwicklung der jetzigen Siedlung und Vermehrung der jüdischen Bevölkerung bis zu jenen Grenzen, die zur Verwirklichung der erwähnten Ziele nötig sind; b) Durchführung einer planmäßigen Kolonisation der Juden in Palästina in Zusammenarbeit mit der Jewish Agency; c) Wahrnehmung der Interessen der Araber in der Richtung, daß ihnen die im Lande vor dringende westliche Zivilisation immer mehr zugänglich gemacht wird; d) allmähliche Heranziehung einer immer größeren Zahl Juden in die zivile Administration und Vervollkommnung dieser Administration; e) Gleichstellung Palästinas mit den anderen Dominien in allen Angelegenheiten, wie Anleihe, Kolonisation, Handelsunternehmumgen usw.; f) Entwicklung sich selbst verwaltender lokaler Institutionen bei gleichzeitiger Beibehaltung der Kontrolle über die palästinensische Administration durch das britische Parlament bis zu einer Zeit, wo eine Majorität aus Juden und Arabern eine parlamentarische Regierung fordern wird; g) alle Rechte und Privilegien englischer Bürger sollen den Palästina-Bürgern zuerkannt werden.. .... Der Beitritt zur Liga steh.1 allen Freunden der zionistischen Bewegung ohne Unterschied' von" Nation und Religion offen.. In allen Teilen des'British' Empire sowie in Palästina werden Abteilungen der Liga geschaffen. Die Liga widmet sich insbesondere: a) der Propagierung ihrer Ziele unter dem englischen Volke und unter den Juden in allen Ländern; b) der Verbreitung von Informationen über die Liga inf Palästina; c) der Ausarbeitung entsprechender Vorschlage' über Administration und Gesetzgebung in Palästina, die zu gegebener Zeit der britischen Regierung vorgelegt werden sollen. Aus der Wiener: J Judengemeinde. Der Ausgleich auf Kosten des allgemeinen " Wahlrechtes. Die Berliner „Jüdische Rundschau" brachte die Meldung ihres Wiener Korrespondenten, daß die Wiener zionistischen Kultusmandatare, um die von der „Union" angedrohte Neuwahl zu verhüten, sich verpflichtet hatten, die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrechte für Männer und Frauen ein Jahr hindurch im PJenum nicht zur Sprache^zu bringen.. Eüne. Nachricht, welche in der „Neuen Welt" eine Woche früher auch gemeldet wurde. Der Klub der zionistischen Mandatare veröffentlichte eine Erklärung, in welcher die Meldung der Berliner „Jüdischen Rundschau" als unrichtig hingestejllt. wurde.. Nun berichtet das Organ der „Union" triumphierend, daß die Zionisten, durch die Androhung von Neuwahlen erschreckt, die Forderungen der „Union", vor allem (die Forderun« nach Rückstellung des Antrages auf Einführung des allgemeinen Wahlrechtes, restlos angenommen halben. Die „Wahrheit" berichtet über das am 29. Jänner 1929 getroffene Uebereirfkommen: „In der gemeinsamen Konferenz der Vertreter der drei Parteien kam es zu einer Einigung. Die Zionisten hatten erkannt, daß der Wääle der uniorolstisctoen Vertreter nicht zu erschüttern war. Sie hatten erfahren, daß die R'DcWegungserklMriingen aller auf -der Liste der „Union" stehenden Vorstandsmitglieder und Nachmänner bereits vorbereitet waren. Die sofortigen Neuwahlen waren also unvermeidlich geworden, wenu die gegnerischen Parteien auf ihrem Standpunkte verblieben wären. Jetzt lenkten sie ein und gaben die Erklärung aib, daßdas Plenum mit allen Anträgen betreffend Wahlreform, Statutenänderung usw. bis nach Verabschiedung des Voranschlages pro 1930 verschont bleiben solie und werde. Die zu bildende Statuten- und Wahlreformkommfesion werde sohin den ersten Bericht und Antrag an das Plenum erst nach Verabschiedung des Voranschlages pro 1930 stellen dürfen, wobei die Geschäfts- Josef und Rebekka Preiß 1 beehren sich hiermit die Geburt einer Tochter mit dem Namen „Mirjam" anzuzeigen, führung der Gemeinde, wie es vom Klub der Union gewünscht wurde, von zweckiosen Wahlreformdebatten zumindest bis zur Verabschiedung des Voranschlages pro 1930 endgffltig befreit blefbt. Die Befassnng des Plenums mit Angelegenheiten der Statuten, der Wahlordnung oder der Geschäftsordnung mit Umgehung der Kommissionen durch Dringlichkeitsanträge, Initiativanträge oder auf sonst 'irgend eine Weise während dieses Zeitraumes darf nicht erfolgen. Das Budgetprovisorium wird bewilligt und es wird im Laufe des Monates Februar Und März das ordentJiche Budget beraten und beschlossen werden." Daraus geht hervor, daß die zionistischen Mandatare, um nur Neuwahlen zu vermeiden, die zionistische Hauptforderung nach dem allgemeinen Wahlrechte auf Befehl der „Union" zurückgestellt und preisgegeben haben. Um dieses Vorgehen zu verdecken, hat man zu der noch bedauerlicheren Form der Aibleugnung vor der Öffentlichkeit gegriffen. Beides ist unzionistisch, denn das Merkmal der zionistischen Politik war bisher die von allen — auch von den Feinden — anerkannte Ehrlichkeit und Offenheit. Der Vorfall zeigt, wie berechtigt die Weigerung der demokratischen Zionisten war, für diese Politik die Verantwortung zu übernehmen. Er ist aber auch bezeichnend für den Umstand, daß die derzeitigen Führer der Organisation — darunter die zionistischen Kultusmandatare — die Vorschläge der demokratischen Zionisten, ihnen durch ein gerechtes Wahlrecht in der zJomistischen Organisation die Mitarbeit zu ermöglichen, abgewiesen haben und daher am bevorstehenden Parteitage eine starke Gruppe der bewährtesten und treuesten Zionisten nicht teilnehmen wird. NEU ERÖFFNETE REICHHALTIGE MODERNE LEIHBIBLIOTHEK DPR BÜCHERSTUBE M. RATH WB EN, II., TAB OR STRASSE Nr. 20a TEL. R-I3-1-58. . , . ALLE NEUERSCHEINUNGEN» REICHE AUSWAHL IN HEBRAfKA UND JUDAIKA in englischer und französischer Literatur MONATSGEBÜHR NUR $ 3 - L KEINE BANDGEBÜHR TÄGLICHEM UMTAUSCH I Bitte an die amerikanisch-jüdischen' Eltern, das große Erbe unseres Volkes ihren Kindern nicht vorzuenthalten. Die jüdische Erziehung ist zu wichtig, als daß es bei einer Stunde oder, anderthalb Stunden .Religionsunterricht in der Woche sein Bewenden haben könnte. Der jüdische Unterricht muß eine wesentliche Rolle im Leben des jüdischen Kindes spielen. Das zweite Problem betrifft das Aufbauwerk des Joint Distribution Ci-mmittee in Europa. Die Erfüllung dieser Aufgabe ist noch im Gange; es: ist noch nicht alles getan, was getan werden müßte. Was das dritte Problem, den Aufbau Palästinas, betrifft, so gilt das Wort: Palästina ist Sache jedes Juden. Wer sich Jude nennt, kann und darf Palästina nicht gleichgültig gegenüberstehen, sondern muß helfen, das Land der Propheten emporzubringen. Die Zionisten, die die Initiative zu diesem Werk ergriffen h a b e n, verdienen Anerkennung, aber Palästina ist nicht allein ein Problem für Zionisten, es ist ein Problem, zu dessen Lösung alle Juden herangezogen werden müssen. Dies hat ein zweites Gutes im Gefolge: die Vereinigung der Jurlenheit zu einem gemeinsamen Ziel. Wenn wir diese drei Probleme gelöst haben, so werden auch die übrigen jüdischen Fragen leicht zu lösen sein. Die wichtigsten Probleme der amerikanischen Judenheit. Eine Rede Louis Marshalls. Aus New York meldet die J. T. A.: In der Eröffnungssitzung der Konvention de9 Ordens Buei Brith, hielt Louis Mars ha 11, Präsident der American Jewish hielt Louis M a r s h a 11 Präsident des Amerikan Jewish Committee, eine Ansprache, in der er darauf hinwies, daß die amerikanische Judenheit drei wichtige Probleme! zu lösen habe: JDd'sche Erziehung der heranwacl senden Generation, Durchführung der Hilfsarbeit in Europa und Aufbau . Palästinas. Bei dem ersten Problem handelt es sich um nichts weniger als um die Erhaltung des Judentums in Amerika. Ich richte, sagte Marshall, die dringende Gegen die Bezeichnung „mosaisch". Wir haben berichtet, daß anläßlich der letzten Volkszählung in Deutschland die Juden ungefähr dreißig verschiedene Worte. zur Kennzeichnung ihrer Religionszugehörigkeit benützten.'Im „Hamburger, Israelitischen Familienblatt" stellt der Rabbiner von Bremen, Dr. Felix Aber, die Forderung auf, diesem Wirrwarr der Bezeichnungen ein Ende' zu bereiten. Er schlägt die Bezeichnung „jüdisch", beziehungsweise „Jüdische Gemeinde" für den allgemeinen Qebrauch vor, weil alle anderen Bezeichnungen, wie Insbesondere „israelitisch" und „m o s a I s c h", aus der Zeit der jüdischen Selbsterniedrigung, aus der Zeit um die Judeaiemanzipation i CAFE PRODUKTENBÖRSE Wien, II., Taborstraße 10 Monumentalstes Kaffeehaus Wiens Behag ich durchwatmtl Rauch- und dunstfrei. Ausgezeichnet ^en liiert. Am Abend: Tieffpunkt der jüdischen Intelligenz und der Zionisten aller Richtungen sowie der jüdischakademischen Korporationen und Vtrelne AfhtimM Zwei Prozent der gesamten Abendlosung werden HII1IUII5I allmonatlich dem Keron-Kajemeth zugeführt stammen und Produkte der Feigheit und Charakterlosigkeit sind. Er schreibt unter anderem: Ich denke besonders an eine Bezeichnung, das Wort „M 0 s a i s c h". Niemand wird bestreiten, daß dieses Wort in jüdischen Kreisen absolut kein Heimatsrecht gefunden hat. Mosaisch als Religionsbezeichnung des Judentums, dürfte man in dem unermeßlich großen jüdischen Schrifttum kaum nachweisen können. Es ist ein Wort, das in diesem Sinne nicht auf jüdischem Boden erstand, sondern in den Kanzleien der Regierungen geprägt wurde. Es gibt, um nur ein Beispiel zu nennen, ganze Gebietsteile Deutschlands, die bei der Wohnungszählung jeweils am 10. Oktober in die Formulare von jüdischer Seite die Bezeichnung „mosaisch" fordern. Aber nicht nur deshalb, weil diese Bezeichnung ein aufgezwungener Ausdruck der Kanzleien ist, müssen wir ihre Beseitigung erstreben, sondern auch weil die' Umstände, die dieses Wort schufen, in eine Zeit des Tiefstandes des jüdischen Selbstbewußtseins fallen. Es ist historisch verständlich und berührt uns doch immer wieder eigenartig» daß unsere Vorfahren in den Emanzipationskämpfen die Beseitigung des Wortes „Jude" erstrebten. Die Juden von Anhalt-Dessau standen nicht allein, wenn sie in den Vorschlägen ihrer Judenältesten an die Regierung als zweiten Punkt ihrer Forderung aufstellten: Der Name „Jude" müßte ganz aufhören, an dessen Stelle „Israeliten" oder „israelitische Untertanen" treten. Aehnlich dachte man auch im Kreise David Friedländers, und die liberale Regierung Friedrich Wilhelms III. glaubte diesen Empfindungen Rechnung tragen zu müssen. So wurden schon im Jahre .1811 die Ministerialbeamten der Regierung Hardenberg angewiesen, im amtlichen Schriftwechsel statt des verächtlich klingenden Wortes „Juden" die Bezeichnung „Israeliten" oder „mosaische Glaubensgenossen" zu gebrauchen. Bei der Vorlage des Gesetzes der Judene emanzipaiion jedoch gab Friedrich Wilhelm III. am 6. März 1812 die Anweisung, die Vorschrift zu streichen, wonach der Name „Jude" durch eine e h r en vo 11 e r e Bezeichnung wie etwa „Mosaist" ersetzt werden sollte. Aber die Beseitigung der Bezeichnung, „mosaisch" ist noch aus einem anderen Grunde zu fordern. Es war nicht allein das Bestreben, die Emfindungen der Juden zu schonen, das zur Prägung dieses Wortes! führte, sondern noch etwas anderes. Wer die Streit- Schriften der Emanzipationsepochen kennt, weiß, daß in ihnen die Forderung eine große Rolle spielt, den Juden erst dann die Emanzipation zu gewähren» wenn sie von den Geboten der mündlichen Lehre» insbesondere vom T a 1 m u d, sich selber emanzipieren würden. Dem Talmud wurde — wir brauchen nicht erst zu sagen: sehr zu unrecht — die Schuld an der Entartung der Juden gegeben. Er mußte der Sündenbock sein für die, die die Juden in maßloser Weise bedrückt und entrechtet hatten. Diese Anschauungen wurden ja im Kreise um David Friedländer herum durchaus geteilt. Wie man hier den Katechismus des Judentums nach dem Muster des protestantischen schaffen wollte, so wollte man auch die Bezeichnung der eigenen Religion in ähnlicher Weise bilden, wie die des herrschenden Bekenntnisses.- Den Regierungen konnfe eine solche Einstellung nur recht sein, denn sie wollten ja nicht das Judentum in seinem ganzen Umfang emanzipieren, sondern nur die Juden, soweit sie sich vom Talmud loszusagen bereit waren und sich auf die Lehre Moses beschränken wollten, gleich als ob bei dsr unlösbaren Verbundenheit von mündlicher und schriftlicher Lehre eine solche Scheidung möglich |ware. Die Bezeichnung „mosaisch" war ein Programm, das die Regierung aufstellte und das das Reformjudentum mit Samuel Holdheim an der Spitze zu erfüllen sich beeilte. Die moderne Zeit aber gibt den Staaten nicht mehr das Recht, in solcher Weise auf die inneren Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften Einfluß zu nehmen. Und aus diesem Grunde ist heutzutage die Bezeichnung „mosaisch" als für das Judentum -unzutreffend abzulehnen. Wenn es gilt, zu dem Worte sich zu bekennen: „Mose ist die Wahrheit und seine . Lehre die Wahrheit", mag das Wort mosaisch weiter zu Recht bestehen als Bekenntnis zur Lehre Moses. Aber aus den amtlichen Schriftstücken als Bezeichnung der Zugehörigkeit zur jüdischen Religion soll es lieber heute als moi* gen verschwinden. Nathan K'ein Regina Fiebach Lutowiska Jaeienica b. Brzozöw empfehlen sich als Verlobte Im Februar 1929

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